Der Schötz-Hof – früher „der halbe Bergbauernhof“ Hs.Nr. 34

in Agendorf

 

 

1760: ½ Ortbau – 1808: Hs.Nr. 1

heute Mitterfelser Str. 2

 

von Claudia Heigl

 

 

Wie bei allen Höfen in Agendorf war auch bei diesem Hof das Domkapitel Augsburg der Grundherr.

Im Jahr 1535 verkauft das Domkapitel Augsburg seine Rechte an der Stadt Straubing sowie an verschiedenen Gütern, darunter auch das Dorf Agendorf, an Herzog Ludwig X. von Bayern. Der Grundherr des Hofes ist damit bis ins 19. Jahrhundert der Herzog von Bayern. Der Besitz wird vom Rentkastenamt Straubing verwaltet, das die Steuern einzieht. Diese Güter werden auch als „propsteiische Güter“ bezeichnet.

 

Familie Foidl

Im Steuerbuch von 1578 erscheint Georg Feuerl als Besitzer von „zwei Viertelbaus“. Dabei ist vermerkt, dass zuvor Michael Hartberger den Hof inne hatte. Der Wert des Besitzes wird mit 30 Pfund Regensburger Pfennigen angegeben.1

Im Salbuch von 1579 wird der Hof näher beschrieben. Georg Feuerl besitzt den Hof im Erbrecht aufgrund eines Kaufbriefes aus dem Jahr 1530. Zum Anwesen gehören eine hölzerne Behausung, ein Stadl mit Tenne, ein Stall sowie ein Backofen, alles in mittelmäßiger Bauweise. Dies lässt vermuten, dass Georg Feuerl in den Hof eingeheiratet hat.2

Zur gleichen Zeit sitzt ein Andreas Foierl als Bauer auf dem nahegelegenen Kindlasberg. Die Familie Feuerl (auch Foyerl, Voyerl, später Foidl) ist dort bereits 1529 nachgewiesen. Der Familienname könnte sich vom „Vayer Kündlasperger“ ableiten (siehe auch Kindlasberg).
Georg Feuerl stammt möglicherweise von diesem Hof ab, was auch den späteren Hofnamen „Bergbauernhof“ erklären würde.3

 

uraufnahme kopie

Der Hof bekam 1838 die Hs.Nr. 34
 Uraufnahme aus dem Jahr 1827
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

Nachfolger ist laut Salbuch ein Michael Foitl, vermutlich ein Sohn Georg Feuerls. Ihm folgt wiederum ein Sohn namens Georg Foyerl.

Von diesem Georg Foyerl liegen mehrere Urkunden vor. Er ist mit einer Frau namens Ursula verheiratet. Im Jahr 1610 verkaufen er und seine Ehefrau zwei Tagwerk Wiese samt einem Acker, dem sogenannten Großacker, an den Bauern Michael Wenzl von Hoerabach. Den Grundbesitz hat Georg von seinen Geschwistern nach dem Tod des Vaters geerbt.4

Von dem Ehepaar sind mindestens acht Kinder nachgewiesen:
- Jodokus (auch Jobst) (1601-1681), Bauer in Agendorf Nr. 35
- Michael, wanderte nach Wien aus und starb dort um 1663 5
- Georg, ist bei der Erbverteilung im Jahr 1663 bereits seit 37 Jahren verschollen. „Keiner wisse, ob er noch lebt“.5 6
- Sebastian (1621-1681), Söldner in Agendorf Hs.Nr. 37
- Magdalena  heiratet 1661 Michael Haimerl, Bauer in Unterparkstetten und 1673 Ambros Trostmayer
- Maria, ist 1664 noch unverheiratet
- Michael (1626-1697), Hoferbe
- Ursula (+1692) heiratet 1650 in Steinach den Witwer und Bauern Michael Obermayer von Niedermenach und 1662 Georg Sollinger

 

Dass zwei lebende Söhne den Namen Michael tragen, ist im 17. Jahrhundert nicht ungewöhnlich. Immer wieder erreichen Geschwister mit gleichen Vornamen das Erwachsenenalter. Häufig geben die Taufpaten den Ausschlag für die Namenswahl. Wechseln die Paten und tragen zufällig denselben Vornamen, erhält auch das nachgeborene Kind erneut diesen Namen.

 

Der Dreißigjährige Krieg

Zwischen 1633 und 1648 wird die Gegend dreimal von schwedischen Soldaten heimgesucht. Sie plündern und töten rücksichtslos. Dazwischen ziehen auch immer wieder bayerische Truppen durch das Land und nehmen sich von den Bauern, was sie benötigen.

Von den neun Höfen in Agendorf überlebt nur die Familie Foidl die Überfälle beziehungsweise ist auch nach dem Krieg noch auf ihrem Hof ansässig (siehe auch Dreißigjähriger Krieg). Auch Georg Foyerl überlebt den Krieg nicht. Bis 1644 entrichtet seine Ehefrau Ursula noch die Abgaben für den Hof.

Im Schmalzregister führt Ursula in den Jahren 1641 und 1642 jeweils fünf Gulden an das Kastenamt Straubing ab. Zwischen 1643 und 1646 werden jährlich zehn Gulden abgeführt, 1647 wieder nur fünf Gulden. Im Jahr 1648 zahlt keiner der Agendorfer Höfe eine Abgabe. 1649 werden wieder fünf Gulden, 1650 zehn Gulden entrichtet.7

 

Am 18.01.1644 übernimmt während des Dreißigjährigen Krieges der jüngste Sohn Michael den Hof.8
Er heiratet im selben Jahr die Bauerstochter Anna Wintermayer von Weingarten bei Mitterfels. Als Heiratsgut bringt die Braut 120 Gulden sowie ein Bett und eine Kuh in die Ehe ein.9

Als sich Michael Foidl beim dritten schwedischen Überfall im Jahr 1647 in das Schloss Steinach flüchtet, nehmen ihm die Soldaten dort drei Rösser ab. Insgesamt plündern 62 Reiter das Schloss und erschießen auch den Steinacher Hofmarksrichter Albert Dietlmayer. Im Jahr 1648 stellt der Straubinger Rentmeister Wolf Jakob Freyman dem Bauern einen Schein aus, nachdem eines der Pferde wiedergefunden wird und Michael es zurückerhält.10

Elf Kinder kommen in der Ehe zur Welt, von denen mindestens fünf im Kindsalter sterben:
- Walburga (*30.03.1645)
- Maria (*02.12.1646) bringt am 27.05.1675 einen unehelichen Sohn namens Georg zur Welt. Als Vater ist Johann Unger, Sohn des Leonhard Unger, Bauer in Unterniedersteinach angegeben.
- Konrad (*03.02.1649 + 15.09.1649)
- Andreas (*21.11.1650  + 28.11.1650)
- Vitus (*09.06.1652  + 16.06.1652)
- Johann (*14.11.1653  + 25.03.1654)
- Apollonia (*28.07.1655) heiratet am 22.01.1676 Jakob Unger, Bauer in Unterniedersteinach Nr. 4. Die Trauung findet am Krankenbett statt.11  Vier Tage nach der Hochzeit stirbt Jakob. Der weitere Lebensweg von Apollonia ist unbekannt.
- Adam (*01.01.1658  + 29.03.1683)
- Gregor (*26.02.1660)
- Gregor (*07.04.1663), Hoferbe
- Magdalena (*20.07.1666) heiratet am 24.11.1687 in Steinach Mathias Gruber Bauerssohn von Steinach Nr. 11

 

Am 31.08.1686 übergeben Michael und Anna Foidl den Hof an ihren Sohn Gregor.12 Zwei Monate später heiratet dieser die Bauerstochter Anna Riedl von Agendorf Nr. 38.
Das Ehepaar bekommt acht Kinder:
- Margaretha (*15.07.1688  +19.07.1688)
- Ursula (*06.10.1689  +05.01.1690)
- Maria (*09.02.1691) heiratet 1713 in Steinach den Halbbauerssohn Christoph Holzer von Steinburg und lebt mit ihrer Familie in Steinach.
- Apollonia (*01.03.1693) heiratet 1711 in Hunderdorf den Halbbauerssohn Norbert Holzer von Steinburg
- Johann (*01.05.1695)
- Sebastian (*20.01.1697)
- Maria (*07.12.1698)
- Michael (*31.07.1700) heiratet 1727 die Tagelöhnerstochter Katharina Diez von Steinach und erwirbt später mit ihr das Söldenanwesen Hs.Nr. 41 in Steinach.

 

Im Jahr 1704 stirbt Gregor im Alter von 41 Jahren. Seine Witwe heiratet in zweiter Ehe den Bauerssohn Stephan Roßhaupter (auch Roßhäutpl) von Oberzeitldorn. 1710 verkauft das Ehepaar den Hof. Ihr weiterer Lebensweg ist nicht bekannt.

 

Foidl Besitzer

 

 

Ab 1710 im Familienbesitz der Familie Zeindlmayer – Bachl - Schötz

Ab dem Jahr 1710 befindet sich der Hof im Besitz der Familie Zeindlmayer. Als neue Besitzer kommen Maria und Georg Zeindlmayer auf den Hof.

Georg Zeindlmayer (auch Zeitlmayr geschrieben) ist der Sohn der Wirtsleute Sebastian und Ursula Zeindlmayer. Er wird 1673 in Unterparkstetten geboren und zieht 1683 mit seinen Eltern nach Muckenwinkling. Die Familie Zeindlmayer ist bereits 1640 in Unterparkstetten nachweisbar, wobei der Familienname in den Kirchenbüchern lediglich als „Zeindl“ erscheint.

Im Jahr 1703 heiratet Georg die Bauerstochter Maria Bachl von Trudendorf Nr. 73. Zunächst lebt die Familie in Trudendorf, wo auch die beiden ersten Kinder zur Welt kommen.

Fünf Kinder des Ehepaares sind bekannt:
- Katharina (*25.11.1707) heiratet 1733 den Bauern Vitus Fuchs von Schmelling
- Georg (*13.01.1710), Hoferbe
- Ursula (*14.10.1713) heiratet 1739 den Bauern Sebastian Rothamer von Wolferszell Nr. 15
- Maria heiratet 1736 in Steinach den Bauerssohn Michael Stubenhofer von Gschwendt und wird mit ihrem Ehemann in Hof bei Stallwang sesshaft.
- Eva (*19.05.1716) heiratet 1743 den Bauern Mathias Eisenharter von Aign

 

Im Jahr 1732 übernimmt der einzige Sohn Georg Zeindlmayer den Hof von seinen Eltern. Vier Jahre später heiratet er die Bauerstochter Anna Maria Kain von Unterparkstetten Nr. 33 (heute Bogener Str. 26).

Fünf Kinder kommen in der Ehe zur Welt:
- Maria Magdalena (1738-1814) heiratet 1763 den Bauern Jakob Dietl von Wolferszell Nr. 19
- Maria Anna (1742-1828) heiratet 1767 den Bauern Johann Georg Schirmbrand von Agendorf Nr. 39
- Maria Theresia (*1745) heiratet 1774 den Bauern Johann Simon Spießl von Münster Nr. 30, 1790 Johann Georg Färber und 1798 Simon Sieber.
- Anna Maria (1749-1790) heiratet 1785 den Bauern Paul Groß von Unterhartberg Nr. 74
- Johann Georg (1756-1832), Hoferbe

 

Im Jahr 1785 übernimmt erneut der einzige Sohn Johann Georg das Anwesen. Seine Ehefrau wird die Bauerstochter Maria Magdalena Foidl von Agendorf Nr. 38 (heute Kettl).

Wieder kommen fünf Kinder zur Welt:
- Joseph (1787-1830), übernimmt 1813 den Hof von seinem Onkel Johann Georg Foidl in Agendorf Nr. 38
- Katharina (1790-1828) Hoferbin
- Magdalena (1796-1803), stirbt mit 7 Jahren an Blattern
- Anna Maria (1798-1870) heiratet 1826 den Bauern Michael Bachl von Pellham Nr. 28
- Anna (*1801) heiratet 1834 in Straubing/St. Jakob den Bauerssohn Andreas Foidl von Rotham. Das Ehepaar lebt in Straubing.

 

Zeindlmayer Besitzer

Nachdem der einzige Sohn Josef 1813 den Hof vom Bruder seiner Mutter, Johann Georg Foidl in Agendorf, übernommen hat, übergeben die Eltern ihr Anwesen am 10.03.1822 an ihre älteste Tochter Katharina Zeindlmayer. Diese heiratet den Bauerssohn Jakob Bachl von Pellham, mit dem sie bereits eine vorehelich geborene Tochter hat, die auf den Namen Katharina getauft wurde.

Vier Jahre später heiratet ihre Schwester Anna Maria in den Bachl-Hof in Pellham ein.

 

Katharina bringt nochmals vier Kinder zur Welt, wobei die Geburten mit großen Schwierigkeiten verbunden sind.
Drei Kinder sterben unmittelbar bei oder kurz nach der schweren Geburt. Auch die hinzugezogenen Landärzte können zweimal nur die Mutter retten.
- Katharina (*1819)
- Anonymus (*+1824)
- Michael (1825-1877), Hoferbe
- Anonymus (*+1827)
- Anonymus (*+1828)

Die fünfte Geburt kostet Katharina das Leben. Sechs Tage nach ihrem Sohn stirbt auch die Wöchnerin.
Der Pfarrer vermerkt hierzu in Kirchenbuch: „Eine wahrhaft fromme Mutter und gläubige Christin, eine friedfertige Frau, die sich durch Geduld und Beständigkeit bis ans Ende auszeichnete und in das Leben der Heiligen einging.“

Der Witwer geht eine zweite Ehe mit der Wolferszeller Bauerstochter Katharina Weber ein.
Aus der Verbindung gehen keine weiteren Kinder mehr hervor.

Der einzige Sohn Michael übernimmt 1854 den Hof und heiratet die Bauerstochter Therese Heisinger von Hoerabach.
Das Ehepaar hat drei Kinder:
- Karolina (*1855)
- Johann Baptist (1857-1910) heiratet 1891 in den Helmbrecht-Hof in Steinach Nr. 45 (heute Foidl) ein.
- Michael (1858-1896), Hoferbe

Michael erkrankt schwer an einer Gliederkrankheit. Kurz vor seinem Tod übergibt er 1877 seinem noch minderjährigen, 19-jährigen Sohn Michael jun.. Zum Vormund wird sein Schwager Johann Heisinger von Hoerabach bestellt. Dem Bruder Johann muss der Hoferbe 7000 Gulden und seiner Schwester Karolina 6000 Gulden und zwei Kühe als Heiratsgut ausbezahlen.
Vier Tage nach der Übergabe stirbt der 52-jährige. Seine Ehefrau Therese war bereits sechs Jahre zuvor im Alter von 50 Jahren an Blattern verstorben.

Zwei Jahre später heiratet Michael Bachl die Rothamer Bauerstochter Katharina Rothamer.
Aus der Ehe gehen zehn Kinder hervor, von denen zwei im Säuglingsalter sterben:
- Johann Baptist (1880-1957), Hoferbe
- Theresia (*1881)
- Michael (*1882)
- Katharina (*1885) heiratet 1913 den Bauern Johann Ruhland von Ittling
- Maria (*+1886)
- Maria (1887-1941), bleibt unverheiratet auf dem Hof
- Karl (1888-1925), ist Bräumeister in Falkenfels, stirbt unverheiratet auf dem Hof
- Karolina (1891-1965), verh. Kienberger in Wetzelsberg
- Ludwig (*1893)
- Kreszenz (*+1894)

 

Im Jahr 1896 stirbt der 37-jährige Bauer Michael Bachl an Lungenschwindsucht. Er hinterlässt acht Kinder im Alter zwischen 16 und 3 Jahren.

Gegen den damaligen Gepflogenheiten heiratet die 36-jährige Witwe nicht erneut, sondern bewirtschaftet den Hof selbständig weiter.

1921 übergibt sie den Hof an ihren ältesten Sohn Johann. Der 41-jährige heiratet die Bauerstochter Katharina Hilmer von Wiesenzell.
Aus der Ehe gehen vier Töchter hervor.

Am 13.07.1932 stirbt die Seniorbäuerin Katharina Bachl geb. Rothamer im Alter von 72 Jahren. Vier Monate später stirbt auch ihre Schwiegertochter Katharina geb. Hilmer im Alter von 46 Jahren.

Der Witwer heiratet nicht erneut und zieht seine vier Töchter, die beim Tod der Mutter zwischen vier und elf Jahre sind, mit Hilfe seiner Schwester auf.

 

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aufgenommen ca. 1980
Quelle: Familie Schötz, Agendorf

 

Im Jahr 1949 übergibt er den Hof an seine älteste Tochter Maria Bachl, die noch im gleichen Jahr Mathias Schötz von Untermiethnach heiratet.

 

Bachl Besitzer

 

 

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Der Schötz-Hof
aufgenommen 2018
Bild: Claudia Heigl

 

 

 

1 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing B99, Steuerbuch des fürstl. Kastenamts Straubing 1578
2 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing B39, Sal- und Urbarsbuch über die propsteiischen Lehengüter des Rentkastenamts Straubing, 1579, fol. 53‘
3 Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokoll der Steuergemeinde Agendorf von 1836. Hier wird der Hof als Bergbauernhof bezeichnet.
4 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P28, fol.71  Kaufvertrag über zwei Tagwerk Wiesmad vom 10.07.1610
5 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P59 II,  fol.213  Bürgschaft ex 51 fl. vom 09.02.1663
6 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P59 III,  fol.458   Quittung um bezahltes Erbteil  1664
7 StA LandshutRentkastenamt Straubing B90, Schmalzbuch des Kastenamtes Straubing 1641 - 1650
8 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P 66 I,  fol. 74  Übergabebrief vom 31.08.1686
9 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P56,  fol.34  Heiratsbrief vom 07.10.1656
10 BZA Regensburg, Pfarrmatrikel Steinach Bd.11/22, S. 36
11 BZA Regensburg, Pfarrmatrikel Kirchroth Bd.1, S. 210
12 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P 66 I,  fol. 74  Übergabebrief vom 31.08.1686

 

Weitere Quellen:
BayHStA Kurbayern Hofkammer 515, Konskription des Hauptkastenamts Straubing Amt Trudendorf von 1760

StA Landshut, Rentamt Straubing B130, Häuser- und Rustikalsteuerkataster Trudendorf incl Agendorf 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B131, Umschreibebuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster Trudendorf incl Agendorf 1814 - 1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokoll der Steuergemeinde Agendorf von 1836
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9932 Umschreibeheft zum Grundsteuerkataster von Agendorf 1843 - 1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9935 Umschreibeheft zum Grundsteuerkataster von Agendorf 1859 - 1894
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9939 Umschreibeheft zum Grundsteuerkataster von Agendorf 1894 - 1960
BZA Regensburg, Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach
Kulturkreis Josef Schlicht e.V., Jahresheft 1993/94, Ausgabe 2/1994

 

Veröffentlicht: 01.02.2026

 

 

Das 1/16 Schustergütl in Gschwendt Hs.Nr. 14

 

heute Ortfeldweg 2

 

von Cornelia Landstorfer

 

Das Haus Nr. 14 in Gschwendt, im Volksmund „Beim Zimmermann“ genannt, ist ein kleines Anwesen, das über die Jahrhunderte wechselnde Besitzer, Berufe und Familiengeschichten erlebt hat. Der Grundherr des Hauses war das Bürgerspital Straubing. Die Gewerbe wechselten vom Weber zum Schuster, Zimmerer und wieder zurück zum Weber.

 

uraufnahme 2

Uraufnahme aus dem Jahr 1827
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

 

1708 – Kauf durch Michael Meindl

Am 29. Februar 1708 erwarb der Weber Michael Meindl aus Rotham gemeinsam mit seiner Frau Maria, geb. Wartner aus Scheibelsgrub das kleine Häusl in Gschwendt.
Er und seine Frau wohnten vorher in Dunk, wo auch Tochter Walburga (*1705) zur Welt kam. 1709 folgte Sohn Lorenz, als die Familie bereits in Gschwendt wohnte.
Nach dem Tod seiner Frau heiratete er am 18. November 1720 Eva Hackel aus Riederszell.
1721 wird Tochter Maria geboren, 1722 folgt Sohn Adam, 1724 Michael, 1725 Mathias, (1727-1742) Barbara, 1729 Lorenz, 1732 Jakob, 1737 Barbara.

 

1743–1744 – Übergabe an die Töchter

Im Jahr 1743 übergab Michael Meindl das Anwesen an seine beiden Töchter Walburga Meindl (*1705) und Anna Maria Meindl. Ein Jahr später, 1744, heiratete Walburga den Schuster Andreas Schröttinger aus Wetzelsberg, wodurch das Anwesen den Hausnamen „Schustergütl“ erhielt. Im Jahr 1746 wurde ihre Tochter Anna Maria geboren.

 

 

Meindl Besitzer

 

 

gschwendt 1991

aufgenommen im September 1991
Quelle: Luftbildaufnahmen Pfarrer Gerhard Mass

 

 

1767–1802 – Die Holmer-Zeit beginnt

Anna Maria Schröttinger heiratete 1767 den Weber Mathias Holmer, Sohn des Bauern Andreas Holmer aus Ascha und seiner Frau Maria, geb. Lang.

„Der ehrsame Mathias Hollmer ledigenstands von Ascha der Baron Weichs-Hofmark Falkenfels gebürtig, seine Profession ein Zimmerergesell ist persönlich erschienen und geziemet zu vernehmen gegeben, dass er das von Andren Schröttinger, Schuhmacher ingehabte Erbrechtshäusl und Gärtl zu Gschwendt mittels Anheiratung der Schröttingerischen Tochter an sich gebracht hat.“ 17.10.1767. 1 

„Andre Schröttinger, Schuhmacher zu Gschwendt und Walburga dessen Ehefrau, Beistand Franz Xaver Hällmayr, Müller, bekennen und übergeben das Erbrechtshäusl und Gärtl zwischen dem Mühlbach und der Ortwiese zu Gschwendt, welche lt. Kaufbrief v. 29. Februar 1708 Michael Mändl käufl. an sich gebracht und 1743 während der Kriegszeit seiner leibl. Tochter Walburga Schröttinger und gleichfalls der geliebten Tochter Anna Maria und ihrem zukünftigen Ehemann Mathias Holmer, seine Profession ein Zimmergesell, übergeben hat.

Zeugen: Johann Georg Prengler und Joseph Schrötter, beide Schreiber zu Gschwendt. 07.10.1767.“ 2

In der Ehe werden sieben Kinder geboren:
03.10.1768        Martin
08.10.1769        Simon
27.04.1771        Johann
05.07.1773        Regina
10.08.1776        Mathias
18.06.1782        Johann Baptist
27.09.1784        Theresia

 

Der Sohn Matthias Holmer übernahm am 21. Dezember 1799 das Anwesen von seinem Vater für 140 Gulden3

„Mathias Hollmer, Häusler und Zimmermann zu Gschwendt und Maria, dessen Eheweib, anstatt welcher Stefan Hollmer abgeordnet, bekennen hiermit, [..] auch beiderseits aufhabend hohen Alters wegen übergeben zu haben den ingehabten und von ihrer Übergeber durch Erheiratung der Anna Maria Schrettinger, Häuslerswitwe an sich gebrachtes Häusl samt Gärtl, welches zum Spital erbrechtig grundbar ist, ihrem Sohn Mathias Hollmer um die Summe von 140 Gulden. Der Übernehmer muss seine vier Geschwister auszahlen:

  • Martin Hollmer, 33 Jahre alt, ein gelernter Mühler – dermal in der Fremde, unwissend, wo er sich befindet
  • Simon, 30 Jahre
  • Johann, 18 Jahre
  • Regina, 27 Jahre 21.12.1799.“ 4

 

Im Jahr 1802 heiratete Matthias Holmer Theresia Frankl, Tochter des Schusters Leonhard Frankl aus Forst.

„Der ehrbare Mathias Hollmer, Weber und Häusler von Gschwendt erscheint heute vor Gericht und bekennt, dass er sich mit der tugendsamen und selbst gegenwärtigen Theresia, Tochter des ehrbaren Leonhard Frankl, ½ Gütlers zu Forst und Katharina dessen Eheweib in ein eheliches Verlöbnis eingelassen hat. 10. 11.1802.“ 5

In der Ehe wurden fünf Kinder geboren:
20.08.1803        Mathias
15.07.1805        Jakob
19.08.1808        Katharina
15.01.1811        Sebastian
22.10.1812        Simon

Im Liquidationsprotokoll vom 6. November 1838 wird Matthias Holmer als Weber genannt.
Im Urkataster von 1842 erscheint er erneut als Besitzer, und das Anwesen wird als „1/16 Schustergütl – Beim Zimmermann“ bezeichnet.

 

kleinbauernhaus

Kleinbauernhaus. Eineinhalbgeschossig, mit Blockbau-Oberteil aus dem zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts
aufgenommen Juni 2017
Quelle: Wikipedia

 

Am 30. August 1845 übernahm sein Sohn Simon Holmer das Haus für 600 Gulden. Simon war mit Maria Lehner verheiratet und hatte mit ihr drei Kinder:
15.01.1847        Joseph
21.05.1849        Johann Baptist
29.10.1850        Katharina

 

1876–1878 – Johann Baptist Holmer

Nach dem Tod seines Vaters Simon erbte Johann Baptist Holmer am 3. Januar 1878 das Anwesen. Johann Baptist war Weber von Beruf und gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr Gschwendt, der er bereits am 21. Oktober 1876 beitrat. Seit 1876 war er mit Anna Gietlhuber aus Michelsneukirchen verheiratet.
Fünf Kinder gingen aus der Ehe hervor:
18.01.1877        Anna (+1918)
10.11.1878        Katharina
05.12.1881        Johann Baptist
08.04.1888        Alois
08.03.1890        Maria

 

 

 

1919–1937 – Übergabe an den Sohn

Im Jahr 1919 übernahm der Sohn Johann Baptist Holmer das Anwesen. Er heiratete Margaretha Dietl, Tochter des Söldners Georg Dietl aus Loitzendorf und seiner Frau Margaretha, geb. Zollner. Nach seinem Tod wurde 1937 seine Witwe Margaretha Holmer Alleinerbin des Hauses.6

 

Holmer Besitzer

 

 

 

1938 – Kauf durch Gottfried Bachmeier

Im Jahr 1938 erwarb Gottfried Bachmeier das Anwesen. Im selben Jahr heiratete er Maria Niedermeier aus Neukirchen. Der Kauf umfasste 6000 Reichsmark, inklusive 1500 Reichsmark Mobiliar, mit dem Hauptbesitz in Gschwendt Hs. Nr. 14 sowie Nebenbesitz in Ascha und Agendorf.

 

 

freiweilige feuerwehr

Freiwillige Feuerwehr Gschwendt: rechts Gottfried Bachmeier (Besitzer des Anwesens).
Links neben ihm Eduard Eyerer, Mitte Michael Landstorfer, Fahnenträger Konrad Landstorfer.
Bild ca. 1960 aufgenommen
Bild: Familie Landstorfer, Gschwendt

 

bachmeier hof

Bachmeier-Hof
aufgenommen vermutlich in den 1990er Jahren
Bild: Cornelia Landstorfer

 

 

Damit spannt sich die Chronik von 1708 bis 1940, zeigt die wechselseitigen Eigentumsverhältnisse, Familienverbindungen, Handwerksberufe und Besonderheiten des Hauses, insbesondere die Verbindung zu den Webern, Schustern und Zimmermann.

 

StA Landshut, Kommunalarchive, Rep. 219 (1589).
StALa, Kommunalarchive, Rep. 219 (1587).
StALa, Grundsteuerkataster 208.
StALa, Kommunalarchive, Rep. 219 (1594).
StALa, Kommunalarchive, Rep. 219 (1596).
StALa, Grundsteuerkataster 214.

 

Weitere Quelle:
BZAR Regensburg, Pfarrmatrikel Steinach

 

 

 

Der heutige Kirchenparkplatz – ehemals Wallner-Hof Hs.Nr. 64

 

1583: Die Sölde neben der Kaplanei – 1623: Schrettenloher Sölde – 1641: Georg Fuxens Sölden Häusl – 1691: Fleischbauernsölde –

1760: Fux Sölde – 1808: Hs.Nr. 18 Wallner Hof Hs.Nr. 18 – ab 1838: Hs.Nr. 64 Wallner-Anwesen

 

von Claudia Heigl

 

 

Heute erinnert nichts mehr daran, dass sich an der Stelle des heutigen Kirchenparkplatzes einst eine alte Hofstelle befand.

Der frühere Garten ist heute Teil des Friedhofes sowie des Grundstücks, auf dem die Alte Schule steht.

 

uraufnahme karte

Der Hof hat auf der Uraufnahme im Jahr 1827 die Hs.Nr. 65, später erhält er die Hs.Nr. 64
rechts der Vergleich von heute - Kirchenparkplatz, Friedhof, Alte Schule
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

 

1583 besitzt Michael Schretenloher die „Sölde neben der Kaplanei“ zur Freistift.1
Dies ist vergleichbar mit einem heutigen Pachtverhältnis. Meist wurde es auf drei oder sechs Jahre vergeben und musste dann wieder erneuert werden.

 

1623 finden wir darauf einen Georg Fuchs2zw. Andreas Fux3Er besitzt das Leibrecht. Als Wert der Sölde wird  5 Schilling Pfennige angegeben.
Leibrecht bedeutet, dass er das Nutzungsrecht lebenslang hat. Danach wird es neu vergeben.

 

1641 besitzt „Georg Fuxens Sölden Häusl“ ein Georg Schleinkofer auf Leibrecht.4

 

Als nächster Besitzer ist erst wieder Georg Grimm bekannt. Er heiratet ca. 1678 eine Margaretha. Da die Hochzeiten aus dieser Zeit im Kirchenbuch fehlen, hat er wahrscheinlich in den Hof eingeheiratet.

Er stammt vom Wiedenhof in Steinach Nr. 30 ab. Als Beruf übt er das Weberhandwerk aus.

Drei Kinder des Ehepaares sind bekannt:
- Wolfgang (*28.06.1681)
- Michael (*30.08.1682), Hofnachfolger
- Magdalena (*06.08.1684)

 

Die Geburt seines dritten Kindes erlebt Georg nicht mehr. Im April 1684 stirbt er mit 36 Jahren. Im November geht die Witwe erneut eine Ehe mit dem Bauerssohn Martin Semmelbauer von Zisterau ein, der sich ebenfalls als Weber seinen Lebensunterhalt verdient.

1699 wird die Sölde auf 25 Pfund Regensburger Pfennige geschätzt.5

 

Am 04.10.1705 übergeben Margaretha und Martin Semmelbauer die Erbrechtssölde an ihren Sohn bzw. Stiefsohn Michael Grimm. Dazu gehört noch ein Viertelbau, worauf Hans Klein, Söldner alhier, das Leibrecht hat.6

Zwei Jahre nach dem Tod seiner Ehefrau vermählt sich Martin Semmelbauer am 09.02.1722 erneut mit der Einwohnerstochter Ursula Wasl von Münster.
Doch dem Ehepaar ist kein Glück beschieden. Eine Woche nach der Hochzeit stirbt die 33-jährige. Martin folgt ihr drei Monate später auf den Friedhof.

  

Michael Grimm heiratet 1705 Jahr die Bauerstochter Anna Bründl von Muckenwinkling.
Das Paar bekommt vier Kinder:
- Wolfgang (* 03.10.1707)
- Johann Michael (*24.05.1714 + 06.06.1778) heiratet 1750 in Pfelling die Bauerstochter Walburga Edenhofer von Liepolding und übernimmt mit seiner Braut den Hof der Schwiegereltern in Liepolding Nr. 63
- Mathias (*21.09.1717), Hoferbe
- Georg (* 02.04.1721)

 

Sohn Mathias übernimmt 1755 den Hof und nimmt die Bauerstochter Christina Fuchs von Steinach Nr. 12 zur Ehefrau.

 

 

Grimm Besitzer

 

 

Wahrscheinlich zwischen 1792 und 1800 erwirbt die Witwe Magdalena Wallner vom Nachbarhof Hs.Nr. 66 das Anwesen.

 

Am 02.04.1800 übergibt sie den Hof an ihren Sohn Joseph.
1803 heiratet dieser die Bäckerstochter Walburga Röckl von Steinach.

Fünf Kinder kommen in der Ehe zur Welt:
- Joseph (*1805)
- Anna Maria (*1806)
- Georg (*1808)
- Joseph (*1813)
- Johann Evangelist (1819-1880), Hoferbe

 

1861 übernimmt der jüngste Sohn Johann den Hof. Seine Braut ist die Hafnerstochter Anna Fuchs vom Nachbarhof Hs.Nr. 63.
Eine einzige Tochter stirbt mit drei Wochen.

 

Wallner Besitzer

 

 

 

Am 23.10.1878 verkauft das kinderlose Ehepaar das Anwesen an Andreas und Johanna Buchner.

Andreas war vorher als Müller in Steinburg ansässig. Nach der Übergabe der Mühle an seinen Sohn Josef, erwirbt er in Steinach das Anwesen.

 

1888 übernimmt Georg Buchner, ein Sohn aus erster Ehe des Andreas, den Hof. Als Ehefrau nimmt er die Gütlerstochter Katharina Eyerer von Gschwendt.

 

Buchner Besitzer

 

 

 

Das Haus wird eine Lehrerdienstwohnung

 

Am 14.04.1902 erwirbt die Gemeinde Steinach das Wohnhaus mit dem Garten um 8.000 Mark.

 

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Das Lehrerwohnhaus und Gemeindekanzlei aufgenommen 1956
Bild: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach

 

Das Haus dient von nun an als Lehrerdienstwohnung.

Seit 1900 hatte die Schule in Steinach neben dem Hauptlehrer noch zwei Hilfskräfte – einen zweiten Lehrer dazu entweder eine Schulverweserin oder eine Hilfslehrerin.

 

Für diese beiden zusätzlichen Lehrkräfte wurden nun Wohnungen in dem neu erworbenen Haus eingerichtet.

Lt. Josef Schlicht beliefen sich die Gesamtkosten für Ankauf und Umbau auf 12.000 Mark.7

Der Hauptlehrer wohnte mit seiner Familie im Alten Schulhaus neben der Kirche.

 

Als man 1959/1960 für den Neubau einer Grundschule in Steinach einen geeigneten Platz sucht, bietet sich der untere Gartenanteil der gemeindeeigenen Immobilie an. Pfarrer Gnogler verkauft zunächst einen kleinen Teil seines Pfarrgartens an die Gemeinde, damit der große Bau errichtet werden kann.

 

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 1960 wird die Alte Schule in den unteren Teil des Gartens gebaut.
aufgenommen 1973
Bild: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Bestand Luftbildverlag Bertram

 

 

Auch die Gemeindekanzlei, die früher in der Alten Schule untergebracht war, wird in das Erdgeschoß des Lehrerhauses verlegt. Dafür werden das Haus und der Garten nochmals grundlegend renoviert.

In der Zeitung erschient am 27.10.1961 ein Artikel:8
„In letzter Zeit herrschte am Gebäude, in welchem die Gemeindekanzlei und die Lehrerdienstwohnung untergebracht sind, reges Treiben. Arbeiter des Bauunternehmens Kimberger, Steinach, waren damit beschäftigt, den schadhaften alten Verputz am Haus zu lösen und zu erneuern. Gleichzeitig wurde an der Wetterseite ein betonierter Wasserablauf geschaffen. Das Gestrüpp im und vor dem Vorgarten ist verschwunden, ebenso der schafhafte verrostete Drahtzaun. An seiner Stelle soll bald ein hölzerner Zierzaun treten. Auch das Gartentor wird noch erneuert werden. Schutt und Geröll müssen erst noch abgefahren werden. Dennoch bietet das haus jetzt schon ein gefälliges Bild; es ist kaum wieder zu erkennen. Richtig wirken wird es wohl erst, wenn auch der Hausgarten wieder bepflanzt sein wird. Auch am hause selbstwerden kleine Ausbesserungsarbeiten, wie z.B. eine teilweise Erneuerung des Ölfarbenanstrichs an Fenstern und Türen das Bild noch vervollkommnen. So nähert sich das alte Lehrerwohnhaus dem Eindruck, den der Fremde von der modernen Josef Schlicht-Schule mitnimmt.“

 

Am 8. November 1961 bezog Hauptlehrer Gottfried Hengster mit seiner Familie den ersten Stock des Hauses, das er bis ca. 1976 bewohnte.

 

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1980 wurde der erste Teil des Friedhofes im Garten des Lehrerwohnhauses erweitert.
aufgenommen 1986
Bild: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Bestand Luftbildverlag Bertram

 

Nachdem die Gemeindekanzlei bereits 1981 in das neu errichtete Rathaus übersiedelt war, wurde das Gebäude nicht mehr genutzt.

Der Friedhof im Garten des Lehrerwohnhauses war schon 1976 erweitert worden; 1989 wurde schließlich das alte Lehrerwohnhaus abgerissen und an seiner Stelle ein Parkplatz für die Kirche errichtet.

 

 

1 Schlicht Josef, Die Geschichte von Steinach, 1908, „Stift-, Kasten- und Salbuch über Schloß und Hofmarch Steinach 1583“
2 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Untertanen der Hofmark Steinach 1623
3 StA Landshut, Landschaft Unterlands Bd 1183, Steuerregister der Hofmarksuntertanen Steinach 1623
4 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Gilt und Ausstandregister der Untertanen zu Steinach 1641
5 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Landsteuer der Hofmark Steinach 1699
6 StA Landshut, Hofmark Steinach 405, Übergabevertrag von 04.10.1705, fol. 9'
7 Schlicht Josef, Die Geschichte von Steinach, 1908, S. 90
8 Straubinger Tagblatt Nr. 248 vom Freitag, den 27.10.1961

 

Weitere Quellen:
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 248, Konskription der Untertanen der Hofmark Steinach 1752
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 514, Hofanlagsbuch der Hofmark Steinach 1760
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B79, Umschreibebuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokolle der Steuergemeinde Steinach von 1838
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127) 10579, Umschreibehefte zum Urkataster  der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1 – 72, 1843-1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127 10583, Umschreibehefte zum 1. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 56 - Ende, 1859 – 1906
BZAR Regensburg, Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach

 



 

Das Zollner-Anwesen Hs.Nr. 66

 

1583/1623/1641/1691: Schuhbauernsölde – 1760: Hallmer Gütl - 1808: Pellkofer Hof Hs.Nr. 17 - 1838: Häusleranwesen

 

heute Hafner Str. 9

  

 

von Claudia Heigl

 

 

 

Erstes Benefiziatenhaus

In dem Landsteuer-Verzeichnis von 1699 wird dieses Anwesen als „altes Benefiziatenhaus“ bezeichnet.1 Dies lässt den Schluss zu, dass hier der Standort des ersten Benefiziatenhauses gewesen ist.  Der Gutsbesitzer Max von der Wart stiftet um 1400 eine wohlgebaute und wohlgelege Behausung, des Paul Fleischbauer seligen gewesen und von Hansen Pernzeller kauft“ an das Benefizium in Steinach.2

Die Lage war ideal. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche und zur damaligen Benefiziumskapelle St. Maria, die damals noch direkt an der Pfarrkirche auf dem Steinacher Friedhof stand, hatte das Haus einen wundbaren Blick auf den Bogenberg.

Als das Benefizium unter der Schlossherrin Anna von der Wart um 1550 einging und das Benefiziat über 30 Jahre verwaist lag, dürfte auch das Benefiziatenhaus von der Schlossherrin auf Leibrecht anderweitig vergeben worden sein.

Erst durch Wiguläus Hundt wurde das Benefizium 1583 wiedererrichtet. Zu dieser Zeit dürfte dann das spätere Benefiziatenhaus zwischen Kirche und Schloss von ihm erworben worden sein. Leider gibt es hierzu keinerlei urkundlichen Nachweise.

 

uraufnahme

Hier auf der Uraufnahme wurde die Hofstelle mit der Hs.Nr. 67 eingezeichnet.
Ab 1838 hatte der Hof die Hs.Nr. 66
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

 

 

Bauernhof

1583 wird das Anwesen als Schuhbauernsölde bezeichnet, da ein Stefan Schuhbauer darauf das Leibrecht hat und Abgaben zahlt.3
Das Leibrecht bedeutet, dass er nur zu Lebzeiten das Nutzungsrecht auf dem Anwesen hat und es nach seinem Tod von der Hofmarksherrschaft, natürlich gegen eine Gebühr, wieder neu vergeben wird.

1623 folgt ein Ambrosy Schuhpauer, der mit seiner Mutter Margaretha darauf Leibrecht hat.4

 

Lt. Giltregister von 1641 ist ein haben Jakob und Barbara Fuchs auf der „Schuechpaur Sölde am KirchPühel“ das Leibrecht.5
Jakob ist seit 1639 mit der Bauerstochter Barbara Dirrigl von Unterniedersteinach Nr. 4 verheiratet.
Bei seiner Hochzeit wird der noch als Tagelöhner bezeichnet, ab 1640 erscheint er im Kirchenbuch als Söldner.
Das Ehepaar hat acht Kinder:
- Barbara *26.10.1640
- Magdalena *29.03.1642
- Gregor *02.06.1644
- Maria * 30.06.1646, Hoferbin
- Markus *01.11.1651, seit ca. 1676 Schuster in Steinach Nr. 68
- Jakob * 10.03.1654
- Paul *+ April 1656
- Barbara *16.06.1661 + 16.08.1699 mit 38 Jahren unverheiratet

 

1669 heiratet die Tochter Maria Fuchs den Bauerssohn Andreas Götzlbauer aus dem Getzlhof in dem Land ob der Enns.
Sie bringt sechs Kinder zur Welt:
- Gregor *1670
- Georg *1673 heiratet 1717 in einen Hof in Muckenwinkling ein (Hs.Nr.53) und wird dort Weber.
- Magdalena *1675
- Simon *+1678
- Simon *1680, Hoferbe
- Margaretha *1684

 

1699 zahlt Andre Gözlpauer von dem „alten Benefiziatenhaus“ 4 Schilling Pfennige Steuer. Das Haus wird mit 10 Pfund Pfennige bewertet.
Der Söldner besitzt außerdem zwei Ochsen und eine Kuh, für die er ebenfalls Steuer abführen muss.6

1708 übergibt der verwitwete Andreas Götzlbauer die Erbrechtssölde an seinen Sohn Simon, der die Bauerstochter Maria Schäffler von Roßhaupten zur Ehefrau nimmt.7

Eine Tochter mit Namen Walburga kommt von dem Ehepaar 1710 in Steinach zur Welt, dann zieht die Familie von Steinach fort.

 

Fuchs Besitzer

 

Neuer Hofbesitzer werden um 1710 Georg und Elisabeth Echinger.
Georg ist der Sohn des Tagelöhners und Totengräbers Gregor Echinger, der gegenüber wohnt. Seine Ehefrau Elisabeth die Tochter des Hafners Georg Grüneisl von Steinach. Beide haben bereits 1701 geheiratet und werden seitdem als Schneiderseheleute bezeichnet.
Acht Kinder sind von Ihnen bekannt:
- Maria Margaretha *1705
- Johann Stephan *1707 heiratet 1734 Elisabeth Aichinger von Steinach und ist zunächst Schuster in Steinach und Agendorf, bevor er ab 1742 Kramer in Steinach Nr. 56 wird.
- Maria Ursula *1710
- Mathias (ca. 1713-1777) heiratet 1732 die Witwe Barbara Schötz von Münster Nr. 50
- Franz Andreas 1713-1717
- Georg *1715
- Johann Thomas *1719
- Maria (ca.1721-1768) Hoferbin

 

1747 übernimmt Tochter Maria den Hof und geht eine Ehe mit dem Kramerssohn Johann Joseph Berger von Steinach Nr. 55 ein.

Nachdem Joseph Berger nach fünfjähriger Ehe mit 32 Jahren stirbt heiratet die Witwe 1757 den Schusterssohn August Wallner von Geiselhöring.

Nach ihrem Tod vermählt sich der Witwer 1769 mit Magdalena Edbauer von Unterwachsenberg.

 

Echinger Besitzer

 

Interessanterweise wird das Anwesen 1760 im Hofanlagsbuch als „Hallmer Gütl“ bezeichnet. Es bleibt ein Rätsel, woher dieser Name kommt.8

 

Wahrscheinlich nach dem Tod von August Wallner 1792 verkauft die Witwe Magdalena  Wallner das Anwesen an Johann und Maria Pellkofer von Stallwang.
Sie erwirbt im Gegenzug das Nachbaranwesen Nr. 64 (heute Kirchenparkplatz und Teil des Friedhofes in Steinach).

Sohn Kaspar Pellkofer übernimmt 1813 das Anwesen von den Eltern und nimmt die Bauerstochter Anna Maria Foidl von Rotham zur Ehefrau.

 

Pellkofer Besitzer

 

1835 tauschen Kaspar und Anna Maria Pellkofer ihr bisheriges Anwesen mit dem größeren Hof des Joseph Waas Hs.Nr. 55 (heute Fischer-Anwesen in der August-Schmieder-Str.40).

 

Waas Besitzer

 

Aber bereits zwei Jahre später erwirbt der Müllerssohn Johann Pummer und seine Braut Katharina Dietl von Eben, das Anwesen von der Familie Waas.

1861 übergibt Johann Pummer den Hof an seinen unehelich geborenen Sohn Jakob Pummer. Bei dessen Hochzeit wird als Mutter eine Anna Wenninger angegeben.

Jakob heiratet Anna Gerstl, die Mutter seiner ebenfalls vorehelich geborenen Tochter Anna. (Siehe hierzu uneheliche Kinder.)

 

Im November 1879 übernimmt Tochter Anna Pummer das Anwesen von den Eltern und vermählt sich mit dem Bauerssohn Joseph Zollner von Englberg.

1885 errichtet Anna und Joseph Zollner neben dem alten Wohnhaus ein neues Haus, dass die Hs.Nr. 85 erhält.

 

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Das alte Wohnhaus verkaufen sie am 23.12.1885 an Joseph’s Schwester Margaretha, die mit Joseph Amann von Oberwachsenberg verheiratet ist.

 

Das Ehepaar bewirtschaftete vorher einen Hof in Oberwachsenberg.

Zwei bekannte Kinder kamen in der Ehe zur Welt:
- Theresia (1874-1951) heiratet 1898 Johann Schwarz von Steinach Nr. 52 und 1903 dessen Bruder Ludwig.
- Maria (*1888) heiratet 1908 den Bauern Alois Knott von Steinach Nr. 32

 

Pummer Amann Besitzer

 

 

Im März 1911 erwirbt ihr Neffe Joseph Zollner jun. das Haus wieder von seiner Tante. Im gleichen Jahr übernimmt er den Hof von den Eltern Joseph und Anna Zollner. Das ursprüngliche alte Bauernhaus bricht er später ab.

Somit sind beide Anwesen wieder zusammengeführt worden. Die Hofstelle behält die neue Hs.Nr. 85.

Die alte Hs.Nr. 66 erlischt.

 

 

 

 

1 Archiv für Heimatgeschichte, Landsteuer der Hofmark Steinach 1699, fol. 3
2 Schlicht Josef, Steinach – ein niederbayerisches Geschichtsbild, erschienen im Unterhaltungsteil des Straubinger Tagblatt am 26.02.1883
3 Schlicht Josef, Die Geschichte von Steinach, 1908, „Stift-, Kasten- und Salbuch über Schloß und Hofmarch Steinach 1583“
4 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Untertanen der Hofmark Steinach 1623
5 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Gilt und Ausstandregister der Untertanen zu Steinach 1641
6 Archiv für Heimatgeschichte, Landsteuer der Hofmark Steinach 1699, fol. 3
7 StA Landshut, Hofmark Steinach 405, Übergabevertrag von 1708, fol. 36'
8 BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 514, Hofanlagsbuch der Hofmark Steinach 1760

 

Weitere Quellen:
Schlicht Josef, Die Geschichte von Steinach, 1908, „Stift-, Kasten- und Salbuch über Schloß und Hofmarch Steinach 1583“

Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Untertanen der Hofmark Steinach 1623
StA Landshut, Landschaft Unterlands Bd 1183, Steuerregister der Hofmarksuntertanen Steinach 1623
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Gilt und Ausstandregister der Untertanen zu Steinach 1641
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Stiftregister der Hofmark Steinach 1691
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Landsteuer der Hofmark Steinach 1699
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 248, Konskription der Untertanen der Hofmark Steinach 1752
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 514, Hofanlagsbuch der Hofmark Steinach 1760
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B79, Umschreibebuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokolle der Steuergemeinde Steinach von 1838
Schlicht Josef, Die Geschichte von Steinach, 1908, „Stift-, Kasten- und Salbuch über Schloß und Hofmarch Steinach 1583“
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Untertanen der Hofmark Steinach 1623
StA Landshut, Landschaft Unterlands Bd 1183, Steuerregister der Hofmarksuntertanen Steinach 1623
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Gilt und Ausstandregister der Untertanen zu Steinach 1641
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Stiftregister der Hofmark Steinach 1691
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Landsteuer der Hofmark Steinach 1699
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 248, Konskription der Untertanen der Hofmark Steinach 1752
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 514, Hofanlagsbuch der Hofmark Steinach 1760
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B79, Umschreibebuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokolle der Steuergemeinde Steinach von 1838
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127) 10579, Umschreibehefte zum Urkataster  der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1 – 72, 1843-1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127 10583, Umschreibehefte zum 1. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 56 - Ende, 1859 – 1906

StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127 10587, Umschreibehefte zum 2. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 66-Ende, 1906 – 1960
BZAR Regensburg, Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach

 

Das Zollner-Anwesen Hs.Nr. 85

früher Hs.Nr. 66

 

heute Hafner Str. 9

 

 von Claudia Heigl

 

 

 Im November 1879 übernimmt Tochter Anna Pummer das Anwesen Hs. Nr. 66 (Hafner Str. 9) von den Eltern und vermählt sich mit dem Bauerssohn Joseph Zollner von Englberg.

 

1885 errichtet Anna und Joseph Zollner neben dem alten Wohnhaus ein neues Haus, dass die Hs.Nr. 85 erhält. 
(Bis zur Einführung der Straßennamen erhielt jedes neu erbaute Haus in Steinach die nächst höhere Hausnummer, egal wo es erbaut wurde.)

 

 

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vorne an der Straße das alte Bauernhaus, dahinter der Neubau von 1885, der die Hs.Nr. 85 erhält

aufgenommen 1956
Bild: Archiv f. Heimatgeschichte, Bestand Luftbildverlag Bertram

  


Das alte Wohnhaus verkaufen sie an Joseph’s Schwester Margaretha, die mit Joseph Amann von Oberwachsenberg verheiratet ist.

Das Zollner-Ehepaar hat zehn Kinder, von denen sechs im Kleinkindalter sterben. Vier Kinder erreichen das Erwachsenenalter:
- Franziska (*1883) heiratet 1909 Alois Meier
- Anna (*1885)
- Joseph (1887-1927), Hoferbe
- Maria (*1888) heiratet 1920 Joseph Pflügl

 

 

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Das "neu" erbaute Zollner-Haus mit der Hs.Nr. 85
aufgenommen 1942
Familie Zollner, Steinach

 

 

Den Hof übernimmt im September 1911 der einzige Sohn Joseph.  Im März desselben Jahres hatte er bereits das frühere Bauernhaus (Hs.Nr. 66) von seinem Onkel und Tante Joseph und Margaretha Amann erworben, dass später abgebrochen wird. Somit sind beide Anwesen wieder zusammengeführt worden. Die Hofstelle behält aber die neue Hs.Nr. 85.

 

1912 heiratet er die Söldnerstochter Therese Bachl von Steinach Nr. 8.
Zehn Kinder gehen aus der Verbindung hervor, von denen ein Zwillingspaar kurz nach der Geburt stirbt:
- Therese (1913-1979), verh. mit Otto Berger von Steinach Nr. 72
- Joseph (1915-1942), vermisst im 2. Weltkrieg
- Karolina (1918-1998)
- Karl (*1920)
- Maria (*1921) verh. Högerl
- Anna (1922-2009), verh. Langhans
- Franz Xaver (1925-2023), wohnhaft in Wolferszell
- Adolf (1927-2013), Hoferbe

 

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 Therese Zollner geb. Bachl und Joseph Zollner
mit den Kindern Josef und Therese
aufgenommen 1917
Bild: Familie Zollner

 

Kurz nach der Geburt des jüngsten Kindes, stirbt der 40-jährige am 11.08.1927 an Malaria und Brechdurchfall, eine Folge des ersten Weltkrieges. Die Witwe muss ihre acht Kinder zwischen 14 Jahre und 3 Monaten alleine großziehen.

 

fo stei 1016 kopiehinten v.l.Karl (1920), Therese verh. Berger (1913), Joseph (1915), Karolina verh. Kohlmeier (1918),
vorne Mutter Theres Zollner (1885-1968), Maria verh Högerl (1921) Anna verh. Langhans (1922), Adolf (1927), Großmutter Zollner Anna geb. Pummer (1858-1942), Franz Xaver (1925-2013)
aufgenommen 1933
Bild: Familie Zollner, Steinach

 

 

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 Das Wohnhaus aufgenommen 1990 kurz vor dem Abriss
Das alte Haus wurde durch einen Neubau ersetzt.
Bild: Familie Zollner, Steinach

 

 

zollner besitzer

 

1952 übernimmt der jüngste Sohn Adolf (1927-2013) den Hof und ehelicht die Landwirtstochter Therese, geb.Bogenberger (1929-2024) von Steinach.

 

2024 wird das ehemalige Zollner-Anwesen von der Gemeinde Steinach erworben. Seit 2025 ist in dem Haus der Seniorentreff untergebracht.

 

luftaufnahme april 2025

 aufgenommen im April 2025
Bild: Claudia Heigl

Quellen:
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127 10583, Umschreibehefte zum 1. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 56 - Ende, 1859 – 1906
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127 10587, Umschreibehefte zum 2. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 66-Ende, 1906 – 1960
BZAR Regensburg, Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach

 

Veröffentlicht: 27.12.2025

 

 

 

 Das Lohaus Hs.Nr. 9 1/2 in Gschwendt

 

von Cornelia Landstorfer

 

 

„Ein Haus zu Gschwendt, Lohaus genannt“

Das sogenannte Lohaus erscheint bereits im Jahr 1630 in den Aufzeichnungen des Bürgerspitals Straubing und wird dort ausdrücklich als zum Wirtshaus gehörig bezeichnet. Es befand sich gegenüber dem Wirtshaus auf einem Wiesengrund, unweit des damals bestehenden Backofens. Auf dem Gebäude ruhte eine Krämergerechtigkeit. Das Haus umfasste zu dieser Zeit eine Stube, zwei Kammern und ein Obergeschoss. Zum zugehörigen Besitz zählten ferner ein Stadel sowie ein kleiner Stall.

 1630: „Georg Stubenhofer Würth hat ein Lerhaus gleich gegenüber der Tafern das Lohaus genannt.
Ein Haus zu der Tafern gehörig, so das Lohaus genannt, Georg Stubenhofer hat ein Ploß laß Haus liegt gleich gegenüber der Tafern. Das Lohaus genannt steht mitten in des Wirtes Gründen und Wies.
Zu negst bey seinem Packofen, gleich daran die Kuglstatt, gehört zu obbemelter Taferne, hat ain Stuben, zwei Kömmern, ein Poden, ain Städel und Ställel, hat Gerechtigkeit auf ein Crämerei, aber ist kein Brief vorhanden.“
1

Das in den Quellen als Lohhaus, Lohaus oder Lonhaus bezeichnete Gebäude erhielt seinen Namen von der angrenzenden Flur Lohfeld. Der Flurname leitet sich sehr wahrscheinlich vom althochdeutschen loh für ein lichtes Waldstück oder eine Rodungsfläche ab. Das Lohhaus war demnach das Haus „am Lohfeld“, also ein zum Wirtshaus gehöriges Nebengebäude, das in dieser Flur lag. Vereinzelt wird das Gebäude auch als Ploßhaus bezeichnet, eine mundartliche Variante, die ebenfalls auf eine offene, unbewaldete Fläche hinweist.

 

uraufnahme

Das Lohhaus erhielt nach der Abtrennung vom Wirtshaus die Hs.Nr. 9 1/2 
Uraufnahme aus dem Jahr 1827
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

Mit dem zum Wirtshaus gehörenden Lohaus waren stets die jeweiligen Gastwirte zugleich Inhaber dieses Hauses (siehe hierzu auch Wirtshaus in Gschwendt:

1656: Thomas Georg, Sohn des Handelsmannes Georg Stubenhofer, wird als Wirt in Gschwendt genannt. Nach dem Tod seiner Ehefrau Anna Sabina Nißl heiratet er 1667 Magdalena Thanner aus Haselbach. Noch im selben Jahr verstirbt Thomas Georg; seine Witwe heiratet 1669 Peter Ludsteck aus Reibersdorf.
1706: Die Tochter Maria Ludsteck heiratet Wolfgang Seidl aus Neumark in Böhmen. In der Ehe werden vier Kinder geboren: Johann Stefan, Andreas, und Magdalena.
1731: Das Wirtshaus samt Lohhaus fällt an deren ältesten Sohn Stefan Seidl, der Klara Elena Klugmann, Tochter des Wirtes Johann Klugmann von Au heiratet.2
1742: Nach dem Tod Stefans heiratet die Witwe Klara Seidl Franz Thanner aus Gonnersdorf. Nach dem Tod von Klara heiratet Franz Thanner im Jahr 1745 Maria Catharina Probst aus Eggenfelden.
1768: Die Wirtstochter Walburga Thanner übernimmt mit ihrem Ehemann Lorenz Brandstetter aus Bruckhof das Anwesen, einschließlich Bier- und Branntweinausschank sowie Kram- und Metzgergerechtigkeit. Zu den Besitzungen zählen das Thurmaiergütl, das Lohrhäusl und insgesamt neun Weiher.3 Walburga stirbt 1776 und hinterlässt ein Kleinkind mit 3 ½ Jahren und einen Säugling mit ¼ Jahr.
1777: Der Witwer Lorenz Brandstetter heiratet Margaretha Sämer aus Furth im Wald; aus dieser Ehe geht ein Sohn hervor, ebenfalls Lorenz genannt.

 

Am 23. Januar 1782 stellt Lorenz Brandstätter einen Stiftbrief aus, durch den er Jakob Späth für die Dauer von vier Jahren die Metzger- und Kramgerechtigkeit sowie die Behausung auf dem „Bütlhof“ überlässt. Der Bütlhof muss das Lohhaus gewesen sein, da es bei einem späteren Stiftbrief wieder als solches bezeichnet wurde. Späth hat im Rahmen dieser Verleihung die üblichen Abgaben zu entrichten, darunter das herkömmliche Schutzgeld, die Inleutsteuer sowie die Herdstättengelder.4

Offenbar wurde der Vertrag vor Ablauf der vorgesehenen Frist beendet, denn bereits am 25. Mai 1784 wurde ein weiterer Stiftsbrief ausgestellt. Darin überträgt Lorenz Brandstätter die Metzger- und Kramgerechtigkeit samt der Behausung nun an Georg Kufner aus Viechtach, und zwar für die festgesetzte Dauer von sechs Jahren.5

Am 1. Juni 1799 verstiftet der Tafernwirt Lorenz Brandstetter die Metzger- und Krämersgerechtigkeit sowie das sogenannte Lohnhaus an Michael Praun, einen verheirateten Metzgerssohn aus Münster, der zu dieser Zeit das Metzgerhandwerk in Bogen ausübte.6

Am 20. September 1803 verstiftet Lorenz Brandstetter dem ledigen Metzgerknecht Anton Schneider, angehender Söldner zu Rattiszell, seine Metzger- und Krämergerechtigkeit sowie die Behausung auf dem sogenannten Lohnhaus. Die Verleihung gilt für die Dauer von drei Jahren, also bis 1806. Als Zeugen treten der Amtsschreiber Johann Michael Schuegraf sowie Josef Zeitlmayr, beide aus Gschwendt, auf.7

Am 9. August 1823 übernimmt Lorenz Brandstetter, der erst neunzehnjährige Sohn des Wirtes, das gesamte Anwesen von seinem Vater um den Betrag von 9.300 Gulden. Im Jahr 1827 vermählt er sich mit Anna Maria Bergmaier.8

1871 erbt Ludwig Brandstetter mit dem Wirtshaus auch das zugehörige Lohhaus.9

1888 übernimmt Sohn Lorenz. Dieser vermählt sich im Jahr 1890 mit Therese Landstorfer.

 

wirtshaus 1935 kopie

Jahrhundertelang gehörte das Lohhaus zum Wirtshaus
Links im Bild das Deuschl-Anwesen, rechts das Wirtshaus,
aufgenommen ca. 1935.



 

Das Lohhaus wird vom Wirtshaus unabhängig

Im Jahr 1908 wird das Lohhaus erstmals als eigenständige Hausnummer geführt. Inhaberin ist Maria Reifner; das Anwesen wird beschrieben als „Lohhaus mit Stall unter einem Dach, Wagenremise und Hofraum“.

 

1909 erwerben Michael Weber und Franziska, geb. Sieber von Thal bei Traitsching den Besitz.

1913 erfolgt die Übergabe an deren Sohn Josef und seine Frau Anna, geb. Ring.10

 

Weber Besitzer

 

1914 verkauft das Ehepaar Josef und Anna Weber das Anwesen an den Witwer und Metzger Jakob Baumgartner aus Stallwang.

 

Im August 1914 tauschen Johann und Franziska Krottenthaler, letztere eine geborene Stelzl, das kleine Anwesen gegen ihren Besitz in Loitzendorf. Dieser lässt das Wohnhaus erhöhen.11

 

plan lohhaus

Bauplan Johann Krottenthaler in Gschwendt über die Erhöhung des Wohnhauses, Oktober 1914.
Quelle: StALa, Baugenehmigungsakten BezA/LRA Bogen 2369

 

lohhaus 1970 1 kopie

So hat das Bauernhaus nach der Aufstockung ausgesehen.
Bild: aufgenommen ca. 1970

 

 

Krottenthaler Besitzer

 

 

Franz Xaver Deuschl, Landwirt in Hagnberg Nr. 39 und seine Ehefrau Maria, geb. Fuchs erwerben am 19.06.1928 den Hof für 15 000 Goldmark.

Franz-Xaver Deuschl ist am 17.03.189612 in Hagnberg als Sohn von Johann und Josefa, geb. Scheubeck aus Buchberg, zur Welt gekommen. Sein Bruder Johann Deuschl, geb. 26.12.1890, ist am 17.06.1917 im ersten Weltkrieg gefallen. Maria Fuchs wurde am 27.08.1898 als Tochter des Bauern Michael Fuchs aus Hinterbuchberg und dessen Ehefrau Franziska Zollner geboren.13

Xaver Deuschl war ab ca. 1948 bis in die 1960er Jahre Bürgermeister in Gschwendt.

 

Deuschl Besitzer

 

deuschl 1950

rechts außen Xaver Deuschl
aufgenommen ca. 1950 in Ascha

 deuschl ehgartner jagd

Links Franz Xaver Deuschl, daneben Ehgartner, dritter von links Theo Hölzl aus Ascha, rechts Josef Haimerl aus Gschwendt, kniend Paul Ammer
nach der Jagd
aufgenommen ca. 1960

 

jagdbild

Rechts hinten Franz-Xaver Deuschl, 3. von links hinten: Merl (Au).

 

 

lohhaus 1970 2 kopie

Das Haus ist inzwischen abgerissen.
aufgenommen ca. 1970

 

  

1 Stadtarchiv Straubing, Salbuch 1630 von Gschwendt, fol. 812.
2 StALa, Kommunalarchive, Rep. 219 (1586).
3 StALa, Kommunalarchive, Rep. 219 (1589).
4 StALa, Kommunalarchive, Rep. 219 (1589).
5 StALa, Kommunalarchive Rep. 219 (1591), Stiftsbrief auf 6 Jahr 25. Mai 1784.
6 StALa, Kommunalarchive Rep. 219 (1594), Stiftskontrakt 75fl.
7 StALa, Kommunalarchive Rep. 219 (1596), Stiftskontrakt.
8 StALa, Grundsteuerkataster 208.
9 StALa, Grundsteuerkataster 214.
10 StANürnberg, Notariatsurkunde Nr. 46, Mitterfels.
11 StALa, Grundsteuerkataster 214.
12 https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/mitterfels/Mitterfels004/?pg=190.
13 https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/mitterfels/Mitterfels004/?pg=204.

Die Lehner-Sölde Hs.Nr. 18 – heute Heimerl-Anwesen

 

1583/1623: Die Ackermaiersölde –1641: Die Ackermaier- oder Zellersölde - 1691: Sölde -
 1760: 1/8 Bach Sölde - 1808: 1/8 Lehner Hof Hs.Nr. 50 - ab 1838: Hs.Nr. 18

 heute August-Schmieder-Str. 8

 

von Claudia Heigl

 

 

Der Hof im unteren Dorf trägt im Jahr 1583 die Bezeichnung „Ackermaiersölde“. Zu dieser Zeit besitzt Hans Ackermaier das Erbrecht auf dem Anwesen. Doch schon damals wird Wolfgang Zeller als sein Nachfolger genannt.1 

Auch im Stiftregister von 1623 erscheint Zeller erneut, inzwischen mit einem weiteren Nachfolger: dem Schmied Erhard Stark.2 Der Schmied hat auch die Schmiedwerkstatt auf Leibrecht erhalten.
Er scheint auch bei dem Überfall der Schweden im Jahr 1637 vertrieben oder getötet worden sein. Denn 1641 wird auf der Schmiede Sebastian Grieneisen genannt. 

 

uraufnahme

Das Anwesen erhielt die Hs.Nr. 18
Uraufnahme aus dem Jahr 1827
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

Auf der Ackermaier- oder Zellersölde, wie der Hof nun genannt wird, führt 1641 der Zimmermann Gregor Burgstaller Abgaben ab.3

In den Kirchenbüchern von Steinach finden sich Einträge über zwei seiner Kinder – Georg, der 1644 stirbt, und Maria, geboren 1645.
Eine weitere Tochter, ebenfalls Maria genannt, kommt 1647 in Wolferszell zur Welt.

 

Burgstaller Besitzer

In den Steuerregistern klafft danach eine Lücke von etwa fünfzig Jahren.
Wahrscheinlich lebt in dieser Zeit der Söldner Kaspar Zollner auf dem Hof, der 1666 in Steinach begraben wird.
Seine Tochter Anna heiratet 1674 in Münster den Häusler Christopher Glächsl (Hs.Nr. 33).

 

Jakob Zollner, vermutlich ein Sohn Kaspars, ist hier ansässig. 1691 zahlt er für seine Sölde 45 Kreuzer Steuer, und 1699 wird sein Haus auf 15 Pfund Regensburger Pfennige geschätzt.4

Seit 1669 finden sich in den Kirchenbüchern Taufen von Kindern Jakobs und seiner Frau Magdalena. Ihr Traueintrag ist jedoch nicht verzeichnet.
- Eva (*14.02.1669 + 18.08.1669)
- Balthasar (*12.07.1670)
- Balthasar (*14.08.1672) heiratet 1704 die Bauerstochter Maria Billinger und wird als Halbbauer in Steinach ansässig. Wo genau ist jedoch unklar.
- Michael (*09.09.1677 + 20.09.1677)
- Simon (*28.10.1683), Hoferbe

 

Simon Zollner tritt 1702 die Nachfolge an und heiratet die Schneiderstochter Margaretha Bachl aus Münster.

Das Paar hat zahlreiche Kinder:
- Johann (*1703)
- Maria Anna (*1705)
- Lorenz und Tiburtius (*1707)
- Maria (*1709)
- Michael (*1710) heiratet 1755 die Tagelöhnerstochter Katharina Schießl von Steinburg
- Mathias (*1713), Hoferbe
- Johann Nikolaus (*1715), als Kind verstorben

 

Nach Margarethas Tod heiratet Simon erneut, diesmal Elisabeth Meßerer aus Aiterhofen.
Aus dieser zweiten Ehe stammen sechs weitere Kinder:
- Johann Jakob (1718-1722)
- Joseph (*1721) heiratet 1749 Maria Hien und lässt sich als Häusler in Steinach Nr. 34 nieder
- Johann (*1724) heiratet 1755 Maria Riedl und wird Tagelöhner in Steinach
- Barbara (*1727)
- Maria (*1731) als Kind verstorben
- Martin (*1732)

Mathias, Sohn aus erster Ehe, übernimmt 1751 den Hof und heiratet die Bauerstochter Barbara Bründl von Oberniedersteinach Nr. 10.
Das Paar hat nur eine Tochter, Katharina, die später den Hof übernimmt.

 

Als Barbara 1765 stirbt, heiratet Mathias sechs Wochen später erneut, Barbara Burghauser.
Von den beiden Kindern dieser Verbindung überlebt nur Mathias, der 1766 geboren wird.
Er heiratet 1796 die Söldnerstochter Maria Anna Piendl aus Oberascha und übernimmt mit ihr den Hof der Schwiegereltern.

 

Das Glück der Familie währt nicht lange: Im Februar 1771 sterben sowohl Barbara als auch ihr Ehemann Mathias kurz nacheinander.

Zurück bleiben die vierzehnjährige Katharina und ihr kleiner Bruder Mathias, der noch keine fünf Jahre alt ist. Nur wenige Monate später heiratet die jugendliche Katharina den Bauerssohn Johann Georg Treml von Rammersberg. Über das Paar gibt es jedoch außer dem Traueintrag keine weiteren Hinweise in den Kirchenbüchern.

 

 

Zollner Besitzer

 

 

1785 zieht ein neuer Bauer auf den Hof ein: Andreas Lehner aus Tempelhof. Mit seiner Frau Anna Pummer von Kögl führt er den Betrieb weiter, doch die Ehe bleibt kinderlos.

 

heimerlanwesen1856 hinten

Das Heimerl-Anwesen aufgenommen 1956
Bild: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach

 

Am 02.01.1791 bringt Annas Schwester Katharina Pummer5 in Steinach einen unehelichen Sohn namens Sebastian zur Welt. Vater ist der Bauerssohn Franz Bachmayer von Semmersdorf6.

Vermutlich bleibt das Kind bei Andreas und Anna Lehner und wächst dort als Pflegekind auf.

 

1819 übernimmt Sebastian Bachmayer das Anwesen. Er heiratet die Müllerstochter Anna Maria Solleder von der Aichmühl.

Ihr gemeinsamer Sohn Sebastian wird 1823 geboren und später Häusler in Steinach Nr. 7 (Brunnenweg 6).

Drei Jahre nach seiner Geburt stirbt der Vater mit nur 32 Jahren an Lungenschwindsucht.

 

Die junge Witwe heiratet daraufhin den Bauerssohn Johann Hahn aus Kirchroth.
Das Paar hat acht Kinder:
- Johann (*1825) heiratet 1854 in Pondorf Anna Maria Schwarz von Niederachdorf und lässt sich in Oberzeitldorn nieder. Sein Sohn Franz Xaver heiratet 1886 in den Pellkofer-Hof in Steinach Nr. 55 (heute Fischer, August-Schmieder-Str. 40) ein
- Georg (*1828)
- Theresia (*1830)
- Anton (*1833)
- Helena (*+1838)
- Joseph (*1839)
- Franz Xaver (*1842)
- Michael (1845-1897), Hoferbe

 

1874 übernimmt der jüngste Sohn Michael Hahn den Hof. Er ehelicht die Bauerstochter Maria Foidl von Steinach Nr. 14 (August-Schmieder-Str. 2).
Michael nimmt am Deutsch-Französischen Krieg teil, dient im Infanterie-Leib-Regiment (3. Bataillon) und wird am 9. Dezember 1870 bei der Schlacht bei Beaugency verwundet.

 

Lehner Besitzer

 

Da die Ehe kinderlos bleibt, verkauft die Witwe nach Michaels Tod den Hof 1900 an Joseph Heimerl, der aus dem Heimerl-Hof in Steinach Nr. 11 (Brunnenweg 1) stammt.

 

fo stei 1835

aufgenommen 1960
Bild: Familie Heimerl, Steinach

 

 

Joseph heiratet die Bauerstochter Margaretha Scheubeck vom Kindlasberg.

Sie bringt elf Kinder zur Welt, von denen vier im Säuglingsalter sterben.
Als 1932 der 58-jährige Joseph stirbt, bleibt seine Witwe mit sieben Kindern zurück.

 

fo stei 1834 kopie

Franz Xaver und Margareth Heimerl
aufgenommen am 20.11.1906
Bild: Familie Heimerl, Steinach

 

 

Heimerl Besitzer

 


Sie führt den Hof noch achtzehn Jahre lang allein weiter, ehe sie ihn an ihren jüngsten Sohn Franz Xaver Heimerl übergibt.

 

neg stei 79 ausschnitt

 Der Heimerl-Hof aufgenommen 1980
Bild: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Bestand Luftbildverlag Bertram, München

 

 

 

  

1 Schlicht Josef, Die Geschichte von Steinach, 1908, „Stift-, Kasten- und Salbuch über Schloß und Hofmarch Steinach 1583“
2 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Stiftregister über das adlige Gut und Hofmark Steinach 1623
3 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Gilt und Ausstandregister der Untertanen zu Steinach 1641
4 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Landsteuer der Hofmark Steinach 1699
5 Katharina Pummer ehelicht einen Norbert Schütz, Hausbesitzer in Straubing. Dieser unterzeichnet auch die Heiratslizenz von seinem Stiefsohn (Pfarrarchiv Steinach).
6 Von Franz Bachmayer, Unterziegelmeister in Straubing, kommt am 10.10.1798 eine Tochter namens Anna Maria in Straubing zur Welt.

 

Weitere Quellen:
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 248, Konskription der Untertanen der Hofmark Steinach 1752
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 514, Hofanlagsbuch der Hofmark Steinach 1760
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B79, Umschreibebuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokolle der Steuergemeinde Steinach von 1838
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127) 10579, Umschreibehefte zum Urkataster  der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1 – 72, 1843-1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127) 10582, Umschreibehefte zum 1. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1 – 55, 1859 – 1906
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127 10586, Umschreibehefte zum 2. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1-65, 1906 – 1960

 

 

Veröffentlicht: 12.11.2025

 

Das 1/16 Webergütl Hs.Nr. 11 in Wolferszell

 

heute Chamer Str. 8, Eich

 

1808: Hs.Nr. 7

 

von Claudia Heigl

 

 

 

1579 bestand das Anwesen in Wolferszell lediglich aus einem kleinen hölzernen Söldenhäusl, zu dem kein Grundbesitz gehörte.
Walburga, Witwe des Michael Zöfel, zahlte dafür an den fürstlichen Kasten in Straubing 12 Regensburger Pfennige Zins.1

 

Weitere Besitzer laut dem Salbuch von 1579 waren:

Paul Vischer

Hans Werle

 

uraufnahme

1838 erhielt das Anwesen die Hs.Nr. 11
Uraufnahme aus dem Jahr 1838
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

 

 

Zeit des Dreißigjährigen Krieges

1640 wird Blasius Bach mit seiner Ehefrau Katharina als Besitzer genannt.
Katharina stirbt noch im selben Jahr, und der Witwer heiratet am 29. Mai 1641 die Anna Limer, Witwe des Johann Limer von Stallwang.
Eine Tochter namens Maria wird am 19. Mai 1642 in Wolferszell geboren. Danach verliert sich die Spur der Familie.

 

 

Bach Besitzer

 

 

Wahrscheinlich traf sie das gleiche Schicksal wie viele Bewohner von Wolferszell:
Im Juli 1647 fielen schwedische Truppen in die Gegend ein, blieben drei Monate, verwüsteten die Höfe und töteten oder vertrieben die Bevölkerung.
In den folgenden Jahren lagen viele Höfe brach, Äcker und Wiesen verödeten.2

 

fo wolf 39 ausschnitt

Das "Webergütl" aufgenommen ca. 1956
Bild: Archiv für Heimatgeschichte Steinach

 

 

 

 

Verbindung zum Fischerhof

Das Haus wurde später als Zubau zum Fischerhof Nr. 21 (Mühlenweg 2, Miedaner) genutzt.
Ab etwa 1651 hatte das Söldenhaus die gleichen Besitzer wie der Fischerhof in Wolferszell – und das blieb rund 140 Jahre lang so.

Vermutlich wohnten in dem kleinen Haus die Weberfamilien von Wolferszell, wodurch sich der Name „Webergütl“ etablierte.

 

Die Weberfamilie Stubenhofer als Inwohner

1681 erwarb der Weber Mathias Stubenhofer das Söldenanwesen (Haus Nr. 4, heute Chamer Straße 6) von seinem Schwager Blasius Schmidbauer.
Das Einkommen der Familie reichte kaum zum Leben.


1710 verkaufte sein Sohn Georg Stubenhofer das Anwesen an den Wirt Hans Georg Rieger von Wolferszell.
Die Familie Stubenhofer zog daraufhin als Inwohner in das benachbarte Haus, wo die Brüder Christoph und Georg Stubenhofer gemeinsam das Weberhandwerk ausübten.

Nachkommen der Familie Stubenhofer

Christoph Stubenhofer und Ehefrau Katharina

  •  Ursula (*1713)

Georg Stubenhofer und Ehefrau Susanna

  • Kaspar (1712–1783) – Maurer und Weber in Steinach Nr. 31
  • Florian (*1715) – heiratet 1745 Katharina Holzer, Tochter des Hofbauern Markus Holzer vom Schlossgut Steinach
  • Elisabeth (*1718) – heiratet 1739 Georg Buchner, Bauer von Muckenwinkling Nr. 60
  • Jakob (1721–1772) – bleibt als Weber und Inwohner im Haus, heiratet Katharina Füssl aus Kleinneundling

Nach Jakobs Tod heiratet seine Witwe den verwitweten Weber Mathias Berl von Au bei Ascha (Haus Nr. 38).

 

 

Stubenhofer Einwohner

 

 

 

Wiederabtrennung vom Fischerhof

1791 verkauft der Fischerhof-Bauer Josef Weber das Haus an den Kramer Adam Wiesmüller aus Wetzelsberg.
Die günstige Lage an der Straße zwischen Straubing und Cham brachte dem Kramer gute Kundschaft.

 

 

Wiesmller Besitzer

 

 

1807 verkauft Wiesmüller das Haus und erwirbt dafür das Schuhbauerngut (Haus Nr. 22, heute Chamer Straße 4).
Neuer Eigentümer wird der ledige Schuhmacher Johann Drechsler (1776–1850).

 

1843 kauft Georg Miethaner das Anwesen, verkauft es jedoch 1853 weiter an den Bauerssohn Josef Mauser von Krumbach.
Josef heiratet Therese Solleder vom Wasenhof.

Kinder von Josef und Therese Mauser:

  • Therese (*1854)
  • Josef (1855–1929) – Hoferbe
  • Kreszenz (*1857)
  • Katharina (*1864)

 

 

 

Familie Mauser (Ende 19. bis Anfang 20. Jahrhundert)

1890 übernimmt Josef Mauser jun. das Anwesen.
Er ist Polizeidienstmann und verheiratet mit Walburga Thanner aus Pilling.
Das Ehepaar hat acht Kinder, von denen drei im Säuglingsalter sterben.

Kinder von Josef und Walburga Mauser:

  • Maria (1890–1958) – heiratet 1919 Alfons Bielmeier aus Steinach Nr. 43
  • Johann Baptist (*1892) – heiratet in Regensburg Barbara Mulzer
  • Ludwig (1894–1915) – fällt im Ersten Weltkrieg
  • Kreszenz *(1895) – heiratet 1927 in Regensburg Florian Harlander
  • Franz Xaver (1896–1975) – Polizeibeamter in Fürstenzell

 

fo wolf 184

Josef und Walburga Thanner mit ihren Kindern:
Kreszenz, Johann, Franz Xaver und Maria mit ihrem Ehemann Alfons Bielmeier
der gefallene Sohn Ludwig ist auf dem Bild in der Mitte
aufgenommen ca. 1920
Bild: Familie Kiefel, Irland

 

 

Kurz vor dem Tod von Walburga verkauft die Familie das Anwesen.
Josef Mauser verbringt seinen Lebensabend bei seiner Tochter Maria Bielmeier in Steinach.

 

Mauser Besitzer

 

 

fo wolf 181

Die Familie Mauser 1990 vor dem alten Haus ihrer Großeltern in Wolferszell
Bild: Familie Kiefel, Irland

 

 

Eigentümerwechsel im 20. Jahrhundert

Am 10. März 1927 erwerben Johann und Therese Zink das Anwesen, verkaufen es jedoch bereits 1928 an Jakob und Anna Guggenberger weiter.


1935 geht der Besitz zunächst an die Bayerische Siedlungsbank in München über.


Im selben Jahr kaufen ihn  Schneider Ludwig (1881–1974) und seine Ehefrau Therese, geb. Krottenthaler (1905–1962).

 

Durch spätere Einheirat trägt die Familie schließlich den Namen Eich.

 

 

 

 

 

1 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing B38, Sal- und Urbarsbuch des Rentkastenamts Straubing, Band II 1579-1807, fol 150‘
2 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing B90, Schmalzbuch des Kasten Straubing 1641-1650

Weitere Quellen:
BayHStA Kurbayern Hofkammer 114, Konskription des Haupkastenamts Straubing von 1752

Rentamt Straubing B138, Häuser- und Rustikalsteuerkataster Wolferszell 1808
Rentamt Straubing B139, Umschreibbuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster Wolferszell 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokoll der Steuergemeinde Agendorf von 1836
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9932, Umschreibeheft von Agendorf 1843 - 1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9935 Umschreibeheft von Agendorf 1859 - 1894
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9939 Umschreibeheft von Agendorf 1894 - 1960
BZA Regensburg, Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach

 

 

Veröffentlicht: 05.11.2025

 

 

Die Harbrunner-Sölde Hs.Nr. 16 – Sieber

 

1583/1623: Brunnsölde - 1641: Brunn- oder Gözsölde - 1691: Freysölde - 1760: Gözen Sölde -


1808: 1/8 Habrunner Hof Hs.Nr. 48 - ab 1838: Hs.Nr. 16

 

heute Bachstr. 2

 

von Claudia Heigl

 

 

 

 

Die Anfänge – Familie Göz (1583–1757)

Bei dem Anwesen handelt es sich um die sogenannte „Brunnsölde“, die bereits 1583 im alten Salbuch der Hofmark Steinach erwähnt wird.

Damals besaß Mathias Göz das Erbrecht darauf und entrichtete an den Hofmarksherrn von Steinach 1 Schilling und 25 Pfennige an Gilt.1

 

Der Name des Anwesens dürfte sich von der Nähe zum Bach ableiten, aus dem das Wasser entnommen werden konnte – ähnlich wie beim alten „Brunnhof“ am Steinachbach (heute Brunnenweg 7).

 

uraufnahme

Der Hof erhielt 1838 die Hs.Nr. 16
Uraufnahme
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung, Bayernatlas

 

Im Jahr 1623 hat Bartlme Göz, vermutlich ein Sohn des Mathias, das Erbrecht auf dem Hof, der mit 15 Pfund Regensburger Pfennigen bewertet wird.2 3 

1641 erscheint Wolf Käderspeck als Inmann und zahlt dafür Stift.Seine Ehefrau Maria stirbt am 14. Dezember 1645 in Steinach5. Vermutlich handelt es sich bei diesem Wolfgang Käderspeck um denselben Mann, der ab 1647 als Bauer von Unterhartberg in Erscheinung tritt.

 

Im selben Jahr, 1647, heiratet Johann Götz die Steinacher Bauerstochter Barbara Hitzinger und übernimmt den Hof.
Es liegt nahe, dass Käderspeck zuvor die Witwe des Bartholomä Göz geheiratet hat und der Besitz nun an den Stiefsohn übergeht.
Das Ehepaar Johann und Barbara Götz hat fünf Söhne:

  • Georg (*12.1647)
  • Zacherias (*05.04.1650)
  • Johann (*12.06.1652)
  • Michael (*24.09.1655)
  • Georg (*04.07.1661), Hoferbe

 

 

Der jüngste Sohn Georg Götz übernimmt 1688 den Hof und heiratet Johanna Regina Fischer von Steinach Nr. 14.
Aus der Ehe gehen drei Kinder hervor:

  • Johann (*07.12.1693), der 1723 die Hafnerstochter Maria Wiesinger von Steinach Nr. 63 heiratet
  • Maria, die 1714 den Bauerssohn Johann Mühlbauer vom Berghof heiratet; nach einigen Jahren als Tagelöhner in Steinach verliert sich ihre Spur
  • Georg (*10.03.1697), Hoferbe

 

Nach dem Tod seiner Frau Regina heiratet Georg Götz 1698 in zweiter Ehe Magdalena Hainz von Haibach.
Aus dieser Verbindung stammen fünf weitere Kinder:

  • Mathias (+1699)
  • Sebastian (+1700)
  • Eva (*1701)
  • Johann Georg (*1703)
  • Maria (1706–1709)

 

Der Sohn Georg Götz aus erster Ehe übernimmt 1727 das Anwesen und heiratet Maria Foidl von Agendorf.
Die Ehe bleibt kinderlos.


Als Georg Götz 1757 stirbt, heiratet seine 64-jährige Witwe 1759 den 31-jährigen Halbbauerssohn Johann Michael Berger von Steinach Nr. 55.
Nach drei Jahren stirbt auch Maria, und der Witwer geht eine neue Ehe mit der Bauerstochter Maria Bründl von Oberniedersteinach ein.
Aus dieser Verbindung geht eine Tochter hervor:
Anna Maria (*1763), die 1789 den Häusler Bartholomäus Pummer von Münster Nr. 52 heiratet und mit ihm dorthin zieht.

 

 

 

Goetz Besitzer

 

 

Die Familie Habrunner (1783-1904)

 

Um 1783 kommt Mathias Habrunner aus Unterzeitldorn auf das Anwesen. Er heiratet die Schneiderstochter Maria Eva Haindl von Steinach Nr. 42.
Drei Kinder werden geboren:

  • Simon (*1784), als Kind verstorben
  • Johann (*1785)
  • Katharina (*1787)

Bei der Geburt des dritten Kindes stirbt Eva. Der Witwer heiratet zwei Monate später Anna Geith, Bauerstochter vom Dexenhof.
In dieser zweiten Ehe werden sechs weitere Kinder geboren:

  • Wolfgang (*1788), als Kind verstorben
  • Katharina (*1790), heiratet 1822 den Kufner Sebastian Haindl von Steinach Nr. 42
  • Maria Anna (*1791), heiratet 1831 den Schneider Georg Haindl von Steinach Nr. 19
  • Theresia (*1793)
  • Mathias (*1795), Hoferbe
  • Johann (1798–1800)

 

Im September 1833 verkauft Mathias Habrunner rund sieben Tagwerk Grund an die Steinacher Bauern Andreas Dietl, Johann Hahn, Georg Fuchs und Joseph Wallner.
Zwei Wochen später übergibt er den Hof mit den verbleibenden Grundstücken an seinen Sohn Mathias Habrunner jun.
Der 38-Jährige heiratet Maria Pummer, Müllerstochter von Steinburg.
Das Paar hat bereits einen vorehelich geborenen Sohn Johann Georg, da das damalige Ansässigmachungsgesetz eine Heirat ohne Immobilienbesitz nicht zulässt – erst mit der Hofübergabe ist die Eheschließung erlaubt.

 

Johann Georg Habrunner, das einzige Kind des Paares, heiratet 1858 die Halbbauerstochter Katharina Schwarzensteiner von Wiesing und übernimmt im selben Jahr den Hof.
Von den sechs Kindern des Ehepaares überlebt nur die Erstgeborene *Franziska (1859) das Säuglingsalter.


1872 stirbt Johann Georg an einem Lungengeschwür, und die Witwe heiratet den Söldnerssohn Johann Dengler von Kienberg.

Im April 1904 verkaufen Johann und Katharina Dengler das Anwesen mit 10 Hektar Grundbesitz an den Immobilienhändler Xaver Foidl von Straubing und ziehen in das Nebenhaus des Rothamer Hofes nach Rotham.

 

habrunner besitzer

 


Foidl veräußert anschließend mehrere Grundstücke und verkauft die verbleibende Hofstelle mit etwa 2 Hektar Restbesitz am 18. Mai 1904 an Martin Sieber von Münster Nr. 26 (Chorherrenstraße 14).

 

 

neg stei 27 auszug2

 Der Sieber-Hof in der Bachstraße
aufgenommen 1956
Bild: Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Bestand Luftbildverlag Bertram, München

 

 

Familie Sieber (ab 1904)


Der Viehhändler heiratet Maria Ameismeier, Söldnerstochter aus Münster Nr. 41.
Aus der Ehe gehen 13 Kinder hervor:

  • Maria (*1905), verh. Heilmeier
  • Martin (1906–1986), Hoferbe
  • Joseph (*1908)
  • Peter (1909–1955), Sägemeister in Steinach
  • Franz Xaver (*1910, gefallen 1942)
  • Johann Baptist (1912–1977), Gütler in Steinach Nr. 6
  • Franziska (1913–1997), verh. Nickles
  • Theresia (+1915)
  • Karl (*1916, gefallen 1943)
  • Katharina (1908–1994), verh. Kameter
  • Hedwig (*1919), verh. Krug
  • Georg (+1921)
  • Ludwig (1923–1987), Gütler in Steinach Nr. 69

 

 sieber besitzer

 

1957 übernimmt Martin Sieber den Hof. Er ist seit 1939 mit Anna Meier von Furth verheiratet.

 

neg stei 62 auszug

aufgenommen 1978
Bild: Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Bestand Luftbildverlag Bertram, München

 

Das alte Bauernhaus ist inzwischen abgerissen.

 

 

1 Schlicht Josef, Die Geschichte von Steinach, 1908, „Stift-, Kasten- und Salbuch über Schloß und Hofmarch Steinach 1583“
2 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Untertanen der Hofmark Steinach 1623
3 StA Landshut, Landschaft Unterlands Bd 1183, Steuerregister der Hofmarksuntertanen Steinach 1623
4 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Gilt und Ausstandregister der Untertanen zu Steinach 1641
5 BZAR, Pfarrmatrikel Steinach Bd.11, S. 29

 

Weitere Quellen:
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Stiftregister der Hofmark Steinach 1691
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Landsteuer der Hofmark Steinach 1699
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 248, Konskription der Untertanen der Hofmark Steinach 1752
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 514, Hofanlagsbuch der Hofmark Steinach 1760
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B79, Umschreibebuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokolle der Steuergemeinde Steinach von 1838
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127) 10579, Umschreibehefte zum Urkataster  der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1 – 72, 1843-1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127) 10582, Umschreibehefte zum 1. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1 – 55, 1859 – 1906
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127 10586, Umschreibehefte zum 2. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1-65, 1906 – 1960
BZAR Regensburg, Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach

 

Das ¼ Kappengut Hs.Nr. 39 in Agendorf

heute Leibl-Hof

 

1760: ¼ Kropfgütl  – 1808: Hs.Nr. 5 Kappenhof - heute Mitterfelser Str. 5

 

von Claudia Heigl

 

 

 

Auch dieser Hof zählt zu den alten Anwesen in Agendorf, die ursprünglich dem Augsburger Domkapitel gehörten.
Im Jahr 1535 erwarb Herzog Ludwig X. von Bayern die Besitzungen des Domkapitels – darunter auch diesen Hof in Agendorf. Seitdem wurden die Höfe vom Rentkastenamt Straubing verwaltet, an das die Bauern ihre Abgaben entrichten mussten.

 

uraufnahme

1838 erhielt der Hof die Hs.Nr. 39

Uraufnahme aus dem Jahr 1827
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

Die ersten Besitzer

1579 befindet sich der sogenannte Viertelbau im Besitz des Knodt Sebastian, laut Kaufbrief von 1541.1 Zum Anwesen gehörten ein hölzernes Wohnhaus, ein Stall und ein Backofen – alles in mittlerem Zustand. Der Wert wurde auf 15 Pfund Regensburger Pfennige geschätzt.2

 

1599 bewirtschaftet Andreas Khropf den Hof, in dessen Besitzverzeichnis eine Kuh vermerkt ist.3

Ihm folgt Melchior Hunger, der vermutlich die Witwe des Khropf heiratete.

1622 sterben Melchior Hunger und seine Ehefrau Margaretha. Die Vormünder ihrer Tochter Margaretha – Michael Hunger und Thomas Luttner – verkaufen den Hof an Andreas Kropf, vermutlich einen Sohn des früheren Besitzers Andreas Khropf.4

 

Die Familie Schmidbauer

Um 1633, wohl nach den ersten Schwedeneinfällen, zieht Stephan Schmidbauer mit seiner Frau Margaretha auf das Anwesen.

Sie haben vier Kinder:

  • Wolfgang (*06.12.1639)
  • Johann (*25.06.1642)
  • Thomas (*07.12.1645)
  • Maria (*26.03.1647)

 

1664 übergibt die verwitwete Margaretha Schmidbauer den Hof an ihren Sohn Wolfgang; ihr Sohn Johann erhält seinen Erbteil ausbezahlt.5

 

Wolfgang verdient zusätzlich seinen Lebensunterhalt als Leinweber und ist insgesamt viermal verheiratet. Mit seiner ersten Frau Margaretha bleiben keine Kinder bekannt. Nach deren Tod heiratet er 1666 Margaretha Wörl, Tochter eines Söldners aus Wolferszell Nr. 5.

Aus dieser Ehe stammen vier Kinder:

  • Paul (*1668), der 1684 beim Steinacher Hafner Georg Schuhbauer in die Lehre geht
  • Johann (*1670)
  • Maria (*1674), heiratet 1707 den Bauerssohn Johann Thurmayer vom Thanhof und übernimmt das Anwesen in Steinach Nr. 51
  • Georg (*1677)

 

Nach dem Tod seiner Frau Margaretha im Jahr 1678 verkauft Wolfgang den Hof in Agendorf an den Bruckmüller Georg Scherzer und zieht nach Steinach Nr. 51, wo er weiterhin als Leinweber tätig ist und 1707 stirbt.

 

Schmidbauer Besitzer

 

 

Von den Bründl zu den Schirmbrand

Um 1679 erwerben die Bauerseheleute Georg und Apollonia Bründl aus Hoerabach den Hof, vermutlich als Austragswohnung.
1693 geht der Besitz an ihren Sohn Martin, 1705 an den Enkel Georg über, die beide zugleich den Hof in Hoerabach bewirtschaften.

 

Bruendl Besitzer

 

 

1717 erwerben Maria und Wolfgang Schirmbrand das Anwesen.
Sie haben mindestens vier Kinder:

  • Johann Georg (*ca. 1710), Hoferbe
  • Maria (*1719)
  • Joseph (*1723)
  • Michael (1724–1725)

Nach dem Tod seiner Frau Maria im Jahr 1725 heiratet Wolfgang die 31-jährige Witwe Maria Viechtraubinger. Bei der Geburt des ersten gemeinsamen Kindes sterben sowohl Mutter als auch Tochter Maria Katharina kurz nacheinander.
In dritter Ehe vermählt sich Wolfgang mit der 40-jährigen Witwe Magdalena Rosenhamer.

 

1732 übernimmt Sohn Johann Georg den Hof und heiratet Maria Wartner, Söldnerstochter aus Scheibelsgrub.

Das Paar hat sieben Kinder:

  • Jakob (1733–1789), Söldner in Steinach Nr. 45
  • Maria Katharina (*1736), als Kind verstorben
  • Katharina (*1737), heiratet 1759 den Häusler Joseph Artmann aus Steinach Nr. 39
  • Franz (*1739), als Kind verstorben
  • Johann Georg (1741–1822), Hoferbe
  • Barbara (*1743)
  • Anna Maria (*1746)

 

Der jüngste Sohn Johann Georg übernimmt den Hof und heiratet 1767 Maria Anna Zeindlmayr, Bauerstochter aus Agendorf Nr. 34.
Aus dieser Ehe gehen sechs Kinder hervor:

  • Maria Magdalena (*1766)
  • Anna Maria (*1768), heiratet 1796 den Kramer Michael Musi aus Münster Nr. 16
  • Joseph (*1771), Hoferbe
  • Johann Georg (*1774)
  • Magdalena (*1776), heiratet 1800 Stephan Geiger aus Agendorf Nr. 41 und 1801 Jakob Färber
  • Maria Anna (*1777)

 

Sohn Joseph übernimmt 1808 den Hof und heiratet Maria Magdalena Bogner, Bauerstochter aus Rotham Nr. 29.
Die Ehe bleibt kinderlos.

 

 

Schirmbrand Besitzer

 

 

Die Brunner- und Neumaier-Zeit

1833 verkaufen sie das Anwesen an Georg Brunner aus Oberschneiding für 2.800 Gulden.

Georg Brunner ist mit Barbara Petzendorfer aus Hierlbach verheiratet. 1835 werden Zwillinge geboren, die jedoch bald sterben.
Der voreheliche Sohn Joseph stirbt 1847 mit 24 Jahren.

 

Brunner Besitzer

 

Das kinderlose Paar verkauft den Hof 1852 an Joseph Neumaier und dessen Ehefrau Maria, geb. Wagner, über deren Herkunft nichts bekannt ist.

1862 übernimmt die Tochter Anna Maria den Hof mit 28 Tagwerk Grundbesitz. Sie heiratet 1863 den Söldner Johann Fischer aus Münster Nr. 47 und zieht dorthin.

 

Der Hof wird verkauft, und in den folgenden zehn Jahren wechseln die Eigentümer mehrfach:

  • 23.04.1863: Ludwig Knott
  • 03.10.1864: Georg Sagstetter (Tausch gegen ein Anwesen in Bogen)
  • 01.07.1865: Mathias Wacker (Tausch)
  • 06.09.1865: Ludwig Knott (Kauf)
  • 16.06.1867: Peter Wurm, Wirt von Agendorf (durch Jurisdation)
  • 13.12.1869: Helena Wurm (Übernahme)

 

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Der Hof um 1947 
Aquarell gemalt von Lehrer Pöpperl
Quelle: Familie Leibl, Agendorf

 

 

 

Die Familie Räß und Leibl

Am 14.03.1872 erwerben schließlich Josef und Therese Räß den Hof mit 30 Tagwerk Grundbesitz für 12.575 Mark.
Therese, geborene Hierl, ist die Tochter des Agendorfer Schmieds Johann Hierl. Die Familie war zuvor in Herrnfehlburg ansässig, bevor sie nach Agendorf zog.


Das Paar hat sieben Kinder:

  • Therese (*1851)
  • Anna (1852–1941)
  • Philomena (1855–1941), heiratet 1884 in Parkstetten den Landwirt Franz Xaver Schätz aus Scheften und in zweiter Ehe 1892 Johann Ernst
  • Johann Baptist (1857–1921), Hoferbe
  • Therese (*1860)
  • Kreszenz (1862–1951), heiratet 1890 Joseph Schreiner, Söldner in Agendorf Nr. 43
  • Stephan (1868–1924), heiratet 1892 Therese Steinek aus Steinach Nr. 47

 

1881 übernimmt Johann Räß den Hof und heiratet Rosina Benedikt aus Eisenhart.
Das Paar hat zwei Töchter:

  • Rosina, spätere Hoferbin
  • Maria (*1893)
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Räß Johann und Rosina geb. Benedikt mit Tochter Rosina  verh. Leibl und Maria verh. Metzger
aufgenommen ca. 1910
Bild: Familie Leibl, Agendorf

 

 

Tochter Rosina heiratet 1913 Rupert Leibl, Bauerssohn aus Oberniedersteinach Nr. 8 und übernimmt den Hof.
Über seine Mutter, Maria Leibl geb. Dobmeier, schrieb der Steinacher Schlossbenefiziat die Erzählung Mutterlos.

Rosina und Rupert Leibl haben vier Kinder:

  • Maria (1914–1997), ledig
  • Rosina (*1919)
  • Johann (1921–1996), Hoferbe
  • Mathilde (1927–2015), verheiratet Spießl in Münster
 
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Rosina Leibl, geb. Räß und Rupert Leibl 
mit Sohn Johann, Tochter Rosina und Tochter Maria
aufgenommen ca. 1922
Bild: Familie Leibl, Agendorf

 

Leibl Besitzer

 

 

 

 

1951 übernimmt Sohn Johann Leibl (1921-1996) den Hof und heiratet Maria Sagstetter (1930-2016), Bauerstochter aus Niedermenach.

 

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aufgenommen ca. 1984
Bild: Familie Leibl, Agendorf

 

Ihre Nachfahren leben noch heute auf dem Hof.

 

 

1 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing B39, Sal- und Urbarsbuch über die propsteiischen Lehengüter des Rentkastenamts Straubing, 1579, fol. 55‘
2 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing B99, Steuerbuch des fürstl. Kasten Straubing 1578
3 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing B101, Steuerbuch des fürstl. Kasten Straubing 1599
4 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P39 , fol 82‘  Kaufvertrag vom 12.11.1622
5 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P59 III,  fol.411‘   Übergabe vom  27.06.1664

 

Weitere Quellen: 
BayHStA Kurbayern Hofkammer 515, Konskription des Hauptkastenamts Straubing Amt Trudendorf von 1760

StA Landshut, Rentamt Straubing B130, Häuser- und Rustikalsteuerkataster Trudendorf incl Agendorf 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B131, Umschreibebuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster Trudendorf incl Agendorf 1814 - 1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokoll der Steuergemeinde Agendorf von 1836
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9932 Umschreibeheft zum Grundsteuerkataster von Agendorf 1843 - 1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9935 Umschreibeheft zum Grundsteuerkataster von Agendorf 1859 - 1894
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9939 Umschreibeheft zum Grundsteuerkataster von Agendorf 1894 - 1960
BZA Regensburg, Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach

 

Stand: 26.10.2025