Beerdigungen

 

von Claudia Heigl

 

 

 

Die Beerdigungskultur hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr geändert.

Bis zum Bau eines Leichenhauses, nach dem Kirchenanbau um 1956, wurden die Verstorbenen zuhause aufgebahrt.
Bei der sog. „Totenwache“, in der der Rosenkranz gebetet wurde, nahmen auch die Nachbarn teil. Zur Beerdigung selbst lud die „Leichenfrau“ oder „Leichenbitterin“, die oft weit verzweigte Verwandtschaft ein. Das war zum Teil mit weiten Fußmärschen verbunden und wurde mit dem Aufkommen der Todesanzeigen abgelöst.  Zur Beerdigung versammelte sich die ganze Verwandtschaft und von fast jedem Haus im Dorf nahm eine Person teil. Beim „Leichentrunk“ ging es dann, je nach Verstorbenen, dann öfter sehr gesellig zu.

 

aufgebahrt

Eine aufgebahrte ältere Frau um 1915 und ein sechs Monate alter Säugling 1926
(Bilder: Archiv für Heimatgeschichte Steinach)

 

 

Albert Bachl (1888-1969) berichtet darüber in seinen Lebenserzählung „Bei uns dahoam“:
An zwei Abenden versammelten sich Erwachsene und Kinder zum Rosenkranzbeten im Haus des Toten. Es wurden zwei Rosenkränze gebetet. Während der Pausen gab es Bier und mit Salz bestreute Brotschnitten. Mit der Andacht war es bei dem Beten nicht weit her. Wenn der Verstorbene dadurch hätte erlöst werden sollen, dann wäre er heute noch im Fegfeuer. Die Männer bekamen auch einen Schnaps, der Kalmus hieß. Das Bier zeigte auch bald seine Wirkung, so dass die Unterhaltung nicht ins Stocken kam.

Wenn sich der Vorbeter einmal versprach, dann ging bei den Kindern ein Gekicher los. Keines konnte dann mehr aufhören. Nach dem Beten blieben die Leute noch eine Zeitlang sitzen. Die Männer erzählten Schauergeschichten, dass wir uns beim Heimgehen fürchteten.

Beim Leichenzug wird den Sargträgern voraus ein kleines Holzkreuz getragen, das später auf das Grab gesteckt wird. Bei Buben und Männern wird dazu ein Schulbub benötigt. Bei Mädchen und Jungfrauen trägt das Kreuzl ein weißgekleidetes Mädchen. Bei Frauen trägt es eine Frau. Außer dem Verdienst von 50 Pfennig hatte es noch den Vorteil, dass man schulfrei hatte und mit zum Leichentrunk ins Wirtshaus durfte.

Als ich schon ein kräftiger Bub war, durfte ich bei den Kindsleichen von Buben den Sarg tragen. Die Bezahlung war das Doppelte wie für das Kreuzltragen, also eine Mark. Das haute hin. Ich war da ein ganz lustiger Leidtragender. Allerdings war das Tragen des Sarges unterm Arm nicht so leicht. Der kantige Sarg drückte oft in den Arm. Je nach der Länge des Weges wechselte ich oft von einem Arm unter den andern. Das Kinderl im Sarg verrutschte natürlich auch immer auf die Seite, wo es mich am stärksten einschnitt. Wenn die Leichenwärterin, die mit der Laterne neben mir ging sah, dass mir das Särglein allzu schwer wurde, nahm sie es mir ein bisschen ab. Wenn sich meine Hände und Arme wieder erholt hatten, gab sie es mir wieder zurück. Herzlich froh war ich dann, wenn der Friedhof erreicht war.

Nach der Beerdigung durften wir zwei Buben, der Kreuzltrager und ich, auch mit ins Wirtshaus. Da gab es Bier und Brezen.“

 

 

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Das neuerbaute Leichenhaus in Steinach um 1960
In Münster wird die ehemalige Pfarrkirche St. Martin als Leichenhaus genutzt.

 

 

Von dem Bauern und Hobbyfotografen Max Hiegeist ist eine Fotoreportage über die Beerdigung seiner Ehefrau Maria Hiegeist vorhanden. Die junge Bäuerin starb im Juli 1942 im Alter von 32 Jahren und hinterließ vier Kinder im Alter von neun Jahren bis zu einem Jahr.

Das seltene Bildmaterial zeigt den Ablauf der Beerdigung:
- Versammlung der Trauergemeinde am Hof
- Erscheinen des Pfarrers
- Der Sarg wird aus dem Haus getragen, auf die Bahre gelegt und mit Kränzen geschmückt.
- Aussegnung durch den Pfarrer
- Trauerzug zu Fuß vom Hof in Hoerabach zur Steinacher Pfarrkirche. Dabei wird der Sarg von vier Männern getragen.
- Vor dem Sarg tragen zwei Frauen das Kreuz und die Laterne
- Der Zug zieht durch Agendorf nach Steinach, an dem sich immer weitere Trauergäste anschließen.
- Schließlich bewegt sich ein langer Trauerzug zur Pfarrkirche.
- Nach dem Gottesdienst wird der Sarg ins Grab gelassen.

 

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