Filialkirche St. Stephanus auf dem Kapflberg

 

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Über dem Hügel von Wolferszell steht weit sichtbar die Steinacher  Filialkirche St. Stephanus. Als Kapflberg (Kapfelberg, Kaplberg) wird nicht allein die Einöde bezeichnet, sondern der gesamte, in Richtung Kinsach sich erstreckende Hügelausläufer.

Bereits um 1190 erscheint Chapelberg in einem Verzeichnis des Klosters Oberalteich.[i]

Die Frühgeschichte der Nebenkirche auf Kapflberg, die ursprünglich der hl. Ursula geweiht war, konnte bis heute nicht geklärt werden, weder in baulicher Hinsicht noch bezüglich der Entstehung der Kirchenstiftung (Fundation).
Die Diözesan-Matrikel von 1590 nennt für Kapflberg als Hauptaltar den zu Ehren der hl. Ursula, den anderen zur Ehren der hl. Anna und den dritten auf der rechten Seite zu Ehren des hl. Stephanus.
In der Diözesanvisitation von 1665 für der Erzdekan Gedeon Forster von Pondorf bei der "Capella S. Ursulae übern Käpfelberg" folgende drei Altäre auf: Der erste zu Ehren der hl. Ursula, der zweite zu Ehren des hl. Stephanus und der dritte zu Ehren des hl. Vitus.

 

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Aufgang zur Kirche

 

In einem Schreiben vom 7.5.1986 an das Kath. Pfarramt Steinach äußerte sich Kreisarchäologe Karl Böhm auf entsprechende Anfrage:
Sicher ist, dass der gesamte obere Teil des Berges künstlich versteilte Hänge aufweist. 30 Meter über dem Kinsachtal beherrscht er, damals wahrscheinlich weitgehend waldfrei, wie eine nach Westen vorgeschobene Bastion den Zugang zum Kinsachtal. Aus machtpolitischen Erwägungen ist eine befestigte Anlage, von der aus die Straße durch das Kinsachtal überwacht werden konnte, am besten auf dem Kapfelberg zu errichten. Hier muss die aus der Donaueben bei Straubing kommende Straße, die heutige B 20, erstmals durch eine natürliche Engstelle, ehe sie dem Kinsachtal aufwärts zu einem uralten Übergang Richtung Cham folgt…

Auf dem Platz im Westen vor der Kapelle, d.h. direkt über dem Kinsachtal, lassen Scherbenfunde und Bewuchsmerkmale auf unterirdisch noch vorhandene  Maurerzüge schließen. Im regenarmen Sommer 1984 ergaben die vertrocknenden Rübenpflanzen eine unnatürliche Linie, die das ganze Plateau umzog. Dies lässt auf eine knapp unter der Oberfläche liegende Mauer schließen, die die natürliche Wasserzufuhr zu den Pflanzen unterband.“[ii]

Bei der Bergung von zwei Skeletten anlässlich der Kanalisationsarbeiten – diese Skelette wurden etwa 50 cm unter der Erdoberfläche nahe an der nördlichen und westlichen Außenmauer entdeckt; ein drittes Skelett wurde in ähnlicher Lage bei der südlichen Außenmauer gefunden, wobei aber nur mehr die Schädelkalotte sichergestellt werden konnte – wurden von einem Mitarbeiter des Landesamtes für Bodendenkmalpflege aufgrund verschiedener Indizien die vorsichtige Vermutung ausgesprochen, dass hier eine Wehrburg gestanden haben könnte, von der die Burgkapelle als einziger Baukörper überlebt habe. Die erwähnten Funde – auch Tonscherben waren dabei – müssen erst noch ausgewertet werden. Fest steht jedenfalls, dass im Umfeld der Kirche immer wieder Tonscherben gefunden wurden und dass sich Mauerreste im Boden verdeckt befinden.[iii]

Ein gemauerter unterirdischer Gang  verläuft von der Kirche weg, unter dem gesamten Plateau,  in südwestlicher Richtung. Hier könnte es sich um den Fluchttunnel einer Burg oder befestigten Anlage gehandelt habe. Der Eingang des Tunnels befindet sich in der Kirche und ist durch den Bodenbelag verdeckt worden.

Bei der Renovierung in den 1980er Jahren wurden noch mehrere Skelette um der Kirche herum gefunden, die in Särgen beerdigt worden waren. Es wurde vermutet, dass Kapflberg auch als Pestfriedhof genutzt wurde.

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 aufgenommen 2017
Bild: Claudia Heigl

 

Lt. Josef Schlicht wird in der zweitältesten Kirchenrechnung von 1554 das „Gotshauß auf dem Käpflberg“ erwähnt. Die Kapflberger Kirche hat eine altherkömmliche Wochenmesse (Dienstag) für das unten liegende Dorf Wolferszell.[iv]

Für diese Stiftsmesse dürfte der Hof in Aign und die Einkünfte von Wiesen und Äckern von drei weiteren Höfen gestiftet worden sein. Wer dieser Stifter war ist noch ungeklärt.

Im Staatsarchiv Landshut liegt das alte Salbuch aus dem Jahr 1592 vom „Sanct Ursula Gotshauß aufm Khäpflperg.“[v]  Das Gotteshaus bekommt von verschiedenen Besitzungen Einkünfte von jährlich  insg. 6 Gulden, 5 Schillinge, 15 Pfennige.

  • Hans Eittenharter am Aigen[vi] besitzt einen Hof alda Erbrechtsweis, dazu gehört ein Haus, Stadl und Backhofen, alles ziemlich erbaut, auch an die drei Wälder, Wiesen und Äcker, davon dient er dem Gotteshaus jährlich an Gilt 3 Gulden 4 Schillinge 25 Pfennige.
  • Andre Rosenhamer an der Pruckmühl dient Erbrechtsweis von einem halben Tagwerk Wiesmadt bei der Pruckmühl liegend dem Gotteshaus jährlich 2 Schillinge 15 Regensburger Pfennige.
  • Hans Rötl zu Zachersdorf dient dem Gotteshaus jährlich von einem Tagwerk Wiesmadt zu negst beim Khrahof liegend 4 Schilling 5 Pfennige
  • Paulus Vischer zu Wolferszell  dient Leibgedingsweis von einer Wismadt und zwei Äckern dem Gotteshaus jährlich an Gütl 2 Gulden 1 Schillingpfennig.

 

 

 Stiftertafel

Der Wolferszeller Bauer Sebastian Rothamer und seine Ehefrau Ursula (Hs.Nr. 15)  haben 1780 einen neuen Altar gestiftet.
Bild: Claudia Heigl

 

 

Im Laufe der Jahrhunderte erfuhr die Kirche immer wieder Veränderungen:

Im Jahre 1780 wurde der Altar erneuert, wie uns die Stiftertafel verrät.

1848 wurde durch Pfarrer Pentner, die Kirche zum Teil grundlegend verändert.
Kern der Renovierung war die Aufstockung des gesamten Gebäudes um ca. 80 cm, damit der neu erworbene Altar aus der Pfarrei St. Jakob in Straubing hineinpasste. Das hatte mit Sicherheit zur Folge, einen neuen Dachstuhl und einen neuen Glockenturm für die schon vorhandenen 2 Glocken mit Schindeldachung und den Ausbau der jetzigen 6 Fenster. Hinzu kam eine neue Inneneinrichtung (Bestuhlung, Kanzel und die neue Empore mit Treppenaufgang, welche letztere aber erst 1869 zur Ausführung kam). Die bisherige, niedrige, spitzbogige Eingangstüre am westlichen Ende der Südmauer wurde, ebenso wie ein Fenster in deren Nähe, zugemauert und ein neuer Zugang mit Westgiebel mit spitzbogiger Granitumrandung und neugotischer Holztüre geschaffen; dazu auch das Vorhaus. In den Kunstdenkmälern von Bayern heißt es: „Bau des 15. Jahrhunderts, durch Restaurierung und Erweiterung von 1845 fast ganz seines alten Charakters beraubt“.[vii]

 

 

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 aufgenommen 2017
Bild: Claudia Heigl

 

1909 zersprang die alte Glocke und es wurde von der Gießerei Gugg in Straubing eine neue Glocke (Ton c, 54 kg) gegossen. Die zweite Glocke (Ton as, 75 kg) ist aus dem Jahr 1757 von dem Glockengießer Florito.

Die letzte große Renovierung fand 1986 durch Pfarrer Dotzler statt. Bei der Innenrestaurierung wurden u.a. Fresken aus dem Jahre 1502 freigelegt.

 

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 aufgenommen 2017
Bild: Claudia Heigl

 

Die Kirche am Kapflberg lag vor allem von den Wolferszellern sehr am Herzen und wurde von diesen  diese immer wieder großzügig unterstützt.

Drei sind hier besonders nochmals hervorgehoben:

- als der Wirt Christoph Bergmaier 1759 starb, schrieb der Pfarrer ins Sterbebuch „ein ausgezeichneter Guttäter des Pfarrgotteshauses zu Steinach, der Corporis Christi Bruderschaft dahier und der Kirche auf dem Kapfelberg

- 1780 ließ der Bauern Sebastian Rothamer lt. Stiftertafel, den Alter erneuern.

- 1980 wurde zum Andenken von Karolina Schuhbauer, einer weiteren Wohltäterin, eine Gedenktafel im Vorraum der Kirche errichtet.

 

Das Mesneranwesen auf dem Kapflberg

Zu dem Besitz gehörte noch das Mesnerhaus, die Wiese um die Kirche mit einem Gartenacker und die „Diestlpointwiese“, eine Wiese an der  Kinsach. Seit Beginn der Steinacher Kirchenbücher 1639 sind die Mesner in Kapflberg namentlich alle bekannt. Hieraus lässt sich sehen, dass das Amt meist durch Vererbung oder Heirat weitergegeben wurde.

 

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Das Mesnerhaus, aufgenommen um 1910, wurde 1938 abgebrochen

 

Als Unterhalt erhielt der Mesner auf dem Kapflberg von fast jedem Anwesen in Wolferszell, Pellham, Rotham und Agendorf, je nach Hofgröße, jährlich als Abgabe eine Weizen- und/oder Kornläutgarbe.[viii]

Als man sich 1818 mit dem Gedanken trägt, die Filialkirche abzureißen, da diese in einem erbärmlichen Zustand sei, bat der damalige Mesner Mathias Kiefel das Mesner-Wohnhaus und den dazugehörigen Grund um 372 Gulden für sich bzw. seinen Sohn Jakob kaufen zu dürfen, wobei er den Mesnerdienst wie bisher weiter verrichten wolle. Hierzu kam es jedoch nicht und Mathias Kiefel gab am 21. September 1828 den Mesnerdienst an die Gemeinde Agendorf zurück und zog mit seinem Sohn nach Straubing.

Schließlich verkaufte 1845 Pfarrer Pentner das Mesneranwesen an den Wolferszeller Wirt Josef Schreiber um die geplanten und dringend notwendigen Umbaumaßnahmen durchführen zu können, da ansonsten die Kirchenstiftung Kapflberg das Geld hätte nicht aufbringen können. Seitdem ist das Mesneranwesen in Privatbesitz.

 

Die Mesner auf dem Kapflberg

1644: Martin Lipel

1646-1650: Wolfgang Haimerl von Pillnach und Christina geb. Lipel

1650-1690: Sebastian Kornprobst von Scheibelsgrub u. Katharina geb. Schmidbauer /2.oo Maria geb. Bielmeier

1691: Georg Hohbauer/Hofbauer u. Magdalena

1714-1737: Lorenz Huber von Wolferszell u. Katharina geb. Hofbauer(Hohbauer)

1737-1768: Johann Krieger von Wolferszell u. Witwe Katharina Huber / 2.oo Ursula geb. Bachmaier

1768-1827: Franz Kiefel von Gschwendt u. Witwe Ursula Krieger

1799-1828: Mathias Kiefel von Steinach u. Walburga geb. Krieger /2.oo Katharina geb. Michl

ab 1828: Markus Strasser von Wolferszell

1830-1848: Jakob Agsteiner von Münster u. Anna Maria geb. Wagner (Nichte d. Vorgängers)

1848-1849: Stephan Zwinger

1849-1876: Michael Geiger von Wolferszell u. Katharina geb. Grill

1876-1902: Joseph Schwanzer von Denkzell u. Katharina geb. Vogl

1902-1939: Joseph Schwanzer u. Anna geb. Listl

ab 1939 Familie Koller

 

Detaillierte Angaben zu den Mesnerfamilien liegen im Archiv für Heimatgeschichte in Steinach vor und können dort eingesehen werden.

                                                                                        

Text: Claudia Heigl

Bilder: Archiv für Heimatgeschichte

 

Quellen:

[i] Dotzler L., Festschrift 700 Jahre Pfarrgemeinde Steinach, herausgegeben durch die Pfarrgemeinde Steinach 1985, S.53
[ii] Dotzler L., Kapfelberg und seine Nebenkirche St. Stephan, Mitterfelser Magazin, Nr. 7/2001, S.82
[iii] s. Anm. 1, S.55
[iv] Schlicht J., Steinach. Ein niederbayerisches Geschichtsbild veröffentlicht im Straubinger Tagblatt Nr. 5 am 27.1.1883
[v] StA Landshut, Rentkastenamt Straubing B 124
[vi] gemeint ist hier Johann Eisenharter, Bauer in Aign b. Mitterfels
[vii] Die Kunstdenkmäler von Bayern, Bezirksamt Straubing, Bd.XII, München 1925 (1982)
[viii] Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokoll der Steuergemeinde Agendorf vom 20.10.1838. Die Läutgarben war die Entlohnung des Mesners in Naturalien für das Glockenläuten.
[ix] Schlicht J., Steinach. Ein niederbayerisches Geschichtsbild erschienen im Straubinger Tagblatt Nr. 50 am 11.12.1882
[x] Dotzler L., Kapfelberg und seine Nebenkirche St. Stephan, Mitterfelser Magazin, Nr. 7/2001, S.82