Das Gstettenbauer-Gütl Hs.Nr. 37, ehemals Bäckerei Geier
ab 1890 Hs.Nr. 53, heute Schiedermeierplatz 1
von Claudia Heigl
Auch dieses Haus in der Nähe der ehemaligen Stiftskirche St. Tiburtius war vermutlich einst Wohnsitz eines Chorherren – wie viele Gebäude rund um die Kirche.
Das Haus erhielt 1838 die Hausnummer 37
Uraufnahme aus dem Jahr 1827
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas
Die Anfänge im 17. Jahrhundert
Um 1642 erwarb der frühere Müller von Steinach, Michael Greimuth, das Anwesen. Er lebte seit 1635 mit seiner Frau Margaretha Spormair, einer Witwe, in Münster und arbeitete dort als Metzger.
Tochter Katharina heiratet 1677 Georg Haslinger, den Bestandsinhaber des „Wüldtphaus“ in Münster. 1
Etwa um 1663 übernimmt Sohn Michael Greimuth das Haus. Auch er war Metzger und mit Ursula Pichlmair verheiratet.
Das Paar hatte zwölf Kinder:
- Georg (*1664)
- Ursula (*1666) heiratet 1687 Thomas Murer von Niederhaus
- Michael (1667-1668)
- Anna (*1669) heiratet 1693 Dionysius Ächter von Pirka und wohnt in Münster
- Mathias (1670-1695)
- Jakob (*1672)
- Michael (1674-1736), Hoferbe
- Bartholomäus (*1675)
- Franz (*1676)
- Sebastian (*1678)
- Lucia (*1679)
- Margaretha (*1684) heiratet 1709 Johann Sandweger von Rain.
Im Jahr 1685 musste Michael Greimuth für das Anwesen verschiedene Abgaben leisten – darunter Geld, Naturalien wie Eier und Hennen, Rauchsemmeln, sowie Abgaben für Wiesen und Grundstücke und eine Brandstatt. Vermutlich handelte es sich hier um das aus Stein erbaute ehemalige Chorherrenhaus.2
1702 heiratet Michael Greimuth (der Sohn) Walburga Weinmann von Unterparkstetten.
Deren Sohn Gallus Greimuth tritt 1735 das Erbe an. Er heiratet zunächst Walburga Artmann von Wasserbrunn bei Aiterhofen. Nach deren Tod nimmt er die Magd Katharina Kiermayer aus Plattling zur zweiten Frau.
1748 zieht Gallus als Halbbauer nach Roth bei Falkenfels. Die Erbgerechtigkeit an Haus, Stadl, Garten und Feldern verkauft er für 230 Gulden an seine Schwester Maria und deren zukünftigen Ehemann. Er behält sich jedoch das Wohnrecht im „Stübl neben der Kammer“ vor, falls er seinen Hof verkaufen oder übergeben sollte.3
Zwei Jahre später heiratet Maria Greimuth den Häusler Lorenz Gstettenbauer aus Öbling. Deren Sohn Lorenz übernimmt 1778 das Anwesen und heiratet Anna Maria Gerl, die Tochter eines Söldners aus Obermiethnach.
1813 geht das Anwesen an Magdalena Thanner, eine Nichte von Anna Maria. Sie heiratet Michael Soller, einen Bauerssohn aus Kreuzkirchen. Nach seinem frühen Tod ehelicht sie Joseph Holzer aus Steinach.
19. Jahrhundert – viele Besitzwechsel
Das Anwesen wurde wohl in den folgenden Jahren verkauft. 1831 erwarb Thomas Mühlbauer aus Straubing das Haus von Joseph Babel für 750 Gulden. Mühlbauer hatte mit Walburga Gmeinwieser, der Tochter eines Söldners aus Irschenbach, bereits zwei voreheliche Kinder. Mit dem Hauskauf konnten die beiden schließlich heiraten. Zwei weitere Kinder wurden in Münster geboren. (siehe Ansässigmachung und Verehelichung)
Am 27. Februar 1834 bringt die 38-jährige das Mittagessen ihrem auf dem Feld arbeitenden Ehemann und der älteren Tochter. Auf dem Rückweg gerät sie am sog. Armenseelenberg bei Waldarbeiten unter einen Baum, wobei ihre Hüfte und das Bein gebrochen werden. Schwer verletzt stirbt sie schließlich am 18. März und hinterlässt vier Kinder. Drei Monate später ehelicht der Witwer Barbara Schütz von Haunsbach.
1848 übernimmt die älteste Tochter Katharina das Gütl und heiratet den Zimmermannssohn Georg Sporrer von Aufroth. Nach dessen frühem Tod 1854 ging sie 1855 eine zweite Ehe mit Friedrich Magerl ein.
Die Herkunft des Friedrich Magerl ist etwas außergewöhnlich. Er entstammt einer Liaison zwischen dem Oberst Leutnant Friedrich Franz Xaver Joseph, Freiherr von Magerl (1785-1875) und der Dienstmagd Katharina Huber (*1796 in Kößnach) von Fahrnhaus.4
Die Freiherrn von Magerl waren zu dieser Zeit Hofmarksherren und Gutsbesitzer von Saulburg. Friedrich war der zweitgeborene Sohn des Hofmarksherrn und trat eine militärische Laufbahn an und wurde königl. bayer. Generalleutnant. Von 1829-1843 war er Kommandant des K.B. Kürassier Regiments in Passau.
Der uneheliche Sohn Friedrich trägt zwar den Familiennamen des Vaters (was zu dieser Zeit üblich war, wenn der Vater die Vaterschaft anerkannte), jedoch nicht dessen Adelstitel.
Aus dieser zweiten Ehe gehen drei Kinder hervor:
- Joseph (*+1856) stirbt mit drei Monaten an Fraisen
- Friedrich (*1858) heiratet in erster Ehe eine Maria Hecht und 1919 in zweiter Ehe eine Anna Schwarzmaier verwitwete Ritzenthaler von Galgweis. Er ist Schulhausmeister in München
- Ludwig (1863-1951) Schuhmacher in Münster Nr. 67, später in Münster Nr. 46
1867 erwirbt ein Joseph Schmid das Anwesen mit 14,6 Tagwerk Grundbesitz um 2 400 Gulden, der es 1869 an die Schmiedseheleute Georg und Anna Berl um 3 061 Gulden weiterverkauft.
1874 übernimmt den Besitz ihr Sohn Georg Berl jun., der eine Franziska Feldmeier von Oberwiesing ehelicht.
1888 kommen bereits wieder neue Eigentümer auf das Anwesen: Jakob und Franziska Aumer.
1894 folgen Josef Piendl und dessen Ehefrau Anna, geb. Kulzer.
1897 tauscht ein Georg Pongratz das Anwesen gegen seinen Besitz in Lengau Nr. 74.
Die Bäckerei im Haus
aufgenommen im Jahr 1956
Quelle: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Bestand Luftbildverlag Bertram, München
1901 wurde das Anwesen von Joseph und Kreszenz Gassenhuber aus Irlbach erworben, die im Haus eine Bäckerei einrichteten. Im selben Jahr heiratete Josephs Schwester Maria den Wirt Joseph Solleder vom „unteren Wirtshaus“ in Münster.
1912 kam es zur Zwangsversteigerung – vermutlich aufgrund unbezahlter Mehllieferungen. Die Müllerseheleute Wolfgang und Franziska Dorfner aus Wolferszell ersteigerten das Anwesen für 14.414 Mark.
1917 verkauften sie die Bäckerei an Franz und Kreszenz Münch aus Eschlkam.
Das Paar baute 1935 ein neues Haus im Waldweg (heute Waldweg 12) und verkaufte das alte Bäckerhaus an Rosina und Johann Menauer aus Rattiszell.
Am 8. April 1938 erwarben Johann und Johanna Geier aus Münster Nr. 31 die Bäckerei und führten den Betrieb gemeinsam weiter. Nach dem Unfalltod ihres Ehemannes übernahm Johanna Geier die Bäckerei alleine. Später wurde daraus ein reiner Lebensmittelladen, der schließlich in den 1980er Jahren geschlossen wurde.
aufgenommen 1957
Bild: Familie Weiser, Münster
1 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 640 II, fol 25 Heiratsvertrag 1677
2 BayHStA München, Straubing Kollegiatstift St. Jakob und Tiburtius KL 3, Zins- und Stiftbuch, fol. 129‘, Für die Brandstätte musste er 1 Schilling 30 Kreuzer an Abgaben leisten, während für sein jetziges Haus nur 18 Kreuzer 4 Heller anfielen.
3 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 645 I, fol.103 Übergabe den 22.06.1748
4 BZAR Pfarrmatrikel Kirchroth Bd.4/179, S. 346
Weitere Quellen:
BayHStA München, KL Straubing Kollegiatstift St. Jakob und Tiburtius 3, ins- und Stiftbuch 1685
BayHStA München, Hofanlagsbuchhaltung 248, Steuerkonskription der Hofmark Münster 1752
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser u Rustikalsteuerkataster Münster incl Steinach rev Duplikat 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B79, Umschreibbuch zum Häuser und Rustikalsteuerkataster Münster incl Steinach 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokoll der Steuergemeinde Münster von 1838
StA Landshut, Grundsteuerkataster 10279, Umschreibehefte Münster Hs.Nr. 3-59 von 1843 – 1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster 10283, Umschreibehefte Münster Hs.Nr. 1 - 69 von 1859-1893
StA Landshut, Grundsteuerkataster 10289, Umschreibehefte Münster Hs.Nr. 84 bis Ende von 1893 – 1960
Bischöfliches Zentralarchiv Regensburg, Pfarrmatrikel Pfaffmünster
Stand: 23.06.2025