Die Schlosserei Aumer Hs.Nr. 41

 

heute August-Schmieder-Str. 25

 

 von Claudia Heigl

 

 

Kurz vor dem Schloss befand sich im oberen Dorf ein Häusleranwesen. 

Es dürfte zu den alten Ansiedelungen des Dorfes gehören. Die genauen Besitzer des Anwesens lassen sich erst Ende des 17. Jahrhunderts nachvollziehen.

 

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 Uraufnahme aus dem Jahr 1827
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

Der erste bekannte Bewohner dieses Anwesens war Johann Diez, der mit Ursula Deblinger von Pellham, einer Bauerstochter, verheiratet war. Diez stammte vom Pürstenberg ab, was vermutlich die Herkunft des Namens "Pürstenhäusl" erklärt, wie es im Hofanlagsbuch von 1760 vermerkt ist1. Über sechs Generationen blieb die Familie auf diesem Anwesen.

 

Im Jahr 1727 übernahm Tochter Katharina Diez das Anwesen, nachdem sie den Bauernsohn Michael Foidl von Agendorf geheiratet hatte.

Deren Tochter Ursula Foidl übernahm 1752 ebenfalls das Gütl und heiratete Adam Steinbauer von Riedelswald.

Wiederum ging der Besitz an eine Tochter über, Margaretha Steinbauer, die sich 1752 mit Sebastian Landstorfer von Willerszell vermählte.

Der Sohn Simon Landstorfer erbte das Anwesen 1811 und heiratete Katharina Waas, eine Bauerstochter aus Steinach.

 
Im Jahr 1822 brach ein Brand im gegenüberliegenden Haus aus, der wahrscheinlich auch das Anwesen in Mitleidenschaft zog.

 

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Das Bachl-Haus um 1930

 
1846 ging das Anwesen an die Tochter Katharina Landstorfer. Sie heiratete Jakob Echinger von Münster, einen Einwohnerssohn, der zu dieser Zeit das Ansässigmachungsgesetz in Bayern erfüllen musste.

Dieses Gesetz erlaubte Heiraten oder das Ansässigwerden nur Personen mit einem gewissen Grundvermögen und der Zustimmung des Gemeindevorstandes und des Gemeindeausschusses (Bauernfünfer). Da Katharina das Anwesen von ihren Eltern übertragen bekam und ihr Ehemann über erspartes Geld verfügte, erlaubte man beiden die Heirat und Jakob wurde in Steinach sesshaft. Es existiert ein ausführlicher Akt zur Ansässigmachung im Staatsarchiv Landshut2.

1869 verstarb Jakob, der 51 Jahre alt war, an einem Nervenfieber. Seine 52-jährige Witwe Katharina heiratete daraufhin Johann Hauser von Giglberg.

 

41 Besitzerfolge

 

 

Nach dem Tod seiner Ehefrau entschied sich 1844 Johann Hauser dazu, das Anwesen an Alois Bachl, einem Bauerssohn aus dem Bachl-Hof in Steinach, zu verkaufen. Im gleichen Jahr heiratete Alois Bachl die Gütlerstochter Kreszenz Altschäffel von Wolferszell Hs.Nr. 4.
Kreszenz war 44 Jahre als Hebamme in Steinach tätig und half nach eigenen Angaben ca. 3.500 Kinder auf die Welt. Sie galt als resolute und energische Frau.

 

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 Die Hebamme Kreszenz Bachl 
(Bild: Annelies Dietl, München)

 

Der Hebammenberuf war zweifellos anspruchsvoll. Katharina hatte selbst acht Kinder und ein kleines Anwesen zu versorgen und musste bei jeder Tag- und Nachtzeit zur Verfügung stehen. Im Jahr hatte sie im Durchschnitt 50 Geburten alleine in der Pfarrei Steinach zu betreuen.

Die Kinder des Ehepaares:
- Joseph * 1885
- Alois (1887-1968), lebte auf dem Sackhof
- Albert (1888-1969), Postobersekretär in Regensburg. Verfasser der Kindheitserinnerungen "Bei uns dahoam". Seine Tochter Annelies Dietl veröffentlichte ebenfalls ihre Kindheitserinnerungen, die im Buchhandel erhältlich sind3.
- Georg *1890
- Anna (1892-1976) heiratete Franz Xaver Hagenauer von Steinach
- Ferdinand (1893-1975), seit 1927 Binder in Steinach Nr. 96

- Maria *1896, wurde Ordensschwester
- Justina (1898-1983) übernahm das Anwesen

 

Sohn Albert Bachl verfasste seine Kindheitserinnerungen „Bei uns dahoam“ mit knapp 80 Jahren. Seine Erzählungen geben Einblick in das Leben dieser kinderreichen Gütlersfamilie und beschreiben den Jahreszyklus sowie Feste und Bräuche in Steinach um die Jahrhundertwende.

 

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 Die Familie Bachl 1934
Stehend v.l. Joseph, Justina verh. Huber, Maria, Anna verh. Hagenauer, Alois, Ferdinand
vorne v.l.: Albert, Kreszenz u. Alois, Georg
Bild: Familie Schweiger, Steinach

 

 

Die jüngste Tochter Justina erbte das Anwesen und heiratete 1927 Josef Huber von Vorderbuchberg. Josef Huber richtete in der Garage des Anwesens das erste Elektroinstallateur-Geschäft in Steinach ein.
1959 verkauften das kinderlose Ehepaar Justina und Josef Huber das Elternanwesen und zogen in das Haus von Justinas Schwester Anna Hagenauer.

 

 

Bachl Huber Besitzerfolge

 

 

Neuer Eigentümer des Anwesens war Ludwig Aumer, ein Schlosser- und Spenglermeister aus Au b. Ascha. 1958 absolvierte er zusätzlich eine Meisterprüfung als Installateur- und Heizungsbauer und führte sein Geschäft in diesem Haus.

 

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 Im Hintergrund das Aumer-Haus
aufgenommen 1968 bei der Fahnenweihe der KuSK Steinach

 

 

1 BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 514, Hofanlagsbuch der Hofmark Steinach 1760
2 StA Landshut, Patrimonalgerichte 4468
3 Dietl Annelies; Nicht nachweinen: Eine Kindheitsgeschichte, 2004, ISBN 978-3920821405

 

Weitere Quellen:
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Stiftregister der Hofmark Steinach 1691
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Landsteuer der Hofmark Steinach 1699
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1808
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127), Sig. 17/42-4, Umschreibehefte zum Urkataster  der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1 – 72, 1843-1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127), Sig. 17/42-7, Umschreibehefte zum 1. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1 – 55, 1859 – 1906
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127), Sig. 17/42-11, Umschreibehefte zum 2. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1-65, 1906 – 1960