Der Pfarrhof in Steinach

 

von Hans Agsteiner

 

 

pfarrhof 1991

Der alte Pfarrhof mit der Pfarrkiche St. Michael
aufgenommen 1983
Bild: Pfarrer Mass

 

 

 

1586 – der erste bekannte Pfarrhof

Der größte Grundherr in und um Steinach war im hohen Mittelalter das Augsburger Domkapitel.

Das Domkapitel fühlte sich auch für das Seelenheil der Steinacher verantwortlich. Deshalb errichtete es in Steinach eine Pfarrei mit der Pfarrkirche St. Michael und für den Ortsgeistlichen einen Pfarrhof. 1586 wird erstmals ein Steinacher Pfarrhof urkundlich erwähnt. Er war damals aber schon alt und befand sich in keinem guten Zustand. So wird berichtet, dass „alles Gebäu für Wohnung und Ökonomie des Pfarrers dem Einsturz nahe ist“.


Um diese Zeit ist Andreas Eckenhofer Pfarrer in Steinach. Kurz zuvor, im Jahr 1535, war eine große Veränderung in den Grundbesitzverhältnissen eingetreten. Der Herzog hatte auf Wunsch der aufstrebenden Straubinger Bürgerschaft dem Augsburger Domkapitel die Grundherrenrecht in und um Straubing und Steinach abgekauft. Das Straubinger Terrain verkaufte er weiter an die Bürger, den Steinacher Besitz veräußerte er 1540 an seinen Rat und Ritter von Steinach Christoph von der Warth. Das „Lehen auf Kirche und Widen“ behält er sich aber zurück, so dass die Steinacher Pfarrer von dem Landesfürsten ernannt wurden und auch ihrer direkten Gerichtsbarkeit unterstanden.
Als Hofratspräsident Dr. Wiguläus Hundt den Edelsitz Steinach 1583 kaufte, da erwies ihm Herzog Wilhelm V. eine ganz besondere Fürstengnade. Er trat das Pfarrpatronat von Steinach dem Hofmarksherrn ab. Dieser Gnadenerweis blieb während der gesamten Besitzzeit der Familie Hundt und ging dann wieder an den bayerischen Herzog zurück.

Wiguläus Hundt bestellte den Münchner Andreas Eckenhofer 1586 zum Pfarrer und setzte ihn gleichzeitig, zur Aufbesserung seiner Einkünfte, als Benefiziat in Steinach ein. Als Auflage hatte er aber die Verpflichtung, aus diesem Einkommenszuwachs „den Pfarrhof sambt Wittenhaus (=Ökonomiegebäude) von neuem zu erpauen“.

Es dauerte noch ein paar Jahre bis sich Eckenhofer an diese große Baumaßnahme wagte. Josef Schlicht schreibt in seiner Geschichte von Steinach über ihn: „Da er nun bis 1593 gar nicht viel gehabt und noch 1593 sogleich den Bau angehoben, dabei weit über 1 000 Gulden in Kirche und Pfarrhof ausgelegt, so konnte er 1606 immer noch an den Fürstbischof schreiben: dass er bis dato wenig vom Benefizium genossen hat.“

Der neue Pfarrhof war – wie wohl auch der alte – aus Holz gebaut. Schlicht bemerkt, dass die Baumstänne zu den Pfarrgebäuden dem Benefiziumswald entnommen wurden. Diesen großen Holzeinschlag für den Bau des Pfarrhofs und des Ökonomiegebäudes beklagte später der nachfolgende Schlossbenefiziat, denn sein Benefiziumsvermögen und damit sein Einkommen war dadurch erheblich geschmälert. Der Benefiziumswald besteht heute noch und ist wichtiger Bestandteil des Benefiziumsvermögens.

Am 1. April 1593 besuchte der damalige Straubinger Vitztum Christoph Graf von Schwarzenberg Steinach, um einem fürstlichen Befehl gemäß nachzusehen, ob Pfarrhof und Benefziatenhaus samt den Widdengütern in einem guten baulichen Zustand seien. Er fand aber den alten Pfarrhof zusammengefallen vor, aber daneben ein neues Haus und darin eine Bewohnerin, „welche dem Regierungsbericht unter einem für den Pfarrer höchst ehrenrührigen Namen einverleibt wurde“.

Dem Pfarrhof fehlte es wohl noch an diesem und jenem, denn erst 1607 meldet Eckenhofer „den Bau von Grund auf mit nit wenig Kosten als geschehen“.

 

Als Eckenhofer 1612 von einem Blutsverwandten „beim Geldschäffel“ erdrosselt wurde, erstellte man über sein Vermögen ein Inventar, das heute noch im Pfarrarchiv Steinach erhalten ist. Diese seltene Beschreibung, gibt uns einen interessanten Einblick, wie ein niederbayerischer Pfarrherr am Ende des 16. Jahrhunderts, sechs Jahre vor Beginn des 30jährigen Krieg, eingerichtet war und gelebt hat:

  1. In der oberen Stube: ein Tisch mit einer Schublade, eine Sidltruhe (Truhe zum Sitzen und aufbewahren von Gegenständen) mit etlichen Pfund Flachs, ein kleines Spannbettl, ein ledernes Polster, ein Gießkasten, darin ein kupfernes Gießpöck (Handwaschbecken), ein grüner mit rotem Leder gepolsterten Sessel, ein anderer schlechter gefütterter Sessel, ein messinger Weihbrunnkessel.
  2. In der Stubenkammer mit einem Himmelbett mit Fußkasten und Vorhängen, ein Liegebett mit „Parcheter Ziech“ (Bezug aus starkem Mischgewebe aus Baumwolle oder Leinen), ein „Tuckhbett“ mit dergleichen Ziech (ein Oberbett mit gleichem Überzug). Ein schwarzes wollenes Röckl ohne Ärmel, ein schwarze Unterjacke mit damastenen Ärmel und einen alten wollenen Mantel, ein alter Nachtpelz mit Fuchspelz gefüttert, ein schwarzes wollenes Röckl mit Ärmel, zwei Unterjacken aus Fuchspelz, zwölf Hemden, zwei Chorröcke, zwei Teppiche eine Schachtel mit Briefen, Wappen, eine Truhe mit einem Säckel Geld samt einen silbernen Insigl, eine silberbeschlagene Messerscheide mit Kette und einem silberbeschlagenem Piran?, sechs silberne Löffel, eine Muskatnuss mit Silber beschlagen und vergoldet, ein niederes silbernes Becherl mit vergoldeten Griffen und rundkugleten Füßen, ein Badmantel, dreiundzwanzig Servietten, neun Tischtüchter, vier Handtücher, vier große und kleine Zinnplatten, sechs große und kleine Schüsseln, ein Zinneren Kipferling, zehn Messingbecher, ein kupferner Bierbock, ein futeral zum Balbierzeug, ein alter Federspieß, eine Gewürzmühle, sechseinhalb Ellen Leinwerktuch.
  3. In der oberen Flez: ein Tisch, drei Bänke, eine lange Schüsseltafel, ein großes Bild mit unserer Lieben Frau, eine Schlaguhr und Kasten.
  4. In der Gästekammer: zwei Bettstatten, ein Leinwandkasten darin vier rupferne (grobes Juttegewebe aus reinem Werch) Leintüchter und vier Handtücher, zwei Kasten
  5. In der Stiegenkammer: zwei kupferne Prennhüet (Brennhüte), ein kupfernes Schwenkkessel, ein kupfernes Büschlkessel, eine Bettstatt mit Deckbett und Liegebett.
  6. Unten in den Baustuben (für die Dienstboten): ein Tisch, zwölf schlechte Löffel, eine große kupferne Flasche mit einem Schrauben, drei Sessel, ein Pfannholz ein zinnernes Gießkästl
  7. Im Schreibstüberl: ein kleines Spannbett, darin ein Liege- und Deckbett, drei Kerzenleuchter
  8. In der Küche: ein Dreifuß, eine kupferne Siedepfanne
  9. In der Ehehaltenkammer (Dienstbotenkammer): eine Bettstatt ohne Himmel, darin ein Liege und Deckbett, ein Backgeschirr, ein Backgeschirr, Selchkessel, eine Sulzbottich.
  10. In der Speisekammer: zwei Fass mit Kraut, ein Schaber, ein kupferner Bierstützen
  11. In der unteren Flez: ein Tisch, ein Speisekasten, eine Milchtruhe, für große und kleine Zuber, ein Fässl, eine Schüsselrampe, zwei hölzerne Schüssel, zwölf Teller
  12. Im Keller: ein Fass mit zwei Eimern bayrischen Wein
  13. Auf dem oberen Boden: zwei Kübel, darin fünf Vierling Flachslinß, sechs Getreidesiebe, zwei Plahen
  14. Im Rossstall: drei Rösser, drei Fuhr und drei Ackergeschirre
  15. In den anderen Viehställen: zwei Ochsen, drei Stiere, vier Kühe, fünf Kälbinnen, zwei Mastschweine, sechs junge Schweine, acht Lämmer, sieben Geißen, vier Enten, vier Hennen, zwei Wägen, ein Karren, ein Pflug, zwei Eggen, ungefähr acht Futter und allerlei Einstreu
  16. Bücher wurden die die Pfarrer von Roth (Kirchroth) und Münster um acht Gulden verkauft

 

Jahrhundertelang hat der hölzerne Pfarrhof von 1593 gehalten, wenn er auch immer wieder repariert werden musste.

 

uraufnahme

Das alte Pfarrhaus von 1586 dürfte an der gleichen Stelle gestanden haben, wir der Bau von 1853
Der Pfarrhof erhielt die Hs.Nr. 62
Uraufnahme von 1827
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

 

Erst im Jahr 1853 entschloss sich der damalige Steinacher Pfarrer Georg Pentner zu einem Neubau. Es ist jener Pfarrhof, der im Jahr 2003 abgebrochen wurde.

Ein großer Baufehler war aber, dass – wohl aus falscher Sparsamkeit – die rückwärtige Außenwand eingespart wurde, indem man dazu die anschließende Friedhofsmauer benutzte. Enorme Feuchtigkeitsschäden waren die Folge, die schließlich auch der Hauptgrund waren für den Neubau.

 

pfarrhaus 1930

Das Pfarrhaus aus dem Jahr 1853 um 1930

 

 

Pfarrhaus 1956 1973

Das Pfarrhaus um 1956 und 1973 aus Sicht des Friedhofes.

 

 

pfarrhaus 1980

Das alte Pfarrhaus um 1980

 

 

 

 

Der neue Pfarrhof von 2005

 

Pfarrer Wolfgang Reischl und die Kirchenverwaltung standen vor der Wahl: Kostspielige Renovierung des alten Pfarrhofs oder Abbruch desselben und Neubau. Da die veranschlagten Renovierungskosten etwa genauso hoch gewesen wären, wie ein Neubau, entschied sich die Kirchenverwaltung zu einem Neubau. Die Diözese Regensburg machte zur Auflage, dass das alte Pfarrhaus zuerst abgebrochen werden muss, und dann erst mit dem Neubau begonnen werden darf.

2003 wurde mit den Baumaßnahmen begonnen. Größe, Anzahl und Art der Räumlichkeiten war eine Vorgabe der Diözese. Lediglich die äußere Gestaltung war frei und sollte dem Landschaftsbild angepasst werden. So sind im Pfarrhaus das Pfarrbüro, ein Besprechungsraum, ein Amtszimmer des Pfarrers, Räume für pastorale Mitarbeiter, ein Gästezimmer, eine Küche, eine Haushälterinnenwohnung und die Privaträume des Pfarrers mit ca. 40 qm untergebracht. Die Baukosten betrugen in etwa 450.000 Euro. Dazu erhielt die Pfarrei einen Zuschuss von 250.000 Euro. Den Restbetrag musste die Pfarrei selbst finanzieren.

 

 pfarrhof 2020

 Das neu erbaute Pfarrhaus mit der Pfarrkirche
aufgenommen 2018
Bild: Claudia Heigl