Die ehemalige Chorherren-Stiftskirche und heute Pfarrkirche St. Tiburtius

 

 von Hans Agsteiner

 

 

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rechts die Pfarrkirche St. Tiburtius
aufgenommen 1956
Bild: Ansichtskarte, Historischer Verein Straubing Nr. 314

 

 

Als in Münster Anfang des 12. Jahrhunderts ein Chorherrenstift gegründet wurde, möglicherweise auf dem Grund und Boden eines uralten Benediktinerklosters, wählten die vornehmen, meist adeligen Chorherren den Heiligen Tiburtius zum Patron ihres Stifts und ihrer im romanischen Stil errichteten Stiftskirche. Dies ist wohl darin begründet, dass Tiburtius ein Ritterpatron war, wie der Heilige Mauritius, der Patron des Klosters Niederalteich oder der Heilige Georg, welcher Patron zahlreicher Burg- und Schlosskapellen ist, wie z.B. in Steinach. Pfarrpatron von Münster ist aber nach wie vor der hl. Martin. Die noch bestehende Martinskirche war einst die Pfarrkirche für die Dorfbewohner von Pfaffmünster, wie der Ort früher genannt wurde.

Die  erste Urkunde, in welcher das Stift St. Tiburtius erscheint, wird von der Historikerin Cornelia Mohr auf die Zeit um 1112 – 1115 datiert. Darin bestellen der Ritter Gerhoch von Wolferszell und seine Ehefrau Mathilde den Ritter Engelschalk von Parkstetten zu ihrem Testamentsvollstrecker. Er soll nach ihrem Tod ihren Wolferszeller Besitz mit allen hörigen Bauern zur einen Hälfte  geben an das Kloster Oberalteich und zur anderen Hälfte an das  „monasterium s(ancti) Tiburtii“, zu deutsch: an das Kloster St. Tiburtius.

 

Baugeschichte

Über die Baugeschichte der ehemaligen Chorherren-Stiftskirche St. Tiburtius zu Pfaffmünster bestehen nur spärliche Nachrichten. Die stilistischen Merkmale wiesen in die Spätzeit des 12. Jahrhunderts. Durch Feuer mehrmals beschädigt, wurde die Kirche immer wieder rasch hergestellt.

Im Dreißigjährigen Krieg durch die Schweden schwer geschädigt war die Münsterer Tiburtiuskirche ruinös und fast baufällig. Da erbarmte sich ihrer der Straubinger Chorherr Johann Bartholomäus Höller, der als Adoptivsohn des berühmten Bürgermeisters Simon Höller ein großes Vermögen geerbt hatte. Er ließ in den Jahren 1730 bis 1740 mit Mitteln seines Privatvermögens die ehemalige Stiftskirche in Münster umfassend renovieren und sanieren. Die beiden baufälligen romanischen Osttürme wurden abgetragen und durch den heutigen Westturm ersetzt (Jahreszahl 1738 über dem Portal), neue Altäre und eine Kanzel geschaffen und die heutige Sakristei angebaut sowie ein kostbares Sebastiansreliquiar angeschafft. Höller beauftragte den damals schon sehr bekannten Maler Johann Adam Schöpf hier einen Gemälde-Zyklus mit Szenen aus dem Leben des Heiligen Tiburtius zu schaffen. Der Münsterer Tiburtius-Zyklus besteht aus vier großflächigen Deckengemälden, zwei Wandgemälden sowie dem Altarblatt des Hochaltars. Auf dem Deckengemälde über der Empore ist in einer Kartusche die Jahreszahl MDCCXXXVIII = 1738 angegeben, das ist das Jahr, in welchem die Gemälde nach dem Umbau geschaffen worden sind (vgl. auch Jahresangabe „1738“ über dem Kirchenportal). Leben und Sterben des Kirchen- und Stiftspatrons St. Tiburtius werden im Folgenden an Hand dieses großartigen Gemäldezyklus` dargestellt. Es handelt sich bei den Münsterer Fresken um den größten Tiburtius-Zyklus der Welt.

 

1865 ersetzte man die schadhafte Turmkuppel durch den heutigen Spitzhelm.

Eine umfassende Innen- und Außenrenovierung erfolgte im Jahr 1905, Sie war ermöglicht worden durch das großzügige Vermächtnis des Pfarrers Johann Baptist Dietl.

Eine weitere Innen- und Außenrenovierung führte Pfarrer Josef Bleicher in den Jahren 1953-1957 durch.

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Pfarrkirche St. Tiburtius
aufgenommen ca. 1957

Bild: Ansichtskarte, Historischer Verein Straubing Nr. 316



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 Tiburtius Kirche

 

aufgenommen 2005
Bilder: Albert Lindmeier

 

 

 

Vollgeläut der Glocken der St. Tiburtius Kirche in Münster

 

 

 

 Quelle: Youtube, Bistumsglocke
aufgenommen am Samstag, den 06. Juli 2019 zur Sonntagvorabendmesse um 18 Uhr