Die Amtmänner in Münster

 

 von Claudia Heigl

 

 

Das Kollegiatstifts Pfaffmünster waren jahrhundertelang die Grundherren der Hofmark in Münster. Dem Stift stand der Propst vor, der direkt dem Bischof unterstellt war. Die nächste Position war der Dekan, der auch die Strafgewalt im Stiftsbereich hatte und kleinere Vergehen abstrafte. Mit der Stiftsverlegung 1581 von Münster nach Straubing, zogen auch die Stiftsherren mit um. Somit war kein Dekan mehr vor Ort und die Amtmänner hatten die Aufgabe für Recht und Ordnung im Dorf zu sorgen und Verstöße ihrem Dienstherrn nach Straubing zu melden.

Wie auch in Steinach hatten die Amtmannsfamilien keinerlei verwandtschaftliche Verflechtungen im Ort und wechselten oft. In der Dorfgemeinschaft waren sie in der Regel nicht sonderlich beliebt, da sie die Dorfbewohner bei dem Grundherrn denunzierten. Durch ihre Sonderstellung in der Dorfgemeinschaft heirateten sie nur innerhalb ihreres eigenen Berufstandes und nahmen meist Töchter anderer Amtsmänner zur Frau. Auch als Taufpaten der Kinder fungierten oft Amtsmannsfamilien aus Nachbardörfern.

Als Wohnung stand den Amtmännern das Amtshaus in Münster zur Verfügung, dass ebenfalls Eigentum des Stiftes in Straubing war.

 

 Amtshaus 1827 2

Das Amtmannhaus hatte 1827 die Hausnummer 62, ab ca. 1890 erhielt es die Hausnummer 73,
heute Tassilostrasse 15


Uraufnahme von Münster aus dem Jahr 1827
Quelle: Bayernatlas, Bayer. Vermessungsamt München

 

 

 

Folgende Amtmannsfamilien sind in Münster bekannt:

1648: Sturm Chirstoph und Rosina (Taufe von Sohn Adam)

1664: FRANZ Johann u. Sabina (Taufe von Sohn Franz Adam)

1670: Stadler Michael, Amtmannssohn von Haunkenzell heiratet Maria, die Witwe des Johann Kaufmann

1685: Der Amtmann Mathias Salßpill stirbt in Münster

1685: Stökel Martin von Wörth heiratet Margaretha die Witwe des o.g. Mathias Salßpill

1693: Hundshamer Johann, Witwer u. Amtmann in Münster heiratet Barbara Stadler, Amtmannstochter von Irlbach (+1694 bei der Geburt ihres Kindes). In zweiter Ehe heiratet Hundshammer 1694 Barbara Stadler, Amtmannstochter von Falkenfels

1702: Schmid Vitus, (Sohn des Amtmannes Lukas Schmid von Steinburg und dessen Ehefrau Katharina)  und  Ehefrau Elisabeth, geb. Mayr, werden als Amtseheleute in Münster genannt. Vitus war 1700  in Gschwendt als Amtmann tätig und 1703 als Jäger in Steinach erwähnt. Er hatte 1699  Elisabeth, die Tochter des Gschwendter Amtmannes Mayr Paul und dessen Ehefrau Margaretha, geheiratet.

1714: Der Amtmann Handlos Benedikt wird als Taufpate in Taufbuch verzeichnet.

1728: Stadler Sebastian (+1744) u. Anna Maria (+1738) sind in Münster als Amtsleute ansässig. 1739 hat er eine zweite Ehehfrau, ebenfalls namens Anna Maria, und 1740 heiratet er in dritter Ehe Katharina Augst, Tochter des Amtmannes Georg Augst von Hofdorf b. Wörth und dessen Ehefrau Anna.

1744 heiratet der Amtmannssohn Knauer Franz Anton von Niedermotzing, die Witwe des Vorgängers, Katharina Stadler.

1755 werden Johann Georg und Eva Burgstaller in Münster als Amtsleute genannt.

1758 übernimmt Johann Sebastian Stadler die Amtmannstelle. Er ist der Sohn von o.g. Sebastian Stadler und Katharina geb. Augst. Im gleichen Jahr heiratet er die Tochter seines Vorgängers  Maria Eva Burgstaller. Eva Maria Stadler stirbt 1801 im Alter von 69 Jahren in Münster.

 

Durch die Säkularisation wurde das Straubinger Stift 1803 aufgelöst. Der Propst und die Stiftsherren wurden pensioniert und die Hofmark  dem königlichen Landgericht Straubing unterstellt. Im Rahmen der Säkularisation wurde das Vermögen des Stifts vom bay. Staat verkauft. Hierzu gehörte auch das Amtshaus in Münster.

Das Haus war fortan in Privatbesitz und es wohnten von da an keine "Amtsmänner" mehr darin. Im Dorf selber waren nur noch Gemeindediener tätig, die amtliche Aufgaben im Namen der Obrigkeiten ausführten.

 

Eigentümer des früheren Amtshauses nach dem Verkauf:

(alte Hs.Nr. 62, ab 1890: Hs.Nr. 73, heute Tassilostr. 15)

 

1808 werden der Totengräber Johann Georg Spießl und dessen Ehefrau Katharina geb. Haslbeck als erste Eigentümer aufgeführt. Georg war der Sohn der Tagelöhnerseheleute Joseph Spießl und Theresia, geb. Englbrecht. 1787 hatte Johann Georg die Tochter des Münsterer Schmieds Joseph Haslbeck geheiratet. Als das Haus zum Verkauf stand, nahm das Ehepaar die Chance war ein Haus als Eigentum zu erwerben.

1822 übernimmt dessen Sohn Joseph Spießl und seine Ehefrau Walburga, geb. Zacherl das Haus. 1828 stirbt Joseph im Alter von 40 Jahren und die Witwe heiratet

1829 Johann Georg Scherzer von Münster. Das Anwesen hat inzwischen 10 Tagwerk Grund mit dabei. 1834 heiratet Georg Scherzer in zweiter Ehe Anna Maria Scherer von Lohen.

1857 übergibt  die verwitwete Anna Maria Scherzer das Anwesen an ihre Tochter Anna Maria Scherzer und deren Ehemann Johann Baptist Dietl von Eben.

1880 übernimmt es der Sohn Johann Dietl mit seiner Ehefrau Therese, geb. Wirth von Bumhofen

und 1923 übernimmt wiederum  Sohn Joseph Dietl den Besitz, der in 1. Ehe 1914 Ottilie Bayer von Forst heiratet und sich in zweiter Ehe 1931 mit Katharina Altschäffl von Hofweinzier vermählt.

 

( Detaillierte Angaben zu den Familien und den Hof- und Hausbesitzer liegen im Archiv für Heimatgeschichte in Steinach vor und können dort eingesehen werden.)

 

 

Quellen:
Bischöfl. Zentralarchiv Regensburg, Pfarrmatirkel der Pfarrei Pfaffmünster

StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser und Rustikalsteuerkataster Münster incl Steinach 1808
StA Landshut, Grundsteuerkataster Münster Sig. 17/22-5, 17/22-10, 17/22-14, Umschreibehefte zum Urkatastar Münster 1843 - 1960
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokolle der Steuergemeinde Münster 1838
Agsteiner Hans, Stiftsverlegung 1581 Pfaffmünster-Straubing erschienen im Jahresbericht des Hist. Vereins f. Straubing u. Umgebung 82. Jhg. 1979/89