Das Gruber-Gütl Hs.Nr. 5, ehemals Geier

 

ab 1890 Hs.Nr. 8, heute Obermayerstr. 9

 

 von Claudia Heigl

 

 

Im Jahr 1668 werden erstmals Johann und Barbara Asam (auch Asen) als Tagelöhnerseheleute auf dem Anwesen genannt genannt. Asam hat am 23. April 1668  das Erbrecht erworben.1

Bei seiner ersten Ehe 1652 mit Eva Bubinger wird bei seiner Herkunft "aus dem Wald" angegeben. 
Am 30.10.1672 kommt Sohn Andreas zur Welt. Hier wird als Mutter eine Barbara angegeben, die aber bereit 1676 stirbt. Die dritte Ehe geht er mit Barbara Aigner von Haibach ein.

 

 Asam Besitzer

 

 

 

uraufnahme kopie

Das Anwesen erhielt 1838 die Hs.Nr. 5
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

 

 

1673 – 1700  Bäckerei in Münster

Im Jahr 1673 verkauft  Johann Asam das Anwesen an Simon Hazl, Bäcker alda.1  Über die Herkunft von Simon und seiner Ehefrau Margaretha ist nichts Näheres bekannt.

Nach dem frühen Tod der 42-jährigen Margaretha heiratet Simon 1674 erneut: Maria Klingeisen aus Hunderdorf wird seine zweite Frau. Aus dieser Ehe geht am 30. Juli 1675 ein Sohn hervor: Sigmund Karl.

Bereits ein Jahr später, 1676, stirbt Simon Hazl. Die Witwe Maria bleibt zunächst allein, ehe sie 1680 den verwitweten 74-jährigen Bäcker Georg Bielmeier (auch Piehelmaier) aus Steinach heiratet. Im Ehevertrag erhält Bielmeier Miteigentum an der Erbrechtsbehausung.2

Noch am Tag der Eheschließung erwirbt er die Bäckersgerechtigkeit vom Münsterer Hofwirt Emeran Moritz Wiest und überträgt sie auf das eigene Anwesen in Münster.3

 

Im Stiftregister von 1685 sind die jährlichen Abgaben an das Kollegiatstift Straubing verzeichnet: Neben Leistungen für Haus und Grund entrichtet Bielmeier 30 Eier, eine Henne sowie sechs Kreuzer als Gegenwert für zwei Rauchsemmeln. Für die sogenannte „Bäckenstatt“ zahlt er neun Schilling.4

 

 

Nach dem Tod des alten Bäckers führt zunächst wohl sein Sohn Simon Bielmeier die Bäckerei weiter. 1690 übernimmt Johann Kornprobst, ein Enkel des alten Bäckers und Neffe von Simon, das Handwerk. Er heiratet Barbara Spießl, die Tochter eines Bauern vom Wiedenhof.
Das Paar bekommt sechs Kinder, von denen jedoch nur zwei überleben:
- Kaspar (*1691), der 1716 in Ascha in den Hof der Bauerswitwe Maria Hagenauer von Hinterascha einheiratet,
- Walburga (*1694), die 1715 den Bauern Johann Klein von der Wurzersölde in Steinach heiratet.

 

Im Mai 1700 kommt es bei der Geburt des siebten Kindes zu einer Tragödie: Johann Kornprobst ist bereits verstorben, und auch Barbara überlebt die Entbindung nicht. Ihre zwei überlebenden Kinder werden von Pflegeeltern aufgezogen.

Damit endet die Geschichte der Bäckerei auf diesem Anwesen.

 

Hazl Besitzer

 

 

 

Die folgenden Jahre bis 1750

Für die Zeit danach fehlen genaue Angaben – die nächsten Jahrzehnte liegen im Dunkeln.

 

Ab 1750: Familie Gruber


Erst im Jahr 1750 tritt mit Georg Gruber wieder ein namentlich bekannter Besitzer auf. Er ist mit Maria, geb. Pösl, einer Bauerstochter aus Unterniedersteinach, verheiratet. Nach seinem Tod übergibt die Witwe 1753 das Erbrechtshaus an ihren Sohn Lorenz Gruber und dessen künftige Ehefrau Anna Maria Agsteiner. Lorenz ist als Schweineschneider tätig.5

Aus seinen drei Ehen gehen insgesamt zwölf Kinder hervor – fünf aus der ersten, sieben aus der dritten. Nur die Tochter Anna Maria (*27. Februar 1751) aus erster Ehe überlebt das Kindesalter. Sie heiratet 1774 Bartholomäus Zäch von Münster Nr. 32.

1793 verkaufen Lorenz und Anna Gruber das Anwesen an den ledigen Zimmermannssohn Martin Speiseder aus Münster Nr. 8. Sie behalten sich dabei den Austrag auf dem Haus vor. Martin heiratet Maria Katharina Sieber, die Tochter eines Bauern aus Münster. Aus der Ehe gehen elf Kinder hervor, von denen jedoch sieben im Säuglingsalter sterben.
Vier Kinder erreichen das Erwachsenenalter:

- Maximilian Konrad (*1795)
- Maria Katharina (*1797–1844), Dienstmagd in Straubing, stirbt mit 42 Jahren an Bauchfellentzündung
- Martin (*1806–1840), Hoferbe
- Maria Anna (*1814–1833), stirbt mit 19 Jahren an Lungensucht

1819 stirbt Martin Speiseder im Alter von knapp 52 Jahren ebenfalls an Lungensucht. Seine jüngste Tochter ist zu diesem Zeitpunkt erst fünf Jahre alt.

 

 

Gruber Besitzer

 

 

 

Familie Wenninger

1832 übernimmt Sohn Martin Speiseder das Anwesen von seiner Mutter. Er heiratet Walburga Schindlmayer, eine Häuslerstochter aus Steinach.
Aus der Ehe gehen sechs Kinder hervor, von denen vier die Kindheit überleben:
- Martin (*1834)
- Therese (1836-1912) heiratet 1871 Wolfgang Klingeis von Münster Nr. 17
- Joseph (*1838) erwirbt 1877 das „Kirschnerhaus“ Nr. 30 in Münster und heiratet die Söldnerstochter Katharina Schütz von Auenzell. 1890 zieht die Familie nach Reibersdorf.
- Max Joseph (*1839)

 

Nach dem Tod des 34-jährigen Martin im Jahr 1840 heiratet Walburga erneut – den Schuster Jakob Wenninger aus Alburg.
Aus dieser Ehe gehen vier weitere Kinder hervor:
- Karolina Wenninger (*1842)
- Johann Georg Wenninger (*1844)
- Anna Maria Wenninger (1849-1853)
- Franz Xaver Wenninger (*1851)

 

1878 übernimmt Franz Xaver Wenninger das Anwesen mit 4,7 Hektar Grund im Zuge einer Erbteilung. Er heiratet Helena Wolf, eine Bauerstochter aus Pürstenberg.

Im Juni 1891 verkauft Franz Xaver das Haus mit nunmehr 1,58 Hektar Grundbesitz an Therese Piendl. Sein Vater Jakob Wenninger stirbt 1899 als Gemeindearmer in Münster.

 

 

Speiseder Besitzer

 

 

 

fo muen 368 kopieJoseph Geier vor dem alten Bauernhaus
aufgenommen ca. 1930

Bild: Familie Weiser, Münster

 

 

 

Familie Geier und Namenswechsel zu Weiser

Therese Piendl heiratet 1898 der Söldnerssohn Ludwig Geier aus Münster Hs. Nr. 13.
Aus dieser Ehe gehen fünf Kinder hervor:

- Therese (1898-1957) heiratet 1920 Joseph Kiefl von Münster Nr. 46
- Maria (1899-1971) heiratet 1922 Johann Solleder, Wirtssohn u. Häusler in Münster Nr. 48
- Ludwig (*1903)
- Joseph (1905-1974) Hoferbe
- Kreszenz (1908-1991) heiratet 1936 Johann Kufner, Landwirt in Steinach Nr. 5

 

1938 übernimmt Joseph Geier das Anwesen. Er heiratet Maria Lutz von Münster Nr. 25.

 

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1948 wird das alte Haus abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.
Bild: Familie Weiser, Münster

 

Geier Besitzer

 

 

 

Durch Einheirat ändert sich der Familienname auf Weiser.

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 Das Weiser-Haus aufgenommen 1979
Bild: Familie Weiser, Münster

 

 

 

  

1 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 640 Ib, fol 47‘   Kauf 20.4.1673
2 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 640 II, fol 121‘   Heiratsbeschreibung 08.02.1680
3 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 640 II, fol 120‘   Kaufbrief 08.02.1680
4 BayHStA München, Straubing Kollegiatstift St. Jakob und Tiburtius KL 3, Zins- und Stiftbuch, fol. 95‘
5 Ein Schweine- oder Viehschneider kastrierte Tiere. 

 

 

Weitere Quellen:
BayHStA München, KL Straubing Kollegiatstift St. Jakob und Tiburtius 3, ins- und Stiftbuch 1685
BayHStA München, Hofanlagsbuchhaltung 248, Steuerkonskription der Hofmark Münster 1752
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser u Rustikalsteuerkataster Münster incl Steinach rev Duplikat 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B79, Umschreibbuch zum Häuser und Rustikalsteuerkataster Münster incl Steinach 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokoll der Steuergemeinde Münster von 1838
StA Landshut, Grundsteuerkataster 10279, Umschreibehefte Münster Hs.Nr. 3-59 von 1843 – 1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster 10283, Umschreibehefte Münster Hs.Nr. 1 - 69 von 1859-1893
StA Landshut, Grundsteuerkataster 10289, Umschreibehefte Münster Hs.Nr. 84 bis Ende von 1893 – 1960

Bischöfliches Zentralarchiv Regensburg, Pfarrmatrikel Pfaffmünster 

 

 

 

 

Stand: 23.06.2025