Das Speisedergütl Hs.Nr. 8
ab 1890: Hs.Nr. 13, heute Brunnenstr. 6
von Claudia Heigl
Dieses Anwesen lag am südlichsten Ende von Münster und dürfte wahrscheinlich erst Ende des 17. Jahrhunderts erbaut worden sein.
Das Anwesen hatte ursprünglich die Hausnummer 8
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas
Als erster Besitzer dieses Gütls werden Gmeinwieser Johann und dessen Ehefrau Walburga genannt1.
Ihre Tochter Maria wurde am 12. Mai 1703 in Münster geboren; weitere Kinder sind nicht belegt.
Im Jahr 1734 übernimmt Maria gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem aus Volksstorf bei Arnstorf stammenden Zimmermann Johann Speiseder, das Gütl.
Aus der Ehe gehen sieben Kinder hervor:2
Das Ehepaar bekommt sieben Kinder:
- Anna Maria (1735-1751), unverheiratet
- Katharina (*1737)
- Ursula (*1738)
- Maria Rosina (*1740)
- Johann (*1741)
- Johann Michael (*1744), später Hofnachfolger
- Anna Maria (*1754)
1765 übergeben die Eheleute die Erbrechtsbehausung mit Stadel und Garten an ihren Sohn Michael Speiseder und dessen Frau Walburga, geb. Lehner.3
Auch dieses Paar hat sieben Kinder, von denen jedoch vier früh versterben:
- Michael (*1764)
- Georg (1766-1772)
- Martin (1767-1819), Zimmermann in Münster Nr. 5
- Anna Maria (1770-1772)
- Tiburtius (1773-1778)
- Jakob (1775-1783)
- Anna Maria (1779-1848) heiratet 1803 den Zimmermann Joseph Zäch von Münster Nr. 32
Nach dem Tod seiner Frau Walburga heiratet Michael 1792 in zweiter Ehe Magdalena Wurm, Bauerstochter aus Bärndorf. Das Paar scheint jedoch nach 1808 aus Münster weggezogen zu sein.
Im Jahr 1811 erwirbt Jakob Schwarzensteiner, Sohn eines Webers aus Münster Nr. 10, das Anwesen und heiratet die Bauerstochter Anna Maria Bachl Trudendorf.
Schwarzensteiner stirbt 1824 im Alter von 40 Jahren an Lungensucht. Seine Witwe kann den Hof offenbar nicht halten, sodass 1829 das Landgericht Straubing den „Speiseder-Hof“ veräußert. Käufer ist zunächst Jakob Pummer aus Kirchroth, der ihn jedoch sofort für 825 Gulden an den Söldnerssohn Johann Geier von Münster Nr. 13 weiterverkauft.4
Nach der damaligen geltenden Gesetzgebung (siehe Ansässigmachung und Verehelichung) kann der 49-jährige nun eine Ehe mit der Bauerstochter Anna Maria Schneider vom Waslthof, eingehen.
Da beide Eheleute bereits älter sind, bleibt die Ehe kinderlos.
1850 übergeben sie den Hof an Johanns Neffen Joseph Geier, der drei Tage später die Gütlerstochter Anna Schachermeier aus Freundorf ehelicht.
1877 geht das Anwesen an ihre Tochter Theresia über, die den Bauerssohn Joseph Biederer aus Höhenberg heiratet.
Aus der Ehe stammen eine Tochter und zehn Söhne, von denen sechs das Erwachsenenalter erreichen:
- Franz Xaver (*1879), Söldner in Aufroth
- Josef (1883-1963), Hofnachfolger
- Martin (1886-1969), Söldner in Münster Nr. 26
- Johann (*1888)
- Karl (1890-1917) in Hendecourt/Frankreich gefallen
- Alois (*1892) heiratet 1921 Roslia Groß von Aufroth
1910 übernimmt Sohn Josef Biederer den Hof und heiratet die Söldnerstochter Kreszenz Spießl aus Münster.
eine der ältesten Aufnahmen des Biederer-Anwesens um 1917
Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Auszug aus einer Ansichtskarte, gelaufen 1917
Später wurde das Wohnhaus angebaut und aufgestockt.
Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Auszug aus einer Ansichtskarte, nicht gelaufen
Von 1929 bis 1945 steht Josef Biederer außerdem als Bürgermeister an der Spitze der Gemeinde Münster.
aufgenommen 1956
Bild: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Bestand: Luftbildverlag Bertram, München
1 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 641, fol 120‘ Kauf- und Übergab 19.11.1710
Hier übergeben Georg und Walburga Mayr (Hs.Nr. 9) ihren Garten zwischen Hans Holzer (Hs.Nr. 10) und Hans Gmeinwieser (Hs.Nr. 8) gelegenen Garten an ihre Tochter Ursula.
2 In der Nähe von Arnstorf gibt es die Einöde Speisöd, wo sich der Name Speiseder ableiten dürfte.
3 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 646 fol. 10‘ Übergabsbrief 400 fl 17.08.1765
4 StA Landshut, Rentamt Straubing B79, Umschreibebuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster Münster 1814-1843
Weitere Quellen:
BayHStA München, KL Straubing Kollegiatstift St. Jakob und Tiburtius 3, ins- und Stiftbuch 1685
BayHStA München, Hofanlagsbuchhaltung 248, Steuerkonskription der Hofmark Münster 1752
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser u Rustikalsteuerkataster Münster incl Steinach rev Duplikat 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B79, Umschreibbuch zum Häuser und Rustikalsteuerkataster Münster incl Steinach 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokoll der Steuergemeinde Münster von 1838
StA Landshut, Grundsteuerkataster 10279, Umschreibehefte Münster Hs.Nr. 3-59 von 1843 – 1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster 10283, Umschreibehefte Münster Hs.Nr. 1 - 69 von 1859-1893
StA Landshut, Grundsteuerkataster 10289, Umschreibehefte Münster Hs.Nr. 84 bis Ende von 1893 – 1960
Bischöfliches Zentralarchiv Regensburg, Pfarrmatrikel Pfaffmünster
Stand: 17.08.2025