Dorf Wolferszell

 

Die Grafen von Bogen als Grundherren

Im Gegensatz zu Steinach und Agendorf war Wolferszell nie im Besitz des Domkapitel Augsburg, sondern gehörte zum Besitz der Grafen von Bogen. Wolferszell dürfte Sitz eines Ministerialen gewesen sein.

Auf dem Kapflberg werden noch unterirdische Mauerzüge vermutet, die die vorsichtige Vermutung zulassen, dass es sich hier früher um eine Wehrburg gehandelt haben könnte. Im Schatten dieser Burg, die zur Überwachung der vorbeiführenden Handelsstraße gedient haben könnte, hätten sich Bauern gefahrlos niederlassen können.

Bereits 1125 wird Wolferszell in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Oberalteich urkundlich erwähnt. Der Ort selbst dürfte jedoch wesentlich älter sein.

Das Dorf Wolferszell hatte seit dem 16. Jahrhundert nachweislich 17 Anwesen.
Im 17. Jahrhundert finden wir bei zehn Höfen in Wolferszell den bayerischen Kurfürsten als Grundherrn, die vom Kastenamt Straubing verwaltet wurden.

Drei Höfe gehörten zum Kloster Oberalteich,  und jeweils ein Gut gehörte grundherrschaftlich zur Pfarrei Steinach, zum Benefizium Steinach, zum Zellerschen Benefizium in Straubing und zum Bürgerspital Straubing. Die zehn Bauern der kurfürstlichen Höfe wurden auch Urbarsbauern genannt, da die Höfe in sog. Herzogsurbare aufgeführt waren.

 

Wolferszell als Hafnerzentrum

Neben dem Wirtshaus und der Mühle waren die Hafner das bedeutendste Gewerbe in Wolferszell.

Auf drei Anwesen war das Recht geschrieben „auf dem Wolfsberg nach Degel zu graben“. Hierauf waren seit Urzeiten Hafner ansässig. Für diesen „Degel“ (=Tegel) mussten sie 1579 jährlich jeweils 24 Pfennige Steuer an das Kastenamt Straubing abführen

- Nr. 8      das Schneidergütl (Kreuzstr. 1)
- Nr. 10    das Mayerhofergütl (Chamer Str. 9)
- Nr. 16    das Müllergut (Mühlenweg 15)

Zwischen 1687 und 1788 war auch die Hafnersfamilie Grüneisl auf dem Grüneislhof Hs.Nr. 5 (Kreuzstr. 9) ansässig, so dass in dieser Zeit sogar vier Hafner  in Wolferszell tätig waren.

 

Der 30jährige Krieg 1618 - 1648

Im November 1633 überfielen die Schweden das nahegelegene Kloster Oberalteich. Die umherziehenden Soldaten plünderten und terrorisierten die nächsten fünf Monate alle umliegenden Ortschaften. Davon wurde auch Wolferszell schwer getroffen.Im Januar 1641 zogen sie nochmals durch die Gegend und zwischen Juli und September 1647 kamen sie schließlich ein drittes Mal und vernichteten hier die komplette Ernte, bzw. verhinderten, dass diese eingebracht werden konnte. Der dritte Überfall war so folgenschwer, dass im darauffolgenden Jahr - 1648 - von keinem Hof eine Abgabe entrichtet werden konnte.

 

Von den insgesamt 17 Hofstellen in Wolferszell sind nur bei fünf die Besitzerfamilien vor und nach diesen Überfällen gleich geblieben.

- Hs.Nr. 5 Grüneislhof: Paul und Agathe Fischer bzw. deren Sohn Georg Fischer

- Hs.Nr. 7 Webergütl: Grüneisl Kaspar

- Hs.Nr. 10 Mayerhofergütl: der Hafner Bartholomäus Ziflinger

- Hs.Nr. 15 Löfflergut und Nr. 17 Mühle: Bielmeier Vitus, Müller und dessen Ehefrau Eva bzw. deren späterer Stiefsohn Stubenhofer Georg d. Ältere und dessen Ehefrau Rosina.

 

Wolferszell kommt zur Gemeinde Agendorf

Etwa um 1803 wurden erstmals Hausnummern vergeben. In Wolferszell hatte das Wirtsanwesen als erste Hausnummer die Nummer 3. Die Hausnummer 1 und 2 wurde nicht vergeben. Bereits 1838 waren von zwei Urbars-Höfen die „Nebengütl“ von den Hofbesitzern verkauft worden, so dass hierfür eigene Hausnummern gebildet wurden.

Durch das organische Edikt vom Jahre 1808 wurde Wolferszell der neu gegründeten Gemeinde Agendorf zugewiesen.

Am 1. 7. 1974 wurde die Gemeinde Agendorf aufgelöst und Wolferszell wurde mit Kapflberg  in die Gemeinde Steinach eingegliedert. Zur Pfarrei Steinach gehörte der Ort schon seit Urzeiten. Da Wolferszell auch keine eigene Schule hatte, mussten die Kinder in die Steinacher Schule gehen.

 

AK WOLF 2 1

AK WOLF 2

AK WOLF 1

 Wolferszell um 1930

 

Übersicht der Wolferszeller Höfe

 

alte Hs.Nr. Hofname 

Neue Strasse und
Hausnummer

früheste bekannte Besitzer
3 Bachlhof 1/2 (Wirtshaus) Chamer Str.    1 1578
4 Zubausölde z. Wirtshaus 1/8   Chamer Str. 6 1446
5 neu neue Hausnummer Chamer Str.  3 1933
5 Grüneislhof 1/8 Kreuzstr.  9 1579
6 Schmidgütl 1/16 Chamer Str.  5 1579
7 Webergütl 1/16 Kreuzstr.  3 1579
8 Schneidergütl 1/16 Kreuzstr.  1 1579
9 Windmayergütl 1/8 Kreuzstr.  9 1663
10 Mayerhofergütl Chamer Str. 9 1579
10 1/2 Mayerhofergütl Chamer Str.  7 1909
11 Webergütl 1/16 Chamer Str. 8 1579
12 Gmeinwieserhof 1/2 Mühlenweg 3 1579
12 1/2   Chamer Str. 10 1873
13 Schmidbauerngut 1/2 Mühlenweg 5 1579
14 Nebenhaus von 13 Mühenweg 5 a 1830
15 Löfflergut 1/2 Mühlenweg 9 1579
16 Müllergut 1/8 Mühlenweg 15 1579
17 Mühlengut 1/8 (Mühle) Mühlenweg 7 1579
18 Nebenhaus zur Mühle Mühlenweg 7 1579
19 Jägerhof 1/2 Mühlenweg 6 1579
20 Zubaugütl zu 19 Mühlenweg 4 1834
21 Fischerhof 1/2 Mühlenweg 2 1579
22 Schuhbauerngut 1/8 Chamer Str. 4 1579
22 1/2 1848 Chamer Str. 2 1852
23 1/4 1875 Kreuzstr.  7 1866
78   Kreuzstr.  8 1880
79 1890 Chamer Str. 11 1890
81   Spitalweg 1 1927
82   Kreuzstr.  6 1935
83   Spitalweg 4 1936
84   Chamer Str. 13 1936
85 1954 Kreuzstr.  4 1954
88 1950 Birkenstr. 3 1950
92   Birkenstr. 6 1956

 

Die Besitzer der Höfe sind bis ins 16. Jahrhundert zurück lückenlos bekannt und können im Heimatarchiv eingesehen werden.

 

Text: Claudia Heigl

Bilder: Archiv für Heimatgeschichte