Der obere Schmiede Hs.Nr. 53 1/2

 

von Claudia Heigl

 

 

Die Schmiede war jahrhundertlang im unteren Dorf angesiedelt.

Der damalige Schmied Ignaz Handl vom unteren Dorf stellte die Schmiedwerkstätte ein und verkaufte 1873 das untere Schmied-Anwesen Hs.Nr. 15  an die Bauerseheleute Jakob und Helena Almer. Die danebenliegende Schmiedwerkstätte Hs.Nr. 15 1/2 veräußerte er 1874 ebenfalls weiter.

 

1867 und 1871 bekam die ledige Söldnerstochter Katharina Färber von Steinach zwei Buben, Josef und Xaver, vom Agendorfer Schmiedsohn Jakob Hierl. Da zu dieser Zeit nur eine Heiratserlaubnis erteilt wurde, wenn die Brautleute Grundbesitz oder ein gesichertes Einkommen nachweisen konnten, war eine Heirat erst möglich,als Jakob Hierl durch das freigewordene Schmiedgewerbe die Möglichkeit bekam, sich in Steinach als Schmied niederzulassen. Das passende Grundstück bekam Katharina von den Eltern überschrieben.

Durch Teilung hatte  die Schwester, Helena Färber, verh. mit Jakob Foidl, das elterliche Haus (früher Nr. 53) übernommen. Katharina bekam nun den angrenzenden Garten, in dem  sich die Eheleute  ein Haus mit Schmiede im oberen Dorf (alte Hs.Nr. 53 ½, heute August-Schmieder-Str.36) bauten und 1872 heirateten. So wurde wieder ein Schmied in Steinach ansässig.

 

Schiedanwesen53

Uraufnahme aus dem Jahr 1827
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München

 

1893 übernahm der ältere Sohn Josef die Schmiede von den Eltern und heiratete die Bauerstochter Karolina Rothammer von Pilgramsberg. 1894 kam der Sohn Xaver zur Welt. Dann schlug das Schicksal zu und der junge Schmied Josef Hierl starb am 12.01.1899 mit nur 31 Jahren an Gesichtsrose. Die schwangere Karolina Hierl stand nun alleine mit ihrem kleinen Sohn da. Um die Schmiede weiterführen zu können, heiratete sie im November 1899, Xaver Hierl,  den Bruder ihres verstorbenen Ehemannes.

 

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Das alte Schmiedhaus in den 1920er Jahren mit Xaver Hierl jun. und dessen Stiefvater bzw. Onkel Xaver Hierl
Im Haus, links neben dem Eingang, befand sich die Schmiede. In dem hölzernen Anbau wurden die Pferde beschlagen.
Bild: Familie Edenhofer

 

Der Sohn Xaver Hierl jun. vergrößerte im Laufe der Jahre das Wohnhaus mit Schmiede.

FO STEI 19Das umgebaut Schmiedanwesen in den 1950er Jahren mit der Aufschrift "Hufbeschlag u. Wagenbaugesch. Xav. Hierl"
Die Schmiede befand sich nach wie vor im Haus links neben dem Eingang. In dem Anbau wurden die Pferde beschlagen und Wagenteile gefertigt bzw. repariert.

 

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Xaver Hierl (1894 - 1962)

 

 

 

Hierl Besitzer

 

 

 

Tochter Katharina Hierl, vielen Dorfbewohnern noch bekannt als „Schmied Kathl“ heiratete den  gelernte Schmied Ludwig Edenhofer aus Landasberg. Der junge Schmied schmiedete für die vereinzelten Ackergäule im Dorf noch die Hufeisen, die damals auf die Hufe aufgebrannt wurden.

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Edenhofer Ludwig bei einer Vorführung auf dem Agendorfer Fest 1995

 

Mit der Technisierung der Landwirtschaft nahm auch die Tätigkeit eines Dorfschmiedes mit ab. So übernahm Ludwig Edenhofer auch Kunstschmiedeaufträge, wie Erstellung von Geländern, Reparaturen von Autos , Schlepper und Anhänger,  Spenglerarbeiten, selbst Verlegung von Wasserleitungen und Einrichtung von Bädern.

Von 1964 bis 1986 kam der Betrieb einer Tankstelle hinzu. Als zusätzliche Einnahmequelle betrieb seine Ehefrau Katharina noch eine Quelle-Agentur in den Räumen der alten Schmiedewerkstatt.

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Die Werkstatt wurde in in den Anbau eingerichtet, wo auch der Schmiedeoffen und der alte Ambos noch ihren Platz fanden.

 

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Bereits morgens musste das Schmiedefeuer angeheizt werden. Mittels Luftzufuhr wurde die Glut (Esse) auf die richtige Temperatur gebracht.
Bild: Claudia Heigl

 

 

 

 

 

 

 

 

Bilder: Archiv für Heimatgeschichte / Familie Edenhofer

Quellen:
StA Landshut,  Grundsteuerkataster Sig. 17/42-4, 17/42-8, 17/42-11,  Steuergemeinde Steinach 1843-1960,
Bischöfl. Zentralarchiv Regensburg, Kirchenbücher Pfarrei Steinach