Der Höpflhof

 

(alte Hausnummer 64, aber 1890 Hs.Nr. 35, heute Aufrother Str. 10)

 

 

von Claudia Heigl

 

 

Auf einer Anhöhe zwischen Münster und Aufroth liegt die Einöde Höpflhof, der auch unter dem Hausnahmen „Machthof“ bekannt ist.

 

 hoepflhof 5

 aufgenommen im Juli 2009
Bild: Claudia Heigl

 

 

Zur Entstehung des Höpflhofes können wir in der Chronik des Münsterer Pfarrers Peter Knott folgendes nachlesen:

„Höpflhof: dieser Ort war 1790 noch ein Wald. Der letzte (Straubinger) Stiftsdechant Hoeber baute sich in den 1790er Jahren ein Sommerhaus ins Höpflholz. Daraus entstand der Name Höpflhof.“1

Höpfl leitet sich wohl von dem althochdeutschen Wort „hopfo“ = Hopfen ab2. Evtl. wurde auf dem Berg einmal Hopfen angebaut. Vielleicht früher auch Wein, denn auf einer alten Karte von 1571 ist zwischen Thalstetten und Pfaffmünster ein Berg mit einem Weingarten eingezeichnet3.

Johann Kaspar Höber entstammt dem Straubinger Lebzeltergeschlecht der Höber, die von 1685 – 1895 im heutigen Krönner-Anwesen am Stadtplatz beheimatet waren4. Er war der letzte Straubinger Stiftsdechant des Chorherrenstifts St. Tiburtius und St. Jakob, das bis 1581 in Münster ansässig war und umfangreichen Grundbesitz in und um Münster hatte.

Neben dem Sommerhaus besaß Höber 1808 noch vier Aufrother Weiherwiesen und ein Holzgrundstück aus dem ehemaligen Stiftswald. In dem Häuser- und Rustikalsteuerkataster von 1808 wird die neue Ansiedlung als „1/8 Höpfel Neubauhof“ aufgeführt5. Der Besitz ist „ludeigen“, d.h. er untersteht keinem Grundherrn mehr und ist frei verfügbares Eigentum. Der Einödhof erhält die Hausnummer 64 in der Steuergemeinde Münster.

 

Nach dem Tod von Johann Kaspar Höber im Jahr 1814, veräußern die Erben den Hof an den Bauern Paul Gierl jun. von Sossau.
Paul hatte 1812 von seinem Vater Paul Gierl sen. den Wörthhof in Sossau incl. 60 Tagwerk Grundbesitz übernommen. 1817 heiratet er die Müllerstochter Anna Potzler von der Ödmühle bei Aiterhofen und erwirbt den Höpflhof bei Münster. Den ererbten Besitz in Sossau verkauft er an den Bruder seines Vaters, Dr. Xaver Gierl6.

Paul und Anna Gierl leben jedoch nicht glücklich miteinander und wirtschaften den Hof ab. Schließlich verkauft Paul Gierl den Hof ca. 1819 an seine Schwester und seinen Schwager Anna und Mathias Ramsauer und lebt fortan getrennt von seiner Ehefrau.

1829 übergibt Mathias Ramsauer seinem Stiefsohn Sebastian Weinzierl den Hof mit 36 Tagwerk Grundbesitz, der sich mit Anna Maria Poiger von Oberzeitldorn vermählt.

 

 Gierl Weinzierl Besitzer

 

 

1852 erwirbt ein Johann Brem das Anwesen. Er ist mit einer Anna Maria Schreiber von Nanzing verheiratet.

 

Brem Besitzer

 

 

1861 tauscht Brem den Hof gegen das kleinere „Geithengütl“ Hs. Nr. 60 in Münster (heute Falkenfelser Str. 2) ein. Josef und Theresia Geith müssen noch 2.150 Gulden für das größere Anwesen auf dem Berg drauflegen.
1873 übernimmt ihre Tochter Theresia Geith den 36 Tagwerk großen Hof und holt sich als Bauer Lorenz Enghofer von Frauenthal auf den Hof. Ein Jahr später erwerben die Eltern Josef und Theresia Geith ein Grundstück am Fuße des Höpflhofes und errichteten hierauf einen Neubau, der auch „Höpflgarten“ bezeichnet wird. 1883 übergeben sie dieses kleinere Anwesen an ihren jüngsten Sohn Josef Geith.

Enkofer Otto

 

 

1904 übernimmt Sohn Otto Enghofer den Höpflhof, der die Bauerstochter Franziska Schütz von Schwaigersried zur Ehefrau nimmt. Im Rahmen der Mobilmachung wird Otto Enghofer 1915 gemustert und am 12. Juli 1916 nach Frankreich an die Front geschickt, wo er 2 Monate später, am 28. September in der Sommeschlacht  im Alter von 39 Jahren fällt7.

Auf der Ehrentafel der Soldaten des 1. Weltkrieges wird er als Otto Enkofer aufgeführt. Das Sterbedatum ist lt. den Kriegsstammrollen am 28.9.1916.

 

 

 

 

 

 

Nach dem Tod ihres Schwiegervaters 1919 heiratet die Witwe Franziska Enghofer Xaver Wagner von Münster. 1921 verkaufen beide den Hof an Franziska und Luitpold Buchner und ziehen nach Münster, wo sie ein kleines Anwesen erwerben. Zwei Jahre später stirbt die 40jährige Franziska Wagner an den Folgen einer schweren Geburt und der Witwer vermählt sich erneut mit Anna Zens von Münster.

 

Geith Wagner Besitzer

 

 

Die Buchner’s bleiben nur ein Jahr und veräußern den Hof im April 1922 an Josef und Therese Schedlbauer. Doch schon ein Jahr später stirbt der 44jährige Bauer an einer Blutvergiftung. Die Witwe wirtschaftet noch vier Jahre weiter und verkauft dann 1927 an Hans Plagge.

 

Fünf Jahre später, im Februar 1933 erwerben Johann und Kreszenz Siglmüller  den Einödhof, die ihn ein Jahr später im Mai 1934 an Max und Franziska Macht weiterveräußern. Der Hausname „Machthof“ ist vielen Münsterer heute noch im Gedächtnis. Als Max Macht 1955 im Alter von 71 Jahren verstirbt, verpachtet die Tochter Maria Siedersbeck den Hof, denn sie bereits 1949 von ihren Eltern überschrieben bekommen hatte.

1961 erwerben schließlich Dr. August Scharnagl und seine Ehefrau Luise  die Hofstelle des Höpflhofes.
Ein Großteil des Grundbesitzes erwerben Karl und Maria Aumer vom sog. Höpflgarten.

 

Inzwischen ist der Hof auf dem Berg wieder in der Hand von neuen Eigentümern.

 

 

 

 

1 Agsteiner Hans, Steinach – Eine Heimatgeschichte und Chronik der Gemeinde Steinach mit den Gemeindeteilen Münster, Agendorf und Wolferszell. (Vielen Dank an Hans Agsteiner für den Hinweis.)
2 Mondschein J., Die Ortsnamen der Straubinger Gegend veröffentlicht im Jahresbericht des Hist. Vereins f. Straubing und Umgebung 5. Jg. 1902, Straubing 1903
3 BayHStA Plansammlung 2792
4 Aufzeichnungen von Hans Agsteiner, Münster (aus Rohrmayr, Häusergeschichte der Stadt Straubing).
5 StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser und Rustikalsteuerkataster Münster incl Steinach 1808, Besitz Nr. 147
6 Fendl Edda, Der historische Ortskern des Klosterdorfes Sossau, 2010, S. 120
7 Bay. Hauptstaatsarchiv München, Kriegsstammrollen des Königreichs Bayern, 1. Weltkrieg 1914-1918, Abteilung IV Kriegsarchiv

 

 

Weitere Quellen:
BZAR Regensburg, Pfarrmatrikel der Pfarrei Pfaffmünster
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokolle der Steuergemeinde Münster von 1838

StA Landshut, Umschreibbuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster Münster 1814-1843
StA Landshut, Umschreibehefte zum Grundsteuerkataster Münster 1843-1960 Bd. 17/22-6, 17/22-9, 17/22-14
Bild Otto Enghofer aus der Ehrentafel der Soldaten des 1. Weltkrieges, Gasthaus Münster