Der Weiler Pellham

ältere Schreibweise: Pellhaim, Pelhaim

 

von Claudia Heigl

 

 

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Pellham im November 2020
im Hintergrund Steinach
Bild: Claudia Heigl

 

 

Der kleine Weiler „Pellhaim“ bei Steinach wird bereits 1280 im Bayerischen Herzogsurbar erwähnt1 und ca. 1310 mit vier Viertelbau beschrieben2.

Im Jahr 13243 ist als Besitzer ein Haertwich der Pelhaimer im Salbuch des Domkapitels von Augsburg aufgeführt. Nach ihm folgt ein Rupertus der Pelhaim.

1410 verkauft Hans der Warter zu Steinach an seinen Bruder Erasmus seinen Drittanteil an der Burg und dem Dorf Steinach. Dazu gehört auch der Hof im  nahegelegenen Pelham4.

26 Jahre später scheint der Hof bereits nicht mehr den Warter gehört zu haben. Als sie ihr Steinacher Gut an die Ortenburger verkaufen möchten, ist in der Kaufurkunde5 von 1436 Pellham nicht mehr erwähnt.

Im Salbuch von 1444 des Domkapitels Augsburg6, ist von zwei Höfen die Rede. Sie haben die gleiche Größe und zahlen auch die identischen Abgaben:

Auf einem sitzt ein Hartweig von Pelham.
Er besitzt
anderthalb Viertel Bau zu Pelham und zahlt an Georgi 66 Reg. Pfg. und an Martini 4 ½ Mutt Weizen u. 4 ½ Mutt Haber, macht insgesamt 67 ½ Reg. Pfg.
... ein halbes Viertel Baues, genannt das Tollenfeld, dafür zahlt er an Georgi 22 Reg. Pfg. und an Martini 1 ½ Mutt Weizen und 1 ½ Mutt Haber, macht 22 ½ Reg. Pfg.
... eine Wiese in Ried dafür zahlt er 18 Reg. Pfg.
... den Wald im Kromler, dafür zahlt er 4 Reg. Pfg.
und soll dienen von ihren Erben 15 Weisatpfenning.

 

Den anderen Hof besitzt Ott Praitenweiter zu Pelham und seine Hausfrau Elspet
Als Besitz wird bei ihm angegeben:
… anderthalb Viertel Baues zu Pelham, für die er an Georgi 66 Reg. Pfg. und an  Martini 4 ½ Mutt Weizen und 3 ½ Mutt Haber abführt, das macht insg. 67 ½ Pfg.
... ein halbes Viertel Baues im Tolenfeld, dafür zahlt er an Georgi 22 Reg. Pfg. und an Martini 1 ½ Mutt Weizen und 1 ½ Mutt Haber, macht insg. 22 ½ Reg. Pfg.
... eine Wiese im Ried, für die er 18 Reg. Pfg. zahlt
... den Wald am Chromler, für den er 4 Reg. Pfg. zahlt
und soll von ihren Erben jährlich 15 Weisatpfenning dienen.

 

 uraufnahme pellham

 Pellham bestand  aus zwei Höfen -
Hs.Nr. 27 heute Wolf und Hs.Nr. 28 heute Mandl
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

 

Die Patriziersfamilien Zeller – Ridler – Sigersreiter als Eigentümer der Pellhamer Höfe

14587 gehörten die Höfe in Pellham schließlich dem reichen Straubinger Handelsmann Hermann Zeller. In dem Salbuch von 1458 heißt es hierzu:
Hermann Zeller der Ältere zu Straubing hat mit dem Probst von Augsburg vereinbart von den zwei Höfen zu Pellham wegen, die von Hartweign Pelhaymer und Otten Preytelbeyter herkommen sind, die er mit Kauf von den Wartern in seine Gewalt gebracht hat, dass er järlich davon dienen soll von dem Hof der vom Pelhaimer herkomt auf Georgi 83 Reg. Pfg. und gehören einem Kapitel zu. 68 Pfennige die gehören dem Probst zu.

Der reiche Handelsmann besitzt zu dieser Zeit auch den Hien-Hof in Rotham, den Berghof, den Sackhof, die alte Taferne in Wolferszell, einen Hof in Gschwendt und einen Hof in Innersteinach. Diese Besitzungen liegen alle an den wichtigen Fernhandelsstraßen nach Böhmen und waren vorher im Eigentum der Warter. Als sie in finanziellen Schwierigkeiten gerieten, verkauften sie ihre Höfe außerhalb des Dorfes an den Straubinger Patrizier.

Als Bauer könnte auf einem Hof 1453 ein Peter Khrapf gewirtschaftet haben8.  Hanns und Anna Pergmair verkaufen nämlich „Peter dem Khrapfen von Pelham“ am 30.12.1453 ihr Erbrecht auf dem Berghof, der auch dem Zeller gehörte.

14659 erbt die zwei Höfe in Pellham, sowie den Hof in Rotham der Sohn Kaspar Zeller. Es werden jedoch keine Namen von Bauern genannt, die den Hof bewirtschaften.

Die Höfe in Pellham gehen schließlich an Kaspar Zeller‘s Tochter Ursula, die mit dem Patrizier Hieronymus Riedler von München verheiratet ist10.

1545 wird bei einem Streit zwischen der Gemeinde Rotham und der Dorfschaft Steinach wegen eines strittigen Blumbesuchs ein Jörg Hien von Pölham, seines Alters bei 60 Jahr, als Zeuge genannt11. Er dürfte als Bauer auf einem der Höfe gelebt haben.


157912 ist der Straubinger Bürgermeister Paul II. Sigersreiter (+1589) als Eigentümer der Pellhamer Höfe beurkundet. Wie der Straubinger zu den Pellhamer Höfen gekommen ist, lässt sich nicht feststellen. Sein Vater Paul I. Sigersreiter war mit der Münchner Patrizierstochter Sidonia Ridler verheiratet. Vielleicht kamen sie über die Ridler zu den Sigersreiter.

In dem Salbuch von 1579 stehen auch die Bauern mit dabei, die die beiden Höfe auf Leibrecht besitzen, nämlich Michael Müethaner und Wolf Permayr

 

Ihm folgt sein Sohn Dr. Christoph I. Sigersreiter (+1635) als Eigentümer nach, der ebenfalls Bürgermeister von Straubing wird13.

Nach dessen Tod wird Dr. Christoph II. Sigersreiter (+1668) Eigentümer. Er ist Bannrichter des Rentamts in Straubing.

 

Als weitere Obereigentümer werden genannt:

Johann Wilhelm Ammon, Hofmarksherr zu Au12
Die Ammon von Au hatten die Hofmarken zu Au und Rattiszell in ihrem Besitz. Wie sie zu dem Pellhamer Besitz kamen, ist nicht dokumentiert.

1710 kaufte Freiherr Joseph Oswald von Schuß (1658-1720) Hofmarksherr auf Peilnstein Schloss und Hofmark Steinburg12. Ab dieser Zeit gehörten die Höfe dem jeweiligen Eigentümer der Hofmark Steinburg, der auch die niedere Gerichtsbarkeit über die Pellhamer Bauern ausübte

Sein Sohn Joseph Franz Borgias Heinrich Oswald Baron Schuß zu Steinburg (1721-1786) erbte die Hofmark Steinburg, die Pelhamer Höfe und das Eisenwerk Hammerau südlich von Freilassing in Oberbayern.

Dessen Sohn, Joseph Franz Borgias Oswald Wolfgang (*1747) übergibt 1809 Steinburg an die Freiherrn von Schönbrunn zu Miltach.

 

1816 erwirbt Wilhelm Clemens Anton Freiherr von Berchem auf Niedertraubling die Hofmark Steinburg, zu der auch die zwei Pellhamer Höfe gehören.

Sein Sohn Eduard von Berchem-Königsfeld (1809-1883), wird anschließend Herr auf Steinburg. Dieser Eduard von Berchem-Königsfeld hatte 1839 auch die Hofmark Steinach gekauft, so dass die Pellhamer Bauern zufällig denselben Grundherren, wie die Steinacher Bauern hatten.

Bis 1848 gehörten die beiden Pellhamer Höfe zur Hofmark bzw. Gutsherrschaft Steinburg und zum Patrimonialgericht II. Klasse Steinburg.

 

1848 dürften die beiden Pellhamer Höfe durch Zahlungen der Mayerschaftsfristen die Grundherrschaft der Hofmark Steinburg abgelöst haben.

Bis zu dieser Zeit hatten sie ihre Abgaben an den Hofmarksherrn von Steinburg zu entrichten.

Für jeden Besitzwechsel (Übergabe, Erbschaft, Verkauf d. Erbrechts etc.) mussten sie 10 % Laudemium (je 5 % An- und Abschlagszahlung) vom Hofwert an ihren Grundherren zahlen.

 

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Die alte Verbindungsstraße zwischen Steinach und Agendorf, die an Pellham vorbeiführte.
aufgenommen 1943
Bild: Familie Wanninger, Bruckmühle

 

 

 

So wurde 1838 für die Höfe folgende Abgaben aufgeführt14:

Haus Nr. 27 „Der ganze Geyerhof“ (heute Wolf)
letztes Laudemium von 1835 aus 5.000 Gulden Wert = 500 fl.
Michaelsstift 1 Gulden 20 Kreuzer
Scharwerkgeld 8 Gulden 15 Kreuzer
Küchendienst: 6 Gänse (3 Gulden 36 Kreuzer), 10 Hühner (2 Gulden), 100 Eier (50 Kreuzer)
= Summe 16 Gulden 1 Kreuzer

 

Haus Nr. 28 „Der ganze Ammonhof“ und 28 ½ „Nebenhaus“ (heute Mandl)
letztes Laudemium am 10.11.1826 aus 4.487 Gulden = 448 Gulden 42 Kreuzer
Michaelsstift 1 Gulden 20 Kreuzer
Scharwerkgeld 5 Gulden 33 Kreuzer
= Summe 6 Gulden 53 Kreuzer

 

1811 wird Pellham in den Steuerdistrikt Wolferszell hinzugefügt und kommt ab 1821 in die Gemeinde Agendorf. Dort bleibt der Weiler bis er mit der Gemeinde Agendorf 1976 in die heutige Gemeinde Steinach eingegliedert wird.

Seelsorgerisch gehörte der kleine Weiler von jeher schon zur Pfarrei Steinach.

ortskarte pellham174f 1938

Ortskarte von ca. 1938
Hier sind bereits die vier Anwesen in Pellham eingezeichnet.
Quelle: Vermessungsamt Straubing, Ortskarte Agendorf Nr. 174f

 

 

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Pellham um 1942
links das Wolf-Anwesen, in der Mitte das Mandl-Haus und rechts das Prommersberger-Haus
Bild: Max Hiegeist, Hoerabach

 

 

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Bild: Familie Malterer

 

 

 

 

pellham 1991

Pellham im September 1991
Bild: Pfarrer Gerhard Mass

 

 

 

 

1 Straubinger Hefte, 3. Heft/1953, „Straubinger Familiennamen“ von Willibald Schmidt, S.19
2 MB 36b, S. 217 ff, siehe auch Hist. Atlas von Bayern, Landgericht, Rentkastenamt und Stadt Straubing, Heft 32, S. 39
3 Mondschein Johannes, Rechte und Besitz des Domkapitels Augsburg in und um Straubing am Anfang des XIV. Jahrhunderts. 1324, in Jahresbericht d. Hist. Vereins f. Straubing u. Umgebung 8, 1905, S.43 ff
4 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Kaufvertrag vom 14.02.1410 (Sign. SCHL-ALS_14).
5 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Kaufvertrag vom 09.09.1436 (Sign. SCHL-ALS_15). Der Verkauf an die Grafen von Ortenburg scheint jedoch nicht zustande gekommen zu sein.
6 Jahresbericht d. Hist. Vereins f. Straubing u. Umgebung, 65. Jhg. 1963, S.44 Straubinger Salbuch des Augsburger Domkapitels von 1444
7 BayHStA München, Kurbayern Äußeres Archiv 4777, Sal- und Urbarsbuch des Domkapitel Augsburg, angelegt 1458 und fortgeführt bis zum Jahre 1534, fol. 64
8 Solleder Fridolin, Urkundenbuch der Stadt Straubing, 1918,  S. 318, Urkunde Nr. 422. Hanns und Anna  Pergmair verkaufen „Peter dem Khrapfen von Pelham“ am 30.12.1453 ihr Erbrecht auf dem Berghof, der auch dem Zeller gehörte.
9 Ebd., S.345, Urkunde Nr. 468
10 Retzer Markus, Das Patriziergeschlecht der Zeller von Straubing, 2007, S. 43
11 StA Landshut, Regierung Straubing, A5610 (Die Gemeinde Rotham gegen die Dorfschaft Steinach wegen strittigen Blumbesuchs auf dem sog. Riebmoos  1545)
12 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing B39, Sal- und Urbarsbuch über die propsteiischen Lehengüter des Rentkastenamts Straubing, 1579, fol. 67‘
13 Keim Josef, Die Sigersreiter. Eine Straubinger Patrizierfamilie 1536-1670, in Jahresbericht d. Hist. Vereins f. Straubing u. Umgebung 74, 1971, S. 26-45
14 Liquidationsprotokoll der Steuergemeinde Agendorf  vom Oktober 1838, Vermessungsamt Straubing