Altes Schloss in Steinach

 

Als das Domkapitel von Augsburg die Güter um Straubing 1029 vom Herzogssohn -  Bischof Bruno von Augsburg -  geerbt hatte, errichtete es  in Steinach ein „offizium“, einen Verwaltungsmittelpunkt für die nördlich der Donau gelegenen Güter. Ob die Steinacher Burg damals errichtet wurde oder schon bestand, ist nicht bekannt.

Lt. Josef Schlicht, dem Steinacher Schlossbenefiziaten und Heimatforscher, könnte es sich bei dem Fiscalgut in der Landbucht nördlich der Donau, vor 1006 um einen Teil des Herzogs- bzw. Königsgutskomplexes Straubing gehandelt haben. Eine Burganlage, im Besitz der bayerischen Herzöge, könnte zur Sicherung der Heeres- und Handelsstraße aus dem Donauraum in das Chamer Becken gedient haben. Im Gegensatz zu Rain und Geltolfing, ist dies urkundlich jedoch nicht nachgewiesen.

1105 wird ein Wichmann von Steinaha als Zeuge in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Oberalteich aufgeführt. Hier handelt es sich um die erste urkundliche Nennung von Steinach.
Nach Schlicht hatten die ersten Ritter von Steinach eine dreifache Funktion: Sie waren Inhaber der hiesigen Herzogslehen, Amtsleute des Augsburger Domkapitels und Ministerialen der Grafen von Bogen.

Im Jahr 1322 hat Jakob der Steinacher die Burg in Steinach an seinen Vetter Albrecht von Sattelbogen verkauft. Dies ist auch die erste Erwähnung einer Burg in Steinach, die jedoch schon lange davor bestanden haben dürfte.

1550 errichtete die Witwe Anna von der Wart, Witwe des Christoph von der Wart, aus den Bruchsteinen der alten Burg das heutige Schloss. Der Bau im Stil der Renaissance wurde etwas unter der alten Burg errichtet und ist im Wesentlichen noch unverändert.

Josef Schlicht hat in seiner 1881 im Straubinger Tagblatt veröffentlichten Chronik „Steinach – ein niederbayerisches Geschichtsbild“ die Inschrift einer Gedenktafel  beschrieben, die im Erkerturm eingemauert war. Die Tafel existierte bereits zu Schlichts Lebzeiten nicht mehr. Er hatte den Text im damaligen Schlossarchiv gefunden, der vom Schlossbesitzer Christoph Graf von Herwarth (1623-1649) stammte:

„So bekhere dich nun zum Herren und lass dein sündtlich leben;
bitt den Herren und höre auff vom bösen;
halt dich zum höchsten und wende dich vom unrechten;
hasse mit Ernst abgötterey.“

Durch mich Anna, Christophen von der Wartt seeligen gelassene Wittib, eine geborne von Freyberg, ist dise Hausung, was mit der Rinckhmaur umbfangen, sambt der Tafern und Mühl von grundt aufferbaut. Hans Wolff von der Wartt, mein Sohn, den ersten Stain daran gelegt, seines Alters fünffthalb jahr alt gewest. Gott wolle, daß er mein mütterliche Threu und Wollaimen annembe und erkhenne.“

Weiterhin beschrieb Christoph von Herwart die Tafel:

„Auf diesem Stain ein Khnäbel auff einem Todenkhopf lainendt, in der hand ein schiltlein mit dem vers „Hodie mihi Cras tibi“ haltendt, auff ainer Seiten das Wartterisch der andern das Freybergerisch Wappen, sambt einer Reißuhr stehende, darbey aber kein Jahrzahl findig“.

(Latein „Hodie mihi cras tibi – zu Deutsch: heute geschieht es mir, morgen dir)

 

Aufgrund des Tod des Vaters Christoph von der Wart und Alter des Sohnes Wolfgang muss der Stein um 1550 gelegt worden sein.

 

Schloss 1723

Nach einem Kupferstich von Michael Wening von 1726 war das Schloss Steinach ein Gebäude mit einem hohen Satteldach, mit Kuppel und Meßglöckchen für die Kapelle. Der Erkerturm springt von einem Viereck in ein Achteck und wird ebenfalls mit einer Kuppel abgeschlossen. Eine Mauer umfasste die Anlage, wobei die Westseite vermutlich noch die Reste der ehemaligen Burganlage waren. Weitere Gebäude sind noch Bestandteil dieser umgebenden Mauer.

 

1737 bis 1739 fanden unter Franz Adam Graf von Herwarth und seiner Ehefrau Anna von Seeau größere Umbaumaßnahmen an dem Gebäude statt. Bereits 1721 war der Maler Riedl 29 Tage im Schloss und 1733 und 1734 war der Maler März aus Straubing in den Rechnungsbüchern zu finden.
Das Schloss wurde um drei Fensterachsen Richtung Schlosskapelle verlängert. Die Giebel abgetragen und das Schloss erhielt ein französisches Dach, in der Mitte mit dem Glockenturm. Der Erkerturm, in ein Viereck umgestaltet, wurde mit einem Spitzdach versehen.
1738 erhielt das Schloss einen großen Festsaal, der von dem berühmten Maler Johann Adam Schöpf farbenprächtig gestaltet wurde und den Josef Schlicht in seiner Geschichte noch ausführlich beschrieb.

 

Uraufnahme 1827

 

1839 erwarb Eduard Freiherr von Berchem-Königsfeld das Schlossgut mit 522 Tagwerk Grund. Er renovierte das Schloss innen und aussen. Der Park um den Berg, bisher eine Schafweide, wurde zu einem Schloßpark umgewandelt. Sämtliche Wirtschaftsgebäude mit Pferde- Ochsen- Kuh- und Geflügelhaus wurden erneuert. Nachdem am 17.12.1851 der alte Stadel abbrannte, auch dieser neu aufgebaut und somit der Schlosshof um ein Drittel vergrössert. Nur das Bau- und das Brauhaus blieben unverändert.

 

Karte 1869

 Quelle: Lageplan Gemeindearchiv Steinach, Katasterplan Vermessungsamt Straubing

 

 

Zeichnungsauschnitt Schloss 1900

Die Steinacher Schlossanlage 1739 - 1886
mit Stallungen und Brauhaus
(Quelle: Auszug aus einer Zeichnung von Steinach)

 

 

Schloss 1902

Das Schloss vor dem Umbau 1902
(Quelle: Alben von Mary von Schmieder, Hubertus Meckel, München)

 

Nachdem Dr. August von Schmieder am 29. November 1901 das Schlossgut Steinach erworben hatte wurden durch ihn umfangreiche Bau- und Renovierungsmaßnahmen in die Wege geleitet und der Besitz auf den neuesten Stand gebracht. Als erstes wurde das „Alte Schloss“ grundlegend renoviert und mit Zentralheizung und "dem Elektrischen" versehen, sowie neu eingerichtet.
Die alte Schlossbrauerei im Schlosshof wurde abgerissen. Nach den Plänen von Gabriel von Seidl entstand ein neuer Kuhstall für 100 Milchkühe und eine Molkerei und eine Brennerei wurden, im durch Zukauf erweiterten Schlosshof, eingerichtet.

Bereits von Anfang an plante der neue Schlossherr das Alte Schloss zu erweitern. Wegen der Lage am Steinacher Schlossberg kam nur eine Vergrößerung nach Norden in Frage. Dort aber stand den Planungen, die im Schloss als letzter Raum gegen Norden hin integrierte Schlosskapelle im Weg. Durch eine Erweiterung wäre die Kapelle in die Mitte des Schlosses gerückt und damit für die Gläubigen aus dem Dorf schlechter betretbar, ohne das Leben im Schloss zu stören.

Im Dezember 1901 schlug Herr von Schmieder dem Schlossbenefiziaten Josef Schlicht vor, eine neue Benefiziumskirche an anderer Stelle zu bauen. Im Mai 1902 jedoch entschied er sich an anderer Stelle ein komplett neues Schloss zu errichteten und das bisherige Schloss lediglich von Grund auf zu renovieren und den Gutshof erweitern zu lassen.

Schloss 1915

Das Schloss nach der Renovierung 1910
damals noch mit Turmuhr
(Quelle: Nachlass Ludwig Niggl, Steinach)

 

Schloss 1904

Der Garten mit der Laube und dem Löwenbrunnen. Der Brunnen wurde später in das Neue Schloss versetzt.
(Quelle: Alben von Mary von Schmieder, Hubertus Meckel, München)

 

1904 heiratete August von Schmieder Mary von Lang-Puchhof und bezog mit seiner jungen Frau das frisch renovierte „Alte Schloss“.
Die Familie wohnte im ersten Stock, von dem auch der höher gelegene, vom Hof uneinsehbare, Garten betreten werden konnte.

Nach nur dreijähriger Bauzeit zog die junge Familie im Mai 1908 in das feudale Neue Schloss Steinach auf dem nahe gelegenen Singberg.

 

Katasterkarten

 

Im Alten Schloss wurde die Verwaltung des umfangreichen Gutsbetriebes untergebracht und es diente als Wohnung für den Gutsverwalter Ludwig Niggl und dessen Familie.

 

Schloss 1910

rechts Berta Niggl, Ehefrau vom Verwalter Ludwig Niggl, im Schlossgarten
um 1910
(Quelle: Nachlass Ludwig Niggl, Steinach)

 

 

Schloss 1932

Das Schloss mit Gutshof
aufgenommen ca. 1932
(Auszug aus einer Ansichtskarte)

 

Schloss 1930 2

Das Arbeitszimmer von Ludwig Niggl im ersten Stock des Schlosses
(Quelle: Nachlass Ludwig Niggl, Steinach)

 

Nach der Stilllegung des Neuen Schlosses Ende 1929 zog die Familie Schmieder zunächst nach München. 1937 kehrte August von Schmieder mit der Familie seines Sohnes zurück ins Alte Schloss Steinach. Der Verwalter Niggl bezog ein Haus in Steinach.
Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1941 trat Sohn Max von Schmieder sein Erbe an und baute mit Hilfe seines Schwagers Ewald Grundler die Saatzucht Steinach wesentlich aus. Die Familie von Schmieder wohnte bis zum Verkauf des Gutsbetriebes im Alten Schloss. Im Anbau des Schlosses waren die Büroräume der Saatzucht und der Gutsverwaltung untergebracht.



Schloss 1956Schloss und Gutshof ca. 1956
rechts am Schloss der Zugang zur Benefiziumskapelle St. Georg
(Quelle: Archiv für Heimatgeschichte Steinach)

 

 

1963 erwarb der Rheinländer Hans Bernd Mayer das Schloss mit dem Gutsbetrieb und Saatzucht, der den Betrieb unter der Verwaltung von Ewald Grundler weiterführte. Der Verwalter bewohnte mit seiner Familie ebenfalls das Schloss.

 

Schloss 1970

Schloss mit Gutsverwaltung um 1970
(Quelle: Dr. Thomas Grundler)

 

Hans Bernd Mayer verkaufte  im Frühjahr 1980 Schloss und Gutshof an die Flurbereinigungs-Teilnehmergemeinschaft Steinach-Agendorf. Nach Abzweigung des Flächenbedarfs der öffentlichen Hand von etwa 40 Hektar – insbesondere für den Bau der Bundesautobahn und der neuen Bundesstraße B20 wurde das Schlossgut in private Hände zurückgegeben.

Den Besitz erwarb 1984 der Bauunternehmer Helmut Lindbüchl aus Neukirchen vorm Wald. Das Schloss wurde in ein Jagd- und Schlosshotel umgestaltet und aufwendig renoviert. Im ehemalige Ross- und Ochsenstall entstanden ein Restaurant und Appartements. Zusätzlich wurden noch zwei Appartementhäuser gebaut.

 


Schloss 1987

Die Schlossanlage mit der Appartementanlage 1987
(Quelle: Auszug aus einer Ansichtskarte)

 

 

Das Unternehmen geriet jedoch in Schieflage und im Oktober 1988 und Januar 1989 wurden das Schlossgebäude, Restaurant und Appartements versteigert. Der Grundbesitz des ehemaligen Gutshofes und die Saatzucht wurden von der Familie Kronseder erworben. Der Schlosskomplex wurde von der ABV-Grundstückverwaltungsgesellschaft mbH & Co., Handels- und Entwicklungs-KG, einer Tochter der Deutschen Genossenschaftsbank in Frankfurt, ersteigert. Lange Zeit war das Schicksal des Schlosses ungewiss. Es gab bereits Pläne von der Regierung es in ein Aussiedler-Lager umzuwandeln.

Im April 1995 kaufte die Unternehmensgruppe Bavaria-Klinik in Schaufling den Schlosskomplex und richtete dort ein Reha-Zentrum ein.

Schließlich erwarb 2004 die Familie Lindinger die Anlage. Seitdem wird das Schlossgebäude wieder privat genutzt. Die Appartements dienen als Wohnungen. Die Gastronomie, von 2007 bis 2017 vom Ehepaar Kienberger bewirtschaftet, ist seit 2017 an den Festplaner Patrick Biermann aus Steinach verpachtet und bietet einen perfekten Rahmen für Veranstaltungen.
Am 1. Januar findet jährlich der Neujahrsempfang der Gemeinde Steinach im Schlosshof statt.

Somit ist das uralte Schloss wieder ein wichtiger Bestandteil des Dorflebens, wie es jahrhundertelang bereits war.

Schloss 2018

 aufgenommen 2018
(Foto: Claudia Heigl, Steinach)

 

 

 

Text: Claudia Heigl

 

Quellen:
Agsteiner Hans; Chronik der Gemeinde Steinach, 1996
Agsteiner Hans; Anna von der Wart baut Schloß Steinach, erschienen im Jahresheft des Kulturkreis Josef Schlicht e.V. 1997-1999
Dr. Grundler Thomas; Die Familie von Schmieder, Beilage zum Gemeindeboten Teil 3, 2005
Schlicht Josef;  Steinach – Ein niederbayerisches Geschichtsbild, veröffentlicht im Straubinger Tagblatt 1881-1883