Das Scherzergütl Hs.Nr. 26

 

ab 1890 Hs.Nr. 30, heute Chorherrenstr. 14, Weiß

 

von Claudia Heigl

 

 

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1838 erhielt das Anwesen die Hs.Nr. 26
Uraufnahme aus dem Jahr 1827
Quelle: Bay.Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

Als erster Besitzer dieses Anwesens ist ab ca. 1727 der Schuster Sebastian Scherzer bekannt.

Sebastian stammt von Mitterfels und war der Sohn der Söldnerseheleute Kaspar Scherzer und dessen Ehefrau Katharina, geb. Heiligenmayr.
In erster Ehe heiratete er 1710 die Halbbauerstochter Maria Probst von Oberkogl. 1719 geht er eine zweite Ehe mit der Bauerswitwe Barbara Wartner, geb. Kuhdorfer (auch Kiedorfer) von Weingarten ein.
Etwa 1727 zieht die Familie nach Münster. Nach dem Tod von seiner zweiten Ehefrau Barbara heiratet der Witwer 1730 die Bauerstochter Walburga Bayer vom Auhof.

Folgende Kinder sind von ihm bekannt:
- Simon (*12.04.1712 in Scheibelsgrub + 11.05.1727 in Münster)
- Maria (*14.02.1732 in Münster)
- Johann Kaspar (*10.02.1735 in Münster) Hoferbe
- Urban (*16.10.1736 in Münster)
- Maria (1738-1753 in Münster)
- Jakob (*17.04.1741 in Münster)
- Johann Michael (*04.01.1745 in Münster)
- Eva (*14.09.1746 in Münster)

 

Sohn Johann Kaspar übernimmt am 11.01.1751 den Anwesen von der Mutter und heiratet 1755 die Häuslerstochter Margaretha Mayer von Münster.1
Das Ehepaar hat neun Kinder:
- Anna Maria (1756-1827) heiratet 1804 den Ziegelmeister Michael Hartmannsgruber von Münster Nr. 44
- Maria Barbara (*1760)
- Maria Katharina (*1762)
- Johann Georg (1765-1828), Hoferbe
- Maria Barbara (1767-1841) heiratet 1788 den Schuster Michael Agsteiner von Münster Nr. 43
- Franziska (*1770)
- Maria Anna (*1773)
- Jakob (*1776) als Kind verstorben
- Eva (*1777)

 

Der einzige Sohn Johann Georg folgt 1793 als Hofnachfolger. Er vermählt sich mit der Schmiedstochter Maria Anna Haselbeck von Münster.
In der Ehe kommen zwölf Kinder zur Welt, von denen nur fünf das Kindsalter überleben:
- Maria Katharina Lucia (*1794)
- Joseph Martin (*1795)
- Johann Georg (1799-1847) heiratet 1829 die Witwe Walburga, des verstorbenen Häuslers Joseph Spießl von Münster Nr. 62
- Maria Anna (*1801)
- Josef (*1807), Hoferbe

 

Der jüngste Sohn Joseph übernimmt 1833 das Anwesen und geht eine Ehe mit Anna Maria Brandl von Fischerdorf ein.
Das Ehepaar hat insgesamt neun Kinder:
- Helena (1833-1839)
- Heinrich (*+1834) als Säugling gestorben
- Georg (1835-1839)
- Franziska (1837-1839)
Im Juni 1839 erlebt die Familie einen schweren Schicksalsschlag – alle ihre drei noch lebenden Kinder sterben im Alter zwischen 6 und 2 Jahren an Bräune (Diphterie).
Es kommen dann nochmals fünf Kinder zur Welt:
- Georg (*1840)
- Franz Xaver (*1842)
- Anna (1844-1872) stirbt unverheiratet an Lungenschwindsucht
- Anna Maria (*1846)
- Josef (*1850)

 

 

Scherzer Besitzer

 

Am 24.03.1869 veräußern sie das 10 Tagwerk große Gütl um 1.750 Gulden an Franz Kulzer und dessen Ehefrau Margaretha, geb. Hellibrand und ziehen von Münster weg.

 

Am 23.01.1896 kauf ein Georg Brunner das Anwesen mit 3,8 ha um 3.600 Mark von der Kulzer-Witwe.

Bereits zwei Monate später veräußert er das Haus mit nur noch 0,849 ha Grundbesitz an Peter Sieber von Münster.
Die Familie Sieber war vorher auf dem Anwesen Hs. Nr. 34 (Bergstr. 7) in Münster ansässig.

1902 übergibt Peter Sieber das Haus an seine Tochter Maria und deren Ehemann Ludwig Bauer.

 

Sieber Besitzer

 

Am 30.06.1909 tauschen Josef u. Maria Bauer das Haus gegen das Anwesen Nr. 103 1/3 in Straubing mit Künstler Stefan und Fanny.
Das Ehepaar Bauer zieht zusammen mit dem Vater Peter Sieber nach Straubing. Am 15.11.1911 siedelte die Familie weiter nach Sossau um.

 

Am 25.02.1909 erwirbt das Haus Josef Biederer um 1.500 Mark von dem Ehepaar Künstler.

Josef Biederer war mit der Gütlerstochter Theresia Geier von Münster verheiratet und hatte vorher in Münster Nr. 8 (Brunnenstr. 6) gewohnt.
Das Ehepaar hat elf Kinder, von denen fünf im Kindsalter sterben.
1900 hatte er sein Anwesen bereits an seinen Sohn Josef Biederer übergeben.

Kurz vor seinem Tod übergibt Joseph im April 1919 das Anwesen an seinen Sohn Martin Biederer, der die Bauerstochter Franziska Retzer von Bärnzell ehelicht.

 

neg stei 13 kopie 2aufgenommen 1956
Quelle: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Bestand Luftbidlverlag Bertram München

 

 

 

Biederer Besitzer

 

Tochter Franziska übernimmt das elterliche Anwesen und heiratet Hugo Weiß.

 

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aufgenommen 1956
Das alte Bauernhaus wurde aufgestockt und erweitert.
Bild: Familie Weiser, Münster

 

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aufgenommen 1990
Bild: Familie Weiser, Münster

 

  

1 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 645 II, fol.43   Übergabe fl 200 11.01.1755

 

Weitere Quellen:
Bischöfl. Zentralarchiv Regensburg, Pfarrmatrikel Pfaffmünster
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer Hofanlagsbuchhaltung 248, Hofmark Münster 1752
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser und Rustikalsteuerkataster Münster incl Steinach 1808
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokolle der Steuergemeinde Münster von 1838
StA Landshut, Grundsteuerkataster, Umschreibehefte Münster 17/22-5, 17/22-9, 17/22-14

 

Veröffentlicht: 03.06.2026