Das Beck-Anwesen Hs.Nr. 7
1583/1623: Sölde am Bach neben der Mühle – 1699: Häusl -
1760: Küster Häusl – 1808: Gruber Hof Hs.Nr. 39 – ab 1838 Hs.Nr. 7
heute Brunnenweg 6
von Claudia Heigl
Auch bei diesem Anwesen war vor dem Dreißigjährigen Krieg ein Hafner ansässig.

Das Anwesen erhielt 1838 die Hs.Nr. 7
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas, Uraufnahme aus dem Jahr 1827
Im Jahr 1583 zahlt der Hafner Erasmus Stromair Abgaben für die „Sölde am Bach neben der Mühle“.
Er entrichtet eine Gilt von 2 Schilling Pfennig und zahlt - wie alle Steinacher Hafner - noch zusätzlich Tegelgeld in Höhe von 5 Schilling 25 Reg. Pfennigen.1
In unmittelbarer Nähe lag auch der Ziegelstadel der Hofmarksherrschaft. Vermutlich war Stromair auch für das Brennen der Ziegel zuständig.
1623 wird im Stiftregister ein Augustin Wastl als Besitzer genannt. Das Leibrecht läuft aber noch auf Katharina Strohmair, der hinterbliebenen Tochter des Hafners Erasmus Strohmair.2 Das Häusl wird mit 2 Pfund Reg. Pfennige bewertet.3
Vermutlich hat Augustin Wastl die Hafnerei schon nicht mehr betrieben haben, denn er zahlt kein Tegelgeld mehr, wie es bei den anderen Steinacher Hafner üblich war.
Nachfolger auf dem Anwesen wird ein Michael Pidnstorffer, der ebenfalls das Leibrecht auf der Sölde hat.4

Das Anwesen aufgenommen 1927
Bild: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Nachlass Niggl
Im Steuerregister von 1641 wird die Sölde nicht mehr aufgeführt. Ggf. waren die Besitzer im Dreißigjährigen Krieg umgekommen oder geflohen. Das Haus dürfte nicht mehr bewohnt gewesen sein.
Aus die in unmittelbarer Nähe gelegene Mühle ist im 30-jährigen Krieg zerstört worden.5
Der erste gesicherte Besitzer ist erst wieder ab 1728 Mathias Schuheder (weitere Schreibweise auch Schorneder).
Von ihm und seiner Ehefrau Magdalena kommen in Steinach vier Kinder zur Welt:
- Walburga (*1728)
- Ursula (*1730), Hoferbin
- Johann (*1735) als Kind verstorben
- Georg (*1739) heiratet 1767 die Tagelöhnerstochter Magdalena Kiefl von Agendorf. Er ist als Zimmermann in Agendorf und auf der Bruckmühle tätig.
1753 übernimmt Tochter Ursula den Hof und heiratet den Maurer Wolfgang Freimuth von Stallwang.
Zwei Kinder werden in der Ehe geboren:
- Johann (*1762)
- Anna Maria (*1764)
In dem Hofanlagsbuch von 1760 wird das Anwesen als „Kuester Häusl“ bezeichnet.
Zehn Monate nach der Geburt des zweiten Kindes stirbt der 34-jährige und die Witwe nimmt 1765 den Tagelöhnerssohn Joseph Zwingeisen von Steinach zum zweiten Ehemann.
In der Ehe werden keine Kinder mehr geboren.

Als nächste Besitzer sind Joseph und Gertraud Gruber bekannt. Wann genau das Ehepaar das Anwesen in Steinach erwirbt ist unbekannt.
Joseph stammt von Edenstetten und wird bei seiner Hochzeit 1766 als Schmidsknecht in Kößnach bezeichnet. Gertraud ist die Tochter der Bauerseheleute Martin und Magdalena Geier von Kößnach. In Steinach ist sie als Hebamme tätig.

1788 heiratet ihr Sohn Joseph Gruber die Häuslerstochter Anna Maria Eberl von Steinach.
Von ihren fünf Kindern erreicht keines das Erwachsenenalter.
Am 18.02.1810 übernimmt Wolfgang Gruber das Anwesen von seinem „Vater“ Joseph Gruber.
Wolfgang dürfte von Joseph und Anna Maria als Pflegekind angenommen worden sein.
Er wurde 1778 in Steinach als uneheliches Kind des Tagelöhnerssohnes Georg Gruber von Niedersteinach und der ledigen Tagelöhnerstochter Katharina Hitzinger von Steinach geboren.
Seine Ehefrau wird die Tagelöhnerstochter Walburga Freundorfer von Auhof bei Mitterfels.
Das Ehepaar bekommt drei Mädchen:
- Katharina (*1811)
- Anna Maria (*1812), 1849 Köchin in Wien
- Walburga (*+1818) als Kind verstorben
1841 übergibt Wolfgang Gruber das Anwesen an seine Tochter Katharina und ihren Ehemann Joseph Kaufmann, der als gutsherrlicher Gerichtsdiener arbeitet.
Vier Kinder kommen in der Ehe zur Welt:
- Wolfgang (*1842)
- Rupert (*1843)
- Rupert Wolfgang (*1844)
- Alois (*1847)

1847 stirbt Katharina Gruber mit knapp 36 Jahren, vermutlich an den Folgen der vierten Geburt.
Ein Jahr später heiratet der Witwer eine Anna Maria Sauer. Ihre Herkunft ist nicht im Heiratsbuch eingetragen.
Eine Tochter kommt 1849 zur Welt, die auf den Namen Anna Maria getauft wird.
Mit Gesetz von 4. Juni 1848 wurden die Patrimonialgerichte in Bayern aufgelöst. Das bedeutete für Joseph Kaufmann, dass sein Einkommen als Gerichtsdiener wegfiel.
Die Aufgaben des ehemals adligen Gerichts von Steinach übernahmen nun das staatliche Landgericht in Straubing.
Dies dürfte auch der Grund gewesen sein, warum Joseph Kaufmann das Anwesen am 08.08.1849 an Sebastian Bachmaier verkaufte.
Sebastian war der Sohn der Söldnerseheleute Sebastian und Anna Maria Bachmaier von Steinach Nr. 18. Noch im gleichen Monat heiratet er die Bauerstochter Therese Lankes von Steinach Nr. 13.
Das Ehepaar hat neun Kinder, von denen das erstgeborene Zwillingspaar kurz nach der Geburt stirbt:
- Franz Xaver (*1851)
- Therese (*1853)
- Anna Maria (*1854)
- Joseph (*1856)
- Helena (*1858), Hofnachfolgerin
- Rupert (*1860)
- Katharina (*1869)
1881 kauft die Tochter Helena und ihr Bräutigam Georg Beck von Oberzeitldorn von Helenas Vater Sebastian Beck das Anwesen mit 3,83 ha Grundbesitz um 3.780 Mark
Zwei Kinder kommen in der Ehe zur Welt:
- Joseph (*1888), Hoferbe
- Anna (*1889) verh. Schmidbauer, Frankfurt
1912 wird der 54-jährige Georg Beck bei Waldarbeiten in der Nähe von Bärnzell von einem fallenden Baum tödlich getroffen.
Sohn Joseph übernimmt 1919 das Anwesen und ehelicht die Wirtstochter Berta Lutz. Bertas Eltern waren vorher Wirtspächter in Gschwendt, Wörth, Falkenfels und erwarben 1920 das Gasthaus Krone in Steinach.
Drei Kinder werden in der Ehe geboren:
- Joseph (*1920)
- Berta (*1921)
- Helena (*1922)

Hochzeit am 07.05.1919
Josef Beck und Berta Lutz
Bild: Familie Neumann, Steinach

Nach dem Tod der 40-jährigen heiratet der Witwer die Bauerstochter Anna Haslbeck von Unterharthof Nr. 28.
In der Ehe kommen nochmals drei Kinder zur Welt - Anna, Rosa, Johann

Anna Beck, geb. Haslbeck
Bild: Familie Neumann, Steinach
Das Beck-Anwesen
aufgenommen ca. 1940
Bild: Familie Neumann, Steinach
aufgenommen 1956
Bild: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach

Das als Haus ist inzwischen abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.
Bild: Familie Ameismeier, Steinach
1 Schlicht Josef, Die Geschichte von Steinach, 1908, „Stift-, Kasten- und Salbuch über Schloß und Hofmarch Steinach 1583“
2 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Untertanen der Hofmark Steinach 1623
3 StA Landshut, Landschaft Unterlands Bd 1183, Steuerregister der Hofmarksuntertanen Steinach 1623
4 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Untertanen der Hofmark Steinach 1623
5 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Gilt und Ausstandregister der Untertanen zu Steinach 1641
Weitere Quellen:
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 248, Konskription der Untertanen der Hofmark Steinach 1752
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 514, Hofanlagsbuch der Hofmark Steinach 1760
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B79, Umschreibebuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokolle der Steuergemeinde Steinach von 1838
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127) 10579, Umschreibehefte zum Urkataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1 – 72, 1843-1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127) 10582, Umschreibehefte zum 1. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1 – 55, 1859 – 1906
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127 10586, Umschreibehefte zum 2. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1-65, 1906 – 1960
Veröffentlicht: 23.02.2026
