Das Schmuckergütl Hs.Nr. 24

 

ab 1890 Hs.Nr. 28, heute Chorherrenstr. 10, Knott

 

 von Claudia Heigl

 

 

Auf diesem Anwesen, direkt gegenüber dem Wirtshaus und der Kirche, finden wir nach dem 30-jährigen Krieg eine Kramerei.

 

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1838 erhielt das Anwesen die Hs.Nr. 24
Uraufnahme aus dem Jahr 1827
Quelle: Bay.Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

 

Im Jahr 1657 werden Jakob und Anna Jakobe Zeiß als Kramerseheleute genannt. Zuvor lebte die Familie in Steinach, wo sie ebenfalls eine Handlung betrieb.

Sechs Kinder wurden in Steinach geboren, der jüngste Sohn dann in Münster:
- Johann (1649-1706), Schneider in Münster

- Kaspar (*1651)
- Christopher (*1652)
- Christopher (*1654), 1672 als Schmiedsknecht in Münster genannt1 
- Barbara (*1655)
- Mathias (1657-1672)
- Sebastian (1661-1686)

Als der jüngste Sohn Sebastian gerade mal neun Monate alt ist, stirbt der 46-jährige Kramer.
Die Witwe heiratet daraufhin den Münsterer Wirtssohn Georg Pämer (ältere Schreibweise von Bergmaier). Zwei Jahre später wird auch Jakobe Pämer zu Grabe getragen.

 

Zeiss Besitzer

 

 

Der Witwer Georg Pämer nimmt daraufhin die Bäckerstochter Walburga Pizelmayr aus Steinach zur zweiten Ehefrau.
Sie bringt neun Kinder zur Welt, von denen vier bereits im Säuglingsalter sterben:
- Simon (*1666)
- Maria (*1668) heiratet 1699 den Kramer Johann Berger von Steinach Nr. 55
- Johann Georg (*1669)
- Maria Elisabeth (*1674)
- Walburga (*1675 in Steinach)

1675 übernimmt das Ehepaar die Hoftafern in Steinach Nr. 24, doch bereits ein Jahr später stirbt Georg Pämer.

Die verwitwete Walburga Pämer führt die Geschäfte weiter – die „Erbrechtsbehausung in Münster mit der Krambstatt“ und die „Leibgerechtigkeit auf der Hoftafern in Steinach“.2

Ihre Kinder erhalten jeweils 12 Gulden väterliches Erbe, ausgezahlt im 12. Lebensjahr.
Noch im selben Jahr heiratet Walburga erneut den verwitweten Michael Hartberger.

1677 verkauft der neue Steinacher Hofwirt Hartberger das Münsterer Anwesen mit Krämerei an Adam Lohringer aus Hundsschweif.3

 

Zunächst führt Lohringer das Kramer-Geschäft weiter, doch um 1685 entsteht offenbar ein weiterer Laden unterhalb des Wirtshauses (Haus Nr. 16, heute Chorherrenstraße 3, Luttner).

Im Stiftbuch desselben Jahres wird der alte Kramerladen nicht mehr erwähnt.4


Adam Lohringer zahlt zu dieser Zeit folgende Steuern:
von der Wis in der Hinderau      1 Schilling
vom Haus und Garten                22 Kreuzer 5 Heller
vom Lindtach                              1 Schilling
Pfriendtgelt                                 10 Kreuzer
insgesamt                                    2 Schilling 32 Kreuzer 6 Heller

 

Lohringer Adam ist mit einer Margaretha verheiratet.
Vier Kinder kommen in Münster zu Welt:
- Anna (*1681)
- Magdalena (1687-1763) heiratet 1713 den Häusler Bartholomäus Pummer von Münster Nr. 53
- Anna Maria (*1690)
- Maria (1696), Hoferbin

 

1719 heiratet die jüngste Tochter Maria den Weberssohn Andreas Schmucker von Bonried und übernimmt mit ihm das elterliche Anwesen.
Aus der Ehe gehen fünf Kinder hervor, von denen ein Sohn als Säugling stirbt:
- Johann Michael (*1720)
- Johann Georg (*+1722)
- Maria Katharina (1724-1753) heiratet 1745 den Münsterer Schmied Simon Landlsperger
- Anna Maria (1726-1803) heiratet 1750 Sebastian Dengler, Söldner in Münster Nr. 40
- Johann Jakob (1730-1787), Hoferbe

Der jüngste Sohn Johann Jakob übernimmt 1750 das Familienanwesen und heiratet die Wirtstochter Anna Maria Müller aus Unterzeitldorn. Zum Erbe gehören die Erbrechtsbehausung mit Stadel und Garten, die „Leibsgerechtigkeit auf den halben Pfründ, auf denen laut Leibgedingsbrief vom 18.09.1727 Jakob Ottpacher, Nachtwächter zu Straubing, lebenslang Leichrecht hat“, sowie ein Viertel des geerbten Lintach-Feldes. Der Wert des Besitzes beträgt 700 Gulden;5 die Braut bringt 175 Gulden Heiratsgut ein.6

Anna Maria bringt zehn Kinder zur Welt, von denen fünf das Erwachsenenalter erreichen:
- Johann Baptist (*+1752)
- Anna Maria (*+1754)
- Maria Katharina (*+1755)
- Maria Katharina (1756-1831), Hoferbin
- Maria Anna (1759-1831) heiratet 1783 Michael Lankes, Halbbauer in Steinach Nr. 13
- Anna Maria (*+1762)
- Maria Theresia (*1763)
- Anna Maria (*1766)
- Walburga (*1768) heiratet 1789 Sebastian Hösl von Münster Nr. 17
- Jakob (*+1770)

Zwei Monate nach der Geburt des jüngsten Kindes stirbt die 39-jährige Mutter.

Kurz darauf heiratet der Witwer erneut – Regina Berger aus Münster. Sie bringt ein Erbrechtshäusl (Haus Nr. 42, heute Schiedermeierplatz 6) mit Garten und Weinberg in die Ehe, dass sie kurz vor der Hochzeit von ihren Eltern erhält.7 1775 verkaufen Jakob und Regina Schmucker das Gütl an Andreas und Anna Maria Foidl. 8

Regina bringt vier weitere Kinder zur Welt, von denen zwei Töchter als Säuglinge sterben:
- Magdalena (*+1771)
- Magdalena (*+1773)
- Jakob (*1775)
- Christoph (*1777)

1783 stirbt Regina im Alter von 36 Jahren, und vier Jahre später folgt ihr Jakob Schmucker mit 57 Jahren ins Grab.

 

Loringer Schmucker Besitzer

 

Nach dem Tod des Vaters übernimmt Maria Katharina, die älteste Tochter aus erster Ehe, den Hof. 1788 heiratet sie den Häuslerssohn Johann Parein aus Obermotzing.

Maria Katharina Parein, geborene Schmucker, erlebt ein Leben voller Prüfungen. Bereits mit 14 Jahren verliert sie ihre Mutter. Ihrer Stiefmutter hilft sie früh bei der Versorgung der vier jüngeren Geschwister und später auch der neugeborenen Halbgeschwister. Nach dem Tod der Stiefmutter übernimmt sie schließlich selbst die Mutterrolle für die Halbgeschwister, die damals zwischen sechs und acht Jahren alt sind.

 

Mit ihrem Ehemann Johann Parein bringt sie sechs Kinder zur Welt, von denen jedoch nur zwei das Erwachsenenalter erreichen:
- Joseph (*+1790)
- Johann Georg (1791-1795)
- Maria Theresia (1794-1878) heiratet 1820 den Wirt Johann Georg Röckl von Münster.
- Joseph Tiburtius (*+1796)
- Maria Katharina (*+1797)
- Johann Baptist (1798-1825), Hoferbe

1822 übergeben Maria Katharina und Johann Parein den Hof an ihren Sohn Johann Baptist, der die Bauerstochter Barbara Habrunner aus Reibersdorf heiratet. Doch nur drei Jahre später trifft die Familie ein neuer Schicksalsschlag: Johann stirbt im Alter von 26 Jahren an einem Gehirnschlag.


Die junge Witwe Barbara heiratet noch im selben Jahr Joseph Sturm aus Kagers. Dessen Vater war einst Bauer in Fischerdorf und hatte 1799 Josephs Mutter, die Häuslerswitwe Katharina Fischer aus Kagers, geheiratet. Auch die Schwiegereltern von Barbara scheinen der neuen Verbindung wohlgesinnt zu sein, denn Johann Parein selbst fungiert bei dieser Hochzeit als Trauzeuge.

 

Als Barbara Sturm am 16. September 1826 ihr erstes Kind, Michael, zur Welt bringt, verläuft die Geburt schwer. Sechs Tage später stirbt sie an Kindbettfieber (Mutterbrand). Nur zwei Monate nach ihrem Tod heiratet der Witwer erneut – Therese Loibl aus Fierlbach.

 

Ob sich das junge Paar mit den Austräglern nicht versteht oder andere Gründe eine Rolle spielen, ist nicht überliefert. 1829 verkaufen Therese und Joseph Sturm den sogenannten Schmucker- bzw. Parein-Hof an Andreas Schwarzensteiner für 2.000 Gulden. Das alte Ehepaar Katharina und Johann Parein behält jedoch seine Austragswohnung auf dem Anwesen.

 

Katharina Parein stirbt 1831 im Alter von 74 Jahren. Ein Jahr später folgt ihr Ehemann Johann im Alter von 78 Jahren. Seine letzten Jahre verbringt er bei seiner Tochter, der Wirtin Therese Röckl, in Münster.

 

Andreas Schwarzensteiner hatte bereits 1813 das „Schwarzensteinergütl“ (Haus Nr. 10) von seinem Vater übernommen. 1829 verkauft er dieses um 1.000 Gulden und erwirbt im Gegenzug den doppelt so teuren Schmuckerhof. Verheiratet ist er mit Anna Maria Schneider aus Roith bei Kirchroth.

Das Ehepaar bekommt zehn Kinder, von denen nur drei das Erwachsenenalter erreichen:
- Jakob (*1814), Hoferbe
- Johann Georg (*1817)
- Joseph (*1828)

 

1845 übergibt die verwitwete Anna Maria Schwarzensteiner das Anwesen mit 43 Tagwerk Grundbesitz an ihren Sohn Jakob, der die Bauerstochter Helena Loichinger von Obermotzing heiratet.
Acht Kinder kommen in der Ehe zur Welt, von denen drei im Säuglingsalter sterben:
- Helena (*1847)
- Georg (*1850)
- Franziska (*1852)
- Anna (*1855)
- Anna Maria (*1860)

 

Schwarzensteiner Besitzer

 

Am 11.04.1867 wird das Anwesen versteigert. Den Zuschlag erhält Michael Heilingbrunner.

 

Am 04.07.1867 tauscht Georg Thurl das Haus mit 38,60 Tagwerk Grund ein.

Nur drei Jahre später, am 1. April 1870, erwerben Georg und Maria Obermaier das 38,6 Tagwerk (13,15 Hektar) große Anwesen für 11.600 Gulden.

 

 

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Der Gabler-Hof, heute Knott
aufgenommen 1956
Bild: Familie Weiser, Münster

 

 

1872 erfolgt ein weiterer Tausch: Joseph Gabler und seine Ehefrau Margaretha, geborene Popp, tauschen ihr Anwesen in Witzenzell Nr. 80 gegen den Hof in Münster.

Das Ehepaar bringt fünf Kinder mit, die alle in Witzenzell geboren sind. Vier weitere Kinder waren bereits im Säuglingsalter gestorben.

In Münster kommen drei weitere Kinder zur Welt, die jedoch ebenfalls früh sterben:
- Josef (1857-1938), Hoferbe
- Therese (1858-1925) heiratet 1878 in Münster Joseph Dengler, Söldner in Münster Nr. 40
- Anna Maria (1861-1936) heiratet 1886 in Münster Joseph Brandl, Schmied in Münster Nr. 15
- Alois (*1865) heiratet 1910 in Straubing/St. Jakob  Franziska Hagenkofer von Offenberg
- Margaretha (*1871)

 

1883 stirbt Joseph Gabler durch einen Schlag von einem Pferd. In den folgenden Jahren bewirtschaftet die Witwe Margaretha Gabler den Hof mit ihren Kindern allein, bis sie ihn 1893 an ihren ältesten Sohn Josef jun. übergibt.

 

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aufgenommen 1956
Quelle: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Bestand Luftbidlverlag Bertram München

 

 

Josef Gabler heiratet die Bauerstochter Kreszenz Bauer aus Münster Nr. 47 (heute Falkenfelser Str. 19)
Das Paar bekommt dreizehn Kinder, von denen neun das Erwachsenenalter erreichen:
- Maria (*1895) heiratet 1917 in Straubing Durst Johann (*1892)
- Joseph (*1898) heiratet 1933 in Landshut Anna Mirbeck
- Kreszenz (*1899) heiratet 1920 in Straubing Heinrich Reiter (*1896)
- Ludwig (1900-1987) heiratet 1928 Johanna Eckl von Münster Nr. 35 (1907-1995)
- Ottilie (*1901) heiratet 1921 in Steinach den Schloßgärtnersgehilfen Rothlehner Dionys von Velden (1900-1982)
- Johann Baptist (*1903)
- Franziska (1904-1984) heiratet 1933 in Münster Max Färber (*1894)
- Alois (*1905), Hoferbe
- Anna (*1906) heiratet 1925 in Münster Albert Lauerbach (*1901), Kunstmaler in Straubing

 

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Alois Gabler (1857-1938)
gemalt von seinem Schwiegersohn dem Straubinger Künstler Albert Lauerbach
Bild: Familie Knott Münster

 

 

 

Gabler Besitzer

 

 

 

1934 übernimmt der jüngste Sohn Alois Gabler den Hof. Er heiratet Therese Lehner von Allkofen.

Nächste Hofbesitzer werden die Tochter Therese Gabler und ihr Ehemann Xaver Knott von Aufroth.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 640 Ib, fol 38   Quittung 28.11.1672, Hans und Christoph Zeiss, als weil. Jakob Zeissens gewester Kramer zu Münster sel. nachgelassene zwei Söhne quittieren ihren lieben Stiefvater Georg Pämer, jetzigem Kramer zu Münster den Erhalt ihres väterlichen und mütterlichen Erbteils.
2 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 640 II, fol 3  Vertrag 1677
3 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 640 II, fol 15  Kaufvertrag Pr. 350 fl 1677
4 BayHStA München, Straubing Kollegiatstift St. Jakob und Tiburtius KL 3, Zins- und Stiftbuch, fol. 141
5 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 645 I, fol.137   Übergabsbrief fl. 700 28.03.1750
6 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 645 I, fol.153‘   Heiratskontrakt 15.09.1750
7 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 646 fol. 74    Übergabsbrief fl 420  01.06.1770

8 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 648, fol.13_   Kaufbrief 500 fl   29.09.1775

 

Weitere Quellen:
Bischöfl. Zentralarchiv Regensburg, Pfarrmatrikel Pfaffmünster
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer Hofanlagsbuchhaltung 248, Hofmark Münster 1752
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser und Rustikalsteuerkataster Münster incl Steinach 1808
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokolle der Steuergemeinde Münster von 1838
StA Landshut, Grundsteuerkataster, Umschreibehefte Münster 17/22-5, 17/22-9, 17/22-14

 

Veröffentlicht: 03.06.2026