Das Wagnergütl Hs.Nr. 25

 

ab 1890 Hs.Nr. 29, heute Chorherrenstr. 12, Lutz

 

von Claudia Heigl

 

Als erster Besitzer dieses Anwesens neben der Kirche ist der Wagner und Drechsler Michael Sailler bekannt.

1678 verkauft das Stiftkapitel Straubing an Michael und Margaretha Sailler um 20 Gulden das Erbrecht auf der Behausung. Dazu gehören Äcker, wie auch die Pfaffenwies und der Obst- und Krautgarten.1
Von dem Ehepaar sind drei Kinder bekannt, von denen das jüngste in Münster geboren wurde:
- Margaretha heiratet 1688 in Münster den verwitweten Zimmerman Wolfgang Wanninger von Kirchroth
- Peter heiratet 1697 die Häuslerstochter Maria Gschöpf und zieht in das Haus der Schwiegereltern Münster Nr. 36
- Katharina (*19.04.1679)

 

Sailer Besitzer

 

 

Michael Sailler zahlt 1685 für das Haus 3 Schilling Reg. Pfennige. Dazu kommen noch 30 Kreuzer für das “Riedt“.2

Im Durchschnitt betragen die Abgaben für die Häuser im Stiftbuch von 1685 etwa 18 Kreuzer jährlich. Daher liegt die Vermutung nahe, dass es sich hier um ein ehemaliges Haus für die Chorherren oder die Benefiziaten handelt, wie sie rund um die Kirche zu finden sind.

In Münster gibt es einst acht Chorherrenhäuser und zwei Gebäude für die Benefiziaten. Infolge der Stiftsverlegung nach Straubing im Jahr 1581 wurden die Gebäude verkauft. Da es sich um ansehnliche Steinbauten handelte, dürften die Abgaben für diese Häuser wesentlich höher sein als bei den einfachen Holzhäusern.

 

uraufnahme bearb

 1838 erhielt das Anwesen die Hs.Nr. 25
Uraufnahme aus dem Jahr 1827
Quelle: Bay.Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

 

 

Die Zimmermanns- und Wagnersfamilie Völkl

Am 19.08.1711 erwerben Vitus und Maria Dietl das Anwesen.3 Die Herkunft des Ehepaares ist nicht bekannt.4
Das Ehepaar hat sieben Kinder von denen vier das Erwachsenenalter erreichen:
- Maria Barbara (*1714-1743) Hoferbin
- Martin (*1720) heiratet 1747 in Parkstetten Maria Habrunner von Parkstetten Nr. 31 und wird dort als Zimmermann ansässig
- Georg (*1725)
- Katharina (1727-1751) heiratet 1750 den Maurer Johann Bauer von Münster Nr. 63

Nach dem Tod des Vitus Dietl wird am 07.05.1742 das Erbe verteilt:5
Die Witwe Maria erhält das Vermögen, die vier Kinder folgendes Erbteil:
Der älteste Sohn Martin 30 Gulden, die drei übrigen jeweils 25 Gulden und beide Töchter noch eine Kuh.
Im Anschluss übergibt die Witwe die Behausung mit dem Grundbesitz an ihre Tochter Barbara und ihren zukünftigen Ehemann Dionysius Völkl.

 

Dionysius Völkl stammt von Seyboldsdorf und war wahrscheinlich auf seiner Wanderschaft in Münster gelandet.
Ein Jahr nach der Eheschließung stirbt seine 28-jährige junge Ehefrau. Der Zimmermann geht erneut eine Ehe mit der Tagelöhnerstochter Katharina Hilmer von Unterzeitldorn ein.
Das Ehepaar hat sechs Kinder:
- Johann Vitus (*1746)
- Johann Kaspar (*1748)
- Jakob (*1750) von 1792-1823 Pfarrer in Brennberg
- Andreas (*1753)
- Johann Georg (1755-1844), Hofnachfolger
- Katharina (1759-1801) heiratet 1788 den Bader Bartholomäus Knaup von Münster

 

Dietl Besitzer 1

 

1785 übernimmt der jüngste Sohn Johann Georg Völkl das Anwesen und übt darauf das Wagner-Handwerk aus. Seine Ehefrau wird die Halbbauerstochter Maria Anna Schütz von Forst bei Falkenfels.
Aus der Ehe gehen zwei Söhne hervor, von denen nur der Älteste überlebt:
- Jakob (1787-1863), Hofnachfolger

Vier Wochen nach der Geburt des zweiten Sohnes stirbt die 28-jährige. Sechs Wochen später heiratet der Witwer die Söldnerstochter Katharina Grandsberger von Oberniedersteinach.
Katharina bringt zwischen 1790 und 1800 sieben Kinder zur Welt, von denen nur eine Tochter nicht im Säuglingsalter stirbt:
- Maria Katharina (*1794)

1814 stirbt die 54-jährige an Lungensucht und der Witwer heiratet in dritter Ehe die 44-jährige Häuslerstochter Katharina Hartmannsgruber von Münster Nr. 53.

 

1809 übernimmt der 21-jährige Sohn Jakob das Wagner-Anwesen vom Vater.  1814 geht er den Bund fürs Leben mit der Schreinerstochter Maria Eva Hitzinger von Münster Nr. 6 ein.
In der Ehe kommen elf Kinder zur Welt:
- Joseph (*1815), Hoferbe
- Magdalena (*1816)
- Anna (*1818)
- Katharina (*1818)
- Jakob (*1819)
- Anna Maria (1821-1824)
- Anna (1824-1842)
- Martin (1825-1842)
- Andreas (*1827)
- Johann Georg (*1828)
- Anna Maria (*1836)

 

Im April 1843 übernimmt der älteste Sohn Joseph nach dem Tod der Mutter das Anwesen mit 20 Tagwerk Grundbesitz vom Vater. Er heiratet die Bauerstochter Anna Leibl von Gschwendt Nr. 18.
Das Ehepaar bekommt zehn Kinder:
- Katharina (*+1844)
- Anna Maria (*1845)
- Magdalena (*1847)
- Franziska (*1849)
- Theresia (*1849)
- Katharina (*1852)
- Johann Baptist (*1854)
- Karolina (*1855)
- Johanna (*1856)
- Joseph (*1861)

Joseph beginnt 1853 Grundstücke zu verkaufen und schließlich erwirbt Johann Georg Echinger die Hofstelle mit nur noch 6, 8 Tagwerk Grundbesitz.

1859 erwerben Joseph und Anna Völkl dann den größeren „Hilmerweiherhof“ in der heutigen Weiherstr. 3 in Münster. 1869 tauschen sie dann diesen Besitz mit einem Hof in Perkam und ziehen von Münster weg.

 

Voelkl Besitzer

 

 

 

Die Familie Echinger  und Lutz

Johann Georg und Therese Echinger wohnten vorher auf dem „Ehingergütl“ Hs.Nr. 50 (heute Falkenfelser Str. 17). Ihr bisheriges Häusleranwesen mit 12,32 Tagwerk Grund verkaufen sie an Johann Klingseis.

Das Ehepaar hat zehn Kinder, von denen nur fünf das Erwachsenenalter erreichen:
- Johann Georg (1837-1869) stirbt mi 31 Jahren an Lungensucht
- Therese (1842-1920), Hoferbin
- Jakob (*1846)
- Franziska (*1847)
- Helena (1850-1872) stirbt mit 21 Jahren an Gedärmentzündung

 

1870 erbt Tochter Therese nach dem Tod des Vaters das Anwesen und heiratet den Gütlerssohn Joseph Lutz von Zinzendorf.
Das Ehepaar hat sieben Kinder, von denen drei im Säuglingsalter sterben:
- Alois (*1872)
- Ludwig (*1873)
- Josef (*1876) Hoferbe
- Kreszenz (1879-1887) stirbt mit vier Jahren an Diphtherie

 

 Sohn Josef übernimmt 1903 den Hof und heiratet Maria Wacker von Hornstorf.
Ein Jahr später stirbt die 24-jährige an Herzlähmung.

Zwei Jahre später heiratet der Witwer die Bauerstochter Kreszenz Retzer von Bärnzell.
In der Ehe kommen sechs Kinder zur Welt, von denen ein Sohn kurz nach der Geburt stirbt:
- Anna Maria (1908-1983) verh. Geier in Münster
- Kreszenz (*1908)
- Josef (*1910), Hofnachfolger
- Therese (1912) verh. Bauer in Münster
- Anna (*1914) verh. Pfisterer

 

Echinger Lutz Besitzer

 

1950 übernimmt Sohn Josef Lutz das Anwesen, dass immer noch in Familienbesitz ist.

 

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Das Anwesen aufgenommen ca. 1956
Bild: Familie Lutz, Münster

 

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aufgenommen 1956
Quelle: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Bestand Luftbidlverlag Bertram München

 

 

 

 

1 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 640 II, fol 53   Erbrechtsverlassung 1678
2 BayHStA München, Straubing Kollegiatstift St. Jakob und Tiburtius KL 3, Zins- und Stiftbuch, fol. 137‘
3 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 645 I, fol 7  Vertrag  07.05.1742. In dem Übergabevertrag ist vermerkt, dass das Anwesen am 19.08.1711 käuflich erworben worden war.
4 1708 wird Vitus als Taufpate bei einem Sohn des Georg Amann im Kirchenbuch von Parkstetten aufgeführt. Hier wird er als Tagelöhner in Oberparkstetten bezeichnet.
5 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 645 I, fol 7  Vertrag  07.05.1742

 

Weitere Quellen:
Bischöfl. Zentralarchiv Regensburg, Pfarrmatrikel Pfaffmünster
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer Hofanlagsbuchhaltung 248, Hofmark Münster 1752
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser und Rustikalsteuerkataster Münster incl Steinach 1808
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokolle der Steuergemeinde Münster von 1838
StA Landshut, Grundsteuerkataster, Umschreibehefte Münster 17/22-5, 17/22-9, 17/22-14

 

Veröffentlicht: 03.06.2026