Der Jägerhof Hs.Nr. 19 in Wolferszell
1760: Jägergut – 1808: ½ Jäger Hof Hs.Nr. 14 – 1838: Jägerhof Hs.Nr. 19
heute Mühlenweg 6
von Claudia Heigl
Bei diesem Hof handelte es sich um eine uralte Besitzung des Herzogs von Bayern.
1579 hatte ein Michael Haß Erbrecht auf den Hof aufgrund eines fürstlichen Erbbrief von Herzog Albrecht in Bayern aus dem Jahr 1438.1
Zum Hof gehörte eine hölzerne Behausung, ein Stadl mit einer Tenne, Stall und ein Backofen, alles mittelmäßig erbaut. Davon dient Michael Haß an den Kasten Straubing jährlich mit 1 Pfund 1 Schilling 6 Regensburger Pfennige und 4 Regensburger Pfennige Stift.

Der Hof erhielt 1838 die Hs.Nr. 19
Das Nebenhaus die Hs.Nr. 20
Uraufnahme aus dem Jahr 1827
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas
Als weiterer Besitzer folgen Georg Aigmair und dessen Ehefrau Margaretha.

Als Georg Aigmair stirbt heiratet seine Witwe einen Johann Schmidbauer. Dieser könnte auch identisch gewesen sein mit dem Inhaber des Erbrechts auf dem Bachlhofes Nr. 3 (heute Gasthaus Schmid) in Wolferszell.
1632 quittierte Magdalena, weil. Georgen Aigmaires von Wolferszell und Margaretha seiner Hausfrau beide sel., nachgelassene Tochter anjetzt Georgen Kramers zu Rattiszell Ehewirtin ihren gewesenen Vormund Hans Aigmair zu Innersteinach nunmehr sel., stattdessen seiner hinterlassenen Witwe Barbara und ihrem Stiefvatern Hans Schmidbauer zu Wolferszell den Empfang von 135 Gulden 44 Pfennige 3 Heller.2
Als 1633 erstmals die Schweden einfallen, flüchtet Schmidbauer wohl in das sichere Straubing.
Am 02.07.1634 stirbt er dort an der zu dieser Zeit herrschenden Pest.3
Der Hof schien von den schwedischen Soldaten geplündert und verlassen gewesen sein.
1638 verkaufen die beiden Kirchenpröbste, der Hafner Bärtlme Ziflinger von Wolferszell und Simon Rothamer von Rotham, den verlassenen, und aufgrund der Schulden „heimbeschlagnen“ Hof zu Wolferszell um 250 Gulden an Mathias Jäger und dessen Ehefrau Walburga.4
Das Ehepaar hat mindestens vier Kinder:
- Sabina heiratet 1660 in Oberalteich Andreas Erndl, Bauer in Obermenach
- Sebastian (*18.01.1641 in Wolferszell)
- Leonhard (*27.04.1642 in Wolferszell) heiratet 1666 in Steinach die Bauerstochter Margaretha Neumayer von Frommried und wird dort Bauer
- Magdalena heiratet 1663 in Steinach Michael Aumüller, Müller auf der Stegmühl b. Oberalteich u. später Müller in Steinburg

Ca. 16445 verkaufen Mathias und Walburga Jäger den Hof an Wolfgang und Ursula Holmer (ältere Schreibweise Halmayer) und ziehen nach Unterhartberg, wo Walburga am 01.02.1649 auch stirbt.
Die Herkunft von Wolfgang und Ursula Holmer ist nicht bekannt.
Zwei Töchter und ein Sohn können Wolfgang Holmer zugeordnet werden:6
- Katharina heiratet 1644 Georg Fuchs von Steinach
- Dorothea
Sohn Wolfgang wird am 05.05.1646 in Wolferszell geboren, hier ist die Mutter nachweislich Ursula.7
1649 stirbt Wolfgang und die Witwe Ursula geht erneut eine Ehe mit Wolfgang Huber von Dünzling ein, in der Sohn Adam zur Welt kommt.
1674 übernimmt Adam Huber den Hof von seinen Eltern. Dazu gehören „zwei schlechte Roß, ein Wagen, ein Pflug, ein Eggen, 2 Ochsen, 2 Steorl (junge Rinder), 2 Kühe, 2 Kälber und andere Baufahrnis.
Seine Stiefschwester Dorothe bekommen 32 fl 19 kr 5 hl und seine Stief- und eheleiblichen Brüder Andre und Matthesen miteinander zu gleichen Teilen 52 Gulden.“8
Adam Huber ist in erster Ehe mit einer Helena verheiratet.
- Ein Sohn Lorenz (*1675) heiratet 1714 die Mesnerstochter Maria Katharina Hohbauer vom Kapflberg und wird dort Mesner.
In der zweiten Ehe mit einer Maria kommen sechs Kinder zur Welt:
- Andreas (*+1677)
- Elisabeth (*1679)
- Anna (*+1683)
- Anna (1685)
- Elisabeth (*1692)
- Wolfgang (*1693)
In dritter Ehe mit Maria Hien von Rotham kommt Sohn Adam Andreas zur Welt, der auch Hoferbe wird.
1714 heiratet er die Bauerstochter Magdalena Geier von Kößnach.
Das Ehepaar hat sieben Kinder:
- Johann Joseph (*1715)
- Johann (1716-1786)
- Maria Anna (*1718)
- Magdalena (*1719)
- Johann Adam (*+1721)
- Maria Katharina (*+1722)
- Ursula (*1727)
Sohn Johann übernimmt ca. 1736 den Hof von der Mutter und heiratet die Bauerstochter Maria Schwarzensteiner von Riglberg.
Das Ehepaar bekommt drei Kinder:
- Andreas (*+1737 in Wolferszell)
- Andreas (1738-1739 in Wolferszell)
- Anna Maria (*1743 in Münster)

1740 tauscht Familie den Hof mit Adam und Jakobe Dietl und ziehen nach Münster Nr. 13
Adam und Jakobe haben insgesamt drei Kinder:
- Jakob (*1738 in Münster), Hoferbe
- Magdalena (*+1741 in Wolferszell)
- Mathias (*1743 in Wolferszell)
1742 stirbt der 47-jährige Bauer und Witwe geht erneut eine Ehe mit dem Halbbauerssohn Johann Georg Färber von Münster Nr. 1 ein.
In der Ehe kommt nochmals eine Tochter Apollonia zur Welt, die jedoch mit 2 ½ Monaten stirbt.
Hoferbe wird 1762 der älteste Sohn Jakob Dietl. Als Bäuerin holt er sich die Bauerstochter Maria Magdalena Zeindlmeier von Agendorf auf den Hof.
In der Ehe kommen sieben Kinder zur Welt:
- Johann Michael (*+1764)
- Johann Michael (*1765), Hoferbe
- Joseph (*1768)
- Anna Maria (*1770)
- Katharina (*1772)
- Jakob (*1775)
- Mathias (*1779)
1811 übergeben die Eltern den Hof an ihren ältesten Sohn Johann Michael, der die Bauerswitwe Maria Anna Hartberger von Steinach Nr. 24 zur Ehefrau nimmt.
Maria Anna bringt zwei Söhne mit in die Ehe:
- Johann Georg Hartberger (*1803)
- Michael (*1805)
Da die Ehe mit Johann Michael Dietl kinderlos bleibt, übernimmt Michael Hartberger nach dem Tod des Stiefvaters 1822 den Hof von seiner Mutter.
Vier Jahre später heiratet er die Bauerstochter Anna Dietl von Steinach Nr. 17.
In der Ehe kommen zwölf Kinder zur Welt, von denen nur sechs das Erwachsenenalter erreichen:
- Anna (*1827 in Wolferszell)
- Franziska (*1832 in Wolferszell)
- Johann Baptist (*1833 in Wolferszell)
- Michael (1834-1893), stirbt unverheiratet mit 59 Jahren an einem Lungenleiden a.d. Aichmühl
- Karolina (1836-1876) stirbt unverheiratet mit knapp 40 Jahren an einem Herzschlag i.d. Aichmühl
- Therese (*1839)


aufgenommen im April 1983
Quelle: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Bestand Luftbildverlag Bertram, München
Der „Rest des zertrümmerten Jägerhofes“
Nachdem Michael und Anna Hartberger ein paar Äcker an Martin Zeilmair von Gschwendt verkauft haben, veräußern sie die Hofstelle mit 69 Tagwerk Grund am 11.08.1837 um 2.800 Gulden an Mathias und Therese Zollner von Gschwendt und kaufen dafür die Aichmühle.
Das Nebenhaus des Hofes verkaufen die Hartbergers mit ein paar Wiesen und Äckern an den Wolferszeller Kramer Joseph Wiesmüller. Es erhält später die Hs.Nr. 20.
Mathias und Therese Zollner waren vorher in Gschwendt Hs.Nr. 4 ansässig gewesen.
Das Ehepaar hat zehn Kinder, von denen sechs im Kindsalter sterben:
- Johann Baptist (*1819), Hoferbe
- Therese (*1825) heiratet 1846 in Parkstetten den Bauern Joseph Bachl von Bärnzell Nr. 2
- Katharina (*1827)
- Franziska (*1830) heiratet 1855 in Steinach den Bauern Jakob Gierl von Dunk
Als sich die Gelegenheit bietet kaufen Mathias und Therese Zollner 1855 auch das Nebenhaus Hs.Nr. 20 mit 11 Tagwerk Grund wieder zurück.
1850 übergeben sie den Hof an ihren Sohn Johann Zollner, der die Gütlerstochter Katharina Dengler von Münster Hs.Nr. 40 heiratete.
Bei der Geburt ihres ersten Kindes Anna stirbt Katharina im Alter von 25 Jahren. Ihre kleine Tochter wurde auch nur zehn Tage alt. Der Witwer geht vier Monate später erneut eine Ehe mit der Söldnerstochter Therese Meier von Agendorf ein.
Aus der Ehe gehen wieder zehn Kinder hervor, von denen jedoch nur drei das Erwachsenenalter erreichen:
- Theresia (*1855)
- Anna Maria (*1857) heiratet 1916 in Oberalteich Franz Xaver Barein
- Katharina (*1860)

Nach 18 Jahren kommen die Zollners in finanzielle Schwierigkeiten und der nun 77 Tagwerk große Hof wird 1868 an Andreas Raab um 8.625 Gulden versteigert.

Die Bekanntmachung der Versteigerung im Straubinger Tagblatt am 19.02.1868
Johann Zollner stirbt 1874 an einem Schlaganfall auf dem Nachhauseweg.
Die beiden Zeitungsberichte zeigen damit, wie unterschiedlich ein und dasselbe Ereignis in der damaligen Presse dargestellt werden konnte.

Das ehemalige Nebenhaus mit dem Zubaugütl wird separat an einen Alois Stegbauer verkauft.
Die Herkunft von Raab ist unbekannt. Bei der Taufe des Sohnes Ludwig (*1874) wird als seine Ehefrau eine Katharina Haas, Bauerstochter von Großenpinning, angegeben.
Acht Jahre später tauschten die Haas‘ ihren Besitz am 30.12.1876 mit den Immobilienhändlern Groetsch Max u. Amalie und Xaver Niedermayer, gegen das Anwesen Nr. 54 und 56 in Seibersdorf.

Drei Monate später, am 20.03.1877 tauschten Immobilienmakler das Haus wieder mit Johann Baptist und Katharina Schuhbauer von Wolferszell Haus Nr. 8
Die Händler Groetsch/Niedermayer tauschten bzw. verkauften in kurzer Zeit die Höfe Nr. 8 und 19 in Wolferszell und splitterten dabei Grundstücke ab und verkauften diese separat.

aufgenommen im April 1983
Quelle: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Bestand Luftbildverlag Bertram, München
1881 stirbt Johann Schuhbauer mit 55 Jahren und seine Witwe übergibt 1890 ihrem Sohn Joseph Schuhbauer das Anwesen. 1893 heiratete dieser die Söldnerstochter Karolina Bachl von Steinach Nr. 8.
Sohn Joseph jun. übernimmt 1940 den Hof und ehelicht die Bauerstochter Franziska Fuchs von Hagnzell.
Seine unverheiratete Schwester Karolina Schuhbauer ist eine große Wohltäterin der Kapflberger Kirche.


Gedenktafel für die Wohltäterin Karolina Schubauer an der Kapflberger Kirche.
Bild: Claudia Heigl
1 StaLa, Rentkastenamt Straubing B38, Sal- und Urbarsbuch des Rentkastenamts Straubing, Band II 1579-1807, fol 144‘
2 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P47, fol. 10‘ Quittung von 1632
3 Jahresbericht des Hist. Vereins für Straubing und Umgebung e.V. Jahresbericht Band 61 (1958): Totenbuch der Pfarrei St. Jakob/Straubing 1625 – 1635, S.105
4 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P51, fol.7 Kaufbrief vom 1638
5 Bei der Hochzeit der Tochter Katharina am 10.10.1644 wird Wolfgang Halmayer, als Bauer in Wolferszell bezeichnet.
6 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P64 I, fol. 24 Quittungsbrief vom 19.11.1680 „Katharina Hollermayerin von Muckenwinkling quittiert ihrem Stiefbrudern Adam Hurber von Wolferszell den Empfang von 23 fl 39 Hl . Schwester Dorothes bereits verstorben. 19. November 1680“
7 *KB Steinach/Bd.1, S.87
8 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P62 II, fol.148 Übergabe vom 04.04.1674
weitere Quellen:
StaLa, Rentkastenamt Straubing B38, Sal- und Urbarsbuch des Rentkastenamts Straubing, Band II 1579-1807
BayHStA Kurbayern Hofkammer 114, Konskription des Haupkastenamts Straubing von 1752
Rentamt Straubing B138, Häuser- und Rustikalsteuerkataster Wolferszell 1808
Rentamt Straubing B139, Umschreibbuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster Wolferszell 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokoll der Steuergemeinde Agendorf von 1836
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9932, Umschreibeheft von Agendorf 1843 - 1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9935 Umschreibeheft von Agendorf 1859 - 1894
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9939 Umschreibeheft von Agendorf 1894 - 1960
BZA Regensburg, Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach
Veröffentlicht am 06.10.2026
