Haus Nr. 16 „Das 1/8 Müllergut mit dem Recht im Wolfsberg Degel zu graben“

 1760: 1/8 Pöckengütl - 1808: 1/8 Müller Hof Hs.nr. 12 - ab 1838: 1/8 Müllergut Hs.Nr. 16

 

Mühlenweg 15

 

Das „Müllergut“ hat nichts mit der Mühle zu tun, sondern es handelt sich hier um das dritte alte Hafneranwesen in Wolferszell. Seinen Namen erhielt es von der Hafnersfamilie Müller/Miller.

 

Im Salbuch von 1579 wird das Anwesen folgendermaßen beschrieben:1
Melchior Fuchs hat eine Sölde auf Erbrecht, dem Kloster Oberalteich zugehörig. Davon dient er auf den fürstl. Kasten Straubing an Geld 22 Regensburger Pfennige
Er gibt vom dem Thegel am Wolfsperg zugraben 24 Regensburger Pfennige
Zugehördt auch mit der Steuer, Scharwerch zum fürstl. Renthaus Straubing

Die Familie Fuchs ist eine alte Hafnerfamilie in Wolferszell, die immer wieder auf den Hafneranwesen erscheint.

 

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Das "Millergütl" erhielt 1838 die Hs.Nr. 16

Uraufnahme aus dem Jahr 1827
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

Im Mai 1638 verkauften die gerichtlich bestellten Schätzleute die Sölde des verstorbenen Georg Fuxen von Wolferszell  um 65 Gulden dem ehrbaren Michael Eisenhart von Wolferszell und seiner Ehefrau Anna2.3

Eisenharter stirbt am 12.03.1646 und erlebt den dritten Schwedeneinfall im Juli 1647 nicht mehr. Die Sölde blieb weitgehend von den Schweden verschont, denn Eisenharter und auch sein Nachfolger Georg Stubenhofer d. Ältere leisten fast durchwegs Abgaben zwischen 1641 und 1650.4

 

Mit „Fux Michael, Hafner in Wolferszell“ kommt wieder ein Hafner aus der Fuchs-Familie auf das Anwesen. Aus der Ehe mit der Hafnerstochter Maria Ziflinger gehen drei Kinder hervor:
-  Sebastian Fuchs (*02.05.1660) heiratete am 01.06.1682 die Wirtstochter Margaretha Schink (*15.04.1661) und lässt sich als Hafner in Steinach Nr. 65 nieder. 1687 macht er vor der Hafnerzunft in Straubing sein Meisterstück.5
- Katharina (*15.03.1663)
- Magdalena (*07.07.1666) heiratet 1690 in Steinach Anton Laimgruber von Straßzell

 

Als Michael Fuchs im Alter von 40 Jahren stirbt, heiratet die ca. 40-jährige Witwe den 23-jährigen Hafnerssohn Sebastian Schuhbauer von Wolferszell Nr. 8.
Aus dieser Ehe gehen zwei Söhne hervor:
- Georg (*ca. 1667)
- Benedikt (*22.03.1672) heiratet 1698 die Wolferszeller Wirtstochter Barbara Lanzinger und lässt sich als Hafner in Ascha nieder.

 

In der Zunftversammlung am 28.07.1681 stellt Sebastian Schuhbauer seinen neuen Lehrjungen Mathias Unger von Unterniedersteinach Hs.Nr. 4 vor. Die Lehrzeit beträgt drei Jahre.

1683 präsentiert er seinen 17-jährigen Sohn Georg für vier Jahre als Lehrjungen und 1687 folgt sein Sohn Benedikt.6

Als Maria Schuhbauer 1711 stirbt, gibt der damalige Pfarrer ihr Alter mit 84 Jahren an.
Der Witwer heiratete fünf Monate später die 31-jährige Ursula Spießl vom Wiedenhof.

Doch Sebastian Schuhbauer genießt sein neues Eheglück nur kurz, denn er stirbt bereits nach sechs Monaten Ehe im Alter von 67 Jahren.

 

Die Witwe heiratet drei Monate später den 23-jährigen  Hafnerssohn Simon Miller von Steinach Nr. 69.
Aus der Ehe gehen nochmals vier Kinder hervor:
- Joseph (*1713)
- Johann Vitus (1714) als Kind verstorben
- Andreas (*1715), Hoferbe
- Maria Katharina (*1719) als Kind verstorben

 

Fuchs Miller Besitzer

 

Sohn Andreas erlernt ebenfalls das Hafnerhandwerk und heiratet die Hafnerstochter Margaretha Schuhbauer von Wolferszell Nr. 8.

Das Ehepaar hat drei Kinder:
- Johann Georg (*1742), Hoferbe
- Joseph (*1744)
- Maria Margaretha (*1746)

 

1761 stirbt die Hafnerin und der Witwer heiratet die Söldnerstochter Agatha Staudinger von Muckenwinkling Nr. 57.

 

1782 übernimmt Sohn Johann Georg die Hafnerwerkstätte. Zur Ehefrau nimmt er Anna Huber aus Tragenschwand. Anna war die vorehelich geborene Tochter der Maria Auer, einer Schwester des Steinacher Schullehrers Wolfgang Auer und des Halbbauerssohn Andreas Huber von Tragenschwand.

 

In der Ehe kommen sechs Kinder zur Welt, von denen nur zwei das Erwachsenenalter erreichen:
- Anna Maria (*1786) bekommt drei uneheliche Kinder: 1809 Maria, Vater der ledige Michael Steger, Zimmermann in Niedersteinach; 1815 Katharina, Vater der Schneiderssohn Simon Obermaier von Wolferszell; 1826 Joseph (Berl), Vater nicht angegeben.
- Johann Georg (*1787), Hoferbe

 

1812 übernimmt Sohn Georg Miller das Anwesen, der ebenfalls das Hafnerhandwerk ausübt. Seine Ehefrau wird die Söldnerstochter Katharina Lehner von Roßhaupten.
Ein Sohn kommt in Wolferszell zur Welt: Joseph (*1816)

 

Miller Besitzer

 

Die Familie Miller bleiben bis 1817 auf dem Anwesen. Kurz nach dem Tod seiner Mutter Anna Miller,  veräußerte Georg Miller das Hafnergütl an den Steinacher Hafner Joseph Schützinger und verlässt mit seiner Familie aus Wolferszell.

 

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Der Grüneisl-Hof aufgenommen 1956
Quelle: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach

 

 

 

Hafnersfamilie Schützinger und Dorfner

Joseph Schützinger stammte ursprünglich aus Deggendorf und hatte 1810 die Stieftochter, Anna Maria Ring, des Steinacher Hafners Michael Dierlinger geheiratet. Ca. 1817 veräußern sie ihr Hafneranwesen in Steinach Hs.Nr. 69 an Thomas Ring und erwerben das Hafnersgütl in Wolferszell.

 

Von den vier Kindern überlebt nur Tochter Anna Maria das Kindesalter, die am 01.01.1837 den Wirtssohn Joseph Dorfner von Hunderdorf heiratet. 

 

Das junge Ehepaar übernimmt das ca. 15 Tagwerk große Anwesen zum Anschlag von 1.100 Gulden von Joseph Schützinger und Joseph führt das Hafnergewerbe vom Schwiegervater weiter.

Anna Maria stirbt fünf Tage nach der Geburt des dritten Kindes am 06.11.1840 im Alter von 27 Jahren an Friesel. Keines ihrer drei Kinder wird älter als 7 Monate.

 

Schuetzinger Dorfner Besitzer

 

 

 

Das Hafnerhandwerk wird unrentabel

Im 19. Jahrhundert verliert das Hafnerhandwerk zunehmend an Bedeutung. Industriell gefertigte Eisenwaren verdrängen die handgefertigte Keramik. Auch in Wolferszell geben die Hafner schließlich ihr Gewerbe auf.

Der kinderlose Joseph Dorfner verkauft das „Müllergut“ am 06.09.1843 an Georg Wirth. Dieser zertrümmert das Anwesen und verkauft es am 09.04.1844 mit vier Tagwerk Grund für 1.100 Gulden wieder an Joseph Dorfner zurück.

 

Im selben Jahr heiratet der Witwer Therese Staudinger von Kötzting. Aus dieser Ehe gehen keine Kinder mehr hervor. Sein Schwiegervater Joseph Schützinger erlebt die Zertrümmerung noch und stirbt am 13.11.1844 in Wolferszell.  Über das weitere Schicksal der Schwiegermutter Anna Maria Schützinger ist nichts bekannt.

 

Am 21.04.1848 verkauft Joseph Dorfner das Haus schließlich um 1000 Gulden an den Weber Franz Xaver Hartl und seine Ehefrau Therese. Joseph Dorfner bleibt in Wolferszell wohnen und verdient sich seinen Lebensunterhalt als Gemeindediener.
Wolfgang Dorfner, der Enkel seines Bruders Jakob Dorfner, erwirbt übrigens 1902 die Mühle in Wolferszell.

 

Das nur mehr 4 Tagwerk große Gütl wechselte in den nächsten Jahren nun öfters den Eigentümer.

Am 07.12.1857 kommt ein Johann Schwanzer auf das Haus, der dieses vom Hartl um 1511 Gulden erkauft. Er war mit einer Magdalena Grill verheiratet, vermutlich einer Schwester der Mesnerin vom Kapflberg, Katharina Geiger, geb. Grill.

 

Am 13.05.1865 kauft Jakob Foierl, Bruder des Johann Foierl/Foidl von Haus Nr. 15, das Anwesen. Er ist mit Barbara Hilmer aus Dinzling verheiratet und zuvor in Haunkenzell Nr. 11 ansässig. Da Barbara offenbar nicht gut wirtschaftet, sieht sich ihr Ehemann gezwungen, eine Anzeige im Straubinger Tagblatt Nr. 66 vom 23.03.1869 zu veröffentlichen.

 

 StraubingerTagblatt

Straubinger Tagblatt Nr. 66,  23.03.1869

 

 

Foierl Besitzer

 

 

Am 29.09.1882 ersteigert Michael Nißl das Haus mit 1,8 Tagwerk Grund und verkauft es am 12.03.1885 für 3.600 Mark an Katharina Landstorfer weiter. Später folgen Xaver und Maria Fischer als Besitzer, die das Anwesen mit 7,5 Tagwerk an Alois Grüneisl verkaufen und selbst das Gütleranwesen Hs.Nr. 6 in Steinach erwerben.

 

 

Die Familie Grüneisl kommt auf das Anwesen

Alois Grüneisl stammt aus der Hafnerfamilie Grüneisl von Steinach. Sein Großvater, Georg Grüneisl war der letzte Hafner in dieser Linie. Sein Vater Joseph übte das Gewerbe nicht mehr aus und war Hirte.
Die Grüneisl waren ursprünglich Schmiede in Wolferszell, von denen sich ein Stamm, dann als Hafner in Wolferszell und Steinach ansässig machten. (siehe hierzu auch Hs.Nr. 5 und Hs.Nr. 6)

  

1897 heiratete Alois Grüneisl die Schneiderstochter Maria Freundorfer  von Wolferszell Nr. 20 und zunächst bei den Schwiegereltern. Vier Monate später wird Sohn Joseph geboren. Bereits fünf Monate danach stirbt die erst 26-jährige Mutter an einer Lungenkrankheit.

Am 23.04.1906 kauft der Witwer den Rest des ehemaligen „Müllergütls“ und zieht mit Sohn und Schwiegermutter Maria Freundorfer in das neue Eigenheim.

 

1908 heiratet er Maria Popp  (siehe Wolferszell Nr. 13). Alois Grüneisl stirbt am 01.11.1937 im Alter von 65 Jahren an Herzschwäche, seine Ehefrau Maria folgt ihm 1946.
Aus dieser Ehe gehen vier weitere Kinder hervor, drei Söhne und eine Tochter. Ein Sohn stirbt im Alter von neun Monaten, ein weiterer fällt im Zweiten Weltkrieg.

 

Grneisl Besitzer

 

Der jüngste Sohn, Johann Grüneisl (1920-1998), übernimmt schließlich das Anwesen.

 

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Das einstöckige Bauernhaus wurde in den 1980er Jahren aufgestockt.
aufgenommen 1983
Bild: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Bestand Luftbildverlag Bertram, München

 

 

 

Durch Heirat hat sich der Familienname inzwischen auf Zirngibl geändert.

 

 

1 StaLa, Rentkastenamt Straubing B38, Sal- und Urbarsbuch des Rentkastenamts Straubing, Band II 1579-1807, fol 149‘
Am 23.12.1662 wird eine Anna Eisenharter, Bäuerin von Wolferszell, mit 90 Jahren beerdigt. Dies war mit großer Wahrscheinlichkeit seine Ehefrau.
3 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P51,  fol.38‘  Kaufbrief vom Mai 1638
4 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing B90, Schmalzbuch des Kastenamts Straubing 1641-1650
5 Stadtarchiv Straubing, Rep. II, Abt. 1dd1, Nr. 15, Protokollbuch der Hafner, Jahrtagsmesse 05.02.1687: Sebastian Fuchs zu Steinach macht sein Meisterstück

6 Stadtarchiv Straubing, Rep. II, Abt. 1dd1, Nr. 15, Protokollbuch der Hafner

 

Weitere Quellen:
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer Conservatorium Camerale 242, Neustiftbuch des Rentkastenamt Straubing 1438
StA Landshut, Rentkastenamt Straubing A1457, Salbuch Kastenamt Straubing 1497, mit Besitzer bis 1578 nachgetragen
BayHSta München, Hofkammer Ämterrechnungen Rentmeisteramt Straubing 660, Rechnung des Kasten 1512
StA Landshut, Rentkastenamt Straubing A1458, Steuerregister der Untertanen des im Pfleggerichts Mitterfels gelegenen Hofmarken 1516
BayHStA Kurbayern Hofkammer 114, Konskription des Haupkastenamts Straubing von 1752
Rentamt Straubing B138, Häuser- und Rustikalsteuerkataster Wolferszell 1808
Rentamt Straubing B139, Umschreibbuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster Wolferszell 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokoll der Steuergemeinde Agendorf von 1836
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9932, Umschreibeheft von Agendorf 1843 - 1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9935 Umschreibeheft von Agendorf 1859 - 1894
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9939 Umschreibeheft von Agendorf 1894 - 1960
BZA Regensburg, Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach

 

Stand: 14.02.2026