Das Stegbauer-Anwesen  Hs.Nr. 63

 

1583/1623: Die andere Bramsensölde – 1641: Vilsersölde – 1691/1699: Häusl -

1760: Pöck Häusl – 1808: Ränzinger Hof Hof Hs.Nr. 12 – ab 1838 Hs.Nr. 63

 

heute Hafnerstraße 5

 

von Claudia Heigl

 

Auch auf diesem Anwesen waren hier ursprünglich Hafner ansässig. Im Jahr 1583 besitzen die Erben des Wolfgang Brams sel. das Anwesen auf Freistift.
Sie entrichtet eine Gilt von 5 Schilling Regensburger Pfennig und zahlt . wie alle Steinacher Hafner - noch zusätzlich Tegelgeld in Höhe von  5 Schilling 25 Reg. Pfennigen.1  

 

Auch auf dem Nachbaranwesen (heute Hafnerstr. 6, Echinger) lebt eine Hafnersfamilie Brams.
Im Salbuch wird dieses Anwesen daher als „die andere Bramsensölde“ bezeichnet, während das Nachbaranwesen als „die eine Bramsensölde“ geführt wird.

 

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Auf der Uraufnahme von 1827 hatte das Anwesen die Hs.Nr. 64
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

1623 ist ein Georg Huber als Hafner auf dem Haus ansässig.2 Das Häusl wird mit 5 Pfund Reg. Pfennige bewertet.3

 

1638 wohnen Markus Wörl und dessen Ehefrau Magdalena, geb. Foidl (ältere Schreibweise Foyerl) in dem Haus. Markus verdient seinen Lebensunterhalt als Schuster.

Er war zuvor in Wolferszell ansässig und wird ab 1638 urkundlich in Steinach erwähnt. Um 1638 hatte er Magdalena Foyerl, Tochter des Georg Foyerl von Mitterfels, geheiratet.4

Laut dem Heiratsvertrag, der erst 26 Jahre später beurkundet wird, bringt Markus zur Eheschließung einen eigenen Acker mit 85 Pfigang in Rothamer Feld gelegen und zwei Kühe mit in die Ehe ein. Davon bleiben dem Sohn Andreas aus erster Ehe noch 15 Gulden mütterliches Erbteil vorbehalten.
Magdalena bringt 30 Gulden Heiratsgut mit in die Ehe.

Im Giltregister aus dem Jahr 1641 wird das Anwesen als „Vilsersölde“ bezeichnet, auf der Marx (ältere Schreibweise von Markus) Wöhrl das Erbrecht besitzt.5

 

Woerl Besitzer

 

Am 3. April 1653 erwerben das Ehepaar den späteren „Grüneisl-Hof“ in Wolferszell Hs.Nr. 5 (heute zusammengelegt mit dem Nachbarhof Kreuzstr. 2, Amberger).6
Vier ihrer Kind sind bekannt
- Andreas heiratet am 22.11.1650 die Steinacher Bauerstochter Maria Magdalena Hitzinger und machte sich als Schuster in Steinach ansässig (Sohn aus erster Ehe).
- Michael (*25.08.1640)  übernimmt den elterlichen Hof
- Margaretha (*14.10.1643) heiratet am 16.08.1666 Wolfgang Schmidbauer einen Witwer und Weber von Agendorf Nr. 39
- Christoph (*12.1645) heiratet am 20.05.1669 die Bauerstochter Barbara Landstorfer. Er ist zunächst Weber in Wolferszell und macht sich dann in Aufroth ansässig.

 

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Das Stegbauer-Anwesen aufgenommen 1986
Bild: Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Bestand Luftbildverlag Bertram, München

 

Nachfolger auf dem Anwesen werden Johann Wiedenbeck und dessen Ehefrau Anna, geb. Hainzelsperger von Münster Hs.Nr. 14 (heute Chorherrenstr. 4).
Das Paar heiratet 1659 in Steinach; die Herkunft von Johann Wiedenbeck wird dabei nicht mit angegeben. Er übt auf dem Anwesen wieder das Hafnergewerbe aus.

Das Ehepaar hat zwei Töchter:
- Barbara (13.11.1663) heiratet 1689 in Steinach den Tagelöhnerssohn Michael Obermayer von Scheibelsgrub und wird mit ihrem Ehemann in Steinach ansässig.
- Eva (*09.12.1666) Hoferbin

 

1684 übernimmt die jüngere Tochter Eva das Anwesen. Sie heiratet den Tagelöhnerssohn Georg Wiesinger von Sattelpeilstein. Auch Georg übt das Hafnerhandwerk aus. Er gilt als Stammvater der Wiesinger-Hafner in Steinach, Ascha und Wetzelsberg.

 Das Ehepaar bekommt insgesamt neun Kinder:
- Kaspar (1684-1701)
- Georg Gregor (1686-1750) heiratet 1704 Katharina Stangl und 1705 Maria Margaretha Roßbauer. Er lässt sich als Hafner in Ascha nieder.
- Katharina (1689-1719) heiratet 1714 den Schneider und Mesner Mathias Kiefel in Gschwendt.
- Andreas (*1692)
- Andreas (*1695) heiratet 1713 in Ascha Barbara Lanzinger und 1729 Barbara Hausinger, auch er lässt sich als Hafner in Ascha nieder.
- Maria (*1698) heiratet 1723 den Häusler Johann Götz von Steinach
- Bartholomäus (1702-1705)
- Ignaz (1706-1780) Hoferbe
- Markus (*1706) heiratet 1727 in Steinach Eva Seehofer. Zwei Töchter kommen in Steinach zur Welt, dann zieht die Familie weg nach Wetzelsberg. Auch er übt das Hafnerhandwerk aus.

 

1728 übernimmt Ignaz Wiesinger das Hafneranwesen von seinen Eltern. Seine Ehefrau ist die Bauerstochter Walburga Haitzer von Ascha.
Das Ehepaar hat elf Kinder:
- Walburga (*1729) heiratet 1753 in Ascha den Schuster Wolfgang Haitzer
- Maria (1731) als Kind verstorben
- Sebastian (*1734) als Kind verstorben
- Barbara (*1735)
- Anna Maria (*1737)
- Mathias (*1740) als Kind verstorben
- Apollonia (1743-1807) heiratet 1768 den Maurer Simon Nickl von Steinach Nr. 4
- Joseph (*1743) als Kind verstorben
- Mathias (1745-1800) heiratet 1769 in Ascha die Hafnerswitwe Magdalena Seebauer, geb. Miller von Ascha Hs.Nr. 27 und wird dort Hafner
- Joseph (*1748) als Kind verstorben
- Maria Theresia (1752-1803), Hoferbin

 

Wiesinger Besitzer

 

Nachdem der einzig überlebende Sohn Mathias 1769 die Hafnerswitwe Magdalena Seebauer von Ascha heiratet und deren Hafnerwerkstätte übernimmt, fällt das Hafneranwesen in Steinach 1780 an die jüngste Tochter Maria Theresia.

 

Die 28-jährige heiratet den Hafnerssohn Johann Michael Ranzinger von Windorf, der die Hafnerei in Steinach weiterführt.

Das Ehepaar hat sechs Kinder:
- Theresia (*1776)
- Johann Nepomuk (*1782) als Kind verstorben.
- Ignaz (1783-1838), stirbt im Alter von 55 Jahren als lediger Hafnersgeselle in Steinach
- Johann Baptist (1783-ca. 1811) übernimmt 1802 die Hafnerei der Eltern
- Theresia (1787-1849)
- Anna Maria (*1793) erwirbt 1811 mit ihrem Ehemann die Hafnerei von der Schwägerin

 

1802 übernimmt Sohn Johann Baptist die elterliche Hafnerei in Steinach und heiratet die Bauerstochter Theresia Obermayr von Bühl bei Rattiszell.

 

Die Ehe bleibt kinderlos. Johann stirbt offenbar um 1811, denn im September 1811 erwirbt der Hafnerssohn Georg Fuchs von Steinach das Anwesen von dessen Witwe Theresia Ranzinger.
Im Oktober heiratet Georg deren Schwägerin Therese Ranzinger, eine Schwester des verstorbenen Johann Ranzinger.

Ihre verwitwete Schwägerin Theresia heiratet nicht erneut, bleibt in Steinach wohnen und stirbt 1841 im Alter von 61 Jahren.

 

Georg Fuchs ist der Sohn der Hafnerseheleute Vitus Fuchs und Anna Maria geb. Reisinger. Sein Vater Vitus arbeite vermutlich als Geselle bei einem Hafner, da er in Steinach nur als Einwohner geführt wird.

Georg und Theresia Fuchs bekommen insgesamt fünf Kinder:
- Barbara (1812-1859), stirbt mit 46 Jahren unverheiratet an Brustwassersucht. Sie hat einen unehelichen Sohn Ludwig (*1837)
- Theresia (*+1814)
- Anna Maria (*1815) als Kind verstorben
- Joseph (1818-1875) heiratet 1853 in Ascha die Hafnerswitwe Anna Eidenschink, geb. Schuhbauer und übernimmt die Hafnerwerkstätte seiner Ehefrau in Ascha Nr. 27
- Anna (1821-1893) Hoferbin

 

Auch in dieser Generation heiratet der einzige Sohn in eine Hafnerwerkstätte nach Ascha ein.

Die jüngste Tochter Anna übernimmt 1861 das Anwesen und heiratet den benachbarten Schusterssohn Johann Wallner von Steinach Nr. 64.
Das Ehepaar hat nur eine Tochter, die am 09.10.1863 geboren wird, jedoch bereits nach drei Wochen wieder stirbt.

Das Johann Wallner ebenfalls das Schusterhandwerk ausübt, endet mit dem letzten Hafner Georg Fuchs das alte Hafnergewerbe auf diesem Anwesen.

 

 

Ranzinger Besitzer

 

 

Nach dem Tod von Johann Wallner, verkauft die Witwe im Juni 1880 das Anwesen um 3678 Gulden an die Einwohnerstochter Maria Theresia Stegbauer von Niedersteinach.

1889 heiratet Theresia den verwitweten Franz Schießl von Niedersteinach, der von Kleinaign in Eschlkam abstammt. Aus der Ehe gehen keine Kinder hervor.

 

Im Oktober 1911 erbt der hinterbliebene Ehemann Alois Grüneisl, der ebenfalls bereits verstorbenen Nichte Maria Grüneisl, geb. Freundorfer, das Anwesen. Da die Familie Grüneisl in Wolferszell wohnt, veräußert er es noch am gleichen Tag an seinen Bruder Johann Baptist Grüneisl.

 

Besitzer Grneisl Stegbauer

 

 

Johann Grüneisl wohnte vorher mit seiner Ehefrau Therese, geb. Scherer, in dem Häusleranwesen Hs.Nr. 10 (heute Brunnenstr. 2) in Steinach. Seinen Unterhalt verdient er sich als Waldaufseher bei der Firma Schuhbaur und zudem war er 40 Jahre lang Totengräber in Steinach.

Das Ehepaar hat 13 Kinder, von denen sieben im Kindsalter versterben.
Von den sechs überlebenden Kindern lassen sich fünf in Frankfurt a. Main nieder.
- Johann Baptist (*1903)
- Maria (1904-1993), Hoferbin
- Joseph (*1905)
- Therese (*1906)
- Katharina (*1909)
- Alois (*1910)

 

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Therese Grüneisl mit drei ihrer Kinder und der Schwiegermutter Katharina Grüneisl, geb. Vogl.
aufgenommen ca. 1910
Bild: Josef Stegbauer, Steinach



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Das Grüneisl-Haus aufgenommen ca. 1910
Bild: Josef Stegbauer, Steinach

 

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Therese Grüneisl, geb. Scherer und Johann Grüneisl
mit zwei ihrer Enkelkinder
aufgenommen ca. 1944
Bild: Josef Stegbauer, Steinach

 

  Tochter Maria übernimmt schließlich das Anwesen in Steinach und heiratet 1937 den Bauernsohn Joseph Stegbauer von Maiszell.

 

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Joseph Stegbauer und Maria geb. Grüneisl an ihrem Hochzeitstag am 31.08.1937
Bild: Josef Stegbauer, Steinach

 

 

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Das Stegbauer-Anwesen aufgenommen 1950
Bild: Josef Stegbauer, Steinach

 

 

 

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Umbau 1973
Bild: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Dias Pfarrer Ludwig Dotzler

 

 

 

1 Schlicht Josef, Die Geschichte von Steinach, 1908, „Stift-, Kasten- und Salbuch über Schloß und Hofmarch Steinach 1583“
2 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Untertanen der Hofmark Steinach 1623
3 StA Landshut, Landschaft Unterlands Bd 1183, Steuerregister der Hofmarksuntertanen Steinach 1623
4 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P59 II,  fol.234   Heiratsbrief vom 07.03.1663
5 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Gilt und Ausstandregister der Untertanen zu Steinach 1641
6 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P55,  fol.89  Consens vom 03.06.1653

 

Weitere Quellen:
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 248, Konskription der Untertanen der Hofmark Steinach 1752
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 514, Hofanlagsbuch der Hofmark Steinach 1760
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B79, Umschreibebuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokolle der Steuergemeinde Steinach von 1838
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127) 10579, Umschreibehefte zum Urkataster  der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1 – 72, 1843-1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127 10583, Umschreibehefte zum 1. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 56 - Ende, 1859 – 1906
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127 10586, Umschreibehefte zum 2. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1-65, 1906 – 1960
BZAR Regensburg, Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach

 

Stand: 07.02.2026