Das Badhaus in Gschwendt - später Krämer Biendl

 

von Cornelia Landstorfer

 

 

Der Grundherr des ehemaligen Badhauses in Gschwendt, erstmals erwähnt im Jahr 1630, war das Bürgerspital Straubing.

Der Bader in Gschwendt verfügte über ein Wohnhaus mit Badstube in der Ortsmitte gegenüber dem Amtshaus. Eine Badstube erfüllte nicht nur die Funktion der Wundbehandlung, sondern auch die der vorbeugenden hygienischen Maßnahmen zur Vermeidung von Krankheiten. Die Dorfbewohner waren verpflichtet, die Badstube zu benutzen.
Der Bader war für den ordnungsgemäßen Zustand seiner Badstube verantwortlich und musste etwaige Mängel umgehend melden. Die entsprechende Vorschrift ist im Ehehaftbuch der Hofmark Gschwendt nachzulesen: „Zum Vierzehenten, von der Ehehaft Padtstuben, soll durch die Untertanen besucht werden und dem Pader seinen Sold zustellen, wie vor alters ist herkommen, wann aber bei dem Pader ain Mangel sein würde, solches mag wieder ime vor dem Ehehaftrechten angezeigt werden.“

In dem Salbuch des Straubinger Bürgerspitals aus dem Jahre 1630 findet sich eine detaillierte Beschreibung des Badhauses sowie der Entlohnung des Baders und seiner Gehilfin: „…gelegen bei der Mühle am Bach gegenüber dem Amtshaus. Ist mit Ein- und Zugehörung beschrieben, item auch was ein Pader für Besoldung“1 

Das Badhaus, welches mit Balkon, Wohnstube, Schlafkammer, Männer- und Frauenbadstube ausgestattet war, gehörte der Gemeinde und lag neben der Mühle. Aufgrund des Wasserbedarfs befand es sich in der Nähe des Baches. Früher war es dem Bader in Gschwendt gestattet, Wurzeln und Stöcke für die Beheizung der Badstube zu sammeln.

Erwachsene zahlten dem Bader für das Schröpfen einen Heller und der Baddirn einen Pfennig. Der Aderlass kostete sechs Kreuzer und das Haareschneiden zwei Pfennige.
Bei Jugendlichen durfte der Bader für das Schneiden der Haare nur einen Kreuzer verlangen, während den Kindern die Haare umsonst gekürzt wurden.  

 

salbuch badhaus

 schroepfkopf

Mittelalterliche Darstellung eines Baders. Die Schröpfköpfe werden angesetzt (Holzschnitt um 1481)
Von unbekannt - gescannt, Kalender Blaubierer, Bild-PD-alt, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=1426359

 

 

Es kam leider auch vor, dass der Bader Wunden versorgen musste, die auf Fremdverschulden zurückzuführen waren.
Im Jahr 1754 hatte ein Bauer in Gschwendt eine Dienstmagd derart geschlagen, dass sie vom Bader behandelt werden musste: „Vorkommen den 31. Dezember 1754: Ursula Seidlin lediges Dienstmönsch von Herrnfehlburg hat Daniel Löffler Paur zu Gschwendt von darumben anheut zur Klage citiern lassen, weillen derselbe sie dergestalten mit Schlägen traktiert, dass die Armb und Füss groß verschwollen, dann blau und blutmahlig unterlaufen gewesen.“
Der Bauer zahlte der Frau einen Betrag von einem Gulden und 39 Kreuzern für die erlittenen Schläge und Schmerzen, sowie ihren ausstehenden Lohn. Dem Bader gab er einen Gulden und 30 Kreuzer für die Behandlung der Frau.

Auch die Köchin des Wirtes in Gschwendt wurde von einem Gast derart zugerichtet, dass sie schließlich beim Bader in Behandlung war. Die Geschädigte erhielt vom Verursacher eine finanzielle Entschädigung für den Arbeitsausfall, die Schmerzen und den Sold, den sie dem Bader gegeben hatte.3

 

 ansichtskarte kramerei

 Die Krämerei Gschwendt um 1900
(Bild aus Zirngibl Willi: Geschichte und Geschichten vom alten Ascha
Auszug aus der Ansichtskarte)

 

 

 

badhaus gschwendt 

Krämerei Biendl in Gschwendt, das Haus steht unter Denkmalschutz
Von Elcom.stadler - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=59996168

 

 

 

1831 wird das Anwesen als "1/32 Wolfenhäusel, beim Weber" beschrieben.

 

Die Besitzerfolge

 

Bei der Beschreibung des Badhauses in Gschwendt im Jahr 1630 wird leider der Name des Baders nicht genannt.

Im Jahr 1672 war das Haus im Besitz des Webers Christopher Fuchs, der zu dieser Zeit kein Badhaus mehr betrieb. Christopher Fuchs war in erster Ehe mit Maria Söldner aus Bärnzell verheiratet. Er war der Neffe des wohlhabenden Handelsmannes Christoph Wagner, von dem er auch ein Haus geerbt hatte. Im Jahr 1716 heiratete der Witwer Christopher Fuchs die Witwe Ursula Hauser, geb. Eichinger aus Au bei Ascha.

 

Im Jahr 1702 folgte Maria Fuchs, die Tochter aus erster Ehe von Christopher Fuchs. Sie heiratete Joseph Rudolph aus Gschwendt.

 

Fuchs Besitzer

 

Am 05.08.1738 erwarben Leonhard und Barbara Grill das Anwesen.

 

Im Jahr 1747 erwerben Nikolaus und Maria Kiefel, geb. Miller, die „Behausung mit Gärtl“ um den Betrag von 120 Gulden. Im Jahr 1760 wird Niklas Kueffel als Schneider genannt. 1764 stirbt Maria, der Witwer ehelicht eine Witwe Walburga Seidl von Aign bei Konzell.

„Der Witwer Niklas Kiefel, Schneider zu Gschwendt und seine Kinder, Johann Kiefel, Schneider und Häusler zu Steinach, Franz 17, Magdalena 15, Niclas 11, Jakob 9 und Simon 7jährig.
Nach dem Ableben seiner Ehefrau bleibt dem Witwer die Behausung in Gschwendt, die er am 6. April 1747 erworben hatte.“ 4

 

Im Jahr 1774 übernahm die Tochter Magdalena aus erster Ehe des Nikolaus Kiefel den Besitz. Sie war mit dem Schuster Wolfgang Wolf verheiratet.

Das Ehepaar Wolf übergab sein „Leerhäusl“ am 22. Januar 1800 an Sohn Georg und Ehefrau Anna, geb. Echinger.5

 

Im Jahre 1809 heiratete der Zimmermannssohn  Michael Schuheder die Schweter Anna Wolf. Beide erwerben das Anwesen um 300 Gulden von Bruder bzw. Schwager Georg Wolf6.

 

Kiefel Wolf Besitzer

 

1844 folgten Sohn Georg Schuheder und Maria, geb. Agsteiner aus Münster.
Deren Sohn Franz Xaver wurde 1872 zum Priester geweiht. Als Pfarrer von Pondorf wurde er 1898 zum Dekan gewählt. 1908 erhielt er eine Chorherrenstelle beim Stift St. Johann in Regensburg. 1917 erfolgte seine Wahl zum Dekan dieses Stifts. Verdienste erwarb er sich um den Jugendfürsorgeverein.

 

pfarrer schuheder

 

 

Am 12. Mai 1853 verkaufte Georg Schuheder das Haus für 800 Gulden an Jakob und Anna Biendl.

 

 

1885 übergibt Georg Schuheder an Sohn Jakob, der mit Anna Scheubeck verheiratet war. Jakob übte den Beruf des Maurers aus, wird aber später als Gütler und Krämer in Gschwendt genannt.

Das Ehepaar verlor sechs Kinder aufgrund von Fraisen, einer sehr verbreiteten Todesursache bei Kindern.
Der Sohn Joseph verstarb am 20. Mai 1875 im Alter von 16 Wochen an dieser Krankheit.
Am 24. November 1876 folgte die Tochter Anna im Alter von 27 Wochen ebenfalls aufgrund von Fraisen.
Auch die Tochter Karolina überlebte nur 15 Wochen, sie verstarb 1882 an Fraisen und Husten.
1883 verstarb Sohn Ludwig im Alter von 13 Wochen.
Tochter Emilie starb nach 15 Wochen ebenfalls an Fraisen.
Im Jahr 1887 verstarb auch Sohn Otto im Alter von drei Wochen an Fraisen.

 

Anna Biendl meldet am 8. Juni 1893 ein Gewerbe an: „Krämerei im Hause mit Geschirrhandel im Hause“

1907 meldet Anna ein weiteres Gewerbe an: „Aufkauf von Eiern und Schmalz, Abgabe Brot im Orte Gschwendt“

 

Ab 1908 führt Sohn Jakob, der mit Johanna Kronfelder verheiratet war, die Krämerei weiter.
Das Paar hatte drei Töchter: Theres, Maria *12.09.1911 und Johanna. Letztere war Ordensschwester. Sohn Jakob war 1918 im Alter von 2 ½ Jahren ertrunken.

Die letzte Krämerin auf dem Haus war Theres Biendl, die nicht verheiratet war.

 

Biendl Besitzer

 

 

 

 

 

 

1 Stadtarchiv Straubing, Salbuch 1630 von Gschwendt, fol. 858‘
2 StA Landshut, Kommunalarchive (Rep. 219) 1609, fol 67
3 StA Landshut, Kommunalarchive (Rep. 219) 1609, fol 36
4 Vgl. StA Landshut, Kommunalarchive (Rep. 219) 1589, Vertragsbrief 1764
5 StA Landshut, Kommunalarchive (Rep. 219) 1589, Kaufübergabe 162 fl 1774
6 StA Landshut, Kommunalarchive (Rep. 219) 1600, Kaufbrief 1809

Das Binderleerhaus in Münster Hs.Nr.66

 

1890: Hs.Nr. 78, heute Falkenfelster Str. 29

 

von Claudia Heigl

 

 

1827 errichtet der Kufner (Binder) Georg Wagner auf seinem Grundstück auf dem Berg ein neues Haus.

Sein bisheriges Kufneranwesen Hs.Nr. 9 im Dorf (Brunnen Str. 4) verkauft er an seinen Schwager Johann Hagenhofer, der mit seiner Schwester Katharina verheiratet ist.

 

ortskarte muenster 186b

 Ortskarte Münster Nr. 186b
(Vermessungsamt Straubing)

 

Das neue Haus wird als „Binderleerhaus“ bezeichnet und erhält die neue Hs.Nr. 66.

Leerhaus bedeutet, dass zu dem Besitz ansonsten keine landwirtschaftlichen Grundstücke gehören.

 

1846 übernimmt das Kufneranwesen sein Sohn Franz Xaver Wagner, der die Lehrerstochter Josepha Neumayer von Münster heiratet.

Nach fünfjähriger Ehe stirbt Xaver Wagner und die Witwe nimmt den Kufnerssohn Joseph Achatz zum Ehemann, der das Gewerbe weiterbetreibt.

 

1861 verkauft das Ehepaar das Kufneranwesen an Joseph Wagner, dem Bruder des verstorbenen Xaver Wagner.

 

 Wagner Besitzer

 

Sohn Franz Xaver Wagner übernimmt 1890 den Betrieb. Aber bereits nach einem Jahr tauscht er seinen Besitz  in Münster gegen ein Anwesen in Unterparkstetten Hs.Nr. 66 mit Georg und Elise Beck (+1892).
Damit wandert auch das Kufner-Gewerbe von Münster ab.

 

Am 05.09.1892 tauschen Georg und Therese Urban ihr Anwesen Nr. 34 in Oberwalting mit Georg Beck.

Am 02.12.1896 erwirbt Josef Wagner das Anwesen bei einer Zwangsversteigerung um 4502 Mark.

Am 28.03.1898 erwerben Johann und Katharina Janker das Anwesen um 3800 Mark.

Johann stammt von Geßmannszell und ist mit der Söldnerstochter Katharina Scheubeck von Höhenberg verheiratet.

Janker Besitzer

 

 


muenster 2023

aufgenommen 2023
(Bild: Claudia Heigl)

 

 

1937 übernimmt ihre Tochter Katharina das Haus, die sich mit Xaver Heigl von Lederdorn vermählt.

 

 

 

 

Weitere Quellen:
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokoll der Steuergemeinde Münster von 1838
StA Landshut, Grundsteuerkataster 17/22-6, Umschreibehefte Münster Hs.Nr. 60 bis Ende von 1843 – 1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster 17/22-9, Umschreibehefte Münster Hs.Nr. 1 - 69 von 1859-1893
StA Landshut, Grundsteuerkataster 17/22-14, Umschreibehefte Münster Hs.Nr. 1 - 82 von 1893 – 1960
Bischöfliches Zentralrarchiv Regensburg, Pfarrmatrikel Pfaffmünster

 

Stand: 15.03.2024

 

Mitterharthof

 

 

von Cornelia Landstorfer und Claudia Heigl

 

 

In verschiedenen Veröffentlichungen wird im 12. und 13. Jahrhundert immer wieder auf einen Mitterharthof Bezug genommen.

In einer Übersicht der Oberalteicher Klostergüter wird der Besitz im Jahr 1274 als „Hard iuxta Cheznah“  (Hart bei Kössnach) bezeichnet1. Er besteht aus „1 curia, 2 predia und agri“ (ein Hof, zwei Ländereien und Äcker).

 

Hier handelt es sich um den Oberharthof, während der Unterharthof in den Salbüchern des Klosters Windberg aufgeführt ist:

1392 sind drei „curia in Hart“ und ein Ort, der auch später immer wieder als „Huba aufm Hart“ bezeichnet wurde, im Urbarsbuch vom Kloster Windberg erwähnt2.

Ob es sich hier wirklich um drei „Höfe“ handelte, ist fraglich. Es könnte sich hier um sog. Hoffuße gehandelt haben. Ein Hof (curia) umfasste etwa 100 Tagwerk Grundbesitz.

Bei der Hube auf dem Hart dürfte es sich um reinen Grundbesitz ohne Hofstelle gehandelt haben. Sie wechselt im Laufe der Jahrhunderte immer wieder ihren Besitzer und gehörte bis zur Säkularisation ebenfalls dem Kloster Windberg3.

 

In allen vorliegenden Quellen finden wir in Oberharthof nur das Kloster Oberalteich als Besitzer und den Unterharthof, der im Eigentum des Klosters Windberg stand.

Ein „Mitterharthof“ findet in keiner Urkunde Erwähnung.

Dies lässt die Vermutung zu, dass es sich bei den Höfen in Hart immer um den Oberharthof und den Unterharthof handelte, die jeweils einen sehr großen Grundbesitz von über 300 Tagwerk hatten.

 

Erst um 1855 entstand durch einen Ausbruch aus dem Oberharthof ein Mitterharthof.

Der Oberharthofer Bauer Martin Zirngibl veräußerte 1855 ca. 45 Tagwerk Grundbesitz an Josef und Maria Schreiner, früher Wirtseheleute in Kalteck, die den Besitz später nochmals um fünf Tagwerk erweiterten.

Auf Schreiner folgte als neuer Besitzer der Privatier Späth von München. Nach dessen Tod war seine Schwester, Oberin von St. Klara in Regensburg Haupterbin.

Schließlich erwarb Franz Xaver Kapfer das Anwesen, der es auch wieder gegen das Gehöft in Pilgramsberg an den Rauchwarenhändler Franz Xaver Wenninger aus Straubing vertauschte.

Es folge 1887 der Immobilienhändler Franz Limbrunner

und 1890 tauschten Alois und Maria Biller von Wolfessen hierher.

1891 tauschten Johann und Maria Kiesl von Asser ihr Anwesen gegen den Mitterharthof.

 

Schließlich erwarb wiederum der Schloss- und Gutsbesitzer Karl August von Schmieder den Hof.

Die Gebäude wurden abgebrochen und die Felder zum Teil aufgeforstet.

 

Nachdem 1948 der Gutsbesitzer Max von Schmieder der Siedlungsgesellschaft ca. 20 Tagwerk Grund zur Verfügung stellte, siedelten sich 1948 und 1950 zwei heimatvertriebene Familien an der Stelle des ehemaligen Mitterharthofes an.

 

 

1 BayHStA München, Kloster Oberalteich Urkunden 23, 24.09.1274
2 BayHStA München, Kloster Windberg Amtsbücher und Akten 157, fol. 11, Urbar des Klosters Windberg 1392
3 BayHStA München, Kloster Windberg Amtsbücher und Akten 404, fol 53, Briefprotokolle 1667-1667, Am 22.November 1666 verkaufen Wolf und Maria Scherer von Reibersdorf ihren „Hubbau aufm Hardt, das Khollische Hubbau genannt“ an Georg Pachmair und Wolf Enzendorfer, beide zu Unterparkstetten.

 

Weitere Quellen:
StA Landshut, Grundsteuerkataster Unterzeitldorn Bd.7/45-1
StA Landshut, Grundsteuerkataster Unterzeitldorn Bd.7/45-13
BZAR Pfarrmatrikel der Pfarrei Kirchroth
BZAR Pfarrmatrikel der Pfarrei Sossau
BZAR Pfarrmatrikel der Pfarrei Pfaffmünster

 

Stand: 01.03.2024

 

 

Das Kufner-Anwesen in Münster Hs.Nr. 9

 

1890: Hs.Nr. 14, heute Brunnenstr. 4

 

von Claudia Heigl

 

 

 

In der heutigen Brunnenstr. 4 befand sich in Münster das alte Kufner-Anwesen.

 

uraufnahme wagnerguetl

Das Kufner-Anwesen hatte die alte Hs.Nr. 9

Uraufnahme um 1827
Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

 

1736 wohnt ein Georg Schmid mit seiner Ehefrau Maria in dem Haus.

 

Schmid Besitzer

 

Am 09.11.1748 verkaufen sie die Erbrechtsbehausung mit dem Garten dem ledigen Faßbinderssohn Vitus Wagner von Oberellenbach1, der ein paar Tage später Walburga Krieger von Wiesing heiratet.

Von der Familie bekommt das Anwesen auch die spätere Bezeichnung "Wagnergütl".

 

Vitus Wagner übt das Kufnergewerbe auf dem Anwesen aus. Kufner stellen Holzgefäße her, vor allem Bütten und Fässer.
Weitere Bezeichnungen für dieses Gewerbe sind: Küfer, Böttcher, Binder, Schäffler

 

boettcher 1880

 Quelle: Was willst du werden?: Bilder aus dem Handwerkerleben. Berlin: Winckelmann 1880

 

 

1786 übernimmt Sohn Dionysius Wagner, der sich mit der Einwohnerstochter Maria Anna Spießl von Münster verheiratet.

Zwei Kinder sind bekannt:
- Katharina (1789-1861)
- Johann Georg (*1793)

 

1816 folgt der 23jährige Sohn Johann Georg Wagner, der die Jägerstochter Anna Zäch zur Ehefrau nimmt. Nachdem Anna im Kindsbett stirbt, heiratet der Witwer 1820 die Söldnerstochter Katharina Fendl von Altrandsberg.

 

Um 1827 errichtet Johann Georg Wagner auf seinem Grundstück auf dem Berg ein neues Haus und zieht mit seiner Familie dort hinauf (heute Falkenfelser Str. 29).

 

Das alte Kufner-Anwesen im Dorf verkauft er 1828 an seine ältere Schwester Katharina und deren Ehemann Johann Hagenhofer, der als Weber seinen Lebensunterhalt verdient.

 

Wagner Besitzer

 

Nach dem Tod des Ehemannes veräußert Katharina Hagenhofer im Mai 1857 das Haus mit 2,26 Tagwerk Grund 1857 an Andreas Krebl.
Doch bereits im August erwirbt des ein Josef Hagenhofer, wahrscheinlich ein Verwandter des Vorgängers.

 

Nachdem auch Katharina im Jahr 1861 stirbt, veräußert es Josef Hagenhofer im Oktober 1862 an Jakob und Anna Frohnauer aus Rattiszell.

 

1872 trägt man den 41jährigen zu Grabe und das Gütl erbt sein 11jähriger Sohn Franz Xaver Frohnauer. 1888 heiratet er die Bauerstochter Theresia Lehner von Eggersberg.

Das junge Ehepaar erwirbt ein neugebautes Haus im heutigen Hohlweg und zieht dort ein.

 

Frohnauer Besitzer

 

 

1889 wird das als Kufner-Haus mit 794 qm Grund versteigert. Neuer Eigentümer ist Johann Geier.

1892 kauft Helena Janker das Haus. Sie ist die unverheiratete Tochter des benachbarten Söldners Wolfgang Janker von Hs.Nr. 10.

 

1893 übergibt sie das Haus an ihren Cousin Josef Janker der gleichzeitig auch die Nachbarsölde von Helenas Vater Wolfgang Janker erbt.

 

Ab diesem Zeitpunkt sind beide Häuser – Hs.Nr. 9 und Nr. 10 – im Eigentum des Josef Janker.

 

wagnerguetl 2023

 aufgenommen 2023
(Bild: Claudia Heigl)

 

1 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 645 I, fol.111‘   Kauf 132 fl 09.11.1748

 

Weitere Quellen:
BayHStA München, Hofanlagsbuchhaltung 248, Steuerkonskription der Hofmark Münster 1752
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokoll der Steuergemeinde Münster von 1838
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser u Rustikalsteuerkataster Münster incl Steinach rev Duplikat 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B79, Umschreibbuch zum Häuser und Rustikalsteuerkataster Münster incl Steinach 1814-1843
StA Landshut, Grundsteuerkataster 17/22-5, Umschreibehefte Münster Hs.Nr. 3-59 von 1843 – 1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster 17/22-9, Umschreibehefte Münster Hs.Nr. 1 - 69 von 1859-1893
StA Landshut, Grundsteuerkataster 17/22-10, Umschreibehefte Münster Hs.Nr. 70 bis Ende von 1859-1893
Bischöfliches Zentralrarchiv Regensburg, Pfarrmatrikel Pfaffmünster

 

Stand: 15.03.2024

 

Unterharthof

 

von  Cornelia Landstorfer und Claudia Heigl

 

 

Der Name des Hofes führt auf die Lage an den Hartwäldern zurück, die sich einst über ein großes Areal von der Donau bis nach Münster und Steinach erstreckten1.

Besitz in Hart finden wir bereits sehr früh in den Urkunden des Klosters Windberg, wie auch beim Kloster Oberalteich.

 

Während der Unterharthof bis zur Säkularisation zum Kloster Windberg gehörte, war der Oberharthof im Eigentum des Klosters Oberalteich.

 

luftaufnahme

Die Lage der Höfe auf einer aktuellen Karte. Heute sind sie von einer Seenlandschaft umgeben.

Quelle: Uraufnahme von ca. 1830, Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

 

1205 duas partes predii nostri in Harde (Ankunftsbuch Windberg fol. 4r)2

1305 ist Plebanus de Hard im Windberger Urbar zu finden3.

1392 sind drei „curia in Hart“ und ein Ort, der auch später immer wieder als „Huba aufm Hart“ bezeichnet wurde, im Urbarsbuch vom Kloster Windberg erwähnt4.

 

Ob es sich hier wirklich um drei „Höfe“ gehandelt hat, ist fraglich. Es könnte sich hier um sog. Hoffuße gehandelt haben. Ein Hof (curia) umfasste ca. 100 Tagwerk Grundbesitz.

Im Grundsteuerkataster von 1838 hatte der Unterharthof eine Größe von ca. 324 Tagwerk, in etwa genau so viel wie der Oberharthof.

 

Bei der Hube auf dem Hart dürfte es sich um reinen Grundbesitz ohne Hofstelle gehandelt haben. Sie wechselt im Laufe der Jahrhunderte immer wieder ihren Besitzer und gehörte bis zur Säkularisation ebenfalls dem Kloster Windberg5.

 uraufnahme harthoefe gefaerbt

Der ursprüngliche Ortharthof gelb eingefärbt und der Unterharthof grün eingefärbt

Quelle: Uraufnahme von ca. 1830, Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

 

Seelsorgerisch wurde der Unterharthof von der Pfarrei Sossau versorgt. Durch die Auflösung der Pfarrei Sossau 1805 kam der Unterharthof in die Pfarrei Pfaffmünster. 1874 wurde der Unterharthof von der Pfarrei Pfaffmünster nach Parkstetten umgepfarrt.

 

Unterharthof wurde 1811 dem Steuerdistrikt Hornstorf einverleibt. 1821 wurde die Gemeinde Zeitldorn aus Teilen der Steuerdistrikte Hornstorf und Parkstetten gebildet, zu der auch Unterharthof kam. Seit 1951 trug die Gemeinde den Namen Unterzeitldorn.

Nach der Auflösung der Gemeinde Unterzeitldorn 1976 wurde der Gemeindeteil Unterharthof nach Parkstetten eingegliedert.

 

 

 

 Uraufnahme Unterharthof

Bei dem Unterharthof sehen wir noch heute deutlich einen Wassergraben um den Hof, der wohl zum Schutz des Hofes diente.

Quelle: Uraufnahme von ca. 1830, Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

 

 

 

1322 erhält das Kloster Windberg den Hof als Eigentum, nachdem seine vorherigen Besitzer auf ihre Ansprüche verzichten6.

1327 verzichtet der Schwiegersohn des Albrecht von Hard im Namen seiner Ehefrau gegen das Kloster Windberg ebenfalls auf alle Forderungen und Ansprüche7.

1330 verleiht das Kloster an Hartwig und Andreas, Söhne des Hanslein, der zu Rincham gesessen, das Leibgeding auf den Hof8.

1403 verzichtet „Konrad der Hardmair zum Hardhof“ auf alle Ansprüche gegenüber dem Kloster, insbesondere auf dem Harthof gegen eine Abfindung von 10 Regensburger Pfennige9.

1404 entsagt Ulrich Hardmair, Wirt in Parkstetten, gegenüber dem Kloster auf alle Ansprüche und Forderungen, die er wegen dem Hardhof erhoben hatte10.

1407 entsagt Fridel Tobhandel zu Fischerdorf allen Ansprüchen und Forderungen dem Kloster Windberg gegenüber, die er wegen dem See und des zugehörigen Baues zu Fischerdorf, des Zehnten auf der Hard und des Hauses zu Fischerdorf gestellt hat11.

1437 geben Philipp Stolczenchener und Andre Furtter, beide Bürger zu Straubing, dem Kloster Windberg einen Reversbrief über das Baurecht der Güter zu Hardt gelegen bei Steinach, das sie von Lienhart Pekken, Bürger zu Straubing gekauft haben12.

1467 tritt Hans Zawner zu Hard als Zeuge bei einer Verzichtsurkunde auf13.

1475 verkauft Hans Zawn [Zaun] zu Hard seine freieigene Sölde zu Hard, auf der er bisher gesessen, an Wolfgang Warter zu Steinach14.

 

1499 wird ein Hans Engelperger von Hard als Zeuge bei einer Verkaufsurkunde benannt15.

1523 wird das Erbe des verstorbenen Jörg Guntzkofer von Fischerdorf und dessen Ehefrau Elspet verteilt. Als deren Kinder werden Hans, Wolfgang, Mahtes, Michel, Peter, Gangolf, Wastl, Margret, Hausfrau des Michel Engelperger von Hart und Katherinen, Hausfrau des Andre Furman von Kagers, benannt. Genannt wird hierbei u.a. ein Hof zu Thurasdorf16.

Dieser Michael Englberger wird in dem Anlagsregister von 1538 ebenfalls aufgeführt17. Neben Englberger sind auch seine Dienstleute genannt, nämlich Hans sein Menknecht18, die beiden „Pueb“ Wolfl und Thoman. Vermutlich waren dies Knechte. Lorenz der Oberschäffler und Hänsl der „ander Schäffler“, Asm der Huetman, sowie die beiden Dirnen Els und Käterl sind noch auf dem Harthof genannt. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Michael Englberger zwei Schäffler beschäftigt hatte.

1545 treten Hans Englberger von Oberparkstetten und Michael Englberger vom Hart, beide Brüder und über 60 Jahre alt, als Zeugen bei einem Streit bzgl. eines Blumbesuches auf19.

 

1562 ist Sebastian Gräsl auf dem Harthof „gegen Parkstetten und in Sossauer Pfarr gelegen“, genannt. Im selben Jahre wurde dieser Hof allerdings an Michael Englberger von „Hardt“ und dessen Ehefrau Margareth verliehen20.

 

1579 sitzt auf dem Unterharthof ein Alexander Englberger und auf dem Oberharthof ein Georg Englberger21.

1602 besitzt wieder ein Sebastian Gräsl den Hof. Beim Hof sind zwei Gärten, einer beim Haus, einer hinter dem Stadl. Zwei weitere Gärten waren vor dem Forst, davon bekommt der Pfarrer den vollen Zehent22.

 

 

 

 

 

Der 30jährige Krieg

Es ist zwar leider keine schriftliche Überlieferung dazu bekannt, aber die Bewohner vom Unterharthof, wie auch vom Oberharthof, dürften mit ziemlicher Sicherheit während des 30jährigen Krieges den Schwedenüberfällen zum Opfer gefallen.

Im November 1633 zieht Bernhard von Weimar mit seinen schwedischen Soldaten nach dreitägiger Belagerung in Straubing ein. Von dort aus terrorisieren sie die Landbevölkerung, rauben sie aus und töten oder vertreiben die Menschen. Bis April 1634 bleiben 800 Soldaten als Besatzer in der Stadt23.

Im Januar 1641 ziehen nochmals 600 Reiter von Regensburg kommend an der nördlichen Donauseite herab, die plündern, morden und vieles niederbrennen.

 

Auf dem Hof ist heute noch ein Balken vorhanden, der die Jahreszahl 1643 trägt. Ein Hinweis darauf, dass es in diesem Jahr einen Neubau eines Ökonomiegebäudes gab. Der Balken wurde in der Vergangenheit immer wieder in neuere Gebäude eingesetzt.

 balken

 Der Balken trägt neben der alten Jahreszahl 1643
auch ein neueres Datum, an dem er wieder verbaut wurde.

 

 

1663 verkauft der Bauer Hofmeister von Harthof Korn auf dem Markt in Straubing24.

 

 

Die Familie Geiger auf dem Unterharthof

Ende 1666 verkauft das Kloster Windberg die „ewig durchgehende Erbgerechtigkeit mit der alten Dienstbarkeit, samt einer jährlichen Weinfuhre“ an dem Unterharthof an Wolfgang Geiger aus Tiefenbach bei Haselbach. Dazu gehören noch halb große und kleine Kraut- und Sulzfässer (Salzfässer) und die vorhandenen Bretter25.

Nochmals der Hinweis, wie wir ihn schon 1538 finden, dass das Schäfflergewerbe (Küfer, Fassbinder) auf dem Hof ausgeübt wurde.

 

Wolfgang Geiger ist mit einer Barbara verheiratet.
Das Ehepaar hatte mindestens sieben Kinder, die vom Unterharthof abstammen:
- Johann  (*1653 in Tiefenbach) heiratete 1676 die Wirtswitwe Anna Brunner von Kirchroth (heute Gastwirtschaft „Zur Lake“) und wird als Wirt in Kirchroth sesshaft
- Martin (*1656 in Tiefenbach), Hofnachfolger

- Maria (*1659 in Tiefenbach) heiratet 1679 den Bauern Christoph Gmeinwieser von Herrnberg
- Magdalena (*1663)
- Christoph (*1664 in Tiefenbach)
- Eva (*1666 in Tiefenbach)
- Wolfgang heiratet 1691 die Witwe des Mathias Käpel, Bauer vom Sackhof b. Steinach und wird Bauer auf dem Sackhof

 

1674 stirbt Barbara Geiger und der Witwer heiratet die Bauerstochter Maria Stöckl von Pittrich.
Aus der Ehe gehen nochmals fünf Kinder hervor:
- Maria *1675
- Walburga *1677
- Sebastian * 1679
- Katharina *1681
- Thomas *1685

 

Sohn Martin übernimmt um 1687 den Hof. Aus der Ehe mit seiner Ehefrau Eva gehen fünf Kinder hervor:
- Johann (*1688), Hoferbe
- Eva (*1692) heiratet 1712 den Bauern Mathias Söldner von Bärnzell
- Maria (1695-1731) heiratet 1715 den Bauern Andreas Foidl von Rotham
- Jakob (*1697)
- Martin (1700-1701)

 

Sohn Johann heiratet 1716 die Bauerstochter Margaretha Wenninger von Geltolfing.
Das Ehepaar hat sechs Kinder, von denen vier das Erwachsenenalter erreichen:
- Paul (*1717)
- Maria (*1718)
- Margaretha (*1720)
- Johann (*1726), Hoferbe

 

Der jüngste Sohn Johann übernimmt 1746 den Hof und vermählt sich mit Ursula Knott, einer Wirtstochter von Kößnach.

Als die Bäuerin 1787 stirbt, wird zwischen dem Witwer und den fünf noch lebenden Kindern das Erbe geregelt. Vier Töchter sind bereits verstorben:
- Kaspar Geiger, Bauer am Bielhof. Kaspar hatte 1772 in den Bielhof eingeheiratet, in dem er die verwitwete Anna Maria Wolf (geb. Köll) heiratete.
- Martin Geiger (*1749), Bauer am Scheftenhof. Martin hatte 1777 die Bauerswitwe Maria Groß (geb. Wacker) vom Scheftenhof geheiratet.
- Jakob Geiger (*1753), Wirt zu Pfaffmünster. Jakob hatte 1781 die Wirtswitwe Anna Maria Lermer von Münster geehelicht.
- Joseph Geiger (*1757), Müller auf der Scheftenmühl. Joseph hatte 1784 die Bauerstochter Katharina Schäffler von Thurasdorf b. Parkstetten geheiratet und die Scheftenmühle erworben.
- Johann Geiger (*1761), 22 Jahre, noch ledig.

 

Der jüngste Sohn Johann Geiger übernimmt 1788 den Hof und heiratet Theresia Wolf. Sie ist die Tochter seiner Schwägerin Anna Maria, verw. Wolf, geb. Köll aus ihrer ersten Ehe mit dem Bielhofer Bauern Georg Wolf.
Aus der Ehe gehen sieben Kinder hervor;
- Johann (*1789)
- Joseph (*1791)
- Anna Maria (1792-1800)
- Jakob (*1794)
- Lorenz (*1796)
- Joseph *1798)
- Maria Theresia (1800-1877), bleibt ledig

 

 

Geiger Hien Besitzer

 

 

Familie Hien

Am 16. März 1801 stirbt der Unterharthofer Bauer Johann Geiger mit 40 Jahren und hinterlässt die 32jährige Witwe mit den sechs kleinen Kindern.

Zwei Monate später ehelicht sie den 21jährigen Bauerssohn Martin Hien von Neudau.

Sechs Kinder kommen nochmals in der Ehe zur Welt.
- Martin Hien (*1802)
- Anna Maria (*1803)
- Maria Theresia Hien (*1804)
- Peter Hien (*1807)
- Maria Anna Hien (*1808)
- Mathias Hien (*1811)

 

1831 kann die Familie den Hof nicht mehr halten. Am 05.05.1831 verkaufen sie den Hof mit insgesamt 324 Tagwerk Grundbesitz an Johann und Katharina Groll.

Martin und Theresia Hien dürften nach dem Verkauf des Hofes das Wohnrecht für ihren Lebensabend behalten haben. 1842 sterben sie innerhalb von zwei Wochen in Unterharthof.

 

 

Familie Groll – der Hof wird zerschlagen

Michael Groll war der Sohn der Bauerseheleute Michael und Genofeva Groll von Kay.
Der 24jährige wollte die Bauerstochter Katharina Burgstaller von Metting heiraten, deren Eltern verweigerten jedoch ihre Einwilligung hierzu. Aufgrund des damaligen Ansässigmachungsgesetzes war es jedoch nur mit Grundbesitz möglich eine Heiratserlaubnis zu erhalten. Um schnell heiraten zu können, erwarb er kurzfristig ein Häusl auf dem Singberg und erhielt so von der Herrschaft in Steinach die Heiratserlaubnis. Er entführte in der Nacht seine Braut und ließ sich am 22.12.1830 mit ihr in Münster trauen. Der Vater der Braut kam mit seinem Protest zu spät.
Wenige Monate später kaufte Michael Groll jun. um 7.000 Gulden den Unterharthof, der damals 324,76 Tagwerk umfasste. Da er "nur" als Häusler heiratete, brauchte er bei der Hofmarksherrschaft in Steinach bei seiner Hochzeit nicht so viel Laudemium zu zahlen.

 

Groll Besitzer

 

 

Drei Kinder des Ehepaares sind bekannt:
- Michael Joseph (*1832) heiratete 1854 die Bauerstochter Katharina Petzkofer von Steinach und übernahm den Hof der Schwiegereltern in Steinach Nr. 30. 1863 tauschten sie den Hof gegen das Anwesen Nr. 55 in Thurasdorf b. Parkstetten ein. Später kauften sie sich in Aschham ein, verkaufen dort aber wieder und zogen nach Straubing.
- Katharina (*1833) heiratete Mathias Winzelmeier von Hacka b. Neukirchen
- Michael (*1835) heiratete 1859 die Wirtstochter Helena Klingeisen von Kirchroth und machte sich als Wirt in Unterzeitldorn anässig.

 

Der Unterharthof wird damals wie folgt beschrieben:
Wohnhaus und Pferdestall unter einem Dache, Rindvieh-, Schaf- und Schweinestallungen unter einem Dache, angebauter Getreidekasten und Backofen, Holzschupfe, Wurzgärtchen.
Dazu gehörte noch ein Zubauhaus mit Stallung unter einem Dach.

Groll zertrümmert den 325 Tagwerk großen Hof und verkauft diverse Grundstücke.

Den Restkomplex mit ca. 140 Tagwerk vertauscht er 1860 an die Bauerseheleute Joseph und Maria Haselbeck gegen deren Anwesen in Aholfing.

 

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 Die Hofstelle des ursprünglichen Unterharthofes
aufgenommen ca. 1960
Bild: Familie Haselbeck, Unterharthof

 

 

 

Der Unterharthof wird zertrümmert

 

Unterharthof Nr. 28 1/3 – heute Unterharthof Hs.Nr. 29, 30, 31

1857 verkaufen die Bauerseheleute Groll 28 Tagwerk an den Privatier und Geldspekulanten Birkl von Straubing. Der erbaut zwischen dem Unterharthof und Parkstetten ein neues Anwesen – Unterharthof Nr. 28 1/3

1858 erwirbt es der Gütlerssohn Jakob Richter von Parkstetten. Nach 16 Jahren zieht er mit seiner Familie nach Straubing

1874 wird Franz Xaver Bielmeier aus Englmar Besitzer, der mit der Stieftochter von Jakob Richter, Anna Maria Hiedl, verheiratet ist.

1878 erwerben Johann und Anna Wagner von Öbling das Anwesen

1890 tauscht es Georg Weber gegen sein Anwesen in Münster Nr. 50

1892 tauschen Jakob und Theresia Schmidmaier von Rutzenbach hierher

1896 erbt es der Sohn Johann Schmidmaier

1900 erwirbt es Johann Ankerl

1906 erwerben es Xaver Kapfer jun. und dessen Ehefrau Martha

 

Unterharthof Nr. 31 (Schmiedererwiese) – heute erloschen

1866 erwirbt Franz Eisenharter, ein Söldnerssohn von Parkstetten ca. 12 Tagwerk Grund und erbaut ebenfalls ein neues Anwesen – Unterharthof Nr. 31

1899 erben Xaver und Walburga Kapfer das Anwesen

1903 erwirbt es der Steinacher Schloss- und Gutsbesitzer Karl August von Schmieder und lässt das Haus abbrechen.

 

Unterharthof Nr. 32 (Schützenhaus) – heute Unterharthof Hs.Nr. 32

1880 baut der Gasthofbesitzer Schäfer von Straubing auf dem abgetrennten Holzgrund ein Wohnhaus zu dem 6 Tagwerk Grundbesitz gehören.

1886 ist ein Wolfgang Riedl der Eigentümer.

Schließlich erwirbt der Steinacher Schloss- und Gutsbesitzer Karl August von Schmieder auch dieses Haus. Es wird von verschiedenen Pächtern bewohnt.

Nach dem zweiten Weltkrieg geht auch dieses Haus an die Siedlungsgesellschaft, von der es die Familie Kapfer erwirbt.

 

 

 

Unterharthof Hs.Nr. 27 - Haselbeck

Die Familie Haselbeck war vorher in Aholfing ansässig.

Josef Haselbeck ist mit der Bauerstochter Maria Ankerl von Niederachdorf verheiratet.

Vier Kinder sind bekannt:
- Rosina (*1846) heiratet 1871 den Landwirt Georg Richter von Unterparkstetten
- Johann Baptist (1849-1929) heiratet 1872 in das Hösl-Anwesen in Münster Nr. 17 ein.
- Joseph Haselbeck (1852-1896) Bauer in  Unterharthof Nr. 27
- Franz Xaver Haselbeck (1854-1933) Bauer in Unterharthof Nr. 28

Joseph Haselbeck trennt den Hof für seine beiden jüngeren Söhne Joseph jun. und Franz Xaver.

 

1876 übernimmt Joseph Haselbeck jun. die Hofstelle des „Haupthofes“ Hs.Nr. 27 und ehelicht die Bauerstochter Katharina Englram von Alkofen.

Joseph sen. erbaut ca. 1876 ein neues Haus und trennte 18 ha vom ursprünglichen Unterharthof ab. 1887 übergibt er diese neue geschaffene Hofstelle (Unterharthof Nr. 28) an den jüngsten Sohn Franz Xaver Haslbeck.

 

 Haslbeck Besitzer

 

 

 

 

1 Mondschein Johannes, Die Ortsnamen der Straubinger Gegend, In:  Jahresbericht d. Hist. Vereins Straubing u. Umgebung 5. Jhg. 1902, Straubing 1903
2 Prinz Michael, Regensburg, Straubing, Bogen: Studien zur Mittelalterlichen Namenüberlieferung im ostbayerischen Donauraum 1. Unkomponierte Namen (Materialien zur bayerischen Landesgeschichte: 20), München 2007, S. 219
3 dito. (Urbar Windberg D, fol. 37r, 54v)
4 BayHStA München, Kloster Windberg Amtsbücher und Akten 157, fol. 11, Urbar des Klosters Windberg 1392
5 BayHStA München, Kloster Windberg Amtsbücher und Akten 404, fol 53, Briefprotokolle 1667-1667, Am 22.November 1666 verkaufen Wolf und Maria Scherer von Reibersdorf ihren „Hubbau aufm Hardt, das Khollische Hubbau genannt“ an Georg Pachmair und Wolf Enzendorfer, beide zu Unterparkstetten.
6 BayHStA München, KU Windberg, 55, 13.02.1322
Chvnrad der Wisentaer von Gmoss(1) beurkundet, dass Marchart sein Propst, dessen Bruder Heinrich, Laevtwein von Dechsendorf, Chvnrad der Gv{e}sterl und ihre Freunde ihre Ansprüche auf den Hof zu Hard(2) aufgegeben haben, sodass ihn das Kloster Winwerg als ledigen Hof haben mag. Taidinger: Chvnrad der iung Mair von Visscherdorf(3) und sein gswei Chvnrad der Snaeidaer von Strawbing(4) und V{e}lrich der Vogel auz dem Pv{e}treich.
7 BayHStA München, KU Windberg 58, 12.08.1327
8 BayHStA München, KU Windberg 60, 12.03.1330
9 BayHStA München, KU Windberg 284, 29.10.1403
10 BayHStA München, KU Windberg 294, 26.08.1404
11 BayHStA München, KU Windberg 317, 18.04.1407
12 BayHStA München, KU Windberg 449, 24.06.1437
13 BayHStA München, KU Windberg 603, 03.03.1467
14 BayHStA München, KU Windberg 656, 11.11.1475
15 BayHStA München, KU Windberg 777, 05.05.1499
16 BayHStA München, KU Windberg 877, 29.12.1523
17 BayHStA München, Kurbayern Geheimes Landesarchiv 1124, Grenz, Güter- und Volksbeschreibungen des Landgerichts Mitterfels, fol. 156‘
18 zuständig für die Zugtiere
19 Staatsarchiv Landshut, Regierung Straubing A5610, Die Gemeinde Rotham gegen die Dorfschaft Steinach wegen strittigen Blumbesuchs auf dem sog. Riebmoos 1545
20 BayHStA, Kloster Windberg Amtsbücher und Akten 5, fol. 362´, Kopialbuch des Kloster Windberg über urkunden, Privilegien, Freiheiten, Rezesse, Urteile, Vergleiche, Verträge, Kauf- und Donationsbriefe 1633 - 1756
21 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing B38, fol. 611, Salbuch Rentkastenamt Straubing 1579
22 BayHStA, Kloster Windberg, Akten und Amtsbücher 161, Zehntbuch des Klosters Windberg und seiner inkorporierten Pfarreien 1602
23 Fink Leo, Straubings Schwedenzeit, in Jahresbericht des Historischen Vereins für Straubing und Umgebung. 35. Jahrg. (1932), S. 44
24 BayHStA München, Kloster Windberg Akten und Amtsbücher 82, fol. 1, Geld- und Kastenrechnung des Windberger Klosterkastens zu Straubing 1663
15 BayHStA München, Kloster Windberg Amtsbücher und Akten 404, fol 53, Briefprotokolle des Klosters Windberg 1666-1667

 

Weitere Quellen:
StA Landshut, Grundsteuerkataster Unterzeitldorn Bd.7/45-1
StA Landshut, Grundsteuerkataster Unterzeitldorn Bd.7/45-13
BZAR Pfarrmatrikel der Pfarrei Kirchroth
BZAR Pfarrmatrikel der Pfarrei Sossau
BZAR Pfarrmatrikel der Pfarrei Pfaffmünster

Stand: 01.03.2024