Die Hafnersölde am Thonberg Hs.Nr. 65 - heute Echinger
1583/1623/1641: Die Hafnersölde an Tonberg – 1691: Hafner Sölde – 1760: Klein Häusl –
1808: Grieneißl Hof Hof Hs.Nr. 13 – ab 1838 Hs.Nr. 65
heute Hafnerstraße 6
von Claudia Heigl
Bei diesem Anwesen handelt es sich um eine uralte Hafnerei. 1583 besitzt Magdalena, die Witwe des Peter Hafner das Erbrecht auf dem Anwesen. Sie zahlt 3 Schilling 15 Regensburger Pfennig als Gilt. Allerdings führt sie kein Tegelgeld ab, wie es bei den anderen Hafnereien üblich war. Wahrscheinlich wird zu diesem Zeitpunkt das Hafnergewerbe von ihr nicht ausgeübt.1
1623 liegt das Erbrecht bei Michael Permair (ältere Schreibweise von Bergmaier).2 Das Häusl wird auf 5 Pfund Reg. Pfennige geschätzt.3
1641 besitzt Lorenz Pichl die „Hafner Sölde Am Tonberg“ auf Erbrecht.4
Ab etwas 1680 dürfte Sebastian Fuchs auf dem Anwesen gewesen sein. Er ist der Sohn des Wolferszeller Hafners Michael Fuchs und dessen Ehefrau Maria, geb. Ziflinger. Bei stammen ebenfalls aus Hafnersfamilien.
1682 heiratet er die Wirtstochter Margaretha Schink von Wolferszell.
Sieben Kinder kommen in der Ehe zur Welt:
- Maria (*26.02.1685)
- Mathias (*22.02.1687) heiratet 1711 in Steinach die Schneiderstochter Salome Dierlinger von Aiterhofen
- Walburga (*21.04.1689)
- Simon (*28.10.1691)
- Jakob (*05.07.1693)
- Martin (*11.11.1695)
- Ursula (*11.09.1697)
Fuchs gehört, wie alle Steinacher Hafner, der Hafnerzunft in Straubing an. In der Jahresversammlung der Hafnerzunft am 06.02.1687 in Straubing präsentiert er sein Meisterstück und wird von der Zunft damit als Meister zugelassen. Gleichzeitig stellt er bei der Versammlung seinen neuen Lehrjungen Georg Schink vor.4 Georg ist mit knapp 13 Jahren der jüngste Bruder seiner Ehefrau Margaretha.

1711 veräußern Sebastian und Margaretha Fuchs das Hafneranwesen in Steinach und werden als Hafnerseheleute in Ascha ansässig.
Als nächster Hafner kommt Georg Klein auf das Anwesen. Er heiratet im Januar 1712 Magdalena, die jüngste Tochter des Hafners Georg Grüneisl vom Nachbaranwesen Hs.Nr. 62.
Das Ehepaar hat sechs Kinder.
- Johann (*21.10.1712)
- Simon (*08.10.1716)
- Maria (*28.03.1719)
- Matthias (*20.02.1722 + 05.02.1774)) heiratet am 13.11.1747 in Roding die Wagnerstochter Ursula Jobst von Cham und wird als Hafner in Wetterfeld b. Roding ansässig.
- Maria Katharina (*06.11.1725)
- Lorenz (*03.08.1728)
Nachdem Sohn Matthias nach Wetterfeld zog, schien kein weiteres Kind die Hafnerei in Steinach übernommen zu haben.

1728 erwirbt Thomas Grüneisl, ein Neffe der Magdalena Klein, geb. Grüneisl, von Wolferszell Nr. 5 das Anwesen in Steinach.
Er geht eine Ehe mit der Steinacher Metzgerstochter Veronika Zeiler ein.
Die Hafnerin bringt fünf Kinder zur Welt.
- Michael (*02.02.1730) Hoferbe
- Ursula (*28.02.1732)
- Magdalena (*19.07.1735)
- Maria (*30.03.1738)
- Veronika (*16.04.1743) als Kind verstorben
Nach dem Tod des Vaters übernimmt Michael 1754 die Hafnersölde und heiratet die Bauerstochter Walburga Straßmayer von Eisenhart.
Das Ehepaar bekommt fünf Kinder:
- Simon (*14.03.1755)
- Maria Martha (*07.05.1756)
- Maria Theresia (*11.06.1758) heiratet 1793 den Häuslerssohn Jakob Billinger von Steinach Nr. 33 Beide sind von 1794 bis 1802 als Einwohner in Agendorf anzutreffen. Dort kommen vier Kinder zur Welt.
- Anna Maria (*02.02.1761)
- Sebastian (*03.08.1766), Hofnachfolger
Wie auch sein Vater übernimmt Sebastian nach dem Tod seines Vaters das Anwesen. Er heiratet die Bauerstochter Magdalena Fuchs vom Krähhof.
Neun Kinder kommen in der Ehe zur Welt, von denen drei im Kindsalter sterben:
- Walburga (*1792) heiratet 1828 den Hafner Franz Xaver Stiglbauer von Steinach Nr. 52
- Johann Georg (*1795) kauft 1816 das Austragshaus des ehemaligen Bergmaier-Hofes in Steinach und übt dort das Hafnerhandwerk aus.
- Joseph (*1798)
- Michael (*1799), Hofnachfolger
- Anna Maria (*1801)
- Maria (*1804)
Am 21.12.1825 übernimmt der jüngste Sohn Michael das Anwesen von seinem Vater. Drei Jahre später heiratet er die Baderstochter Katharina Hagenauer von Steinach Nr. 56.
Als Katharina im Alter von 31 Jahren an Nervenfieber stirbt, geht 1835 er erneute eine Ehe mit der Bauerstochter Maria Theresia Foidl von Steinach Nr. 14 ein.
Beide Ehen bleiben kinderlos.

Am 17.01.1844 verkaufen Michael und Theresia Grüneisl das Anwesen an die Hafnerseheleute Maier Mathias und Maria geb. Aid von Reisbach um 1.200 Gulden.6
Die Familie bleibt jedoch nicht lange in Steinach und zieht nach Ergoldsbach.
Ab 1848 Hafnersfamilie Echinger
Schließlich erwirbt Jakob Echinger von Münster am 14.09.1848 das Hafneranwesen um 1.250 Gulden.
Jakob ist der Sohn der Häuslersehepaar Echinger Johann Georg und Anna Maria, geb. Foidl von Münster Hs.Nr. 50. Die Familie Echinger stammt ursprünglich aus Steinach. Sein Ur-Ur-Großvater Georg Echinger war 1701 als Schuster in Steinach Nr. 66, also dem Nachbaranwesen ansässig. Und der erste bekannte Vorfahre der Familie, Christopher Echinger (1619-1684), wird 1642 als Tagelöhner in Steinach genannt. Ältere Schreibeweise des Namens ist auch Ehinger, Echünger, Eginger.
Zu diesem Zeitpunkt gibt es noch das sog. „Ansässigmachungsgesetz“. In Steinach bedeutete das, dass sich ohne Zustimmung des Hofmarksherren (Patrimonialgericht) niemand im Dorf niederlassen durfte.
Die Zustimmung war an bestimmte Voraussetzungen geknüpft, wie z.B. guter Leumund, Vermögen, gesichertes Einkommen usw.
Im Staatsarchiv Landshut liegt hierzu noch die Akte „Ansässigmachungsgesuch des Jakob Echinger, Hafnergeselle und Häuslerssohn von Münster“ vor.7
In dieser umfangreichen Akte finden wir die Dokumente zu diesem Vorgang.
1. Protokoll den Verkauf des Mathias Mayer‘schen Hafneranwesens an Jakob Echinger und dessen Ansässigmachungsgesuch
2. Taufzeugnis des Kath. Pfarramts Münster
3. Schulzeugnis über Besuch der Werktagsschule
4. Zeugnis über den Besuch der Feiertagsschule
5. Zeugnis über genossenem Religionsunterricht
6. Schutzpockenimpfungsschein
7. Militärabschied
8. Lehrbrief
9. Prüfungszeugnis
10. Leumundszeugnis
11. Elterngutszeugnis
12. Protokollsextrakt des K. Kreis- und Stadtgerichts Straubing, Vermögensausweis
13. Hypothekenbrief über 100 Gulden
14. Zeugnis des K. Landgerichts Straubing über das Vermögen der Häuslerstochter Guß von Schwimmbach
15. Signatur an die Gemeindeverwaltung und Lokalarmenpfleger Steinach
16. Erklärung der Gemeindeverwaltung Steinach
17. Dekret der Ansässigmachung betreffen
18. Bericht an das K. Landgericht Straubing
19. Schreiben des K. Landgericht Straubing mit Abschriften des Dekrets an Jakob Echinger wegen Verehelichung
20. Protokoll Verehelichungsgesuch mit vier Beiliegen und Dekret.
Aus dieser Akte können wir auch entnehmen, dass Jakob Echinger am 23. April des gleichen Jahres bereits seine Meisterprüfung bestanden hat.
Zwei Tage vor dem Kauf hat er die Häuslerstochter Elisabeth Guß von Schwimmbach in Straubing geehelicht.
Zwei Söhne gehen aus der Ehe hervor:
- Jakob (*1849)
- Karl (1851-1854), ertrunken
Jakob Echinger verkauft seine Erzeugnisse fest in Straubing und nicht nur an den Markttagen.
Im Oktober 1863 bewilligt der Stadtrat Straubing die Errichtung einer Niederlage des Steinacher Hafners Jakob Echinger bei dem Hausbesitzer Nikolaus Rothhammer in Straubing[8] und im März 1866 bei dem Inwohner Anton Reichender in Straubing. 9
1878 übernimmt der einzige überlebende Sohn Jakob das Anwesen von den Eltern und heiratet die Bauerstochter Helena Hilmer von Bärnzell.
Sieben Kinder kommen in der Ehe zur Welt:
Die ersten drei Kinder sterben an der gefürchteten Kinderkranheit „Fraisen“, Tochter Maria an Abzehrung.
- Jakob (*+1880)
- Helena (1881-1882)
- Kreszenz (*+1881)
- Joseph (1883-1915), Hafner
- Maria (1885-1888)
- Berta (1886-1924), unverheiratet
- Karl (1889-1972), Hafner
Jakob ist der letzte Hafner dieses uralten Gewerbes in Steinach. Lt. Aussage der Familie wird 1880 die Hafnerwerkstatt aufgegeben und nur noch die Landwirtschaft betrieben.
Sohn Joseph übernimmt 1913 das Anwesen und geht eine Ehe mit der Bauerstochter Karolina Dietl von Agendorf Nr. 37 ein.
Eine Tochter kommt in der Ehe zur Welt:
Maria (*1914) heiratet 1936 Alfons Bielmeier von Steinach Nr. 35
1915 fällt der 32-jährige im 1. Weltkrieg bei einem Gefecht in Fromelles/Frankreich.
Die Witwe heiratet nach dem Krieg den Bruder ihres Ehemannes, Karl Echinger.
Aus der Ehe gehen nochmals vier Kinder hervor, von denen zwei Söhne wieder Opfer des Krieges werden:
- Karl (1920-1943) gefallen im 2. Weltkrieg
- Joseph (1921-1945) gefallen im 2. Weltkrieg
- Jakob (1922-2016), Hoferbe
- Therese (1925-2017) heiratet Max Simmel von Steinach Nr. 33
Karl Echinger hat das Sattlerhandwerk erlernt.
Nach Kriegsende wurde er von der amerikanischen Besatzung als Bürgermeister eingesetzt, und hatte die schwierige Aufgabe die ankommenden Kriegs-Vertriebenen in der Gemeinde unterzubringen. Außerdem hatte er 40 Jahre das Amt des Kirchenpflegers inne.

1 Schlicht Josef, Die Geschichte von Steinach, 1908, „Stift-, Kasten- und Salbuch über Schloß und Hofmarch Steinach 1583“
2 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Untertanen der Hofmark Steinach 1623
3 StA Landshut, Landschaft Unterlands Bd 1183, Steuerregister der Hofmarksuntertanen Steinach 1623
4 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P59 III, fol.451‘ Legitimation zu einer Erbschaft vom 09.11.1664
5 StA Landshut, Landschaft Unterlands Bd 1183, Steuerregister der Hofmarksuntertanen Steinach 1623
6 StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127), Sig. 17/42-4, Umschreibehefte zum Urkataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1 – 72, 1843-1859
7 StA Landshut, Patrimionalgerichte 4469
8 Straubinger Tagblatt Nr. 250 vom 25.10.1863
9 Straubinger Tagblatt Nr. 71 vom 25.03.1866
Weitere Quellen:
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 248, Konskription der Untertanen der Hofmark Steinach 1752
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 514, Hofanlagsbuch der Hofmark Steinach 1760
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B79, Umschreibebuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokolle der Steuergemeinde Steinach von 1838
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127) 10579, Umschreibehefte zum Urkataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1 – 72, 1843-1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127 10583, Umschreibehefte zum 1. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 56 - Ende, 1859 – 1906
BZAR Regensburg, Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach
Veröffentlicht: 02.01.2026
