Das Nickl-Anwesen Hs.Nr. 51
heute Bärnzeller Str. 3
von Claudia Heigl
Der Straßenverlauf beim nördlichen Dorfausgang nach Bärnzell war bis Mitte des 19. Jahrhunderts noch etwas anders und machte nach der Hierl-Schmiede (später Edenhofer) einen Schlenker. Zusätzlich gab es noch einen Verbindungsweg vorbei am heutigen Fuchssteiner-Anwesen, Seidlgasse genannt.
Erst mit der Teerung der Bärnzeller Straße wurde die Straße begradigt, etwas nach Westen verlegt und führt heute westlich des Denk-Anwesens vorbei. Der Verbindungsweg wurde aufgelöst.
Vergleich 2024 und 1939
Quelle: Vermessungsamt Straubing, Ortskarte Steinach 187 h
Luftaufnahme aus dem Jahr 1962 mit dem alten Straßenverlauf
Quelle: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach NEG-STEI_18, Luftbildverlag Bertram
Aufnahme von Oktober 1973 mit dem neuen Straßenverlauf
Quelle: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach NEG-STEI_41, Luftbildverlag Bertram
Bei diesem Anwesen dürfte es sich um das „Fuchswebergütl“ gehandelt haben, das bereits 1583 im alten Salbuch der Hofmark Steinach aufgeführt wird.
Ein Fuchsweber Georg hatte darauf Erbrecht und bezahlte an Gilt 3 Schilling und 10 RegensburgerPfennige.1
1623 wird der „Georg Sündhueber, Weber am Tanperg“ auf der „Wolf Weber Sölde“ genannt. Er besitzt ein "bloßes Söldenhäusl" auf Erbrecht, dass mit 10 Pfund Regensburger Pfennige bewertet wird. Dazu zahlt er noch für eine Kuh Steuer. 2 3
1641 besitzt ein Martin Günzkhover das Erbrecht auf der "Sindthueber Sölde".4
In den Sterbebüchern von Steinach ist am 24.03.1642 der Tod einer Anna Ginzkhover eingetragen.
Der Weber Martin Ginzkhover stirbt am 31.12.1645 und zwei Tage später wird eine Margaretha Ginzkhover zu Grabe getragen.5
Als nächster Besitzer dieses Häusler-Anwesens ist ab ca. 1678 der Weber Wolfgang Schmidbauer bekannt. Er war zuerst in Agendorf Nr. 39 (heute Mitterfelser Str.5, Leibl ) ansässig, bevor er nach Steinach zog.
Wolfgang war insgesamt viermal verheiratet. Nur aus der zweiten Ehe mit der Schusterstochter Margaretha Wörl von Wolferszell sind vier Kinder bekannt, die noch in Agendorf geboren wurden:
- Paul (* 18.01.1668) 1684 stellt ihn der Hafner Georg Schuhbauer von Wolferszell als Lehrjungen an.1
- Johann (*19.06.1670)
- Maria (*24.04.1674)
- Georg (*21.02.1677)
16912 wird die Sölde als „Schmidhubersölde“ bezeichnet und 16993 auf 10 Pfund Regensburger Pfennige geschätzt. Dafür zahlt Wolfgang Schmidbauer 4 Reg.Pfg. Steuer und von einer Kuh noch 1 Schilling 5 Denar.
Tochter Maria übernimmt 1707 das elterliche Anwesen „am Danberg“ und heiratet den Bauerssohn Johann Thurmayer vom Thanhof.
Ab 1694 sind die Schusterseheleute Georg und Magdalena Seidl in Steinach ansässig. Ihre Herkunft ist nicht nachgewiesen. Jedoch könnte Georg ein Sohn der früh verstorbenen Bauerseheleute Simon und Magdalena Seidl von Bärnzell Nr. 1 gewesen sein.4
Das Ehepaar hat sieben Kinder.
- Georg (*12.04.1694) heiratet 1716 und wird als Schuster in Steinach Nr. 9 sesshaft.
- Maria (*27.12.1695)
- Johann Georg (*23.04.1697), Hoferbe
- Walburga (*23.04.1697)
- Martin (*04.11.1698)
- Georg (*03.09.1701)
- Maria (*27.03.1709)
Das Anwesen übernimmt 1722 Sohn Johann, der die Bauerstochter Anna Fuchs von Steinach zur Ehefrau nimmt.
Aus der Ehe gehen acht Kinder hervor, von denen nur von Sohn Joseph der weitere Lebensweg bekannt ist. Mindestens vier Kinder sterben im Kindsalter.
- Sebastian (*1724)
- Joseph (*1727) heiratet 1751 in Steinach die Söldnerstochter Maria Wirth von Mitterfels und wird als Schuster in Pichsee ansässig.
- Maria (*1730)
- Anna (*1732)
- Katharina (*1737)
Nach Anna 1741 im Alter von 41 Jahren stirbt, heiratet der Witwer die Halbbauerstochter Ursula Heitzer von Ascha, die ihm nochmals drei Kinder schenkt:
- Andreas (*1742), Hoferbe
- Magdalena heiratet 1790 den Häuslerssohn Lorenz Heimisch, der aus Workerszell /Landgericht Eichstätt stammt.
Der jüngste Sohn Andreas übernimmt ca. 1765 das Anwesen und verehelicht sich mit Katharina Pummer von Münster Nr. 53.
Tochter Katharina (*1775) heiratet 1812 den Tagelöhner Jakob Dirnfeldner von Gschwendt
Sohn Michael übernimmt 1806 das elterliche Anwesen und übt ebenfalls das Schusterhandwerk aus. Als Ehefrau nimmt er Theresia Hilmer von Rammersberg.
Tochter Maria verehelicht sich mit Georg Heigl von Aiterhofen und übernimmt 1847 mit ihrem Ehemann das Schusteranwesen.
1864 errichtet das Ehepaar auf dem Nachbargrundstück ein neues Haus (heute Denk) und veräußert das alte Haus an das Ehepaar Joseph Kerscher und Cäcilia, geb. Trimpl von Euersdorf.
Zunächst übernimmt 1870 Tochter Therese Kerscher das 1,6 Tagwerk große Gütl. Ein Jahr später kauft es ihr Bruder Joseph (*1834) um 1700 Gulden zurück.
Therese heiratet 1872 den Gütlerswitwer Joseph Bauer von Gschwendt.
Ein weiterer Bruder Jakob Kerscher (*1848) kauft mit seiner Ehefrau Maria Grundstücke, als der Unger-Hof in Unterniedersteinach zerschlagen wird und errichtet in Unterniedersteinach ein neues Anwesen. (heute Brandl).
Joseph ist seit 1869 mit Anna Maria Kraus von Riedhof verheiratet.
Das Ehepaar hat neun Kinder, von denen vier das Erwachsenenalter erreichen:
- Maria (1872-1946) bringt 1894 einen unehelichen Sohn namens Franz Xaver zur Welt. Vater ist der Tagelöhner Joseph Seibert vom Sackhof. Die Nachfahren von Franz Xaver Kerscher leben heute in Bolivien und besuchten Steinach 2019.5
1903 heiratet Maria den Gütler Michael Berger von Steinach und bringt nochmals zehn Kinder zur Welt.
- Helena (*1874)
- Anna (*1876)
- Joseph (*1885) heiratet 1910 in Straubing/St. Jakob Elisabth Hobmeier und wird Fuhrknecht in München.
1907 erwirbt der Postbote Josef Nickl mit seiner Ehefrau Maria, geb. Sieber das Haus.
1939 übernimmt es Sohn Josef, der die Landwirtstochter Maria Hauser von Moos heiratet.
aufgenommen 2019
Bild: Claudia Heigl
Nach dem Tod des letzten Nickl-Bewohners wurde das Haus verkauft und 2024 abgerissen.
1 Schlicht Josef, Die Geschichte von Steinach, 1908, „Stift-, Kasten- und Salbuch über Schloß und Hofmarch Steinach 1583“
2 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Untertanen der Hofmark Steinach 1623
3 StA Landshut, Landschaft Unterlands Bd 1183, Steuerregister der Hofmarksuntertanen Steinach 1623
4 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Gilt und Ausstandregister der Untertanen zu Steinach 1641
5 BZAR Pfarrei Steinach Band 11 S. 29
6 Stadtarchiv Straubing, Rep. II, Abt. 1dd1, Nr. 15, Protokollbuch der Hafner, An der Jahrtagsmesse am 19.03.1684 der Hafnerzunft in Straubing stellt Georg Schuhbauer Hafner zu Wolferszell den neuen Lehrjungen Paul, Sohn des Wolf Schmidtpaur, Leinweber zu Steinach vor
7 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Stiftregister der Hofmark Steinach 1691
8 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Landsteuer der Hofmark Steinach 1699
9 Georg wäre demnach am 17.04.1667 in Bärnzell geboren. Beim Tod seiner Eltern war er erst 13 Jahre alt. Seine Vormünder waren Hans Thurmayer von Thanhof und Georg Hien von Niedersteinach. Quelle: StA Landshut, Pfleggericht Mitterfels , P10, fol 35 Einfacher Vertrag vom 26.04.1681
10 Straubinger Tagbaltt vom 12.10.2019, Auf Spurensuche
Weitere Quellen:
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 248, Konskription der Untertanen der Hofmark Steinach 1752
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 514, Hofanlagsbuch der Hofmark Steinach 1760
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B79, Umschreibebuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokolle der Steuergemeinde Steinach von 1838
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127) 10579, Umschreibehefte zum Urkataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1 – 72, 1843-1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127) 10582, Umschreibehefte zum 1. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1 – 55, 1859 – 1906
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127 10586, Umschreibehefte zum 2. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1-65, 1906 – 1960
BZAR Regensburg, Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach
Stand: 01.04.2025
Das Denk-Anwesen Hs.Nr. 47 ½
heute Bärnzeller Str. 2
von Claudia Heigl
Dieses Grundstück gehörte usprünglich zum sog. Seidl-Anwesen Hs.Nr. 51 an der Bärnzeller Straße.
1846 heiratete Georg Heigl von Aiterhofen die Seidl-Tochter Maria.
1864 errichtete das Ehepaar Maria und Georg Heigl ein neues Haus und veräußerte das alte Haus an das Ehepaar Joseph Kerscher und Cäcilia, geb. Trimpl von Euersdorf.
Nach dem Tod des Ehemannes verkaufte Maria Seidl das Haus 1876 an den Schneider Michael Heindl um 1.285 Mark. Ein Jahr später verkaufte dieser es jedoch weiter an Sebastian Färber und dessen Ehefrau Anna geb. Billinger, und übernahm im Gegenzug sein Elternhaus in der Götzstraße 8 (ehemals Hs.Nr. 28, später Arbeiterhaus).
Sebastian Färber war ein unehelicher Sohn der Söldnerstochter Katharina Färber1 von Steinach Nr. 53.
Nach dem Tod von Sebastian verkaufte die Witwe das Haus im Jahr 1909 für 1.800 Mark an Dominikus Lang aus München.
Am 30.01.1914 erwarb der Zachersdorfer Austragsbauer Johann Alt das Haus um 2.500 Mark, der jedoch nach sieben Monaten verstarb.
Seine Tochter Maria Alt erbte das Anwesen und verkaufte es 1920 an den Söldnerssohn Ludwig Handwerker aus Schwarzholz. Dieser heiratete die Schusterstochter Sofie Kirmer aus Steinach und arbeitete als Gemeindesekretär in Steinach.
1934 erwarb das Ehepaar Handwerker einen Bauplatz von Georg und Maria Landstorfer und errichtete darauf einen Neubau (Hausnummer 102, heute August-Schmieder-Str. 45).
Am 22.08.1935 verkauften Ludwig und Sofie Handwerker das Haus für 1.900 Goldmark an Peter (1900-1978) und Maria Fischer (1894-1973).
Aufnahme von Oktober 1973 mit dem neuen Straßenverlauf
Quelle: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach NEG-STEI_41, Luftbildverlag Bertram
Durch Heirat änderte sich später der Familienname auf Denk.
1 Katharina (*1809) war die Tochter der Söldnersheleute Jakob Fäber und Katharina geb. Spießl von Steinach.
Weitere Quellen:
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127) 10582, Umschreibehefte zum 1. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1 – 55, 1859 – 1906
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127 10586, Umschreibehefte zum 2. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1-65, 1906 – 1960
BZAR Regensburg, Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach
Stand: 20.03.2025
Das Hösl-Gütl Hs.Nr. 17
heute mit Chorherrenstr. 3 zusammengelegt
von Claudia Heigl
Dieses Haus stand unterhalb des Wirtshauses und wurde 1886 mit dem heutigen Luttner-Anwesen zusammengelegt.
1886 wurde das Haus vom Nachbarn Färber erworben und mit der Hs.Nr. 16
zusammengelegt.
Uraufnahme aus dem Jahr 1827
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München
Als erster Besitzer des Hauses ist ein Andreas Gaßner bekannt. Der Weberssohn heiratete 1668 die Münsterer Söldnerstochter Anna Spießl vom Fuchsgütl Hs.Nr. 29.
Das Ehepaar bekommt neun Kinder, von denen nur bei zwei der weitere Lebensweg bekannt ist:
- Sohn Andreas (*1670) heiratet 1697 eine Katharina und wird Tagelöhner in Münster
- Tochter Maria (*1673) übernimmt das Gütl
1685 zahlt Andreas an das Kollegiatstift Straubing folgende Abgaben1
- vom Haus 8 Kreuzer 4 Heller
- 15 Eier
- 1 Henne
- 2 Rauchsemmel
- vom Krautgarten 25 Kreuzer 5 Heller
1695 heiratet Tochter Maria den verwitweten Sebastian Otterbacher und übernimmt das Haus von den Eltern.
Sieben Kinder gehen aus der Ehe hervor, von denen vier im Kindsalter sterben:
- Apollonia (1697-1762), Erbin
- Maria (1705-1782) heiratet 1711 den Kramer Johann Joseph Götz von Münster Nr. 16
- Jakob (*1710) wird 1747 als Nachtwächter und Bürger in Straubing genannt.
1731 übernimmt Tochter Apollonia und ihre Bräutigam Andreas Türck das Haus mit dem Krautgarten.
Andreas ist Zimmermann und stammt von Buchhausen bei Schierling.
20 Jahre bleibt das Ehepaar auf dem Anwesen, dann verkaufen sie 1751 die Erbrechtsbehausung mit Stadl, Stall und Garten und den Krautgärtl an Sebastian Bergmayr von Unterzeitldorn und seiner Braut Eva Mauerer von Klingau.2
Die Familie Türck erwirbt im Gegenzug den Helmberghof bei Münster.
Bereits nach zwei Jahren verkaufen die Bergmayr das Haus wieder am 15.11.1755 an Georg und Walburga Hitzinger von Steinach.3
Das Ehepaar hat acht Kinder, von denen alle in Steinach geboren wurden. Zwei sterben bereits im Säuglingsalter.
- Mathias (1739-1818), ist zunächst Schreiner in Steinach und erwirbt 1771 das alte Agsteiner-Anwesen in Münster Nr. 6
- Anna Maria (1743-1809), Hoferbin
- Eva (*1744)
- Ursula (1748-1807) heiratet 1793 den Witwer und Weber Wolfgang Rösl von Steinach Nr. 31
- Johann (*1751)
- Jakob (*1755)
1762 vermählt sich Tochter Anna Maria mit dem Schusterssohn Bartholomäus Hösl von Untermiethnach und übernimmt das Anwesen.
Es folgt 1789 Sohn Sebastian Hösl, der mit Walburga Schmucker von Münster Nr. 24 verheiratet ist und 1842 Sohn Joseph Hösl. Dieser nimmt die Bauerstochter Katharina Pellkofer von Wolferszell Nr. 9 zur Ehefrau.
1872 übernimmt Johanna Hösl das Haus von der Mutter. Sie geht eine Ehe mit dem Bauerssohn Johann Haselbeck von Unterharthof ein.
Am 21.04.1873 verkaufen Johann und Johanna Haselbeck das Haus an Klingeis Wolfgang und Theresia, geb. Speiseder. Im Gegenzug erwerben die Haselbeck’s das sog. Duschl-Gütl Hs.Nr. 39. Die vorhandenen Grundstücke (6,5 Tagwerk) werden mit auf das neue Anwesen übertragen.
Fünf Besitzer in drei Jahren
Am 24.04.1883 tauschen Wolfgang u. Therese Klingeis ihr Haus mit Josef Moosmüller gegen dessen Anwesen Nr. 55 (Tassilostr. 14) in Münster.
Am 01.05.1883 kaufen Josef und Babette Schleinkofer das Anwesen mit 1,42 ha.
Am 01.05.1884 erwerben Peter und Maria Groß das Anwesen.
Am 12.03.1886 kauft Peter Sieber das Haus.
Schließlich erwirbt am 29.05.1886 der Nachbar Florian Färber das Haus und bricht es weg.
Damit erlischt die alte Hausnummer 17 und das Grundstück wird mit dem Haus Nr. 16 vereinigt.
1 BayHStA München, Straubing Kollegiatstift St. Jakob und Tiburtius KL 3, Zins- und Stiftbuch, fol. 140
2 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 645 I, fol.179‘ Kaufbrief 200 fl 30.09.1751
3 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 645 II, fol.266‘ Kaufbrief 222 fl 15.11.1755
Weitere Quellen:
BayHStA München, KL Straubing Kollegiatstift St. Jakob und Tiburtius 3, ins- und Stiftbuch 1685
BayHStA München, Hofanlagsbuchhaltung 248, Steuerkonskription der Hofmark Münster 1752
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser u Rustikalsteuerkataster Münster incl Steinach rev Duplikat 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B79, Umschreibbuch zum Häuser und Rustikalsteuerkataster Münster incl Steinach 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokoll der Steuergemeinde Münster von 1838
StA Landshut, Grundsteuerkataster 10279, Umschreibehefte Münster Hs.Nr. 3-59 von 1843 – 1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster 10283, Umschreibehefte Münster Hs.Nr. 1 - 69 von 1859-1893
Bischöfliches Zentralarchiv Regensburg, Pfarrmatrikel Pfaffmünster
Stand: 06.01.2025
Die Amann-Handlung Hs.Nr. 69
ab 1890 Hs.Nr. 51, heute Bergstr. 1
von Claudia Heigl
Auf dem Grundstück stand ursprünglich das Ausnahmhaus vom sog. Kirschnerhofes Hs.Nr. 30, der sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite (Bergstr. 2) befand.
Als Michael Brandl, der Besitzer des Kirschnerhofes, 1836 den Hof zerschlug und alle Grundstücke verkaufte, erwarben Michael und Barbara Agsteiner das ehemalige Ausnahmhaus des Hofes um 300 Gulden. Dazu gehörte noch eine Schupfe und ein Backofen.
Das Ausnahmhaus des Kirschnerhofes erhielt die Hs.Nr. 69
Ortskarte Münster Nr. 186c
Quelle: Vermessungsamt Straubing
Die Agsteiners hatten 1824 ihr eigenes Gütl (Hs.Nr. 43, Tassilostr. 9) bereits an ihren Sohn Georg übergeben und nutzen das Haus nun selbst als Ausnahmhaus.
Mit ihnen zieht ihre Tochter Anna Maria mit in das Haus.
Nach dem Tod der Eltern heiratet Anna Maria Agsteiner 1846 Georg Rosenhamer von Landorf.
1855 erwirbt der Schneider Wolfgang Ströbl von Pondorf das Haus.
1868 wird das Anwesen versteigert und die Schusterstochter Margaretha Seidl von Ascha bekommt den Zuschlag. 1869 heiratet sie den Schneider Kaspar Gregori von Münster.
1895 erwerben Wolfgang und Franziska Hauser das Haus. Beide richten in dem Haus eine Kramerei ein.
1901 finden wir Max und Maria Grimm als neue Hausbesitzer, die es aber bereits ein Jahr später an Ulrich und Therese Zäch weiterveräußern.
1904 kauft der Hausmeister Max Amann aus Straubing das Haus. Er stammt von Obermiethnach und heiratet noch im gleichen Jahr Karolina Gmeinwieser von Niederwinkling.
Beide betreiben in dem Haus weiterhin die Kramerei.
Die Handlung von Amann
Ausschnitt aus einer Ansichtskarte, gelaufen ca. 1908
Quelle: Historischer Verein Straubing
1911 tauschen sie mit dem Darlehenskassenverein Münster ihr Haus gegen ein neues größeres Anwesen in Münster (Hs.Nr. 32, heute Bergstr. 6).
Das Kramerhaus erwerben Johann und Franziska Färber, die vorher auf dem Obermeier-Anwesen wohnten (Hs.Nr. 20 1/2, heute Obermeier Str. 6).
Nach dem Tod von Johann Färber kommen in kurzer Zeit nochmals drei Besitzer auf das Haus:
April 1926: Josef und Johann Knoll
September 1926: Wolfgang und Kreszenz Brunnhauser
Juni 1927: Hedwig Knott
Die neue Eigentümerin erweitert das Wohnhaus und erhöht es um ein Stockwerk.
Bergstr. 1
aufgenommen im Juli 2023
Bild: Claudia Heigl
Quellen:
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokoll der Steuergemeinde Münster von 1838
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser u Rustikalsteuerkataster Münster incl Steinach rev Duplikat 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B79, Umschreibbuch zum Häuser und Rustikalsteuerkataster Münster incl Steinach 1814-1843
StA Landshut, Grundsteuerkataster 10280, Umschreibehefte Münster Hs.Nr. 60 bis Ende von 1843 – 1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster 10283, Umschreibehefte Münster Hs.Nr. 1 - 69 von 1859-1893
StA Landshut, Grundsteuerkataster 10288, Umschreibehefte Münster Hs.Nr. 1 - 82 von 1893 – 1960
Bischöfliches Zentralarchiv Regensburg, Pfarrmatrikel Pfaffmünster
Stand: 06.01.2025
Das Kramergütl mit realer Kramergerechtigkeit Hs.Nr. 16
ab 1890 Hs.Nr. 22, heute Chorherrenstr. 8
von Claudia Heigl
Die Besitzer auf diesem Anwesen unterhalb des Wirtshauses, in dem bis Anfang 1900 eine Kramerei war, können bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgt werden.
1886 wurde das ehemalige Hösl-Gütl Hs.Nr. 17 mit dem Haus zusammengelegt.
Das Kramergütl Hs.Nr. 16
Uraufnahme1827
Quele: Bayernatlas, Vermessungsverwaltung München
1667 verkauft Thomas Haimerl, Bauer auf dem Harthof, seine Erbrechtsbehausung zu Münster an Balthasar Lackenbauer um 110 Gulden.1
Seine Tochter Katharina mit ihrem Ehemann Wolfgang Sternbauer übernehmen 1673 die „Erbrechtsbehausung mit Stadl und Garten“ um 110 Gulden.2
Wolfgang Sternbauer stammt von Mehrnbach, das liegt im Innkreis, Niederösterreich. Seine Eltern, Balthasar und Susanna Sternbauer, waren dort Bauerseheleute auf dem Sternhof.
1685 ist erstmals eine Kramerei auf den Anwesen nachgewiesen:
Der Weber Wolf Sternbauer zahlt an das Kollegiatstift Straubing folgende Abgaben:3
- vom Haus 10 Kreuzer
- vom Essighandel 1 Schilling
- vom Kramladen 1 Schilling
Katharina Sternbauer bringt acht Kinder zur Welt:
- Margaretha *1674
- Mathias (1677-1693)
- Agatha (1679-1680)
- Paul (*1681)
- Agatha (*1683), Hoferbin
- Georg (1686-1690)
- Mathias (*1688)
- Katharina (*1691)
Wolfgang Sternbauer verdient seinen Lebensunterhalt als Weber, während die Handlung vermutlich dazu beträgt, das Familieneinkommen noch zusätzlich aufzubessern.
Nach seinem Tod übergibt die Witwe 1707 den Hof an ihre Tochter Agatha und deren Ehemann Vitus Götz von Zisterau. Die beiden minderjährigen Kinder Mathias und Katharina erhalten ebenfalls ihren Erbteil.4
1741 übernimmt der Sohn Johann Joseph Götz das Anwesen und heiratet Maria Otterbacher, die Tochter eines Häuslers aus dem Nachbarhaus. Da die Ehe kinderlos bleibt, verkauft das Paar 1781 die Behausung samt Kramergerechtigkeit an Georg Löffler, einem ehemligen Braumeister aus Irlbach und dessen Ehefrau Anna.5
Georg Löffler stammte aus Buchhof bei Haselbach und hatte 1765 in Irlbach Maria Anna La Roi geheiratet. Der Vater der Braut, Johann Ludwig La Roi, war Koch beim Grafen von Santini, General und Gouverneur von Ingolstadt.
Georg, der als Braumeister in der Brauerei Irlbach angestellt gewesen war, zieht im Alter nach Münster. Neben der Kramerhandlung scheint Löffler auch noch Bier ausgeschenkt zu haben, da er auch als Schankwirt bezeichnet wird.
1786 stirbt er ehemalige Braumeister und die Witwe ehelicht den ebenfalls verwitweteten Einwohner Johann Georg Kamerl vom Sandhof.
Auch er scheint den Bierschank übernommen zu haben, da das Ehepaar bei den jeweiligen Sterbeeinträgen als Schankwirte bezeichnet werden.
Maria Annas Tochter aus erster Ehe, Anna Maria Löffler heiratet 1789 den Häuslerssohn Johann Michael Musi von Münster und übernimmt den Kramerladen.
Die junge Frau schenkt zwei Kindern das Leben, von denen nur die Tochter Maria Theresia (1790-1819) überlebt. Die junge Frau stirbt unverheiratet mit 28 Jahren an „Brand“.
Nach fünf Ehejahren stirbt die 26-jährige Anna Maria Musi, und der Witwer heiratet die Bauerstochter Anna Maria Schirmbrand aus Agendorf. Diese Ehe bleibt kinderlos
Nach dem Tod von Michael Musi geht Anna Maria Musi 1833 nochmals eine Ehe mit dem ebenfalls verwitweten Johann Michael Prommersberger von Münster ein, nachdem dieser seinen Hof in Münster (Hs.Nr. 27, Weiherstr. 1) an seinen Sohn übergeben hat.
1838, nach dem Tod ihres zweiten Ehemannes, übergibt Anna Maria Prommersberger das Kramergütl samt Holzgrund und Kramergerechtigkeit an ihren Neffen Martin Färber aus Agendorf.
Martin hat mit der Müllerstochter Theresia Solleder von der Aichmühl bereits zwei voreheliche Kinder und bekommt nun die Heiratserlaubnis.
Weitere fünf Kinder kommen in der Ehe zur Welt, davon stirbt eine Tochter im Säuglingsalter. Der älteste unehelich geboren Sohn, war ebenfalls kurz nach der Geburt gestorben.
- Joseph (1827-1899) Häusler in Münster Nr. 67, später Hs.Nr. 91
- Karolina (*1839)
- Franz Xaver (1841-1878) stirbt unverheiratet mit 37 Jahren an der Lungensucht
- Johann Baptist (1843-1926), Häusler in Münster Nr. 20 ½
- Florian (1845-1898), Hoferbe
Nach dem Tod der Eltern erben die Kinder den Besitz.
1875 übernimmt der jüngste Sohn Florian von seinen Geschwistern den Kramerladen und den gemeinschaftlichen Besitz mit 7,4 ha Grund und ehelicht die Halbbauerstochter Helena Weber von Wolferszell.
Gemeinsam erweitern durch Zukauf den Besitz nochmals auf 17,493 ha.
1886 erwerben sie das Nachbarhaus (Hs.Nr. 17) und können so den Hofraum vergrößern.
Nach Florians Tod wirtschaftet die Bäuerin alleine weiter. 1910 tauscht Helena Färber das alte Kramerhaus im Dorf gegen die großzügigere Hofstelle des Geithen-Hofes Hs. Nr. 2 (Obermayerstr. 2) mit dem Darlehenskassenverein.
Der vorhandene Grundbesitz wird auf den neuen Wohnsitz Hs.Nr. 2 übertragen.
1911 kaufen Lorenz und Karolina Haslbauer das Haus zusammen mit mehreren Grundstücken von der Darlehenskasse, und betreiben die Kramerei weiter.
Das Ehepaar hatte vorher das Gasthaus grüner Kranz gepachtet und war mit der Bierbrauersfamilie Neumayer entfernt verwandt.6
Handlung der Familie Haslbauer um 1924
Bild: Familie Luttner, Münster
1926 erwirbt die Bayerische Siedlungs- und Landesbank München den Besitz.
Im Juni 1926 tauschen Alois und Anna Krä ihr Haus Nr. 20 in Ried gegen das Anwesen in Münster, verkaufen es jedoch bereits zwei Wochen später an Alois und Maria Luttner.
Mit diesem Besitzerwechsel wird das Kramergeschäft endgültig aufgegeben.
Das Luttner-Anwesen in den 1930er Jahren.
Bild: Familie Luttner, Münster
1 BayHStA München, Kurbayern Geheimes Landesarchiv 1199, Grenz-, Güter- und Volksbeschreibung Langericht Straubing 1641 – 1799, S. 333
2 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 640 Ib, fol 53 Kaufbrief 16.09.1673
3 BayHStA München, Straubing Kollegiatstift St. Jakob und Tiburtius KL 3, Zins- und Stiftbuch, fol. 140
4 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 641, fol 34 Vertrag und Übergabebrief 1707
5 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 648 b, fol.31‘ Kaufbrief 500 fl 29.09.1781
6 Karolinas Mutter, Amalia, geb. Scheuerer und verh. Schedlbauer, war eine Schwester der Bierbrauersgattin Franziska Neumayer und damit eine Cousine des Bierbrauers Ludwig Neumayer. Ihr Vater Franz Neumayer, war ebenfalls mit der Bierbrauersfamilie Neumayer entfernt verwandt.
Weitere Quellen:
BayHStA München, KL Straubing Kollegiatstift St. Jakob und Tiburtius 3, ins- und Stiftbuch 1685
BayHStA München, Hofanlagsbuchhaltung 248, Steuerkonskription der Hofmark Münster 1752
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser u Rustikalsteuerkataster Münster incl Steinach rev Duplikat 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B79, Umschreibbuch zum Häuser und Rustikalsteuerkataster Münster incl Steinach 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokoll der Steuergemeinde Münster von 1838
StA Landshut, Grundsteuerkataster 10279, Umschreibehefte Münster Hs.Nr. 3-59 von 1843 – 1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster 10283, Umschreibehefte Münster Hs.Nr. 1 - 69 von 1859-1893
StA Landshut, Grundsteuerkataster 10288, Umschreibehefte Münster Hs.Nr. 1 - 82 von 1893 – 1960
Bischöfliches Zentralarchiv Regensburg, Pfarrmatrikel Pfaffmünster
Stand: 06.01.2025