Das 1/16 Schustergütl in Gschwendt Hs.Nr. 14
heute Ortfeldweg 2
von Cornelia Landstorfer
Das Haus Nr. 14 in Gschwendt, im Volksmund „Beim Zimmermann“ genannt, ist ein kleines Anwesen, das über die Jahrhunderte wechselnde Besitzer, Berufe und Familiengeschichten erlebt hat. Der Grundherr des Hauses war das Bürgerspital Straubing. Die Gewerbe wechselten vom Weber zum Schuster, Zimmerer und wieder zurück zum Weber.

Uraufnahme aus dem Jahr 1827
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas
1708 – Kauf durch Michael Meindl
Am 29. Februar 1708 erwarb der Weber Michael Meindl aus Rotham gemeinsam mit seiner Frau Maria, geb. Wartner aus Scheibelsgrub das kleine Häusl in Gschwendt.
Er und seine Frau wohnten vorher in Dunk, wo auch Tochter Walburga (*1705) zur Welt kam. 1709 folgte Sohn Lorenz, als die Familie bereits in Gschwendt wohnte.
Nach dem Tod seiner Frau heiratete er am 18. November 1720 Eva Hackel aus Riederszell.
1721 wird Tochter Maria geboren, 1722 folgt Sohn Adam, 1724 Michael, 1725 Mathias, (1727-1742) Barbara, 1729 Lorenz, 1732 Jakob, 1737 Barbara.
1743–1744 – Übergabe an die Töchter
Im Jahr 1743 übergab Michael Meindl das Anwesen an seine beiden Töchter Walburga Meindl (*1705) und Anna Maria Meindl. Ein Jahr später, 1744, heiratete Walburga den Schuster Andreas Schröttinger aus Wetzelsberg, wodurch das Anwesen den Hausnamen „Schustergütl“ erhielt. Im Jahr 1746 wurde ihre Tochter Anna Maria geboren.

aufgenommen im September 1991
Quelle: Luftbildaufnahmen Pfarrer Gerhard Mass
1767–1802 – Die Holmer-Zeit beginnt
Anna Maria Schröttinger heiratete 1767 den Weber Mathias Holmer, Sohn des Bauern Andreas Holmer aus Ascha und seiner Frau Maria, geb. Lang.
„Der ehrsame Mathias Hollmer ledigenstands von Ascha der Baron Weichs-Hofmark Falkenfels gebürtig, seine Profession ein Zimmerergesell ist persönlich erschienen und geziemet zu vernehmen gegeben, dass er das von Andren Schröttinger, Schuhmacher ingehabte Erbrechtshäusl und Gärtl zu Gschwendt mittels Anheiratung der Schröttingerischen Tochter an sich gebracht hat.“ 17.10.1767. 1
„Andre Schröttinger, Schuhmacher zu Gschwendt und Walburga dessen Ehefrau, Beistand Franz Xaver Hällmayr, Müller, bekennen und übergeben das Erbrechtshäusl und Gärtl zwischen dem Mühlbach und der Ortwiese zu Gschwendt, welche lt. Kaufbrief v. 29. Februar 1708 Michael Mändl käufl. an sich gebracht und 1743 während der Kriegszeit seiner leibl. Tochter Walburga Schröttinger und gleichfalls der geliebten Tochter Anna Maria und ihrem zukünftigen Ehemann Mathias Holmer, seine Profession ein Zimmergesell, übergeben hat.
Zeugen: Johann Georg Prengler und Joseph Schrötter, beide Schreiber zu Gschwendt. 07.10.1767.“ 2
In der Ehe werden sieben Kinder geboren:
03.10.1768 Martin
08.10.1769 Simon
27.04.1771 Johann
05.07.1773 Regina
10.08.1776 Mathias
18.06.1782 Johann Baptist
27.09.1784 Theresia
Der Sohn Matthias Holmer übernahm am 21. Dezember 1799 das Anwesen von seinem Vater für 140 Gulden. 3
„Mathias Hollmer, Häusler und Zimmermann zu Gschwendt und Maria, dessen Eheweib, anstatt welcher Stefan Hollmer abgeordnet, bekennen hiermit, [..] auch beiderseits aufhabend hohen Alters wegen übergeben zu haben den ingehabten und von ihrer Übergeber durch Erheiratung der Anna Maria Schrettinger, Häuslerswitwe an sich gebrachtes Häusl samt Gärtl, welches zum Spital erbrechtig grundbar ist, ihrem Sohn Mathias Hollmer um die Summe von 140 Gulden. Der Übernehmer muss seine vier Geschwister auszahlen:
- Martin Hollmer, 33 Jahre alt, ein gelernter Mühler – dermal in der Fremde, unwissend, wo er sich befindet
- Simon, 30 Jahre
- Johann, 18 Jahre
- Regina, 27 Jahre 21.12.1799.“ 4
Im Jahr 1802 heiratete Matthias Holmer Theresia Frankl, Tochter des Schusters Leonhard Frankl aus Forst.
„Der ehrbare Mathias Hollmer, Weber und Häusler von Gschwendt erscheint heute vor Gericht und bekennt, dass er sich mit der tugendsamen und selbst gegenwärtigen Theresia, Tochter des ehrbaren Leonhard Frankl, ½ Gütlers zu Forst und Katharina dessen Eheweib in ein eheliches Verlöbnis eingelassen hat. 10. 11.1802.“ 5
In der Ehe wurden fünf Kinder geboren:
20.08.1803 Mathias
15.07.1805 Jakob
19.08.1808 Katharina
15.01.1811 Sebastian
22.10.1812 Simon
Im Liquidationsprotokoll vom 6. November 1838 wird Matthias Holmer als Weber genannt.
Im Urkataster von 1842 erscheint er erneut als Besitzer, und das Anwesen wird als „1/16 Schustergütl – Beim Zimmermann“ bezeichnet.

Kleinbauernhaus. Eineinhalbgeschossig, mit Blockbau-Oberteil aus dem zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts
aufgenommen Juni 2017
Quelle: Wikipedia
Am 30. August 1845 übernahm sein Sohn Simon Holmer das Haus für 600 Gulden. Simon war mit Maria Lehner verheiratet und hatte mit ihr drei Kinder:
15.01.1847 Joseph
21.05.1849 Johann Baptist
29.10.1850 Katharina
1876–1878 – Johann Baptist Holmer
Nach dem Tod seines Vaters Simon erbte Johann Baptist Holmer am 3. Januar 1878 das Anwesen. Johann Baptist war Weber von Beruf und gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr Gschwendt, der er bereits am 21. Oktober 1876 beitrat. Seit 1876 war er mit Anna Gietlhuber aus Michelsneukirchen verheiratet.
Fünf Kinder gingen aus der Ehe hervor:
18.01.1877 Anna (+1918)
10.11.1878 Katharina
05.12.1881 Johann Baptist
08.04.1888 Alois
08.03.1890 Maria
1919–1937 – Übergabe an den Sohn
Im Jahr 1919 übernahm der Sohn Johann Baptist Holmer das Anwesen. Er heiratete Margaretha Dietl, Tochter des Söldners Georg Dietl aus Loitzendorf und seiner Frau Margaretha, geb. Zollner. Nach seinem Tod wurde 1937 seine Witwe Margaretha Holmer Alleinerbin des Hauses.6

1938 – Kauf durch Gottfried Bachmeier
Im Jahr 1938 erwarb Gottfried Bachmeier das Anwesen. Im selben Jahr heiratete er Maria Niedermeier aus Neukirchen. Der Kauf umfasste 6000 Reichsmark, inklusive 1500 Reichsmark Mobiliar, mit dem Hauptbesitz in Gschwendt Hs. Nr. 14 sowie Nebenbesitz in Ascha und Agendorf.

Freiwillige Feuerwehr Gschwendt: rechts Gottfried Bachmeier (Besitzer des Anwesens).
Links neben ihm Eduard Eyerer, Mitte Michael Landstorfer, Fahnenträger Konrad Landstorfer.
Bild ca. 1960 aufgenommen
Bild: Familie Landstorfer, Gschwendt

Bachmeier-Hof
aufgenommen vermutlich in den 1990er Jahren
Bild: Cornelia Landstorfer
Damit spannt sich die Chronik von 1708 bis 1940, zeigt die wechselseitigen Eigentumsverhältnisse, Familienverbindungen, Handwerksberufe und Besonderheiten des Hauses, insbesondere die Verbindung zu den Webern, Schustern und Zimmermann.
1 StA Landshut, Kommunalarchive, Rep. 219 (1589).
2 StALa, Kommunalarchive, Rep. 219 (1587).
3 StALa, Grundsteuerkataster 208.
4 StALa, Kommunalarchive, Rep. 219 (1594).
5 StALa, Kommunalarchive, Rep. 219 (1596).
5 StALa, Grundsteuerkataster 214.
Weitere Quelle:
BZAR Regensburg, Pfarrmatrikel Steinach

