Die Stanglsölde mit realer Hafnersgerechtigkeit Hs.Nr. 52
1583/1623: Die Ziflingersölde – 1641: Die Ziflinger- oder Imbhoversölde – 1691: Imhofer Sölde – 1760: Stangl-Gütl – 1808: Stiglbauer Hof Hs.Nr. 23
heute August-Schmieder-Str. 35
von Claudia Heigl
Uraltes Hafneranwesen bis 1845
Bei diesem Anwesen handelt es sich um eine uralte Hafnerei. Bereits 1583 besitzt der Hafner Paul Ziflinger darauf das Erbrecht und führt dafür 5 Schilling 25 Regensburger Pfennige „Tegelgeld“ an die Steinacher Schlossherrschaft ab. Die Familie Ziflinger tritt auch in Wolferszell als Hafner auf.
1623 liegt das Erbrecht bei der Witwe des Hans Imhofer. Auch die Imhofer zählen zu den alten Hafnersfamilien in Steinach.1

Die Stangl-Sölde erhielt 1838 die Hs.Nr. 52
Der Baumgarten daneben (rote Zahl 58) gehörte zum Metzgeranwesen Nr. 58 und wurde 1869 von Joseph und Philomena Schwarz vom Metzger Eduard Wegerer dazugekauft.
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas
1641 besitzt der Steinacher Schullehrer Wolfgang Rosenhamer die Sölde auf Erbrecht. Er ist mit einer Barbara verheiratet und ist der Sohn des Müllers Michael Rosenhamer von der Bruckmühle.2
Fünf Kinder des Paares sind bekannt:
- Elisabeth + 12.01.1645
- Maria * 22.05.1640
- Barbara *08.07.1642
- Christopher * 19.08.1643
- Barbara * 09.02.1646
- Christoph * 24.11.1650
Wolfgang Rosenhamer ist von 1634 bis 1661 als Schullehrer in Steinach tätig, danach verliert sich die Spur der Familie. Den Mesnerdienst lässt er durch seinen Tagwerker ausüben. Ab 1634 fährt zu den Zehenttagen zusätzlich der sogenannte „Mesnerwagen“ als vierter Wagen mit, um die jährlichen Zehntabgaben der Bauern einzusammeln.
Ein Sittendelikt bringt ihm vor dem Hofmarks- und Landesgericht einen schweren Prozess ein. Um die Tat von sich abzuwälzen, beschuldigt er dabei einen Webergesellen aus Österreich fälschlicherweise.3

Die Steinacher Hafner gehören der Hafnerzunft in Straubing an. Nur mit deren Zustimmung dürfen sich Hafner im Straubinger Umland niederlassen. Dass sich auf dem Anwesen eine uralte Hafnerei mit entsprechender Gerechtigkeit befindet, dürfte dazu führen, dass hier erneut ein Hafner ansässig wird.
1668 kommt mit Jakob Stelzer wieder ein Hafner auf das Anwesen. Er heiratet die Söldnerstochter Katharina „Laimer“ aus Steinach, die die Sölde vermutlich in die Ehe einbringt. Jakob stammt aus Steinburg, wo seine Eltern Sebastian und Anna Stelzer eine Bäckerei betreiben.
Seine Familie ist eng mit dem Hafnerhandwerk verbunden:
- Eine Schwester, Margaretha, heiratet den Hafner Wolfgang Pummer von Wolferszell Nr. 10
- Eine weitere Schwester, Magdalena, heiratet den Hafner Georg Schuhbauer von Wolferszell Nr. 8
- Sein Bruder Christoph wird Hafner in Oberhunderdorf
Fünf Kinder der Hafnerseheleute sind bekannt:
- Andreas ( Am 29.07.1680 stellt Georg Schuhbauer, Hafner in Wolferszell, seinen Neffen und neuen Lehrjungen Andreas Stelzer von Steinach in der Zunftversammlung in Straubing vor, der 3 ½ Jahre bei ihm lernen soll und zahlt hierfür wieder 1 Schilling 12 Pfennige.4)
- Christoph (*1670)
- Anna (*1676) heiratet 1698 den Schusterssohn Johann Georg Rudolph von Gschwendt
- Martin (*1681) heiratet 1704 in Ascha die Bauerstochter Margaretha Sieber von Münster Nr. 3 und lässt sich als Hafner in Ascha Hs. Nr. 6 nieder.
- Maria (*1687)
Um 1688 stirbt Jakob Stelzer. Die Witwe heiratet daraufhin den Hafnerssohn Gregor Bachmaier (auch Pamer oder Pomer genannt) aus Au vorm Wald.
Aus dieser Verbindung geht die Tochter Maria Bachmaier (1693-1742) hervor.
Söhne von Hafnermeistern oder -gesellen erhalten von der Hafnerzunft gewisse Vergünstigungen bei der Übernahme einer Hafnerei, wenn sie sich bereit erklären, hinterlassene Witwen oder Töchter zu heiraten.
Nach dem frühen Tod des nur 31-jährigen Gregor Bachmaier heiratet die Witwe 1695 den Hafner Mathias Stangl aus Bogen. Diese Ehe bleibt kinderlos.
1720 übernimmt Maria Bachmaier das Hafneranwesen und vermählt sich mit dem Bauerssohn Michael Artmann aus Dunk, der ebenfalls das Hafnerhandwerk ausübt.
Acht Kinder kommen in der Ehe zur Welt, von denen vier bereits im Kindsalter sterben:
- Johann Michael (*1721)
- Johann (1729-1763), Hafner in Steinach, bleibt unverheiratet
- Maria Katharina (*1731)
- Maria Theresia (*1735)
1742 stirbt Maria Artmann im Alter von 49 Jahren. Michael Artmann heiratet sieben Jahre später die 34 Jahre jüngere Nachbars- und Söldnerstochter Anna Maria Deblinger aus Steinach Nr. 45.
In der zweiten Ehe kommen nochmals fünf Kinder zur Welt.
- Joseph (*1749)
- Maria (*1751)
- Walburga (*1752)
- Simon (1753-1761)
- Andreas (*1757)
Als der Hafner 1757 im Alter von 63 Jahren zu Grabe getragen wird, ehelicht die Witwe einen Sebastian Heizer.5
Es kommen nochmals neun Kinder zur Welt, von denen mind. drei im Kindsalter sterben:
- Anna Maria (*1759)
- Magdalena (*1761)
- Anna (*1762)
- Andreas (*1763)
- Rosina (*1766)
- Mathias (*1769)
1773 stirbt Sebastian Haizer. Ob anschließend ein neuer Besitzer auf das Anwesen kommt oder die Witwe dieses allein weiter bewirtschaftet, ist nicht bekannt.

Erst 1804 ist mit Georg Freimuth, einem Tagelöhnerssohn aus Steinach, wieder ein neuer Besitzer des Anwesens nachweisbar.
Auch er übt das Hafnerhandwerk aus. Seine erste Ehefrau ist Maria Anna Poller, Tochter des Bürgers und Silberhändlers Willibald Poller von Deggendorf.
Der Hafner stirbt bereits zwei Jahre nach der Hochzeit an Lungensucht. Die Witwe heiratet daraufhin den Hafnerssohn Franz Xaver Stiglbauer aus Viechtach.
Nach dem Tod dieser Ehefrau geht Stiglbauer 1828 erneut eine Ehe mit der Hafnerstochter Walburga Grüneisl von Steinach Nr. 65 ein.
Als Walburga nach dreijähriger Ehe ebenfalls stirbt, heiratet der Witwer die Schneiderstochter Maria Anna Fellinger von Abensberg.
Mit dem Tod des kinderlosen Franz Xaver Stiglbauer im Jahr 1845 endet die jahrhundertalte Hafner-Tradition auf dem Anwesen.

Das Hafnergewerbe endet
Die Witwe Maria Stiglbauer verkauft 1849 den „Rest der zertrümmerten Standlsölde mit realer Hafnergerechtigkeit“ um 900 Gulden an die unverheirateten Baderstöchter Anna und Walburga Hagenauer aus Steinach. Sie selbst bleibt als Inwohnerin im Stübl auf dem Anwesen wohnen.
Anna Hagenauer ist Mutter einer unehelichen Tochter namens Philomena, die später die Hofstelle von Mutter und Tante übernimmt.
1867 heiratet sie den Söldnerssohn Joseph Schwarz von Untergrafenried.
Das Paar bekommt sieben Kinder, von denen zwei im Kindsalter sterben:
- Johann Baptist (1869-1902), Hoferbe
- Philomena (1872-1950) unverheiratet
- Therese (1874-1954) verh. Huber
- Ludwig (1878-1943), Hoferbe
- Karl (*1881), heiratet 1908 in München Anna Doll und lässt sich dort als Kaufmann nieder

Das Prechtl-Anwesen
aufgenommen ca. 1931
Bild: Familie Prechtl, Steinach
1898 übernimmt der älteste Sohn Johann Baptist Schwarz das Anwesen in Steinach und vermählt sich mit der Söldnerstochter Theresia Amann aus Steinach Nr. 66.
Drei Kinder kommen in der Ehe zur Welt, von denen zwei das Erwachsenenalter erreichen:
- Maria (*1900) verh. mit Peter Guggenmoos, Garmisch
- Theresia (1901-1966), Hoferbin
Vier Jahre später stirbt Johann Baptist im Alter von 33 Jahren. Die Witwe heiratet daraufhin seinen jüngeren Bruder Ludwig.
Aus dieser Ehe gehen nochmals sieben Kinder hervor:
- Rosa (1904-1981) verh. mit Franz Xaver Herrnberger, Kurzwarenhändler in Steinach Hs. Nr. 53
- Anna (1906-1972) verh. mit Josef Stadler in Steinach
- Ludwig (*1907)
- Johann Baptist (1909-1942) gefallen
- Ottilie (*1913) verh. mit Thomas Reiser, Garmisch
- Philomena (*1915) verh. mit Friedrich Sieber, München
- Alois (1917-1983)
1931 übernimmt Tochter Theresia aus erster Ehe das Anwesen und vermählt sich mit Josef Prechtl aus Gollau.


Das Prechtl-Anwesen
aufgenommen 1956
Bild: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach
! Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Untertanen der Hofmark Steinach 1623
2 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P59 III, fol.451‘ Legitimation zu einer Erbschaft vom 09.11.1664
3 Schlicht Josef, Die Geschichte von Steinach, 1908, S. 85
4 Stadtarchiv Straubing, Rep. II, Abt. 1dd1, Nr. 15, Protokollbuch der Hafner 1678 - 1706
5 Die Herkunft des neuen Ehemannes konnte bisher noch nicht ermittelt werden. Weder in Steinach noch in den Nachbarpfarreien Münster und Ascha ist ein Traueintrag verzeichnet.
Weitere Quellen:
Schlicht Josef, Die Geschichte von Steinach, 1908, „Stift-, Kasten- und Salbuch über Schloß und Hofmarch Steinach 1583“
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Untertanen der Hofmark Steinach 1623
StA Landshut, Landschaft Unterlands Bd 1183, Steuerregister der Hofmarksuntertanen Steinach 1623
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Gilt und Ausstandregister der Untertanen zu Steinach 1641
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Stiftregister der Hofmark Steinach 1691
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Landsteuer der Hofmark Steinach 1699
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 248, Konskription der Untertanen der Hofmark Steinach 1752
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 514, Hofanlagsbuch der Hofmark Steinach 1760
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B79, Umschreibebuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokolle der Steuergemeinde Steinach von 1838
Schlicht Josef, Die Geschichte von Steinach, 1908, „Stift-, Kasten- und Salbuch über Schloß und Hofmarch Steinach 1583“
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Untertanen der Hofmark Steinach 1623
StA Landshut, Landschaft Unterlands Bd 1183, Steuerregister der Hofmarksuntertanen Steinach 1623
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Gilt und Ausstandregister der Untertanen zu Steinach 1641
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Stiftregister der Hofmark Steinach 1691
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Landsteuer der Hofmark Steinach 1699
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 248, Konskription der Untertanen der Hofmark Steinach 1752
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 514, Hofanlagsbuch der Hofmark Steinach 1760
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B79, Umschreibebuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokolle der Steuergemeinde Steinach von 1838
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127) 10579, Umschreibehefte zum Urkataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1 – 72, 1843-1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127) 10582, Umschreibehefte zum 1. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1 – 55, 1859 – 1906
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127 10586, Umschreibehefte zum 2. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1-65, 1906 – 1960
BZAR Regensburg, Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach
Veröffentlicht: 27.12.2025
