Trudendorf

 

 

von Claudia Heigl

 

 

trudendorf 14072023Trudendorf
aufgenommen im Juli 2023
Bild: Claudia Heigl

 

Der kleine Weiler gehörte seit Urzeiten zur Pfarrei Steinach.
1838 wurde die Ortschaft, zusammen mit Muckenwinkling und den Schida-Höfen in die Pfarrei Oberalteich umgepfarrt.

 

 

Trudendorf war an der alten Handelsstraße nach Böhmen gelegen und gehörte zum Besitz des Domkapitels von Augsburg.

Als ältere Schreibweise finden wir auch Druidendorf. Was möglicherweise auf die keltischen Druiden zurückgeht1.

Das Gebiet um Agendorf und Hoerabach ist uraltes Siedlungsgebiet. Hügelgräber zwischen Muckenwinkling und Hoerabach beweisen, dass hier bereits in der Bronzezeit vor etwa 3 500 Jahren Menschen lebten2.

 

1029 vermacht der Sohn des bayerischen Herzogs Heinrich II - Bruno Bischof von Augsburg - das Gut Straubing  (zu dem auch die Stadt Straubing u.a. mit Steinach, Agendorf, Kindlasberg, Bruckmühle, Pellham, Rotham, Hoerabach, Berghof, Sackhof, Muckenwinkling und Trudendorf gehörten) dem Domkapitel Augsburg.

 

1311 wird der Weiler erst erstmal im Niederbayerischen Salbuch mit der Bezeichnung „Trurendorf“ aufgeführt3. Dies ist auch die erste urkundliche Nennung des Ortes.

 

1458-15344 werden in „Truttendorf“ folgende Besitzer aufgeführt, die an das Domkapitel Augsburg Abgaben zahlen müssen:

Wenzel Lewbl
nun Hansl Lewbl und Katharein sein Muter
Peter Lewbel
Paul Lewbl 2 Viertel Bau von seinem Bruder erkauft
nun Paul Leyttner, Amtmann aht 1 Viertel empfangen das von Pauls Leubl erkauft hat

Ebenso hat Wenzel Lewbl und Andre Kern haben zu Lehen genommen vom Probst von Augsburg ein Hub Bau genannt die Schön Linden mit allen zugehörung

Andre Kern und Hausfrau Barbara
Pesel Leublens Paulsen Witwe

 

Hans Haindel hat zu Lehen genommen vom Probst von Augsubrg ein halbes Viertel Bau das von Pelheim den Permair an sie kommen ist, davon zahlt er an an Martini 20 Pfenng
Andre Schneider kauft
Hans Schneider

 

Andre Grym hat zu Lehen genommen vom Probst von Augsburg ein halben Viertel Bau mit allem zugehören herkommen von Rudolf Danon sol jährlich dienen an Martin 20 Pfg.
Thomas Grym sein Sohn
Andre Grym
Hans Grim

Item Andre Grym hat auch zu Lehen genommen vom Probst von Augsburg ein halbes Viertel Bau mit keinem zugehör das er von Ulrichen dem Voilem kauft hat. Davon sol er dienen an Martini 20 Pfennig

Item Andre Grym hat zu Lehen genomen vom Probst von Augsburg ein viertel Bau mit seinem zugehören. das im von Hansen Grymen seinem Vater zugestanden ist davon soll er jährlich dienen an Martini 30 Pfennig.

Thomas Grim sein Sohn
Hansen Grim

 

Hänsel Albrecht hat zu Lehen genommen vom Probst von Augsburg ein halbes viertel Bau mit keinem Zughör das mit Käufen an in komen ist. davon soll er jährlich dienen an Martini 20 Pfennig
nun Wenzel Tann von Wolferszell
nun Wenzl Eitenharter
Urban Kuffer sein Sun

 

Ulrich Blaser von Pogen hat zu Lehen genommen vom Probst von Augsburg ein halbes viertel Bau mit keinem Zugehör das er von Peters dem Prunmairen kauft hat. davon sol er jährlich dienen an Martini 20 Pfennig
nun Margaret dessen Ehefrau und Pangraz Mersing
nun Konrad Merg
Steffel Merg

 

Ulrich Pawr zu Menach hat zu Lehen genommen vom Probst von Augsburg ein Viertel Bau mit keinem Zugehör das von Andre dem Wünder von Hartperg an ihn kommen ist, Davon soll er jährlich dienen an Martini 30 Pfennig
nun Paul Chunzt Merg
Steffel Merg

 

Andrew Wünder hat zu Lehen genommen vom Probst von Augsburg ein halbes viertel Bau von keinem Zughör das von seinem Vater Hainrichen Wünder zugestanden ist. Davon sol er jährlich dienen an Martini 20 Pfennig
Michel Krapf Mayer
Hans Wünder er erbt und kauft von sein Schweiger
Steffan Wirg

 

 

1535 verkaufte das Domkapitel Augsburg die Rechte an der Stadt Straubing und div. Güter, u.a. auch den Weiler Rotham, an Herzog Ludwig X. von Bayern. Seitdem wurde der Grundbesitz, zu dem auch Trudendorf gehörte, vom Kastenamt Straubing verwaltet und als "propsteiische Güter" bezeichnet.

 

 

trudendorf uraufnahme

Uraufnahme aus dem Jahr 1827
Quelle: Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

Im 16. Jahrhundert werden fünf Höfe in Trudendorf aufgeführt. Deren Hofstellen bis heute so bestehen blieben5.

 

- Hs.Nr. 69 „Der halbe Semmelmann-Hof“

- Hs.Nr. 70 „Der halbe Ingerl-Hof“

- Hs.Nr. 71 „Der halbe Bachl-Hof“

- Hs.Nr. 72 „Der 3/8 Bachl-Hof“

- Hs.Nr. 73 „Der halbe und 1/8 Bachl-Hof“ (Engl-Gut)

 

- Hs.Nr. 74 gehört zu Nr. 73

- Hs.Nr. 75 Gemeinde

 

 

Trudendorf im 30jährigen Krieg

 

Im November 1633 überfielen die Schweden das nahegelegene Kloster Oberalteich. Die umherziehenden Soldaten plünderten und verwüsteten die nächsten fünf Monate alle umliegenden Ortschaften. Davon wurde auch Trudendorf schwer getroffen. Im Januar 1641 zogen sie nochmals durch die Gegend und zwischen Juli und September 1647 kamen sie schließlich ein drittes Mal und vernichteten dabei die komplette Ernte, bzw. verhinderten, dass diese eingebracht werden konnte. Der dritte Überfall war so folgenschwer, dass im darauffolgenden Jahr von keinem der fünf Höfe eine Abgabe entrichtet werden konnte.

In den Briefprotokollen können wir immer wieder Hinweise darauf finden, wie die Schweden die Bauern drangsaliert und verschleppt haben und teilweise ihre Höfe und Felder zerstörten:

So z.B. haben 1633 das „anwesende Kriegsvolk“ die Tochter der Bauerseheleute Wolfgang und Barbara Fux (Hof Nr. 69) entführt. 1637 verkaufen die Vormünder der Erbin den Hof, da die Tochter nicht wieder aufgetaucht ist6.

Auffallend ist, dass es in dieser Zeit vermehrten Besitzerwechsel der Höfe in fremde Hände gab. Teilweise lagen die Höfe völlig verödet da und wechselten für einen geringen Betrag den Besitzer, der die Aufgabe hatte die Anwesen wiederaufzubauen.

 

1808 wurde durch das organische Edikt die Gemeinde Agendorf gebildet, zu der auch Trudendorf, Muckenwinkling, Hoerabach und Wolferszell zugeteilt wurden.

 

Bei der Auflösung der Gemeinde Agendorf am 1. Juli 1974 kamen deren Gemeindeteile Muckenwinkling und Trudendorf zu Oberalteich. Agendorf, Hoerabach und Wolferszell wurden in die Gemeinde Steinach eingegliedert.

 

Mit der Gebietsreform in Bayern verlor die ehemalige Gemeinde Oberalteich die Eigenständigkeit und wurde am 1. Januar 1978 in die Stadt Bogen eingegliedert, zu der auch seitdem Trudendorf als Ortsteil gehört.

 

trudendorf 17042021

Trudendorf
aufgenommen im April 2021
Bild: Claudia Heigl

 

 


1 Historischer Entwurf des Klosters Oberalteich durch P. Aemilianum Hemauer, 1731 notiert in den Pfarrbüchern von Parkstetten, Band 4 Scan S. 5
2 Agsteiner Hans, Eine Heimatgeschichte und Chronik der Gemeinde Steinach mit den Gemeindeteilen Münster, Agendorf und Wolferszell, 1996, S. 241
3 BayHStA München, Kurbayern Äußeres Archiv 4744/2, Niederbayerisches Salbuch 1311, S. 64

4 BayHStA, Kurbayern Äußeres Archiv 4777, S. 72,  Sal- und Urbarbuch es Liebfrauenstift Augsubrg 1458
5Die Hofnamen sind dem Häuser- und Rustikalsteuerkataster Trudendorf von 1808 entnommen. (Quelle: StA Landshut, Rentamt Straubing B130, Häuser und Rustikalsteuerkataster Trudendorf 1808)
6StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P50,  fol. Kaufvertrag vom 18.04.1637

 

 

Stand: 23.07.2023