Das Hüthaus in Gschwendt - frühere Hs.Nr. 16

 

 

von Cornelia Landstorfer

 

 

1630 wird im Salbuch des Bürgerspitals Straubing der Huetman Thomas Clement genannt. Dies ist die erste Nennung eines Hüters in Gschwendt.

 

Der Hirte in der Gemeinde musste das Vieh aller Bauern im Dorf bewachen. Die Weideflächen waren Eigentum der Gemeinde. Wer sein Vieh nicht in die Obhut des Gemeindehüters gab, erhielt eine hohe Strafe.

Bei einer Ehehaftsitzung im Gschwendter Gericht im Jahre 1756 wurde den Bewohnern aufgetragen, das Klauen- und Hornvieh ausschließlich dem Gemeindehüter zum Weiden zu überlassen. Bei Zuwiderhandlung drohte eine Strafzahlung von einem Pfund Pfennigen:

„Auf beschwern ainiger unterthanen zu Gschwendt würdet der samentlichen dorfsgmain hiemit ernstlich und bey straff 1 Pfd dn aufgetragen, das in zuekonfft ain ieder aus der gmain sein habentes clo- und hornvieh unwaigersamb dem aufgestelten gmainshütter unter die gaißl treiben, und keineswegs nach aigener willkür separat oder ainschichtiger weiß zu hütten sich unterstehen solle…“[1]

 

1757 ist dokumentiert, dass die Gemeinde Gschwendt einen „Oxenhietter“ anzustellen habe.

Ausserdem gab es Beschwerden, weil die „Oxen hietter buben“ sonntags nicht zur Hl. Messe erschienen. Dieses Vergehen sollte zukünftig mit hohen Strafen geahndet werden.

 

Erst um 1800 war es den Bauern gestattet, das Vieh separat zu hüten. Das lässt sich auch an den Dienstbotenlisten ersehen, in denen zumindest die größeren Bauern ihre eigenen Hüter beschäftigt hatten.

 

 

 uraufnahme hirtenhaus

Uraufnahme ca. 1827, Vermessungsamt Straubing

 


 

Beschreibung des Hüterhauses

Nach einer Beschreibung aus dem Jahr 1630 stand das Hüthaus in Gschwendt jenseits des Baches neben dem Hof des Wolf Götz auf einer Anhöhe bei der Straße, die nach Mitterfels führt. Das baufällige Haus bestand aus einem Stüberl und einer Kammer sowie einem Kuhstall. Vor dem Haus war ein befestigter Platz. Außerdem gehörte noch ein kleiner Krautgarten dazu. Der Besitz befand sich auf eingezäuntem Gemeindegrund. Die zugehörige Wiese lag in der Moosleithe. Zum Überleben hielt sich der jeweilige Hirte eine Kuh und bekam von jedem Bauern jährlich Brennholz, Schmalz, Korn und einen Laib Brot:[2]

 

beschreibung salbuch 

 

 

1838 wird das Haus im Liquidationsprotokoll beschrieben: „das Hirthaus mit Gemeindegründen zu Dorf. Wohnhaus und Stall unter einem Dach, dann Backofen.“
Zu dem Haus gehörte ein Gras- und Baumgarten sowie „das Schusterfleckl“, die „Hirtenwiese“ und das Gemeindeholz.
Weiter ist beschrieben, dass dieses Haus „unfürdenklicher Besitz“ und „freieigen“ war.
An diesen Gemeindebesitzungen hatten alle Anwesenbesitzer im Dorf Anteil.

 

„Paizerey“ des Hüters Konrad Knaupp

1681 beschuldigte man den Hüter Konrad Knaupp aus Gschwendt, der im selben Jahr Vater geworden war, einem gewissen Georg Castner zwei „gemachte Wölfe“ geschickt zu haben.
Dies bezeugten auch einige Personen unter Eid. Man forderte von der Hofmark Gschwendt die Auslieferung des Hirten, den man daraufhin verhaftete und in die Fronfeste brachte. Dort wurden ihm in der Folterkammer, genannt „loco torture“, zweimal die Beinschrauben angelegt und mehrfach nachgedreht. Da Knaupp die Vorwürfe dennoch leugnete, wurde er mit dem Haken aufgezogen. Mit diesen Quälereien wollte man in einem Verhör ein Geständnis erzwingen. Der Hirte sagte schließlich aus, dass er selbst nicht mehr wisse, was sich mit ihm zugetragen hatte, ob er von Sinnen war oder ob „er sich dem Teifel ergeben“ hatte.[3] Er hatte keine andere Wahl als zu gestehen, wenn er nicht weitere Folterungen aushalten wollte. Unter den Begriffen „Paizerey“ und „gemachte Wölfe“ dürfte es sich um eine Art Hexerei, eine erfundene Straftat, handeln.

Es ist gut möglich, dass sich aus dieser wahren Begebenheit die Sage um den Gschwendter Hirten gebildet hat.

 

 

 beinschrauben

Beinschrauben (Kriminalmuseum Rothenburg ob der Tauber)
Bild: Cornelia Landstorfer

 

 

 

Die Freveltat des Hüters.

Vom Aubauern gegen Gschwendt zieht sich zwischen dunkel bewaldeten Höhen das Gschwendter Moos hin, ein feuchtes, mooriges Tal. Hier ist`s nicht geheuer, hier spukt es! Der Hüter von Gschwendt geht hier um. Ein schwerer Fluch lastet auf seiner Seele, den muß er abtragen und büßen.
Vor vielen Jahren war`s: In Gschwendt hatten sie einen Hüter. Der ging eines Sonntags früh hinauf in die Steinacher Pfarr, um zu beichten und das heilige Sakrament zu empfangen, doch nicht aus Verehrung, sondern um etwas Furchtbares zu begehen.
Als ihm der Pfarrer das hochwürdigste Gut auf die Zunge gelegt hatte, verließ der Frevler alsogleich das Gotteshaus. Dann nahm er die Hostie aus dem Mund und ging schnurstracks heimwärts zu seiner Kuhherde, die weidete draußen auf dem Gschwendter Moos. Im nahen Forst schnitt er sich einen Stecken, spaltete diesen mit dem Messer und in seinem Frevlerübermut steckt er das hochwürdigste Gut in den Spalt hineien. Wohl zitterte ihm die Hand bei solch sündhaftem Tun, doch sein höllischer Geist ließ ihn nicht mehr los. Den Hüterstecken mit dem hl. Sakrament steckte er mitten unter die Herde in den Boden und tat den Spruch: „So hütst Du, ich hab schon lang genug gehütet!“ Stumm sah seine Herde dem gottlosen Treiben zu.
Der Hüter, vom Bösen getrieben, verließ eiligst den Schauplatz seiner Sünde. Nach Steinach eilte er ins Wirtshaus. Während andere dem Gottesdienste huldigten, wollte der Sünder dem Trunk frönen. Doch Gott läßt seiner nicht spotten. Noch konnte die Wirtin die verlangte Maß Bier nicht vorsetzen, als der Frevler plötzlich ganz schwarz wurde; er zitterte am ganzen Körper, lallte noch Unverständliches daher, dann brach er tot zusammen.

Schwer mußte der Hüter seinen Frevel büßen. Seine Seele fand keine Ruhe mehr bis auf den heutigen Tag. Seit vielen Jahren muß der Hüter zur Allerseelenzeit im Gschwendter Moos, dem Schauplatz seiner Untat, umgehen; dessen waren schon viele Leute Zeugen.
Ein Bruder des alten Aubauern ging um Allersellen von Steinach her zur Nachtzeit heimwärts. Auf dem Hundertbifangfeld gegen das Tal mit dem Spielhang, wo der Straubinger Spitalwald hereinstößt, wars: Heulen und Winseln durchzog die Dunkelheit. Da war er, der Frevler vom Gschwendter Moos. Vom Hang herab stürmte er einer schwarzen Kuh und einer schwarzen Kalbin nach. Ein markerschütternder Schrei: „Halts ös auf, halts ös auf“ und ein Tuschen mit der Peitsche, daß es in den Höhen nachhallte. Bis der Geschwendter Grund ausging und der Auer Grund begann, dauerte der unheimliche Spuk.
[4]

 

 

Folgende Hirten sind in Gschwendt aufgeführt:

1630 Thomas Clement Huetman.

1656 Adam Gaissell und Ehefrau Barbara.

1657 Mathias Prezgel.

1666 Johann Zettl und seine Frau Eva.

1675 Vitus Niedermayr mit Frau Maria (bei der Geburt des Sohnes Michael genannt).

1676 Herman Langeß mit Gattin Maria.

1681 Konrad Knaupp mit Ehefrau Barbara.

1683 Simon Pichlmayr und Ehefrau Anna.

1708 Thomas Janco (+).

1728 Martin Jancko.

1769 Georg Löffler, Viehhirte. Er war mit Magdalena Fux verheiratet.

1773 Mathias Würth (stirbt im Alter von 70 Jahren, 1778 folgt ihm seine Frau Eva ins Grab).

1779 Anton Heindl mit Ehefrau Barbara, geb. Heiderer.

1810 Nikolaus Kieffel (stirbt 56jährig an Lungensucht).

1865 heiraten der Hüter Johann Rab und die Hüterstochter Magdalena Laumer.

1876 Hirtbub Otto Rauch beim Wirt Brandstetter.

1876 Hirtbub Andreas Christl beim Wolfgang Himmelstoß.

1878 Hirtbub Johann Färber beim Wolfgang Himmelstoß.

1879 ist Georg Wagner beim Stubenhofer Hirtbub, 1880 Klement Deininger.

1880 arbeiten Josef Obermeier und Xaver Biellmeier als Hütbuben beim Wirt Brandstetter.

1881 Hirtbub Josef Kiefl beim Stubenhofer.

1882 Hirtbub Xaver Axinger beim Himmelstoß.

1882 Hirtbub Martin Biendl beim Stubenhofer.

1906 ertrank der Hirtbube Sebastian Steiner mit 15 Jahren in der Kinsach.

 

 

luftaufnahme gschwendt hirtenhaus

 Luftaufnahme Gschwendt von 2021
Bild: Claudia Heigl

 

 

 

 

[1] StALa, Kommunalarchive (Rep. 219) 1609, fol 73-74
[2] Stadtarchiv Straubing, Salbuch 1630 von Gschwendt, fol. 859
[3] StALa, Pfleggericht Mitterfels Rep 217-12 R8 Gerichtsrechnungen 1681, fol. 145-147.
[4] Zirngibl Willi, in: Geschichte und Geschichte vom alten Ascha, S. 26, 27.