Das Schmid-Anwesen Hs.Nr. 39
1583/1623: Imhofersölde – 1641: Imhofer oder Knaur Sölde – 1691: Hafnersölde -
1760: Hofman Häusl – 1808: Artmann Hof Hs.Nr. 31 – ab 1838 Hs.Nr. 39
heute August-Schmieder-Str. 24
von Claudia Heigl
Bei diesem Anwesen im oberen Dorf, in unmittelbarer Nähe zum Schloss, handelte es sich um eine der fünf Hafnereien, die nach dem Dreißigjährigen Krieg verschwunden sind.

Das Anwesen erhielt 1838 die Hs.Nr. 39
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas, Uraufnahme aus dem Jahr 1827
Im Jahr 1583 besitzt der Hafner Sigmund Imhofer die „Imhofersölde“ auf Erbrecht.
Er entrichtet eine Gilt von 4 Schilling 12 Regensburger Pfennig 1 Heller und zahlt. wie alle Steinacher Hafner - noch zusätzlich Tegelgeld in Höhe von 5 Schilling 25 Reg. Pfennigen.1
Neben ihm gab es noch einen Hans Imhofer, der als Hafner auf dem „Weinspach-Anwesen“ Hs.Nr. 50 wohnte.
1623 besitzt der Weber Konrad Knauer die Imhofer-Sölde auf Erbrecht.2 Das Häusl wird mit 5 Pfund Reg. Pfennige bewertet.
Konrad ist der Schwiegersohn des Sigmund Imhofer und als Weber tätig.3
1641 ist mit Urban Haizmann wieder ein Hafner auf dem „Imbhofer oder Khnaur Sölde“.4
Von ihm und seiner Ehefrau Eva werden vier Kinder in Steinach zur Taufe getragen, von denen nur eines überlebt:
- Maria (*+1642)
- Maria (1643-1644)
- Vitus (*+1645)
- Georg (*02.07.1647 + 01.02.1687), stirbt als 40-jähriger Hafnermeister in Iggensbach

Die Hafnersfamilie zieht von Steinach weg und lässt sich in Iggensbach wieder nieder.
Damit endet auch das Hafnergewerbe auf diesem Anwesen.

Das Schmid-Anwesen
aufgenommen 2010
Bild: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Bestand: Luftbild-Service.com
Seit ca. 1648 in Familienbesitz
Nachfolger auf dem Anwesen ist der Leinweber Paul Leutner mit seiner Ehefrau Barbara.
Lt. Stiftregister vom Jahr 1691 zahlt er von der „Hafnersölde“ Abgaben.5
Bereits ab 1643 kommen von dem Ehepaar Kinder in Steinach zur Welt:
- Magdalena (* 25.01.1643)
- Markus (*22.03.1645) heiratet 1671 in Steinach Ursula Dichl von Erpfenzell und lässt sich als Weber in Falkenfels nieder.
- Magdalena (*21.12.1647)
- Johann (*26.11.1649)
- Margaretha (*04.07.1651)
- Leonhard (1654-1655)
- Leonhard (*1656) heiratet 1677 Katharina Straßer von Falkenfels und wird Weber in Erpfenzell
- Barbara (1660-1724) heiratet 1682 den Bauerssohn Andreas Hitzinger. Das Ehepaar bewirtschaftet ab 1681 die Sölde Nr. 9 in Steinach
1681 heiratet der Witwer, nach dem Tod der Ehefrau, die Bauerstochter Walburga Berger von Untermannbach. Walburga ist eine Schwester des Steinacher Kramer Kaspar Berger von Hs.Nr. 55.
Aus der Ehe geht nochmals eine Tochter hervor:
- Walburga (*1682) heiratet 1706 den Pfeiffer Stephan Echinger von Steinach Nr. 33
1693 stirbt der Weber Paul Leutner. Im Kirchenbuch wird sein Alter mit 91 Jahren vermerkt.
Die Witwe Barbara heiratet 1695 den Wirtssohn Georg Hofmann von Roding.
Nach dem Tod von Walburga und Georg Hofmann erbt das Anwesen Ursula Kirschner von Steinach Nr. 32, eine Tochter der Magdalena Kirschner, die eine Nichte der oben genannten Walburga Berger ist.
Ursula heiratet 1728 den Bauerssohn Johann Artmann von Dunk.
Sechs Kinder gehen aus der Ehe hervor, von denen zwei im Kindsalter sterben:
- Michael (*1729)
- Mathias (*1732)
- Joseph (*1736), Hoferbe
- Johann (*1741)

1759 übernimmt Joseph Artmann das Anwesen und ehelicht die Söldnerstochter Katharina Schirmbrand von Agendorf Nr. 39.
Das Ehepaar hat sieben Kinder:
- Johann (*1759)
- Anna Maria (*1761) bekommt 1791 von dem ledigen Söldnerssohn Joseph Steimer von Falkenfels eine uneheliche Tochter: Anna Maria. Das Mädchen heiratet 1821 den Häusler Andreas Berger von Steinach Nr. 23
- Maria Anna (*1764)
- Johann Georg (*1765)
- Johann Georg (*1767)
- Joseph (1770-1838), Hoferbe
- Johann (*1773)
Sohn Joseph übernimmt 1794 das Häusleranwesen und heiratet die Einwohnerstochter Anna Maria Roßhaupter von Kirchroth.
Fünf Kinder:
- Anna Maria 8*1794)
- Joseph (1796-1857), Hoferbe
- Johann Michael (*1799) als Kind verstorben
- Johann (*1802)
- Maria (*1807)
Nach dem Tod seiner Ehefrau geht Joseph 1824 nochmals eine Ehe mit der Schmiedstochter Katharina Dotzler von Dietsdorf ein.
Am 16.12.1824 übergibt Joseph das „Artmannhäusl“ an seinen gleichnamigen Sohn Joseph, der die Häuserstochter Anna Dorfner von Haibach zur Ehefrau nimmt.

Das Ehepaar hat nur eine Tochter – Katharina, die 1856 mit dem Bauerssohn Johann Schötz von Rogendorf den Bund fürs Leben eingeht.
Das Ehepaar bekommt fünf Kinder, von denen zwei im Kindsalter sterben:
- Johann Nepomuk (*1857)
- Joseph (*1861)
- Katharina (*1868), Hoferbin

1911 wurde der Stall gemauert und das Dach des Hauses etwas angehoben.
Quelle: StA Landshut, Baupläne Steinach Nr. 3750
1890 übernimmt Tochter Katharina den Besitz und heiratet den Bauerssohn Franz Xaver Miedaner von Wolferszell Nr. 21.
Das Ehepaar hat vier Kinder:
- Katharina (*1895)
- Xaver (*1897), fällt am 19.12.1916 im 1. Weltkrieg mit 19 Jahren
- Josef (*1900) heiratet 1930 Maria Sturm
- Sofie (*1902), Hoferbin

Das Haus nach dem Umbau von 1911
aufgenommen 1962
Bild: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Bestand: Luftbildverlag Bertram, München

1940 übernimmt Tochter Sofie das Anwesen und ehelicht Wolfgang Pongratz von Grafenwiesen.
Durch Heirat hat sich der Familienname inzwischen auf Schmid geändert.

Neubau des Hauses 1974
Bild: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Bestand: Luftbildverlag Bertram, München
aufgenommen 1980
Bild: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Bestand: Luftbildverlag Bertram, München
Auch wenn der Familienname immer wieder wechselte, so ist das Anwesen seit dem Dreißigjährigen Krieg im Familienbesitz.
1 Schlicht Josef, Die Geschichte von Steinach, 1908, „Stift-, Kasten- und Salbuch über Schloß und Hofmarch Steinach 1583“
2 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Untertanen der Hofmark Steinach 1623
3 StA Landshut, Landschaft Unterlands Bd 1183, Steuerregister der Hofmarksuntertanen Steinach 1623
4 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Gilt und Ausstandregister der Untertanen zu Steinach 1641
5 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Stiftregister der Hofmark Steinach 1691
Weitere Quellen:
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Gilt und Ausstandregister der Untertanen zu Steinach 1641
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Stiftregister der Hofmark Steinach 1691
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 514, Hofanlagsbuch der Hofmark Steinach 1760
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B79, Umschreibebuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokolle der Steuergemeinde Steinach von 1838
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127), Umschreibehefte zum Urkataster der Gemarkung Steinach 1843 - 1960, Sig.17/42-4, 17/42-7, 17/42-11
BZA Regensburg, Pfarrmatrikel Steinach
Stand: 20.02.2026