Das Buglgütl Hs.Nr. 21
ab 1890: Hs.Nr. 25, heute Kirchplatz 4
von Claudia Heigl
In Münster existierten bis zur Verlegung des Kollegiatstifts St. Tiburtius im Jahr 1581 nach Straubing acht Chorherrenhäuser sowie zwei Gebäude für die Benefiziaten. Diese reihten sich um die Kirche St. Tiburtius.
Vermutlich handelte es sich bei der hier beschriebenen Hofstelle um eines dieser Häuser.1
aufgenommen 1956
Quelle: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Bestand Luftbildverlag Betram, München
Seit 1657 sind Anna und Thomas Bugl an diesem Ort ansässig. Das Ehepaar war zuvor in Agendorf wohnhaft. Im Mai 1657 erwirbt es von der Witwe Barbara Stubenhofer die Leibgerechtigkeit.2
Barbara, eine Tochter des Münsterer Wirts Andreas Bergmaier, hatte 1646 gemeinsam mit ihrem Ehemann Johann Stubenhofer das Wirtshaus in Münster übernommen. Nach dessen Tod im Jahr 1656 führte Markus Heilingmayer das Wirtshaus weiter. Das Leibrecht am benachbarten Gütl verkaufte Barbara an Thomas Bugl.
Von Anna und Thomas Bugl sind sechs Kinder bekannt:
- Bartholomäus (* ca. 1644 +1719), Hoferbe
- Ursula heiratet 1674 in Münster Daniel Steiblmüller
- Elisabeth (*09.05.1656 in Agendorf) heiratet 1682 in Münster Georg Zierer von Zeitldorn
- Michael heiratet 1681 in Münster Jakobe Schweinhamer und macht sich als Schneider in Münster Nr. 33 sesshaft
- Maria (* 09.01.1661 in Münster +1732) heiratet 1683 in Münster Georg Agsteiner von Münster Nr. 6
- Barbara (* 03.01.1664 in Münster)
Uraufnahme aus dem Jahr 1827
1838 erhielt das Anwesen die Hausnummer 5, welche 1890 in Hausnummer 8 geändert wurde.
1674 übergeben Thomas und Anna Bugl das Leibrecht an ihren Sohn Bartholomäus, der die Bauerstochter Gertrud Sieber von Münster Nr. 3 heiratet.3 Nach dem Tod ihres Mannes geht Anna eine zweite Ehe mit dem Witwer Johann Ecker aus Gschwendt ein.
Im Stiftregister von 1685 sind die jährlichen Abgaben an das Kollegiatstift Straubing vermerkt. Für das Haus selbst fallen 3 Schilling Regensburger Pfennige an – ein Hinweis darauf, dass es sich um ein ehemaliges Chorherrenhaus, wahrscheinlich in Steinbauweise, handelt. Zusätzlich zahlt Bartholomäus Abgaben für vier weitere Grundstücke.4
Bartholomäus und Gertrud Bugl haben acht Kinder, von denen fünf das Erwachsenenalter erreichen:
- Simon (1675-1743) Hoferbe
- Margaretha (*1677) heiratet 1723 in Münster Lorenz Wimmerl von Unterzeitldorn
- Adam (*1679)
- Margaretha (*1687)
- Eva (*1689)
1708 folgt Sohn Simon als Hoferbe. Als Braut holt er Magdalena Wagner, eine Bauerstochter aus Aukenzell, auf den Hof.
Von den drei Kindern des Paares stirbt Sohn Sebastian 1711 im Alter von neun Jahren:
- Georg Joseph (*1709), heiratet 1723 die Halbbauerstochter Katharina Buchs von Hüttenzell und übernimmt den Hof seiner Braut
- Simon (*1713), Hoferbe
1737 übernimmt der gleichnamige Sohn Simon Bugl den Hof und heiratet Anna Hilmer aus Thalstetten.
Aus dieser Ehe gehen neun Kinder hervor:
- Johann Georg (1735-1786), Gütler in Münster Nr. 20, heiratet 1774 Anna Maria Weinzierl von Münster Nr. 20
- Joseph (*1737)
- Nikolaus (*1740)
- Maria Anna (1743-1810), Hoferbin
- Anna Maria (*1747)
- Andreas (*1749)
- Maria Ursula (*1753)
Tochter Maria Anna übernimmt bereits 1770 den elterlichen Hof und vermählt sich mit dem Bauerssohn Martin Sieber von Münster Nr. 31 (heute Bergstr. 4).
Das Paar hat fünf Kinder, von denen drei das Erwachsenenalter erreichen:
- Anna Maria (1774-1845) heiratet 1803 den Halbbauern Christoph Fischer von Münster Nr. 47
- Joseph (1775-1842), Hoferbe
- Martin (*1778) heiratet 1800 am Bogenberg Maria Anna Naber, die Tochter eines Bäckers aus Bogen, und wird selbst Bäcker in Bogen
1800 übernimmt Sohn Joseph den Hof in Münster. 1809 geht er eine Verbindung mit Theresia Laschinger, eine Söldnerstochter aus Münster Nr. 1, ein.
Drei Kinder sind von ihnen bekannt:
- Joseph (1813-1878), Hoferbe
- Anna Maria (1815-1882) heiratet 1844 den Söldner Johann Geier von Münster Nr. 13
- Johann Georg (*1820)
1844 geht der Hof an den gleichnamigen Sohn Joseph Sieber über, der noch im gleichen Jahr Magdalena Weber, eine Bauerstochter von Münster Nr. 31, heiratet.
Aus dieser Ehe gehen neun Kinder hervor, von denen sechs erwachsen werden:
- Helena (*1846)
- Simon (*1850)
- Therese (*1852) heiratet 1879 in Ittling den Söldner Johann Hien von Öbling
- Joseph (1853-1917), Hoferbe
- Franz Xaver (1855-1924) erwirbt 1878 das Anwesen in Münster Nr. 45 und heiratet Franziska Gstettenbauer von Semmerdorf
- Ferdinand (1859-1935) heiratet 1886 in das Anwesen seiner Ehefrau Maria Lankes von Münster Nr. 38 ein.
1878 übernimmt Sohn Joseph den 42 Tagwerk großen Hof und vermählt sich mit Magdalena Kaiser, eine Schmiedstochter aus Furth bei Bogen.
Von ihren fünf Kindern sterben drei im Kindesalter, nur zwei erreichen das Erwachsenenalter:
- Kreszenz (*1886)
- Maria (1889-1943), Hoferbin
Maria übernimmt den Hof und heiratet 1918 Joseph Geier, einen Bauerssohn vom „Pummergütl“ Hs.Nr. 52 (heute Falkenfelser Str. 13).
Der Besitz geht später an ihren Sohn Otto Geier (1927-1987) über, der zu dieser Zeit zehn Generationen im Familienbesitz war.
1 Im Zins- und Stiftbuches des Kollegiatstiftes von 1685 werden bei neun Anwesen die Häuser, die alle um die Kirche liegen, außergewöhnlich hoch besteuert, da es hier wahrscheinlich sogar um Steinbauten handelte. Hierzu gehört auch dieses Anwesen.
2 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 640 Ib, fol 86‘ Kauf 1675
3 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 640 Ib, fol 86‘ Kauf 1675
4 BayHStA München, Straubing Kollegiatstift St. Jakob und Tiburtius KL 3, Zins- und Stiftbuch, fol. 140‘
Weitere Quellen:
BayHStA München, KL Straubing Kollegiatstift St. Jakob und Tiburtius 3, Zins- und Stiftbuch 1685
BayHStA München, Hofanlagsbuchhaltung 248, Steuerkonskription der Hofmark Münster 1752
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser u Rustikalsteuerkataster Münster incl Steinach rev Duplikat 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B79, Umschreibbuch zum Häuser und Rustikalsteuerkataster Münster incl Steinach 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokoll der Steuergemeinde Münster von 1838
StA Landshut, Grundsteuerkataster 10279, Umschreibehefte Münster Hs.Nr. 3-59 von 1843 – 1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster 10283, Umschreibehefte Münster Hs.Nr. 1 - 69 von 1859-1893
StA Landshut, Grundsteuerkataster 10289, Umschreibehefte Münster Hs.Nr. 84 bis Ende von 1893 – 1960
Bischöfliches Zentralarchiv Regensburg, Pfarrmatrikel Pfaffmünster
Stand: 12.08.2025