Das Schreiner-Anwesen – früher „das 1/4 Schustergütl“ Hs.Nr. 43
in Agendorf
1760: 1/8 Schuellergütl – 1808: Hs.Nr. 8
heute Mitterfelser Str. 18
von Claudia Heigl
Auch bei diesem Hof war ursprünglich das Augsburger Domkapitel der Grundherr.
Seit 1535, als das Domkapitel die Rechte an dem Dorf Agendorf an Herzog Ludwig X. von Bayern verkauft, werden die Höfe vom Kastenamt Straubing verwaltet und als „propsteiische Güter“ bezeichnet.

1838 erhielt das Anwesen die Hs.Nr. 43
Uraufnahme aus dem Jahr 1827
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas
1579 besitzt Melchior Thurmayer die Sölde. Der Besitz wird wie folgt beschrieben:1
Melchior Thurmayer besitzt eine Sölde aufgrund eines Kaufbriefes der sich auf Erbrecht lehnt, ausgefertigt 1531.
Zur Sölde gehört ein hölzernes Häusl, ein Stadel mit einer Tenne unter einem Dach, Stall und Backofen, alles wohlerbaut.
Davon dient er jährlich auf den fürstlichen Kasten Straubing an Geld 1 Schilling, 15 Kreuzer 2 Reg. Pfennige.
Nächster Besitzer wird ein Georg Grimm. Er ist vermutlich ein Sohn des Hans Grimm, Bauer auf dem benachbarten heutigen „Spanner-Hof“ Hs.Nr. 41.
Ihm gehört noch ein „halber Viertlbau“, den vorher Hans Grimm besessen hatte.2
Ihm folgt ein Simon Rosenhamer als nächster Besitzer.
Simon dürfte ein Sohn des Bruckmüllers Kaspar Rosenhamer gewesen sein. Im 30-jährigen Krieg hat er vermutlich sein Leben verloren und die Sölde erbt sein Bruder Andreas Rosenhamer.
Andreas war in erster Ehe mit einer Barbara verheiratet.
Von ihnen sind fünf Kinder bekannt:
- Elisabeth heiratet 1641 Wolfgang Artmann und wird Bäuerin in Dunk
- Wolfgang ist von 1634 bis 1661 Schullehrer in Steinach Nr. 52
- Georg
- Joachim (* 14.10.1639)
- Rosina heiratet 1662 Georg Leiderer, Bauer a.d. Roithof bei Parkstetten
In zweiter Ehe heiratet Andreas Rosenhamer 1642 die Steinacher Bauerstochter Elisabeth Bertelmann.
Aus dieser Ehe gehen nochmals drei Kinder hervor:
- Maria (*11.04.1643 + 28.01.1650)
- Brigitta (*20.09.1645, + 07.11.1722) heiratet 1666 in Steinach Johann Georg Klingeisen von Trudendorf und lässt sich mit ihm in Münster Nr. 2 als Bäuerin nieder.
- Anna (*02.12.1647) heiratet 1671 in Münster den Weber Wolfgang Daschner von Münster
1649 stirbt der70-jährige Söldner und seine Witwe heiratet 1650 den verwitweten Zimmermann Vitus Schopper von Steinach.
In der Ehe kommen nochmals fünf Kinder zur Welt.
- Elisabeth (*05.05.1651)
- Wolfgang (*23.07.1652)
- Thomas (*08.12.1653 + 05.04.1655)
- Wolfgang (*17.02.1656 + 10.04.1656)
- Thomas (*03.04.1657 + 13.05.1696), Hoferbe und Müller a.d. Bruckmühle
Nach dem Tod ihres zweiten Ehemannes heiratet die Witwe ca. 1665 in dritter Ehe einen Georg Scherzer.
Georg Scherzer baut die zerstörte Bruckmühle wieder auf und wird dort Müller.
Die Sölde in Agendorf verkaufen Georg und Elisabeth Scherzer am 18.06.1683 an ihren Stiefsohn bzw. Sohn Thomas Schopper und seiner Ehefrau Barbara.3
Als Georg Scherzer 1685 im Alter von 45 Jahren stirbt, übergibt die Witwe Elisabeth Scherzer die Bruckmühle ebenfalls an ihren Sohn Thomas Schopper und dessen Ehefrau Barbara.

Die Erbrechtssölde in Agendorf verkaufen Thomas und Barbara Schopper am 27.07.1686 um 235 Gulden an Jakob Gstettenbauer von Rammersberg und dessen Ehefrau Maria.4
Das Ehepaar hat zwei Söhne, die in Rammersberg geboren und in Oberalteich getauft worden sind.
- Georg (*21.03.1674)
- Johann (*15.04.1677), Hoferbe
Nach dem Tod des 55-jährigen Söldners heiratet die Witwe den verwitweten Bauern Andreas Hien von Pellham Nr. 27.
1700 übernimmt Sohn Johann Gstettenbauer das Anwesen und heiratet die Bauerstochter Barbara Straßmayer von Weißendachsberg.
Vier Kinder kommen in der Ehe zur Welt:
- Ursula (*1703)
- Georg (*1706)
- Anna Maria (*1708) heiratet 1732 den Söldner Wolfgang Wirth von Gschwendt
- Mathias (1711-1757), Hoferbe

Sohn Matthias übernimmt 1734 den Hof von der Mutter und ehelicht die Halbbauerstochter Barbara Reitel von Exlarn.
Das Ehepaar bekommt fünf Kinder, von denen drei im Säuglingsalter sterben:
- Ignaz (*+1734)
- Barbara (*1735)
- Walburga (1738-1787) heiratet 1762 den Hafner Johann Stephan Mayerhofer von Wolferszell Nr. 10
- Ignaz (*1740), gestorben
- Anton (*+1742)
Nach dem Tod von Barbara heiratet der Witwer die Bauerstochter Apollonia Wartner von Scheibelsgrub:
Aus der Ehe gehen nochmals drei Kinder hervor, von denen jedoch nur eine Tochter überlebt:
- Andreas (*1743) gestorben
- Magdalena (*1746) gestorben
- Magdalena (1748-1795), Hoferbin
1757 stirbt Mathias im Alter von 46 Jahren und die Witwe heiratet den Bauerssohn Johann Rothamer von Rotham. Die Ehe bleibt kinderlos.
1782 übergibt der inzwischen verwitwete Johann Rothamer den Hof in Agendorf an seine Stieftochter Magdalena Gstettenbauer. Er selbst geht nochmals eine Ehe mit der Bauerswitwe Eva Heisinger von Hoerabach ein und zieht zu ihr auf den Hof.
Magdalena nimmt den Halbbauerssohn Johann Stegbauer von Mitterkogl zum Ehemann.
Aus der Ehe gehen drei Töchter hervor:
- Maria Anna (*1782) heiratet 1810 in Steinach den Söldner Johann Georg Hartl von Muckenwinkling Nr. 55
- Maria Magdalena (*1784)
- Barbara (*1785), Hoferbin
1795 stirbt die 46-jährige Magdalena Stegbauer und der Witwer ehelicht die Müllerstochter Anna Lang von Wolferszell.
1821 übergibt Johann Stegbauer den Hof an sein jüngste Tochter Barbara und ihrem zukünftigen Ehemann Johann Baptist Eyerer von Gschwendt Hs.Nr. 19 den Hof.
Das Paar hat bereits eine gemeinsame fünfjährige Tochter namens Magdalena (*14.12.1815), die 1842 den Agendorfer Wirt Peter Wurm heiratet.
Zwei Tage nach der Trauung kommen nochmals Zwillinge zur Welt:
- Andreas und Joseph (*30.03.1821), die jedoch beide mit neun Monaten im Dezember des gleichen Jahres sterben.

1843 verkauft Johann Eyerer das Anwesen mit 21 Tagwerk Grundbesitz daher an Georg Wagner von Hunderdorf um 4.300 Gulden. Seinen Lebensabend verbringt er bei der Tochter im Agendorfer Wirtsanwesen.
Zwei Jahre später, am 10.11.1845, erwerben Johann Georg, Katharina und Martin Schütz um 5350 Gulden den Hof.
Die drei Geschwister stammen vom Kindlasberg. Nachdem ihre jüngste Schwester Maria Anna mit ihrem Ehemann Mathias Kaiser den Elternhof übernommen hatte, wurden die unverheirateten Geschwister wohl ausbezahlt und erwarben dafür den Agendorfer Hof.

1858 stirbt Johann Georg Schütz und der Agendorfer Bauer Josef Gierl (Hs.Nr. 35, heute Stelzl-Hof) erwirbt den Hof um 8026 Gulden.

Der alte "Troadkasten" des Anwesens wurde 1957 abgebrochen.
Auf der Altane Karl Schreiner, im Hintergrund das Meier-Anwesen.
die waagrecht am Trodkasten angebrachte Stange war der Feuerhaken.
Bild: Familie Schreiner
1860 verkauft er den Hof um 4.000 Gulden an den Bauerssohn Joseph Schreiner von Oberhartberg. Dabei behält er jedoch 12 Tagwerk an Grund in seinem Besitz zurück.
Joseph ist mit der Söldnerstochter Maria Gabler von Loifling verheiratet.
Das Ehepaar hat acht Kinder, von denen drei im Säuglingsalter sterben:
- Katharina (1861-1879)
- Joseph (1864-1948), Hoferbe
- Anna (*1868) heiratet 1894 Joseph Räß von Pilgramsberg und lässt sich mit ihrem Ehemann in Mitterfels nieder
- Anna Maria (*1869)
- Margaretha (*+1870)
- Karolina (*1874)
- Kreszenz (*+1875)
- Anonymus (*+1877)
Der einzige Sohn Joseph übernimmt 1888 den Hof und heiratet Kreszenz Räß von Herrnfehlburg.
Aus der Ehe gehen sieben Kinder hervor, von denen eines als Säugling stirbt:
- Joseph (1891 - 1918), vermisst im 1. Weltkrieg
- Johann Baptist (1893 – 1916), gefallen im 1. Weltkrieg
- Karl (1894-1980), Hoferbe
- Ferdinand (*1897)
- Maria (1899-1905)
- Rosina (1904-1913)
Sohn Karl übernimmt 1925 den Hof und ehelicht die Bauerstochter Rosina Neidl von Oberniedersteinach Nr. 10.

Karl Schreiner (1894-1980)
Bild: Familie Schreiner
Das Schreiner-Anwesen aufgenommen 1990
Bild: Pfarrer Maas, Steinach
aufgenommen Oktober 2018
Bild: Claudia Heigl
1 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing B39, Sal- und Urbarsbuch über die propsteiischen Lehengüter des Rentkastenamts Straubing, 1579, fol. 52
2 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing B39, Sal- und Urbarsbuch über die propsteiischen Lehengüter des Rentkastenamts Straubing, 1579, fol. 43
3 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P65 II, fol. 156 Übergabebrief vom 18.06.1683
4 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P 66 I, fol. 62‘ Kaufbrief vom 27.07.1686
Weitere Quellen:
BayHStA Kurbayern Hofkammer 515, Konskription des Hauptkastenamts Straubing Amt Trudendorf von 1760
StA Landshut, Rentamt Straubing B130, Häuser- und Rustikalsteuerkataster Trudendorf incl Agendorf 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B131, Umschreibebuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster Trudendorf incl Agendorf 1814 - 1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokoll der Steuergemeinde Agendorf von 1836
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9932 Umschreibeheft zum Grundsteuerkataster von Agendorf 1843 - 1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9935 Umschreibeheft zum Grundsteuerkataster von Agendorf 1859 - 1894
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9939 Umschreibeheft zum Grundsteuerkataster von Agendorf 1894 - 1960
BZA Regensburg, Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach
Kulturkreis Josef Schlicht e.V., Jahresheft 1993/94, Ausgabe 2/1994
Veröffentlicht: 14.05.2026