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August von Schmieder

 

von Dr. Thomas Grundler

 

 

 

1901 beginnt die Geschichte der Familie von Schmieder in Steinach mit dem Kauf des Schlossgutes Steinach durch Dr. jur. Karl August Schmieder, 1963 endet sie mit dem Verkauf durch seinen Sohn Dr. Max von Schmieder.

Gut 60 Jahre, die bis heute Ortsbild, Bedeutung und Bekanntheitsgrad von Steinach wesentlich bestimmen.

 

August Schmieder 

 

 

Zur Herkunft der Familie von Schmieder
Karl August Schmieder wird am 29.Mai 1867 in Breslau als einziges Kind der Eheleute August Schmieder (1824 - 1897) und Paula Schmieder (1827 – 1897) geboren. Beide Eltern stammen aus Karlsruhe, wo sie in der Langen Strasse eine vom Schwiegervater übernommene Brauerei betreiben, die allerdings 1850 Konkurs anmelden muss1. August und Paula Schmieder übersiedeln nach Schlesien, wo August Schmieder „wegen seiner außerordentlichen Tüchtigkeit“ - wie Joseph Schlicht in seiner Geschichte von Steinach bemerkt – zum Generaldirektor und Teilhaber der „Schlesischen Aktiengesellschaft für Bergbau“, die neue Zinkhütten, Walzwerke, Kohlen- und Galmeigruben in Lipine, Ohlau und Jedlice betreibt, aufsteigt2,3. Zu guter Letzt fungiert er zudem als Bankier in Breslau1.

 

Paula Schmieder

August Schmieder (1824-1897) und Pauline Schmieder (1827-1897)

 

Der Zinkbergbau erlebt in Schlesien in dieser Zeit einen gewaltigen Boom, 1876 produziert Schlesien schon mehr als die Hälfte des gesamten in Deutschland erzeugten Zinks.1881 kehrt August Schmieder mit seiner Familie als sehr vermögender Mann nach Karlsruhe zurück und errichtet in der Karlsstrasse 10, wie man in der Beschreibung des Palais der Stadt Karlsruhe lesen kann, „um sein früheres Scheitern vergessen zu machen das verschwenderisch ausgestattete Palais Schmieder“4. Die Baukosten dieses, vom berühmten Architekten der Karlsruher Gründerzeit  Baurat Josef Durm, Professor an der Technischen Hochschule Karlsruhe, geplanten, prunkvollen Gebäudes im Herzen von Karlsruhe belaufen sich auf fast 1,2 Mio. Goldmark. Ein auch für heutige Verhältnisse ungeheuerlicher Betrag für ein Privathaus (nach heutiger Kaufkraft etwa 12 Mio. Euro). Die hohe Bausumme kommt vor allem auch deswegen zusammen, da August Schmieder namhafte Künstler mit der Gestaltung der Außenfassade und der Ausstattung der Innenräume beauftragt. Natürlich erhält das große Haus ein Dach aus schlesischem Zinkblech.

 

Villa Schmieder

Villa Schmieder in Karlsruhe um 1884

Quelle: Stadtarchiv Stadt Karlsruhe

 

August und Pauline Schmieder, versterben beide im April 1897 „nach einem besonders  herben Winter“ innerhalb von 4 Tagen. Im Nachruf in der „Karlsruher Zeitung“ wird August Schmieder als der „reichste Mann“ von Karlsruhe bezeichnet1. Das Erbe tritt als einziges Kind ihr Sohn Dr. jur. Karl August Schmieder an, zu der Zeit Assessor in Frankfurt am Main. 1899 erwirbt  Prinz Max von Baden anlässlich seiner Vermählung mit Prinzessin von Cumberland; der Herzogin von Braunschweig-Lüneburg das Palais. Seitdem spricht man in Karlsruhe vom „Prinz Max Palais“, das später in den Besitz der Stadt Karlsruhe übergeht. Im 2. Weltkrieg nach einem Bombentreffer ausgebrannt, wird es wieder aufgebaut und dient von 1951 – 1969 als Sitz des Bundesverfassungsgerichtes, heute beherbergt es Teile des Karlsruher Stadtmuseums4.

 

Dr. jur. Karl August von Schmieder
Karl August Schmieder besucht zunächst das Gymnasium in Karlsruhe, studiert anschließend Jura in Heidelberg, Frankfurt und Breslau, promoviert in Berlin zum Dr. jur. und macht in Frankfurt sein Assessorexamen2. Als  beide Eltern 1897 sterben, erbt Dr. Karl August Schmieder mit 30 Jahren das außerordentlich große Vermögen seines Vaters, das in einem Zeitungsartikel der „Karlsruher Zeitung“ vom 19. April 1951 auf 60 Millionen Goldmark geschätzt wird1, heutiger Kaufkraft nach in etwa 600 Mio. Euro!

 

August Schmieder 2

Karl August von Schmieder um 1901

 

Seine Begeisterung für die edlen Vollblutpferde und den Galopprennsport bringen Karl August Schmieder irgendwann um das Jahr 1885 in Frankfurt mit Carl von Lang-Puchhof, zusammen, den in seiner Zeit erfolgreichsten Galopprennpferdezüchter Bayerns, der auch in Frankfurt einen Wohnsitz hat. Carl von Langs Vater macht als Leitender Ingenieur beim Bau der „Bayerischen Ostbahnen“ und beim Bau des türkischen Teiles der Bagdadbahn ein Vermögen, das er an seine Söhne Carl und Herrmann vererbt. Beide Söhne werden anstelle des plötzlich versterbenden Vaters von Ludwig II. „in Anerkennung der Verdienste des Vaters um den Aufbau der Bayerischen Ostbahnen“ 1885 in den erblichen Adelsstand erhoben5. Carl von Lang-Puchhof wird später von der Krone sogar zum „Erblichen Reichsrat der Krone Bayerns“ ernannt. Er erwirbt 1870 Gut Puchhof6 und errichtet in einem weitläufigen, ca. 50 ha(!) großen Park das „Neue Schloss Puchhof“ und im benachbarten Aholfing ein Vollblutgestüt (heute Gut Aholfing von Familie Helmut Lang, Namensgleichheit zufällig).

Carl von Lang-Puchhof und Karl August Schmieder unterhalten gemeinsam von 1898 bis 1907 einen Rennstall in Berlin-Hoppegarten und züchten im Gestüt in Aholfing Vollblüter. 1899 gewinnen „Hut ab“ mit dem Preis der Diana und „Hagen“ mit dem Preis des Winterfavoriten für die Besitzergemeinschaft Carl von Lang-Puchhof/Karl August Schmieder die ersten wertvollen Zuchtrennen. Schon 1900 gelingt den beiden mit „Hagen“ der große Wurf: Der Sieg im Deutschen Derby in Hamburg-Horn15!

Lang Schmieder

Carl von Lang-Puchhof und Karl August Schmieder auf der Rennbahn in Frankfurt, 1902

 

Es folgen mehrere Zuchtrennerfolge mit den in Puchhof gemeinsam gezüchteten Pferden. Die Besitzergemeinschaft ist sehr erfolgreich, 118 Siege und ein Preisgeld von fast 1,2 Mio. RM erlaufen die Pferde mit dem hellblauen Dress und der weißen Kappe7. Karl August Schmieder kommt in dieser Zeit mehrfach nach Puchhof, besucht seine Pferde und lernt dabei seine spätere Frau Mary von Lang-Puchhof (1885-1971) kennen. In den 1902 beginnenden privaten Alben von Mary von Lang-Puchhof erscheinen im Juli 1902 die ersten Bilder auf denen auch „Herr August Schmieder“, wie Mary von Lang-Puchhof selbst die Bilder beschriftet, zu sehen ist.

 

1901 Kauf von Schlossgut Steinach
Carl von Lang-Puchhof „überredet“ Karl August Schmieder sich auch in der Nähe zu begütern, um auch Pferde züchten und auf die Jagd gehen zu können. Schon 1900 kann Karl August Schmieder Gut Fruhstorf bei Amselfing kaufen, tauscht dieses mit den Gebrüdern Richard und Josef Rabl aus Münchshöfen noch im gleichen Jahr gegen ein Aufgeld von 70 000 Goldmark8 gegen das Gut Einhausen bei Rinkam. 1901 erwirbt er von seinem „Pferdefreund“ und späteren Schwiegervater Carl von Lang-Puchhof zum einen Gut Rinkam (heute Saatzucht Firlbeck)9 und zum anderen das Schlossgut Steinach mit damals rund 485 ha2. Beide Besitzungen hatte Carl von Lang-Puchhof selbst erst 1899 (Steinach von den Grafen Berchem-Königsfeld)2 bzw. 1900 (Rinkam von August Kuchenmeister) erworben9.

 

1902 Erhebung in den Adelsstand
Im Jahr nach Erwerb von Schlossgut Steinach wird Dr. Karl August Schmieder, der zu den reichsten Männern in Bayern zählt, laut Adelsbrief vom 25.08.190210  durch Prinzregent Luitpold in den erblichen Adelsstand der Krone Bayerns erhoben.

 

Wappen

 Wappen der Familie von Schmieder
Original aus dem Adelsdiplom

 

Beschreibung im Adelsdiplom vom 25.08.1902:
"Im von Blau über Silber schräglinks getheilten Schilde ein goldenbewehrtes Pferd in verwechselten Farben.
Aus dem gekrönten Helme wachsend ein silbern bewehrter und beflügelter feuerspeiender blauer Drache,
die Flügelrippen roth bespitzt u. den Rückenkamm mit rothen Kugeln besetzt.
Die Helmdecken sind blau-silbern."

 

 

Renovierung Altes Schloss Steinach
Steinach mit dem alten Schloss von 1549 und dem großen Grund- und vor allem auch Waldbesitz eignet sich hervorragend, um die Pläne vom eigenen herrschaftlichen Besitz mit Schloss, eigenem Gestüt und großer Jagd zu verwirklichen.

1902 -1904 lässt Karl August von Schmieder das „Alte Schloss“ – wie es heute noch heißt –  von Grund auf renovieren, mit einer Zentralheizung, „dem Elektrischen“ versehen sowie neu einrichten, um seiner Zukünftigen, die im modernen, erst 1872 erbauten Schloss Puchhof aufgewachsen ist, einen adäquaten Wohnsitz bieten.

 

1904 Heirat mit Mary von Lang-Puchhof
Am 7.September 1904 findet die Hochzeit von  Dr. Karl August von Schmieder und Mary von Lang-Puchhof in der Schlosskapelle zu Puchhof statt.

 

Hochzeit Schmieder

Das Brautpaar Mary von Lang-Puchhof und Karl August von Schmieder, 1904

 

Das Brautpaar bezieht das neu renovierte Alte Schloss Steinach und eine Stadtresidenz in der Leopoldstrasse in München. Die Herrschaft wohnt vorrangig im ersten Stock, von wo aus man ebenerdig in den wunderschön abgeschirmten Garten im Süden heraustreten kann.

Im zweiten Stockwerk befinden sich die Gästezimmer und der noch bestehende große Saal an der Südfront. Hier finden die größeren Feierlichkeiten und Empfänge statt. So werden zum Beispiel an Weihnachten die Bediensteten mit ihren Kindern alljährlich in den großen Saal, wo ein hoher, bunt geschmückter Christbaum steht, eingeladen und mit allerlei Nützlichem, wie z.B. Kleidungsstücken beschenkt14.

 

Bau des „Neuen Schlosses“
Bald stellt sich heraus, dass das „Alte Schloss“ zu klein ist. Denn, wie Joseph Schlicht in seiner Geschichte von Steinach2 so treffend formuliert: „unser altes Schloss Steinach ist eben nur der Bau von 1549 und für die Besitzverhältnisse von 1901 durchwegs ungenügend“.

Also plant Karl August von Schmieder einen großzügigen Anbau nach Norden, für dessen Verwirklichung aber die dort befindliche Schlosskapelle weichen müsste.

Am Bischöflichen Ordinariat in Regensburg findet der (evangelische) Karl August von Schmieder kein Gehör für seinen Vorschlag die Schlosskapelle abzureißen und am nördlichen Ende des Schlossanbaues wieder neu zu errichten. Daraufhin sucht er nach einem günstigen Platz für die Errichtung eines „Neuen Schlosses“. Zuerst fällt die Wahl auf den Helmberg, der ersten Erhöhung am Rande des Donau-Randbruches mit famosem, unverwehrtem Blick hinaus in die Donauebene. Aber nicht der ganze benötigte Grund kann dort erworben werden. Gleich gegenüber, etwas zurückgesetzt liegt der „Singberg“ und der dort ansässige Landwirt Xaver Holmer kann zum Verkauf des gesamten Anwesens gewonnen werden.

Nach den Plänen des berühmten Architekten Gabriel von Seidl, der so bekannte Gebäude wie das Bayerische Nationalmuseum, das Deutsche Museum und das Künstlerhaus am Lenbachhaus in München oder auch Schloss Neubeuern und Schloss Schönau geplant hat, entsteht unter der Bauleitung von Iwan Bartcky 1904 - 1908 am Singberg ein Traumschloss.

 

Neues Schloss

Luftbild Neues Schloss Steinach (um 1920)

 

Um den Bau verwirklichen zu können und um das Neue Schloss auch mit Steinach und der Strasse nach Straubing zu verbinden, läßt Karl August von Schmieder von der „Staatsstrasse“ bei Rotham bis zum Neuen Schloss eine 3,2 km lange neue Strasse bauen2.

Die junge Familie von Karl August von Schmieder erlebt mit ihren drei in München geborenen Kindern Ernestine (1905), Maximilian (1908) und Berta (1916) nach dem Einzug in dieses prachtvolle Schloss einige sicher traumhaft schöne Jahre. Die drei Kinder werden von strengen Privatlehrern erzogen und unterrichtet. Die Sommermonate genießt man im Neuen Schloss Steinach zusammen mit vielen Gästen. Viele langjährige Freunde der Familie  wohnen über Jahre hier, darunter auch die berühmte Wagnersängerin der Münchner Hofoper Berta Morena, die zur besten Freundin und ständigen Begleiterin der Schlossherrin wird und im Schloss Steinach mehrfach auftritt. Aus den Photoalben und den Gästebüchern geht hervor, dass auch hochgestellte Personen des Bayerischen Adels in Steinach zu Besuch waren, wie Herzog Luitpold und Prinz Ludwig von Bayern.

 

Familie Schmieder

Familie von Schmieder auf der "Löwenbank" im Park des Neuen Schlosses (um 1918)
von links: Ernestine, Mary, Karl August, Berta und Max von Schmieder

 

Im Winter weilt die Familie oft in München, in der Leopoldstrasse bzw. später in der Ohmstrasse.

1907 errichtet Karl August von Schmieder für seinen Besitz in Steinach, Einhausen und Rinkam ein „Fideikommiss“und „Majorat“2, wonach das gesamte Erbe dem ersten männlichen Nachfahren zufällt. 1922 lässt Karl August von Schmieder dieses „Fideikommiss“ durch das Oberlandesgericht München wieder aufheben und teilt seine drei Güter auf seine Kinder auf. Er vermacht seiner Tochter Ernestine Gut Rinkam, seinem Sohn Max Gut Steinach und seiner Tochter Berta Gut Einhausen, allerdings behält er sich bis an sein Lebensende den Niesbrauch und die Verfügung über die Grundstücke vor.

 

Die Jagdleidenschaft
Karl August von Schmieder ist begeisterter Jäger. Zu seiner Zeit gibt es auch in unserer Gegend Wild in Hülle und Fülle. Zu den Jagdrevieren von Karl August von Schmieder gehören die umliegenden Jagden der Gemeinden Steinach, Münster und Parkstetten, der Straubinger Spitalwald sowie Teile der Gemeindejagden von Saulburg, Bärnzell, Gschwendt, Agendorf und Unterzeitldorn2. Dazu kommt noch die ca. 1000 ha große Eigenjagd, „deren schönster Punkt die Jagdhütte, die im Oberländerstil gebaut ist und einen reizenden Ausblick gewährt hinab auf das Gestüt, in die Waldberge hinein und in die Ebene hinaus“, wie man in Schlichts „Geschichte von Steinach“ nachlesen kann. Der genaue Standort der Jagdhütte ist ungeklärt, der Beschreibung des Ausblickes nach muss die Jagdhütte wohl am Hang zwischen Gestüt und Dexenhof gelegen haben. Beim Tennisspielen im Neuen Schloss wird Karl August von Schmieder so unglücklich von einem herab fallenden Tennisball eines Mitspielers getroffen, dass er sein rechtes Auge verliert und von da an mit sog. „gekröpften“ Gewehrschäften schießen muss. Interessant aus heutiger Sicht sind die damals vorkommenden Wildarten, die ebenfalls von Schlicht erwähnt werden2. Neben den noch heute häufigen Feldhasen, Rehen und Fasanen gibt es im Steinacher Moos noch große Mengen an Birkwild und am Dexenhof sogar noch Auerwild. Max von Schmieder berichtet mir einmal, dass er in den 20er Jahren öfters mit der Flinte ins Steinacher Moos geschickt wird, um Birkwild für die Küche zu erlegen.

 

Max August Schmieder

Karl August und Max von Schmieder auf der Jagd

 

Die weiteren Baumaßnahmen
Der Bau des „Neuen Schlosses“ ist sicher die größte Baumaßnahme die Karl August von Schmieder in Steinach durchführt, aber in den Anfangsjahren seines Besitztums überschlagen sich seine Aktivitäten. An allen Ecken und Enden des neuen Besitzes in Steinach wird gebaut und der Grundbesitz erheblich von ehemals erworbenen ca. 485 ha auf ca. 910 ha erweitert.

Vor allem im Norden von Steinach in Richtung Falkenfels, wo die schweren Urgesteinsverwitterungsböden des Falkensteiner Vorwaldes anstehen, die ohne aufwändige Melioration nicht leicht zu bewirtschaften sind, kann Karl August von Schmieder viele Wald- und Feldgrundstücke von kleineren Landwirten erwerben. Auch südlich von Steinach, zwischen dem Oberen und dem Unteren Harthof erwirbt Karl August von Schmieder ca. 65 Hektar leichten, sandigen Bodens, den er Großteils aufforstet, vorwiegend nach jagdlichen Gesichtspunkten gestaltet und mit vielen Waldecken, kleinen Wildwiesen und Wildäckern dazwischen sowie einer großen Fasanerie zur Aufzucht von Jagdfasanen versieht. Leider wurde dieser Auenwald in den vergangenen 30 Jahren schonungslos ausgekiest.

 

Die Zeit nach dem 1. Weltkrieg und der Verlust eines Großteils des Vermögens
Nach dem verlorenen 1.Weltkrieg werden auch für Karl August von Schmieder die Zeiten härter. Einen beträchtlichen Teil seines großen Geldvermögens hat er in Auslandspapieren angelegt. Im Versailler Vertrag von 1919 konfiszieren die Siegermächte die in ihrem Herrschaftsbereich liegenden deutschen Vermögen weitgehend. Nach diesem Desaster nimmt sich der mit der Anlage des Vermögens von Karl August von Schmieder Beauftragte das Leben10,11. Die Inflation 1922 verringert das inländische Vermögen erheblich und durch die Weltwirtschaftskrise von 1928 verliert Karl August von Schmieder nochmals viel an Liquidität.

Seinen 60. Geburtstag feiert Karl August von Schmieder am 29.05.1927 zwar noch im Neuen Schloss, aber bald danach müssen Sparmaßnahmen getroffen werden. Ein Teil des Neuen Schlosses wird stillgelegt, die Gewächshäuser werden nicht mehr beheizt.

 

August Schmieder 60Jahre

60. Geburtstag von Dr. Karl August von Schmieder im Neuen Schloss 29.05.1927, Besuch durch die Steinacher Honoratioren

von links: Ignaz Fellinger, Josef Hartinger, Xaver Gerstl, Xaver Simmel, Karl August von Schmieder, Xaver Retzer, Josef Hilmer, Josef Beck, ?, Josef Holmer, Xaver Bachl, Bürgermeister Eduard Hagenauer, Simon Bugl, Karl Echinger, Karl Ertl

 

Es ist nicht genau bekannt, wann Karl August von Schmieder mit seiner Familie das Neue Schloss ganz verlässt. In den Alben von Mary von Schmieder  finden sich noch Bilder aus dem Neuen Schloss bis zum Jahr 1930. Danach wohnt die Familie vorwiegend in der Wohnung in der Ohmstrasse in München10.

Mit Kaufvertrag vom 8.2.1934 veräußert Karl August von Schmieder seinen gesamten Waldbesitz von über 600 ha an den Wittelsbacher Ausgleichsfond19.

Die Tochter Ernestine heiratet 1935 den bekannten Münchner Jagd- und Tiermaler Adalbert Meckel und zieht nach München.

Karl August von Schmieder kehrt zusammen mit der jungen Familie seines Sohnes Max erst 1937 zurück nach Steinach ins Alte Schloss. Mary von Schmieder bleibt in München wohnen und zieht später mit ihrer Freundin Berta Morena nach Rottach-Egern, wo sie im Alter von 86 Jahren am 14.11.1971 verstirbt, dort findet sie auch ihre letzte Ruhestätte.

1939 verkauft Karl August von Schmieder das Neue Schloss und den Park mit den übrigen Gebäuden für 440 000 RM an die Reichsautobahn18. Für die geplante, aber im Dritten Reich nie zur Ausführung gelangte Autobahn Nürnberg – Wien soll im Neuen Schloss ein großes Nobelrasthaus mit Hotel errichtet werden. Im Kutschenstall des Neuen Schlosses wird ein großes Arbeitsdienstlager eingerichtet, im Park werden mehreren Holzbaracken errichtet. Von dort werden umfangreiche Arbeiten zur Trockenlegung des Steinacher Mooses und zur Eindeichung der Donau vorgenommen.

Plötzlich und unerwartet verstirbt Karl August von Schmieder am 6. März 1941 in Steinach.

Das Erbe in Steinach tritt sein Sohn Max an.

 

 

Bilder:
Liane von Schmieder, Meisham
Carlmax von Schmieder, Dublin
Alben von Mary von Schmieder, Hubertus Meckel, München

 

Danksagung:

Diesen Artikel zu schreiben war nur durch die bereitwillige Hilfe und Unterstützung mehrerer Personen möglich. Ich möchte mich dafür ganz besonders herzlich bedanken bei:
Liane von Schmieder, Carlmax von Schmieder, Hubertus Meckel und Christine Behmenburg für das Überlassen der vielen Bilder, Dokumente und Informationen
Traudl Niggl, Katharina Firlbeck, den Fellinger Schwestern, Herrn Hans Kirmer, Frau Theresia Zollner für die informativen Gespräche.

 

Anmerkung und Bitte:

Alle, die diesen Artikel lesen, möchte ich bitten, mir eventuell enthaltene geschichtliche Fehler mitzuteilen und mir vor allem weitere, ergänzende Informationen und Dokumente oder auch Bilder aus der Zeit der Familie von Schmieder in Steinach zur Verfügung zu stellen oder zugänglich zu machen.

 

Quellen:

  1. Karlsruher Zeitung 19.4.1951
  2. Joseph Schlicht, 1908 : Die Geschichte von Steinach
  3. Dankurkunde der Belegschaft der Schlesischen Aktiengesellschaft für Bergbau an August Schmieder, 1872
  4. Stadt Karlsruhe, 1981: Schrift zur Eröffnung der Jugendbibliothek , der städtischen Galerie und der Stadtgeschichte im Prinz Max Palais
  5. Adelsprädikat Dr. jur. Karl und Hermann von Lang-Puchhof, 1.2.1885
  6. Willi Grünberg, 1958: Geschichte des Schlossgutes Puchhof
  7. Sportzeitung München, 1916
  8. Herrmann Rabl, Fruhstorf, 2005: Mündliche Mitteilung
  9. Michael Wellenhofer, 1994:Hofgeschichte des Firlbeckhofes in Rinkam
  10. Carlmax von Schmieder, 2005: Mündliche Mitteilung
  11. Liane von Schmieder, 2005: Mündliche Mitteilung
  12. N.N. „Schlossgut Steinach“, ohne Jahresangabe
  13. Ludwig Niggl, 1953: Geschichte der deutschen Grünlandbewegung 1914-45
  14. Traudl Niggl, Steinach2005: Mündliche Mitteilung
  15. Direktorium für Vollblutzucht und –rennen, 1994: Sieger bedeutender Zuchtrennen
  16. Katharina Firlbeck, Rinkam 2005: Mündliche Mitteilung

 


 

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