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Das Schmidbauer-Anwesen  Hs.Nr. 62

 

1583/1623/1641/1691: Die Bramsensölde – 1760: Prandtner Häusl – 1808: Spießl Hof Hof Hs.Nr. 11 – ab 1838 Hs.Nr. 62

 

heute Hafnerstraße 4

 

von Claudia Heigl

 

 Auch auf diesem Anwesen waren Hafner ansässig. Im Jahr 1583 besitzt Sibille Brams, die Witwe des Paul Brams das Lehen auf dem Anwesen. Sie entrichtet eine Gilt von 4 Schilling 20 Regensburger Pfennig und zahlt . wie alle Steinacher Hafner - noch zusätzlich Tegelgeld in Höhe von  5 Schilling 25 Reg. Pfennigen.1  

 

Auch auf dem Nachbaranwesen (heute Hafnerstr. 5, Stegbauer) lebt ein Hafner namens Brams.
Im Salbuch wird dieses Anwesen daher als „die eine Bramsensölde“ bezeichnet, während das Nachbaranwesen als „die andere Bramsensölde“ geführt wird.

 

uraufnahme kopie

Uraufnahme aus dem Jahr 1827
Das Anwesen hatte auf dieser Karte die Hr. Nr. 62
Quelle: Bay. Vermessungverwaltung München, Bayernatlas

 

 

Hafnersfamilie Schuhbauer

Nachfolger ist Wolf Schuhbauer, der 1623 gemeinsam mit seiner Ehefrau Anna nur noch das Leibrecht auf der „Bramsensölde“ besitzt.2 Das Häusl wird mit 5 Pfund Reg. Pfennige bewertet.3

 

1641 besitzt ein Georg Schuhbauer, die Sölde bereits auf Erbrecht. D.h. er kann das Anwesen auf seine Erben weitergeben.4

Die Familie Schuhbauer zählt zu den alten Hafnerfamilie, deren Nachkommen bis ins 20. Jahrhundert in Wolferszell ansässig sind.

Von Georg und seiner Ehefrau Maria sind sechs Kinder bekannt, von denen alle drei Söhne ebenfalls das Hafnerhandwerk erlernen:
- Jakob (+ 02.10.1640)
- Johann (*20.07.1642), Hofnachfolger
- Sebastian (*16.01.1645), wird Hafner in Wolferszell Nr. 16 (Mühlenweg 15)
- Die Zwillingsmädchen Anna und Maria (+20.09. und 21.09.1656)
- Georg (*23.04.1650), wird Hafner in Wolferszell Nr. 8 (Kreuzstr. 1)

 

 

Schuhbauer Besitzer

 

 

Am 22.04.1663 erwerben Georg und Maria ein Hafner-Anwesen in Wolferszell (Hs.Nr. 8, heute Kreuzstr. 1) und ziehen mit ihren zwei jüngeren Söhnen dorthin.5
Das Anwesen in Steinach übernimmt der älteste Sohn Johann, der ebenfalls als Hafner tätig ist.

 

Einen Monat später heiratet er die Bauerstochter Maria Rothamer von Rotham.
Aus der Ehe sind keine Kindstaufen im Kirchenbuch verzeichnet. 1668 veräußert das Ehepaar die Hafnersölde in Steinach und erwirbt in Gschwendt ein Anwesen (Hs.Nr. 5, Kinsachstr. 5)

 

Hafnersfamilie Grüneisl

Neuer Besitzer wird 1668 Georg Grüneisl von Wolferszell. Er ist der Enkel des Schmieds Michael Grüneisl (weitere Schreibweise Grieneisen, Grüneisen). Sein Vater Kaspar wird als Tagelöhner in Wolferszell genannt, seine Onkel sind die Schmiede Sebastian Grüneisl von Steinach und Anton Grüneisl von Münster.

Georg gilt als Urvater aller Grüneisl-Hafner.

1669 heiratet er die Tagelöhnerstochter Apollonia Wiesinger von Dinzling bei Traitsching.
Ihr Bruder Georg Wiesinger wird 1680 ebenfalls Hafner in Steinach (Hs.Nr. 63, heute Hafnerstr. 5, Stegbauer) und Stammvater aller Wiesinger-Hafner.

 

Georg und Apollonia Grüneisl bekommen insgesamt elf Kinder, von denen sechs im Kindsalter sterben:
- Simon (*06.11.1669), wird Hafner in Wolferszell Nr. 5 (Grüneislhof, heute nicht mehr vorhanden)
- Matthias (*29.01.1671 + 01.05.1674)
- Anna (*01.04.1673 + 06.11.1673)
- Elisabeth (*15.08.1676) heiratet 1701 den Schneider Georg Echinger von Steinach Nr. 66
- Nikolaus Anton (*12.12.1677 + 02.09.1678)
- Ursula (*12.09.1679 + 16.06.1685)
- Georg (*23.03.1681), Hofnachfolger
- Veronika (*25.08.1682 + 19.04.1684)
- Balthasar (*02.01.1684)
- Mathias *19.07.1686 + 20.07.1686)
- Magdalena (*11.07.1688) heiratet 1712 den Hafner Georg Klein von Steinach Nr. 65

 

Am 19.03.1690 stellt Georg seinen 9jährigen Sohn Georg jun. auf der Zunftversammlung der Straubinger Hafner als Lehrjungen vor.6

 

1704 übernimmt Sohn Georg jun. das Hafneranwesen von seinen Eltern. Seine Ehefrau ist die Söldnerstochter Walburga Färber von Wolferszell Nr. 22

Drei Kinder kommen in Steinach zur Welt:
- Barbara (*05.11.1704)
- Georg Dionysius (*09.10.1706)
- Maria Katharina (*26.10.1707)

 

1710 zieht die Familie nach Stallwang und übernimmt die dortige Hafnerei des Sebastian Härtl.7

 

Grueneisl Besitzer

 

 

 

Weitere Besitzer

Nächster Hafner auf dem Anwesen ist Joseph Lankes, Zimmermannssohn aus Steinach. Er ist mit der Metzgerstochter Maria Hartberger von Furth verheiratet.
Das Ehepaar hat fünf Kinder:
- Maria Ursula (*1716) heiratet 1742 den Bauern Johann Jakob Reichersdorfer von Steinach Nr. 17
- Franz Simon (*1719) als Kind verstorben
- Maria Anna (*1720) als Kind verstorben
- Franz Joseph (*1722) wird 1755 Bauer in Steinach Nr. 13
- Franz Anton (*1728)

 

Nach dem Tod seiner 62-jährigen Ehefrau heiratet Joseph Lankes die 43-jährige Martha Weidinger von Markl a. Inn.
Nach seinem Tod geht die Witwe 1754 eine Ehe mit dem Hafner Simon Miller von Gschwendt Nr. 5  ein.

Nach dem Tod seiner Ehefrau heiratet er zunächst Barbara Rösl von Neuhaus bei Schorndorf und nach deren Tod in dritter Ehe die Söldnerstochter Anna Schuh von Obermotzing.

 

1785 stirbt der 68-jährige Hafner und die 43-jährige Witwe nimmt den 20 Jahre jüngeren Kaspar Spießl aus Oberniedersteinach, der ebenfalls das Hafnerhandwerk ausübt.

 

1786 wird noch eine Tochter namens Katharina geboren. Erst im Alter von 40 Jahren heiratet sie 1826 den Tagelöhnerssohn Simon Gierl aus Cham, der ebenfalls als Hafner tätig ist.

Aus dieser Ehe geht 1827 nochmals eine Tochter hervor, die ebenfalls den Namen Katharina erhält.

 

1859 übernehmen Katharina Gierl und ihr zukünftiger Ehemann Joseph Sachs das Anwesen und verkaufen es noch am selben Tag an Wolfgang Laschinger.
Eine Eheschließung zwischen Katharina und Joseph Sachs ist in Steinach nicht verzeichnet, ihr weiterer Lebensweg bleibt unbekannt.

 

Damit Endet die jahrhundertalte Hafnertradition auf dem Anwesen.

 

Lankes Besitzer

 

 

 

Ab 1859 eine Kramerei

Wolfgang Laschinger ist der uneheliche Sohn des Häuslersohnes Johann Laschinger aus Mühlbogen und der Häuslerstochter Anna Maria Ammermayer von Obersunzing.
Er ist mit einer Anna, geborene Wolf verheiratet. Der frühere Wohnort des Ehepaares ist unbekannt. Wolfgang und Anna Laschinger richten in dem Haus neben der Kirche eine Kramerei ein.

 

Laschinger Besitzer


1862 bekommt die Wagnerstochter Kreszenz Reichinger von Wiesenfelden eine uneheliche Tochter von ihm.
1863 wird das Anwesen versteigert. Den Zuschlag erhält Jakob Erlacher mit einem Gebot von 4.900 Mark. Wolfgang und Anna Laschinger bleiben offenbar in Steinach, denn 1877 erwerben sie das Häusleranwesen Hs.-Nr. 34 (Gendarmhaus, heute August-Schmieder-Straße 19).

 

1868 wird das Anwesen erneut versteigert. Meistbietende ist Walburga Schellerer aus Straubing, Ehefrau des Zimmermanns Leonhard Schellerer. Auch sie betreibt in dem Haus einen Kramerladen.

 

1873 übernimmt Tochter Barbara das Anwesen und heiratet den Söldnerssohn Johann Bachl aus Steinach Nr. 8 (heute Brunnenweg 7).

 Fünf Kinder kommen in der Ehe zur Welt:
- Johann (*1874)
- Joseph (*1875)
- Ludwig (*+1877)
- Kreszenz (1883-1916), Hoferbin
- Barbara (1886-1971) heiratet 1911 den Söldner Johann Amberger in Oberniedersteinach Nr. 10a

 

plan 1913

1913 wird das Haus umgebaut. Ein Laden mit eigenem Eingang entsteht, zudem wird das Dach angehoben.
Quelle: StA Landshut, Rep. 162.17 Sch. 33 Nr. 3733

 

fo stei 17

Das Haus mit Laden aufgenommen 1928
Quelle: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Familie Hilmer

 

 

1914 übernimmt Tochter Kreszenz das Anwesen und die Kramerei. Sie heiratet den Bauerssohn Max Schmidbauer aus Utzmannsdorf.

Aus der Ehe gehen zwei Töchter hervor, von denen eine im Säuglingsalter stirbt:
- Barbara (1915-1981), bleibt unverheiratet
- Kreszenz (*30.03.1916 +25.05.1916)

 

Die Mutter stirbt einen Tag nach der Geburt ihres zweiten Kindes. Drei Jahre später heiratet der Witwer Franziska Rohrmüller aus Steinach Nr. 10 (Brunnenweg 3).

 Aus dieser Ehe stammen drei weitere Kinder:
- Franziska (1921-2000)
- Max Hermann (1923-1944), im 2. Weltkrieg gefallen
- Michael (1924-1981), Hoferbe

 

 

 

Schellerer Schmidbauer Besitzer

 

 

fo stei 807 ausschnittaufgenommen 1960
Bild: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Familie Röckl

 

Die Familie ist heute noch auf dem Anwesen.

 

 

fo stei 1405 ausschnitt

 aufgenommen 2020
Bild: Claudia Heigl

 

 

 

 

1 Schlicht Josef, Die Geschichte von Steinach, 1908, „Stift-, Kasten- und Salbuch über Schloß und Hofmarch Steinach 1583“
2 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Untertanen der Hofmark Steinach 1623
3 StA Landshut, Landschaft Unterlands Bd 1183, Steuerregister der Hofmarksuntertanen Steinach 1623
4 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P59 III,  fol.451‘   Legitimation zu einer Erbschaft vom 09.11.1664
5 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P59 II,  fol.276‘   Kauf pr. 68 fl vom  22.04.1663
6 Stadtarchiv Straubing, Rep. II, Abt. 1dd1, Nr. 15, Protokollbuch der Hafner

7 Menacher Erich jun., Stallwang - Geschichte und Geschichten einer Bayerwaldpfarrei, 2020, S. 287

 

Weitere Quellen:
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 248, Konskription der Untertanen der Hofmark Steinach 1752
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 514, Hofanlagsbuch der Hofmark Steinach 1760
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B79, Umschreibebuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokolle der Steuergemeinde Steinach von 1838
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127) 10579, Umschreibehefte zum Urkataster  der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1 – 72, 1843-1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127 10583, Umschreibehefte zum 1. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 56 - Ende, 1859 – 1906
BZAR Regensburg, Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach

 

Veröffentlicht: 01.02.2026