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Das Singberg-Anwesen

 

von Claudia Heigl

 

 

Auf dem Singberg, dem Baugelände des Neuen Schlosses Steinach, befanden sich ursprünglich zwei Einöd-Höfe: ein kleiner Hof – das Singberg-Anwesen auf der Bergspitze und das etwas tiefergelegene sog. Helmberg-Anwesen, das August von Schmieder zum heute noch bestehenden Gärtnerhaus umgestaltet hat.

Nach Josef Schlicht hieß der Singberg bis 1634 noch Gerhartsberg, d.h. Berg bzw. Bergsiedlung eines Gerhart. Weshalb sich die Bezeichnung „Singberg“ eingebürgert hat, ist nicht bekannt. Schlicht vermutet, dass der nahe gelegene Vogelherd für die Umbenennung maßgeblich war.

Im Gegensatz zum Helmberg-Anwesen ist das Gütleranwesen am Singberg erst im 19. Jahrhundert entstanden.

 

Der 5 Tagwerk große Holzgrund gehörte ursprünglich zum sog. „Richtergut“ Hs.Nr. 12 (heute August-Schmieder-Str. 4) in Steinach.

Bei der Zertrümmerung des Hofes am 07.12.1821 durch den Bauern Johann Richter kaufte das Holz der Müller Michael Groll von Kay.
Groll verkaufte den Waldgrund am 29.12.1829 an Andreas Niemetz von Neuklitschau/Böhmen um 600 Gulden weiter. Der neue Besitzer errichtete auf dem Grundstück ein neues Wohnhaus mit Stall und Stadel und siedelte sich somit auf dem Singberg an.  Das Anwesen gehörte, aufgrund der früheren Zugehörigkeit zum Richtergut zur Steuergemeinde Steinach und erhielt die neue Hausnummer 74.

 

 

 Liquidationsprotokoll
Das Singberg-Anwesen gehörte zur Steuergemeinde Steinach, während der Helmberger Hof zur Steuergemeinde Münster gehörte.
Im Liquidationsprotokoll von 1838 wurde es als "Neue Ansiedlung mit der Hs.Nr. 74" bezeichnet.
Karte: Vermessungsamt Straubing,  Liquidationsprotokoll aus dem Jahr 1838 der Steuergemeinde Steinach

 

 

 

 

Brautstehlen durch Michael Groll

Der Sohn des ehemaligen Besitzers, ebenfalls namens Johann Michael Groll, erwarb wohl von Niemetz nochmals ein kleines Häusl und heiratete 1830 als "Häusler von Singberg".
Dies hatte wohl zwei Gründe:
Michael Groll jun. wollte die Bauerstochter Katharina Burgstaller von Metting heiraten, deren Eltern verweigerten jedoch ihre Einwilligung hierzu. Aufgrund des damaligen Ansässigmachungsgesetz war es jedoch nur möglich mit Grundbesitz eine Heiratserlaubnis zu erhalten. Um schnell heiraten zu können, erwarb er kurzfristig ein Häusl auf dem Singberg und erhielt so von der Herrschaft in Steinach die Heiratserlaubnis. Er entführte seine Braut und ließ sich am 22.12.1830 mit ihr in Münster trauen. Ihr Vater kam mit seinem Protest zu spät.
Ein halbes Jahr später, am 29.07.1831, kaufte Michael Groll jun. um 7.000 Gulden den Unterharthof, der damals 324,76 Tagwerk umfasste. Da er "nur" als Häusler heiratete, brauchte er bei der Hofmarksherrschaft in Steinach bei seiner Hochzeit nicht so viel Laudemium zu zahlen.
Bischöfl. Zentralachiv Regensburg, Pfarrmatrikel Sossau, Bd. 5, FN 31, Familien und Häuser der Pfarrei Sossau, erstellt von Pfarrer Gerard Wieselhuber im Jahre 1877, Hofgeschichte Unterharthof

 

Groll

 

 

 

 

 

Die Familie Niemetz auf dem Singberg

 

 

Niemetz

 

 

 

Die Familie blieb bis 1902 auf dem Anwesen. Als August von Schmieder den Bau seinen Neuen Schlosses auf dem Singberg plante, machte der Schlossherrn dem Singberg-Bauern ein lukratives Angebot und Xaver und Kreszenz Holmer verkauften am 3. November 1902 ihr Anwesen mit 6,455 ha Grundbesitz um 11.975 Mark an den Gutsherrn von Steinach. Im Gegenzug hierzu erwarben sie um 12.000 Mark das Anwesen in Moos Nr. 3 mit 10 ha Grund von Mandl Johann. (Diese Hofstelle wurde inzwischen ebenfalls abgetragen und auf dem Gelände entsteht hier zur Zeit das neue Sennebogen-Werk im Gewergebiet von Steinach.)

 

 

 Bild 4 Lageplan NS

Lageplan Neues Schloss Steinach
Der Pfeil zeigt die Lage des ehemaligen Singberg-Anwesens
(Quelle: Staatsarchiv Landshut, Bauakten Gemeinde Steinach, Rep. 162; Verz. 17; Sch. 32; Nr. 3715)

 

 

Die Gebäude des ehemaligen Singberg-Gütl wurden alle abgerissen und an der Stelle das Volierenhaus (auch Vogerlhaus) des Neuen Schlosses errichtet.

 

Bild 44 Luftbild 1920
Luftbild Neues Schloss Steinach von Westen um 1920/1925, im Vordergrund das Volierenhaus
(Quelle: Carlmax von Schmieder, Dublin)

 

Bild 39 Volierenhaus

Das Volierenhaus
(Quelle: Hubertus Meckel, Alben von Mary von Schmieder)

 

 

 

 

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