Berghof

 

 von Claudia Heigl

 

Bei dem Berghof handelte es sich ursprünglich um einen einzigen Hof mit ca. 100 Tagwerk (≅ 34 ha) Grundbesitz. Seit Urzeiten ist er der Pfarrei Pfaffmünster zugehörig.

Der in der Nähe gelegen Sackhof kann als Schwesternhof bezeichnet werden, da beide Höfe immer die gleichen Grundherren und ähnliche Bedingungen hatten.

 

1029 Der Sohn des bayerischen Herzogs Heinrich II - Bruno Bischof von Augsburg - vermacht das Gut Straubing   (zu dem auch die Stadt Straubing u.a. mit Steinach, Agendorf, Kindlasberg, Bruckmühle, Pellham, Rotham, Hoerabach, Berghof, Sackhof, gehörten) dem Domkapitel Augsburg.

1399 Erste Erwähnung des Berghofes in den Urkunden. Aber auch er dürfte, wie der Sackhof, viel älter sein.
Als Friderich der Ramsperger zu Ramspekh und seine Ehefrau, eine geborene Warterin, das Baurecht auf den Hof Margaretha Sackhermairin und ihren Kindern übertrag, wird ein Mair zu Perg als Zeuge genannt. Wie der Sackhof dürfte der Berghof eine Mitgift der Warterin gewesen sein und ebenfalls die gleichen Vorbesitzer wie der Sackhof gehabt haben.

1405 kauft Hans von Warter den Hof zu Perg und den Sackhof von seinem Schwager Friderich der Ramsperger zurück.

1436 verkaufen die Warter das Dorf Steinach und dazu auch den Sackhof und den Berghof an Alram Graf von Ortenburg und dessen Ehefrau Agnes, eine geborene Walpurg.

1436 - 1449 erwirbt der reiche Handelsmann Hermann Zeller von Straubing den Hof. Als Handelsreisender war ihm vor allem die strategische Lage der Höfe an den Handelsstraßen wichtig. 1449 errichtet er in der Kirche Sankt Jakob in Straubing eine Seitenkapelle mit Altar und stiftet ein Benefizium. Neben weiteren Höfen stiftet er den Sackhof und den Berghof dem Benefizium in Straubing für den Unterhalt.

1802 Der Berghof blieb bis zur Säkularisation  im Eigentum des Zellerischen Benefiziums in Straubing, dann wird das Obereigentum des Hofes vom damaligen Bauern Martin Hien abgelöst.
Der Berghofbauer Martin Hien lebte das ausschweifende Leben eines Großbauern. Der Steinacher Schlossbenefiziat Joseph Schlicht berichtet in einer Kurzgeschichte über diesen lebenslustigen Bauern. 

1821 Lange kann dies, in dieser damals schwierigen Zeit, nicht gut gehen und so beginnt er das Nebenhaus und diverse Grundstücke von dem über 100 Tagwerk großen Hof zu verkaufen.

1843 umfasst der Hof nur noch 32 Tagwerk Grund und 1901 hatte die ursprüngliche Hofstelle nur noch 3 ha (≅ 10 Tagwerk) Grund mit dabei.

Durch den Verkauf entstanden auf dem Berghof neue Ansiedlungen.

 

Neues Schloss war ursprünglich auf dem Berghof geplant

1901 Bis auf zwei werden alle Anwesen auf dem Berghof von Dr. Carl von Lang-Puchhof erworben und an seinen Schwiegersohn Dr. August von Schmieder weiterverkauft.

Aufgrund der schönen Lage des Berghofes plante August von Schmieder hier sein neues Schloss zu errichten. Da er jedoch nicht alle Grundstücke erwerben konnte ließ er den Plan fallen und erwarb die zwei Höfe auf dem Singberg und errichtete dort das feudale Schloss.

 

 

Der Berghof um 1956

 

FO STEI 584

von links: das ursprüngliche  Nebenhaus des Berghofes Hs.Nr. 2 (neu Hs.Nr.13) , der ursprüngliche Berghof Hs.Nr. 1 (neu Hs.Nr. 11), die Neuansiedlung Hs.Nr. 1 1/2 (neu Hs.Nr. 7)

 

FO STEI 583

 von links: Hs.Nr. 7 (alte Hs.Nr. 1 1/2) Hs.Nr. 5 (alte Hs.Nr. 6)

FO STEI 585

 vorne die neue Ansiedlung Hs.Nr. 14 und hinten Nr. 15

 

 

Die Bauern auf dem Berghof Hs.Nr. 1  (ab 1821 Hs.Nr. 4), heute Hs.Nr. 11

1399: Chunradt der Mair zu Perg
1406: Andre der Sakhmair erhält das Erbrecht
1436: Pergmair
1451: Jörg Pergmair von Perg und seine Söhne Georg und Paul verkaufen dem Sohn bzw. Brudern Hans Pergmair zu Perg das Erbrecht auf dem Hof
1453 K: Peter dem Khrapf von Pellham
1461: Michel Sakhmair
1482: Jörg Sackhmair zu Perg übergibt an seinen Sohn Thomas Sackhmair den Hof
1637: Nach Ableben der Witwe Agatha Vischer übernimmt Sohn Andre Vischer den Hof
1641 K: Stephan Schmidtpaur
1654 K: Balthasar Mühlbauer u. Walburga / 2.oo Maria / 3.oo 1678 Katharina Grasl, Witwe von Kirchroth
1676 Ü: Erhard Mühlbauer und Maria, geb. Rothamer von Untermenach
1696 H: Christopher Kirschner von Geßmannszell u. Witwe Maria Mühlbauer
1738 Ü: Johann Georg Hien von Rotham und Walburga, geb. Mühlbauer
1752 H: Sebald Bach von Hauptenberg und Witwe Walburga Hien
1773 H: Johann Georg Hien und Maria geb. Bachl von Unterparkstetten
1800 Ü: Martin Hien   1.oo 1803 Walburga Söldner von Bärnzell /2.oo 1809 Anna Maria Schneider von Roith
1821 Martin Hien beginnt Grundstücke vom Hof zu verkaufen. Bei der Übergabe an den Sohn hat der Hof nur noch 28 Tagwerk (≅ 9,5 ha).
1843 Ü: Johann Georg Hien (*1812) und Barbara geb. Zollner von Kragenroth
1853 K: Georg Rackl und Anna Maria
1865 T: Johann Georg Hien und Barbara geb. Zollner tauschen von Berghof Nr. 3 wieder hierher. Der Hof umfasst nun nur noch mehr 6 Hektar Grundbesitz.
1884 Ü: Georg Hien und Maria geb. Fischer von Berghof 4 /2.oo 1902 Therese geb. Fischer (Schwester)
Nach dem Verkauf des Hofes zieht das Ehepaar nach Steinach Hs.Nr. 24 [August-Schmieder-Str. 15]
1901 K: Dr. Carl von Lang-Puchhof erwirbt den Hof mit 3 ha Grund
1901 K: Dr. August von Schmieder erwirbt den Hof

 

Haus Nr.  1 1/2  (ab 1821 Hs.Nr. 5), heute Hs.Nr. 7

1878:  Der Berghofbauer Johann Georg Hien und dessen Ehefrau Barbara schenken ihrem Sohn Michael und dessen Ehefrau Walburga, geb. Marterer von Unterzeitldorn, ein 1,3 ha großes Grundstück.
1879 errichten beide hier ein Wohnhaus. Als Michael Hien mit 51 Jahren stirbt, verkauft die kinderlose Witwe das Haus.
1896 K: Heuschneider Johann Baptist
1897 K: Decker Karl und Maria
1910 K: Mühlbauer Xaver und Maria

 

Haus Nr. 2, Das ehemalige Nebenhaus des Berghofes (ab 1821 Hs.Nr. 2), heute Hs.Nr. 13

1821 K: Johann Neuberger von Denkzell kauft das Nebenhaus des Berghofes von Martin Hien / oo 1823  Anna Maria geb. Echinger von Steinach
1845 Ü: Johann Bapt. Sagmeister und Katharina geb. Neuberger / 2.oo 1856 Anna Maria Prommersberger von Bärnzell
1871 Neubau des Wohnhauses
1887 Ü: Johann Bapt. Sagmeister (*1862) u. Philomena geb. Bachl von Kößnach
1937 Ü: Lambert Sagmeister und Therese, geb. Knott von Aufroth

 

Haus Nr. 3, Neue Ansiedlung auf dem Berghof (ab 1821 Hs.Nr. 1), heute Hs.Nr. 14

1831: Jakob Sagmeister und Anna Maria geb. Spanfeldner erwerben Grundstücke vom Berghofbauern Martin Hien und errichten hierauf ein Wohnhaus
1847 Ü: Alois Sagmeister u. Maria Barbara geb. Laschinger von Reibersdorf
1860 T: Joseph Ederer tauscht gegen sein Anwesen in Hagnberg
1862 K: Johann Georg Hien und Barbara geb. Zollner (vormals auf dem Berghof 1)
1865 T: Anna Maria Rackl tauscht vom Berghof 1 hierher
1868 Ü: Georg Zollner u. Franziska
1878 T: Lanzl Georg tauscht gegen sein Anwesen in Straßenheim
1878 K: Oettinger Salomon
1879 T: Dengler Anna tauscht gegen ihr Anwesen in Buchaberg
1879 Ü: Dengler Georg
1882 K: Niefanger Michael und Anna
1885 K: Gerstle Abraham Moses und Gerstle Gerfon Leopold
1886 T: Willkofer Xaver und Theres gegen ihr Anwesen in Kledorf
1889 T: Zach Johann tauscht gegen sein Anwesen in Pfatter
1889 T: Heibl Johann und Thersia tauschen gegen ihr Anwesen in Walterdorf
1892 K: Bogenberger Jakob und Klara
1901 K: Dr. Carl von Lang-Puchhof erwirbt das Anwesen
1901 K: Dr. August von Schmieder

 

Haus Nr. 4, Neue Ansiedlung auf dem Berghof (ab 1821 Hs.Nr. 3), heute Hs.Nr. 15

1828 K: Wolfgang Spanfelder und Katharina geb. Wurm von Bärndorf, erwerben div. Grundstücke vom Bergbauern Martin Hien und errichten ein Wohnhaus
1860 T: Josef Fischer und Maria tauschen in Anwesen in Salching
1889 Ü: Franz Fischer und Magdalena geb. Heuschneider
1901 K: Dr. Carl von Lang-Puchhof erwirbt das Anwesen
1901 K: Dr. August von Schmieder

 

Haus Nr. 5, Neue Ansiedlung auf dem Berghof (ab 1821 Hs.Nr. 6), heute Hs.Nr. 5

1828: Weinberger Kaspar und Margaretha geb. Fink erwerben div. Grundstücke vom Bergbauern Martin Hien und errichten ein Wohnhaus
Ameismeier Peter
1861 T: Müller Josef tauscht gegen sein Anwesen in Lintach
1861 T: Köglmaier Anton tauscht gegen sein Anwesen in Bogen
1861 K: Barbara Fischer
1862 K: Joseph Singer
1863 K: Peter Staudinger und Anna Maria
1863 T: Georg Bachmaier tauscht gegen sein Anwesen in Welchenberg
1863 T: Peter Schreiber tauscht gegen sein Anwesen in Pfelling
1868 K: Wolfgang und Walburga Obermaier
1877 K: Fischer Bruno und Maria
1882 K: Heuschneider Lorenz und Magdalena
1895 Ü: Heuschneider Josef u. Maria geb. Schnagl
1897 T: Wirth Xaver tauscht gegen sein Anwesen in Steinach
1901 T: Bielmaier Joseph tauscht gegen sein Anwesen in Zachenberg
1901 K: Dr. Carl von Lang-Puchhof erwirbt das Anwesen
1901 K: Dr. August von Schmieder

 

 K = Kauf; Ü = Übergabe; T = Tausch; H = Heirat; oo = Hochzeit

1 Tagwerk = 0,34 Hektar bzw. 1 Hektar (ha) = 2,934 Tagwerk

 

Detaillierte Angaben zu den Hof- und Hausbesitzer liegen im Archiv für Heimatgeschichte in Steinach vor und können dort eingesehen werden.

 

 

FO STEI 1240

Heute umfasst der Weiler Berghof 16 Wohnhäuser

aufgenommen 2020
Bild: Claudia Heigl

 

 

 

Bilder: Archiv für Heimatgeschichte