Drucken

Das Dietl-Anwesen  Hs.Nr. 70

ab 1838 Hs.Nr. 70

heute Hafnerstraße 16

von Claudia Heigl

 

Am 5. November 1806 haben Philipp Kirchberger und Katharina Kaindl vom Hofmarksherrn in Steinach, Felix Graf von Zech von Lobming, die Lizenz für die Ansässigmachung und die Heirat bekommen.

Katharina brachte ein Vermögen von 95 Gulden und ihr künftiger Ehemann von 200 Gulden mit in die Ehe. Zudem hatte Katharina Kaindl eine Zulassung als approbierte und examinierte Hebamme und eine Zulassung „ihre Kunst in der Nähe von Steinach ausüben zu dürfen, wohin sie berufen wurde.“ 1

Da in Steinach eine Hebamme benötigt wurde, stellte die Gemeinde dem jungen Paar einen kostenlosen Grund zur Verfügung, auf dem sie ca. 1808 ein kleines Häuschen errichten konnten. Siehe hierzu auch "Hebammen in Steinach".

Den weiteren Grund Fl.Nr. 268 hat Philipp Kirchberger am 08.08.1830 von Johann Förg (Bergbauern-Hof Hs.Nr. 24) um 115 Gulden erkauft.

 

Uraufnahme bearb

Das Haus erhielt die Hs.Nr. 70
Uraufnahme aus dem Jahre 1827
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

Das Ehepaar hat drei Kinder, von denen ein Kind bereits als Säugling stirbt:
- Anna Maria (1808-1864)
- Johann Evangelist (*+1810)
- Katharina (1813-1835) wird mit 22 Jahren bei einem Einsturz einer Schüttgrube auf dem Berghof getötet.

 

Kirchberger Besitzer

 

 

Die älteste Tochter Anna Maria übernimmt 1836 das Hebammen-Amt von der Mutter in Steinach. Wahrscheinlich war die jüngste Tochter Katharina hierfür vorgesehen, aber durch deren frühen Tod zog Anna Maria mit ihrem Ehemann Johann Georg Schuster wieder nach Steinach.

Die Schuster-Familie lebte vorher in Windberg und Waidholz.
Sie haben insgesamt 14 Kinder, von denen drei im Kindsalter sterben):
- Katharina (*1831 in Windberg)
- Joseph (1832-1914), Hoferbe
- Johann Georg (*1833 in Windberg)
- Franz Xaver (*+ 1835 in Waidholz)
- Franz Xaver (*1836)
- Anna Maria (*1838)
- Anton (*+1840)
- Helena (1841-1886), heiratet 1869 Joseph Ring von Steinach Nr. 69 und ist als Hebamme in Steinach tätig.
- Johanna (*1843)
- Alois (*1845)
- Karolina (*1847)
- Rupert (1849-1935), Schuster in Steinach Nr. 70 1/2
- Johann Baptist (*+1851)
- Anton (1853-1854)

Neben dem Haus befand sich der Löschweiher des oberen Dorfes.

Am 09.09.1858 erwirbt Johann Georg Schuster von der Gemeinde dieses Nachbar-Grundstück Nr. 25 (mit Weiher). Der Weiher wird später aufgefüllt.

  

Sohn Joseph übernimmt 1866 das Anwesen vom Vater. Zwei Jahre später heiratet er die Häuslerstochter Maria Feldmann von Pillnach.

 

fo stei 1356 kopie

Das Kirmer-Anwesen, heute Dietl aufgenommen 1940
Bild: Familie Dietl, Steinach

 

Die einzige Tochter Maria übernimmt das elterliche Anwesen und heiratet 1896 Franz Xaver Kirmer von Rattiszell.

Aus der Ehe gehen sechs Kinder hervor:
- Helene (*1897) heiratet in Münster 1930 Josef Vogl, Landwirt in Münster Nr. 65
- Therese (*1898)
- Xaver (*1900)
- Ludwig (*1903)
- Alois (1905-1987), Dr. BGR Ivo Kirmer, Pater in Schweiklberg (Primiz am 30.03.1932 in Steinach)
- Joseph (1909-1945), Hoferbe

 

fo stei 1383 kopie

 Primiz von Pater Ivo Kirmer am 30.03.1932 in Steinach
stehend v.l. Helene (Schwester) mit Ehemann Josef vogl, ?, ?, ?, Pater Ivo Kirmer, ?, ?, Josef (Bruder)
sitzend v.l. ?, Maria Kirmer (Mutter) ?, Franz Xaver Kirmer (Vater)
Bild: Familie Dietl, Steinach

 

 

1936 übernimmt Sohn Joseph Kirmer den Hof und nimmt die Bauerstochter Magdalena Buchner von Oberast zur Ehefrau.

fo stei 1353 kopie

Hochzeit am 25.08.1936
Josef Kirmer und Magdalena Buchner
Bild: Familie Dietl, Steinach

Sechs Kinder kommen in der Ehe zur Welt, von denen eines als Säugling stirbt.

Am 10.02.1945 fällt der 35-jährige Familienvater im Krieg und die Mutter zieht ihre fünf Kinder alleine groß.

 

Schuster Besitzer

 

 

1961 übernimmt Tochter Magdalena den Hof und heiratet Johann Dietl von Münster Nr. 62.

 

1 Pfarrarchiv Steinach, Heiratserlaubnis 1806

 

Weitere Quellen:
StA Landshut, Rentamt Straubing B79, Umschreibebuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokolle der Steuergemeinde Steinach von 1838
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127) 10579, Umschreibehefte zum Urkataster  der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1 – 72, 1843-1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127 10583, Umschreibehefte zum 1. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 56 - Ende, 1859 – 1906
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127 10587, Umschreibehefte zum 2. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 66-Ende, 1906 – 1960
BZAR Regensburg, Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach

 

veröffentlicht am 29.10.2026