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Sackhof

 frühere Schreibweisen: Sacker (1271,1323), Sackham (1316), Sackhaimb (1700), Saghof

 

  von Claudia Heigl

 

 

Bei dem Sackhof handelt es sich um einen uralten Hof, der an einem alten Handelsweg gelegen war.

Der in der Nähe gelegen „Berghof“ kann als Schwesternhof bezeichnet werden, da beide Höfe immer die gleichen Grundherren und ähnliche Bedingungen hatten.

 

Pfarrzugehörigkeit Kirchroth
Interessanterweise gehörte der Hof  bis 1849 zur Pfarrei Kirchroth und wurde erst dann in die viel näher gelegene Pfarrei Steinach umgepfarrt.

Die Bauern auf dem Sackhof mussten ihre Kinder daher in Kirchroth taufen lassen, dort heiraten und sie wurden auch dort beerdigt. Da der Weg nach Kirchroth jedoch viel weiter war, brachte man die neugeborenen Kinder größtenteils zur Taufe in die Pfarrkirche Steinach.

 

FO STEI 1010

Zeichnung aus dem Jahre 1905 von Angelo Graf von Courten aus dem Gästebuch des Neuen Schlosses Steinach.

Der bekannte Maler war oft Gast der Familie von Schmieder.

 

 

Die Eigentümer des Hofes

 

Die Bauern waren bis Mitte des 19. Jahrhunderts nicht die eigentlichen Eigentümer der Höfe, sondern hatten nur das Nutzungsrecht. Im Fall des Sackhofes war dies als Erbrecht vergeben, d.h. die Bauern konnten dieses Nutzungsrecht auf dem Hof vererben und auch verkaufen.
Sie hatten jedoch nicht die Möglichkeit Grundstücke vom Hof einzeln zu veräußern oder gar den Hof zu teilen. Dadurch blieb der Sackhof bis 1831(Ablösung durch Sebastian Ebner) in seiner Größe unverändert.

Das eigentliche Obereigentum hatten die jeweiligen Eigentümer.

 

1029  vermacht der Sohn des bayerischen Herzogs Heinrich II - Bruno Bischof von Augsburg - das Gut Straubing   (zu dem auch die Stadt Straubing u.a. mit Steinach, Agendorf, Kindlasberg, Bruckmühle, Pellham, Rotham, Hoerabach, Berghof, Sackhof, gehörten) dem Domkapitel Augsburg.

12711 erhält Otto von Straubing, Prokurator (Vitztum) des Herzogs Heinrich von Bayern, vom Domkapitel den Hof in Sacker als Zinslehen. Dies ist bisher auch die erste Nennung des Hofes.

12992 verkauft der ehemalige Vitztum Albert von Straubing das Zinslehen an Hermann Tundorffer, Bürger zu Regensburg

13233 erhält Albert von Steinach, Sohn des alten Vitztum von Straubing, den Hof als Zinslehen vom Domkapitel.

13924 kauft Max der Warter zu Wart  den Sakherhof um 9 Pfund ₰ Reg von seinen Vettern Erasm, Pangratz und Hans den Wartern und erteilt Friderich dem Sakmair darauf das Baurecht.

13995 sind Friderich der Ramsperger zu Ramsperkh und seine Ehefrau, eine geborene Warterin, Eigentümer des Hofes. Es dürfte sich hier um eine Mitgift für die Braut gehandelt haben.

14056 kauft Hans von Warter den Hof zu Perg und den Hof zu Sakarn von seinem Schwager Friderich der Ramsperger zurück.

1436 - 14497 erwirbt der reiche Handelsmann Hermann Zeller von Straubing den Hof. Als Handelsreisender war ihm vor allem die strategische Lage der Höfe an den Handelsstraßen wichtig. 1449 errichtet er in der Kirche Sankt Jakob in Straubing eine Seitenkapelle mit Altar und stiftet ein Benefizium. Neben weiteren Höfen stiftet er den Sackhof und den Berghof dem Benefizium in Straubing für den Unterhalt.

1831 kauft Sebastian Ebner (Emmer) den Besitz von Johann Wolf. Er dürfte auch die Grundherrschaft des Zellerischen Benefizium abgelöst haben.

1839 übergibt er den Hof an seinen Sohn Johann Ebner und dessen Ehefrau Katharina.

1851 erwirbt der Steinacher Schlossherr Eduard Freiher von Berchem-Königsfeld den Hof und der 40 ha (= 119 Tagwerk) große Besitz wurde in den Gutshof Steinach einverleibt.

Das Wohn- und Nebenhaus wurde seitdem als Wohnhaus für die Gutsarbeiter verwendet.

1899 kauft das Gut Dr. Carl von Lang-Puchhof, der es

1901 an seinen Schwiegersohn Dr. August von Schmieder weiterverkauft.

 

FO STEI 444

Das Arbeiterhaus am Sackhof

geplant von Professor Ludwig Ruff, Nürnberg um 1910

 


Die Bauern auf dem Sackhof

 

13928: Friderich dem Sakmair kauft das Baurecht auf dem Hof von Max dem Warter zu der Wart

13999: Margareth der Sackhmairin und ihre Kinder Andre, Ulrich, Elspet und Anna erkaufen das Baurecht von Friederich der Ramsperger zu Ramspeckh. Ihr Ehemann Friderich dürfte bereits verstorben gewesen sein.

143610 sitzt ein Pez Ullmair auf dem Gut

148211: Andre Sackhmair von Sackhöven tritt als Zeuge beim Verkauf des Berghofes auf.

155312: Hans Obermair

Am 22.11.163813 verkaufen Georg Sterr von Sackhern und Maria seine Hausfrau dem ehrbaren Georg Meindl von der Linden und Maria dessen Hausfrau die Erbgerechtigkeit auf den Hof zu Sackhern um 450 Gulden.

 

Meindl

 

 

 Auch der Sackhof dürfte durch die Schwedeneinfälle stark in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Georg und Maria Meindl werden ab 1654 als Bauerseheleute in Wolferszell (Hs.Nr. 13, heute Mühlenweg 5)  genannt.

 

1651 wird Leonhard Käpel von Hinterschida auf dem Hof erstmals genannt.

Am 25.06.1688 übergeben die Geschwister Adam Käpel von Münster, Barbara, verh. mit Georg Schäffler zu Pfaffenberg, Paul Käpel von Bärnzell und die noch ledigen Geschwister Barbara, Augstin, Simon, Maria und Michael, vertreten durch ihre Vormünder, den Hof an ihren Bruder Mathias Käpel14.

 

 Kaepel

 

 Der Hof wird durch Heirat immer wieder übergeben. Da dritte Ehe von Johann Hilmer kinderlos bleibt, wird der Hof 1746 verkauft.

Käufer sind der Rothamer Bauerssohn Michael Foidl und seine Ehefrau Walburga. Doch Michael stirbt schon ein Jahr nach dem Kauf und die Witwe verheiratet sich mit Vitus Wolf von Pichlberg. 1780 übernimmt den Hof Sohn Thomas und 1823 dessen Sohn Johann, der sich mit Anna Maria Stubenhofer von Gschwendt verheiratet.

Johann und seine Ehefrau verkaufen den Hof allerdings 1831 an Sebastian und Katharina Ebner (Emmer) von Riekofen und ziehen nach Haidenkofen.

Deren Sohn Johann Ebner übernimmt 1839 den Hof und heiratet die jüngere Schwester Katharina Stubenhofer der Vorbesitzerin.

 

 

Foidl Ebner

 

 

1851 kauft der Steinacher Gutsbesitzer Eduard Freiherr von Berchem-Königsfeld den 40 Hektar großen Hof um 15.000 Gulden und die Familie Ebner zieht nach Haader, wo sie noch heute ansässig ist.

Der Hof gehört seitdem zum Gutsbesitz von Steinach. Das Bauern- und Nebenhaus wurde als Wohnhaus für die Gutsarbeiter verwendet.

 

FO STEI 587

 Der Sackhof um 1956

 

 

Wohnhaus für Arbeiter:

Der Sackhof diente ab 1851 als Wohnhaus für die Gutsarbeiter und –angestellten:

1854:Angerer Joseph

1865: Füchsl Lorenz

1871: Nebenhaus Weber Johann

1879: Ehringer Xaver

1879 Nebenhaus: Wolfgang u. Katharina Seibert

1896: Axinger

1898: Billinger Josef  u. Brand

1899: Brand, Billinger, Axinger Michael, Heubeck      

1900: Billinger Josef, Axinger Michael

 

 

 

1808 wird der Sackhof (Saghof) im Häuser- und Rustikalsteuerkataster von Münster aufgeführt.15
1838 gehörte der Weiler Saghof zur Rualsteuergemeinde Steinach und erhält die Hs.Nr. 116.

 

 

Detaillierte Angaben zu den Hof- und Hausbesitzer liegen im Archiv für Heimatgeschichte in Steinach vor und können dort eingesehen werden.

 

Bilder: Archiv für Heimatgeschichte

 

Quellen:
1 Solleder Fridolin, Urkundenbuch der Stadt Straubing, 1918, S.8, Urkunde Nr. 1
2 Ebd. S.10, Urkunde Nr. 3
3 Ebd. S.16, Urkunde Nr. 7
4 Ebd. S.220, Urkunde Nr. 237
5 Ebd. S.239, Urkunde Nr. 256
6 Schlicht Josef, Steinach ein niederbayerisches Geschichtsbild, 1881 Nr. 31, 3.älteste Schlossurkunde von 1405
7 Solleder Fridolin, Urkundenbuch der Stadt Straubing, 1918, S.310, Urkunde Nr. 408
8 Ebd. S.220, Urkunde Nr. 237
9 Ebd. S.239, Urkunde Nr. 256
10 Schlicht Josef, Steinach ein niederbayerisches Geschichtsbild, 1881 Nr. 34, 5 u. 6..älteste Schlossurkunde von 1436. Es ist fraglich ob dieser Verkauf des Schlossgutes an die Ortenburger überhaupt zu Stande kam. In der Kaufurkunde wird jedoch der Bauer auf dem Sackhof genannt.
11 StA Landshut, Regierung Straubing A3940, Barbara Wenzl gegen Grundherr Kaspar Haug Zeller wegen Verfertigung der Sölde in Wolferszell 1603, in der Akte Abschrift des Übergabebriefes vom 26.04.1482
12 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing B157, Sal- und Stiftbuch der St. Michaels-Pfarrkirche in Steinach mit Abschriften der Kaufbriefe u.a. Urkunden der Kirche undatiert (Es fußt auf der Kirchenrechnung von 1553, ist angelegt unter Pfarrer Simon Staingräber 1618 und gerichtsamtlich nachbeglaubigt 1781 unter Pfarrer Simon Stainer (wobei der Pfennig der alten Regensburger Währung umgerechnet in die Kreuzer unserer ehemaligen Guldenwährung) lt. Josef Schlicht, Beilage Straubinger Tagblatt Nr. 41 v. 9.10.1882, fol, 9‘
13 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P51,  fol.85  Verkaufsbrief vom 22.11.1638
14 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P 66 II,  fol. 267‘  Übergabebrief vom 25.06.1688
15 StA Landshut, Rentamt Straubing B 78, Häuser- und rustikalsteuerkataster Münster 1808
16 Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokoll der Steuergemeinde Steinach von 1838

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