Die Besitzer des Hofes in „Mitterschida“ Hs.Nr. 111

 

auch Hainz-Gut genannt

 

 

von Claudia Heigl

 

 

Mitterschida Uraufnahme 1827

Uraufnahme ca. aus dem Jahr 1827
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

 

In dem alten Salbuch des Domkapitel Augsburg finden wir 14441 Hanns von Begarn und seine Ehefrau Anna als Besitzer von einem Teil des Hofes. Den anderen Teil besitzt ein Thoman von Kleinen Chägel und  Osanna seine Schwester.
Alle haben  ihren Besitz von einem Ulrich dem Pömlein gekauft, dem auch der Hof in der Vorderschida „gehört“ hatte.

Der Vorderschida-Hof und der Mitterschida-Hof waren also ursprünglich ein ganzer großer Hof. Wobei dies natürlich nicht mit der heutigen Bewirtschaftung zu vergleichen ist.

Interessanterweise müssen die Hofbesitzer ihre jährliche Abgaben an „Rent und Züns“ an den jeweiligen Amtmann des Domprobstes von Augsburg entrichten.  Dies ist auch dem Hof in Vorderschida der Fall.
D.h. der Amtmann des Domprobstes von Augsburg wurde von den Abgaben der beiden Schida-Höfen - Mitter- und Vorderschida - bezahlt.

1579  hat sich das geändert. Von einer Abgabe an einem Amtmann ist nicht mehr die Rede. Die jährlichen Abgaben des Hofes in Höhe von 4 Schilling Pfennigen muss an das Kastenamt Straubing  abgeführt werden und bekommt somit der Herzog von Bayern, der die Rechte 1535 vom Domkapitel abgekauft hatte.

 

1529 finden wir noch einen Michel Schittermair auf dem Hof, der auf 35 Pfennige geschätzt wird2.

Lt. dem Salbuch von 1579 sitzt auf dem Hof in der „Mittern Schitter“ ein Hans Schittermair. Er besitzt zwei Viertelbau auf Erbrecht, aufgrund eines Kaufbriefes aus dem Jahr 1543.
Zu dem Hof gehört eine Behausung, halb gemauert, ein hölzerner Stadl mit einer Tenne, Stall, Schupfen und ein Backofen, alles „zimblich“ erbaut3.

 

Bei dem Hof handelt es sich um einen „halben Hof“. Dies war eine reine Steuereinheit. Die Hofgröße war abhängig von der „Bonität“ der Böden. Ein halber Hof hatte ca. eine Größe von 50 Tagwerk.

Das halb gemauerte Haus war eine Besonderheit. Alle sonstigen Bauernhäuser in der Umgebung war zu dieser Zeit aus Holz. Hans Schittermair dürfte das Haus neu erbaut haben, da alles „zimblich“ erbaut war, d.h. in sehr gutem Zustand war.

Der Familienname „Schittermair“ oder auch die weitere Schreibweise „Schiedermair oder Schiedermayer“ leitete sich von dem Hofnamen ab.

 

Sohn Georg Schiedermayr folgt ihm nach. Georg scheint dreimal verheiratet gewesen zu sein.
Aus erster Ehe stammt eine Tochter namens Maria, geboren um 1600. Sie verheiratet sich mit Johann Wintermayer, Bauer in Weingarten bei Haibach und erhält bei ihrer Verheiratung 550 Gulden als Erbteil.
Sohn Adam stammt aus der „anderen Ehe“.

Bei einem Vergleich mit ihren Stiefkindern, nach dem Tod von Georg im Jahr 1611, erhält die dritte Ehefrau, eine Magdalena, 18 Jahre lang das „Erbrecht auf den Hof“. Spätestens zur Lichtmess 1629 endet das Nutznießungsrecht und sie muss den Hof an ihren Stiefsohn Adam Schiedermayer abtreten.

Georg hinterlässt noch zusätzlich ein Vermögen von 1200 Gulden, dass zwischen der Witwe und den beiden Kindern aufgeteilt wird4.

 Schiedermayer

 

 

1637 sind Adam Schiedermayer und seine Ehefrau Agatha Tod.  Dies wird wohl in engem Zusammenhang mit dem Schwedeneinfall stehen, die im Januar 1637 die Gegend verwüsteten.

Am 27.08.1637 verkauft Johann Wintermayer von Weingarten den Hof seines Schwagers dem „ehrbaren Michael Urmann von „Engsteden Bistum Passau“ und Agatha dessen Ehefrau“ um 120 Gulden. Dies ist nur noch ein Bruchteil, was der Hof 1611 wert war.

Bei dem Herkunftsort dürfte es sich um das Engstetten in der Marktgemeinde St. Peter in der Au in Niederösterreich handeln, das damals zum Bistum Passau gehörte.  Durch die Schwedeneinfälle waren viele Höfe ohne Bewohner und es kam zu Neuansiedlungen durch Bauern, die an der Donau aufwärts zogen. Eine Rolle dürften dabei die Klöster gespielt haben. Engstetten gehörte zur Benediktiner-Abtei in Garsten und es dürfte eine Verbindung zum Benediktinerkloster Oberalteich bestanden haben.

 

Michael ist zweimal verheiratet. Aus der zweiten Ehe stammt ein Sohn namens Sebastian Urmann, der 1674 in den Engl-Hof in Muckenwinkling (Hs.Nr. 55) einheiratet.

 

 Urmann

 

Michael Urmann stirbt 1653 und seine zweite Ehehfrau und Witwe Maria verheiratet sich mit Wolfgang Hainz von Ebenthan bei Hunderdorf. Aus der Ehe geht nur ein Kind hervor, das jedoch nicht überlebt. Als Maria 1684 stirbt, heiratet der Witwer Wolfgang Hainz die Bauerstochter Katharina Kern von Obermenach.

Den Hof übernimmt Tochter Maria Hainz aus der der zweiten Ehe. Die jüngere Tochter Margaretha Hainz (*1692) heiratet den Bauern Mathias Stegbauer von Unterholzen bei Rattenberg. Die Hoferbin Maria Hainz vermählt sich mit dem Nachbarssohn Johann Groß von Hinterschida. Dies ist für den Bauerssohn eine Möglichkeit Bauer auf einem eigenem großen Hof zu werden.

Seine Nachfahren bewirtschaften noch heute den Hof in Mitterschida. Etliche Kinder der Groß-Familie heirateten in die Höfe in der Umgebung ein.

 

Gross

 

 

 

mitterschida 2

Der Mitterschida-Hof um 1900
Bild: Familie Groß Mitterschida

 

 

 

 familie gross mitterschida

Familie Groß in Mitterschida um 1900
stehend v.l.: Barbara (*1883), Rosina (*1886), Karolina (*1892) , Peter (*1879) ,Josef (*1889) , Anna (*1882) , Maria (*1880) , Katharina (*1887)
vorne sitzend: Maria Kreszenz, geb. Kroiß (1848-1918), Peter (1845-1922), Kreszenz (*1877)
Bild: Familie Groß Mitterschida

 

 

 

1 Straubinger Salbuch des Augsburger Domkapitels von 1444, erschienen im Jahresbericht d. Hist. Vereins von Straubing, 65. Jhg. 1962, S. 46
2 StA Landshut, Landschaft Unterlands Rep. 186 Nr. 1180 III

3 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing B39, Sal- und Urbarsbuch über die propsteiischen Lehengüter des Rentkastenamts Straubing, 1579, fol. 83‘
4 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P29 I,  fol. 42  Vertrag auf Ableiben des Georg Schiedermair in der Mittern Schieder zwischen der Witwe Magdalena und den Stiefkindern 19.03.1611