Drucken

Die Besitzer des Hofes in „Hinterschida“ Hs.Nr. 112

 

auch Schweighof oder Weiherhof genannt

 

 

von Claudia Heigl

 

 

Hinterschida Uraufnahme 1827

Uraufnahme ca. aus dem Jahr 1827
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

 

Im Mittelalter wurde der Hof als „Schweighof“ bezeichnet. Es handelte sich um einen „ganzen Hof“, d.h. er hatte so um die 100 Tagwerk als Hofgröße.

Erste Einblicke gibt das alte Salbuch des Augsburger Domkapitel von 14441. Hier wird der Hof wie folgt beschrieben:
Die Swaig daselbs für sich selbs 6 Schill. Pfg.
Das Gut genannt in der Haid 60 Pfg.
eine Hube halb im Aulental  60 Pfg.
Zu merken, daß das Aulental mit allem Holz darin gehört gen Augspurg … und ein jeder Schwaiger in der Schiter soll des Holzes Forster sein und des hüten, dann allein von der Waid in Aulental soll derselbig Forster und Schwaiger jährlich 70 Pfg. Martini geben.
Hanns Swaiger, Hausfrau Anna und Erben haben zu Lehen genommen … eine halbe Hub Baues, genannt Mauselprecht, mit Erbschaft an sie gekommen von Peter dem Swaiger ihrem Vater …. jährlich 60 Pfg.

 

Auf dem Hof saß also ein Hans Swaiger und seine Ehefrau Anna, die den Hof von dem Vater  Peter dem Swaiger geerbt hatten.

Swaiger ist eine Urform des heutigen Familiennamens Schweiger/Schwaiger. Er leitet sich von dem „Schweighof“ ab.

 

1529 ist ein Anndre Baur auf dem Gut, das mit 25 Pfennige bewertet wird2.

Ca. 30 Jahre später, 1567 werden die Bauerseheleute Hans und Elspet Menauer auf dem Hof genannt3:
1567 verkauft Hans Menauer „in der Schütter auf Weyer“ und dessen Ehefrau Elspet an ihren Bruder und Schwager Michael Menauer zu Haibach und dessen Ehefrau Elena das Erbrecht auf dem Lehen in der „vordern Schütter“, zinsbar zum fürstlichen Kasten zu Straubing, sowie das Gehölz am Schergenhofen.

 

 

Menauer Hinterschida

 

In der Beschreibung von 1579 sitzt auf dem „Schweighof alda“ noch immer der o.g. Hans Menauer. Er besitzt den Hof vermög eines durchgehenden Erbbriefes ausgestellt vom verstorbenen Heinrich Trucksäß, Domprobst und Gotfriedt Hauscher, Dekan des Domkapitels zu Augsburg, ausgefertigt im Jahr 14504.
Zu dem Hof gehört eine hölzerne Behausung, ein Stadl mit einer Tenne, Stall und ein Backofen, alles mittelmäßig erbaut. Davon der dient er jährlich an den fürstl. Kasten nach Straubing 2 Pfund Schilling 2 Pfennige.

Während des 30jährigen Krieges sind vom Steinacher Pfarrer etliche Hochzeiten an das Dekanat Pondorf gemeldet worden. Hier ist auch eine Trauung des Schieda-Bauern Georg Bachl dabei, der 1635 die Witwe des Philipp Dietl von Münchszell, Eva heiratet5.
Als Trauzeugen sind vermerkt: Georg Bachl von Hoerabach, Thomas Aman von Muckenwinkling, Wolf Kelner von der Stegmühl und Sebastian Menauer von Hitzenberg.

 

 

Bachl Hinterschida

 

In welchem Zusammenhang Georg Bachl mit der Menauer-Familie steht, geht hieraus nicht hervor. Es könnte jedoch eine verwandtschaftliche Beziehung bestanden haben, da ein Menauer von Hitzenberg auch als Trauzeuge auftritt.

Im Januar 1637 kommt das Schwedenherr in die Gegend und plündert das Kloster Oberalteich. Mordend und plündernd terrorisieren sie die umliegende Gegend.

Einen traurigen Einblick, was die Bauern durchmachen mussten, gibt ein Kaufbrief vom April 1637:
Da die Tochter Maria der verstorbenen Bauerseheleute Wolfgang und Barbara Fux von Trudendorf „durch das anwesende Kriegsvolk entführt wurde“ verkaufen die Vormünder der Cousine und Erbin Ursula den Hof an Georg und Eva Bachl6.
Die Eltern des armen Mädchens dürften bei dem Überfall ihr Leben gelassen haben und auch bei der entführten Tochter Maria wird damit gerechnet, dass sie auch nicht lebend zurückkommt, wenn sie nicht schon Tod ist. Auch deren Cousine Ursula scheint eine Waise geworden zu sein.

Die Bachl’s ziehen nach Trudendorf und als Hofnachfolger in Hinterschida kommt 1637 ein  Wolfgang Käpel.

Wolfgang Käpel ist zweimal verheiratet, jedes Mal mit einer Margaretha.  Zwölf Kinder sind von ihm bekannt. Sohn Leonhard aus erster Ehe wird Bauer auf dem Sackhof in Steinach und Sohn Georg aus zweiter Ehe übernimmt 1668 den elterlichen Hof in Hinterschida7.

 

 Kaepel Hinterschida

 

Seine Ehe mit Eva Kornmann bleibt kinderlos und die Bauerseheleute verkaufen den Hof in Hinterschida am 29.03.1683 an den „ehrbaren Wolf Groß in der Bogen8 und erwerben als Alterssitz das „gemauerte Gerichtsschreiberhäusl in Mitterfels“9.

Wolfgang Groß hat mit seiner Ehefrau Maria acht Kinder, die bekannt sind.:
- Walburga heiratet 1693 den Bauern Georg Obermayer von Obermenach
- Johann heiratet 1702 die Bauers- und Erbtochter Maria Hainz von Mitterschida
- Maria heiratet 1702 den Bauerssohn Wolfgang Engl von Unterhartberg
- Georg übernimmt 1705 den elterlichen Hof in Hinterschida
- Michael heiratet 1707 die Bauerswitwe Afra Schneiderbauer von Vorderschida und wird dort Bauer
- von den weiteren Kindern Johann Wolfgang (*1684), und Andreas (*1692) ist der weitere Lebensweg unbekannt. Ein Sohn stirbt im Kindesalter.

 

 

Gross Hinterschida

 

Der Hofnachfolger Georg Groß stirbt im Alter von 30 Jahren und die Witwe Maria, eine geb. Foidl von Agendorf, verheiratet sich mit dem Bauerssohn Johann Rothamer von Rotham.

Maria Groß bzw. Rothamer bringt in ihren zwei Ehen sieben Töchter zu Welt:
- Maria Groß(*1706) heiratet 1742 den Bauerssohn Jakob Strohmayr von Amselfing
- Magdalena Groß (*1709) heiratet 1731 den Bauern Andreas Frankl von Tiefenbach und übernimmt 1741/42 den Hof in Hinterschida
- Walburga Groß (*1712) heiratet 1734 den Bauern Joseph Zeindlmeier von Hoerabach
- Maria Anna Rothamer (*1717) stirbt mit 18 Jahren am 26.05.1736
- Barbara Rothamer (*1720) heiratet 1743 den Johann Bachmaier und übernimmt den Hof in Tiefenbach
- Magdalena Rothamer (*1723), deren Lebensweg ist unbekannt

1743 kommt es zu einem Hoftausch. Tochter Magdalena Groß übernimmt mit ihrem Ehemann Andreas Frankl 1741 den Hof in Hinterschida. Dafür übernimmt die Halbschwester Barbara Rothamer mit ihrem zukünftigen Ehemann Johann Bachmaier 1743 den Hof in Tiefenbach. Barbara stirbt jedoch bereits nach drei Jahren Ehe und der Witwer verheiratet sich neu.

 

Frankl Hallmayr

 

Als Andreas Frankl mit 46 Jahren stirbt, heiratet die Witwe Magdalena Frankl den Bauerssohn Johann Jakob Gürster vom Gschwellhof.

Nach dem Tod des zweiten Ehemannes übergibt die Witwe Magdalena Gürster 1779 ihrer Tochter aus erster Ehe, Anna Maria Frankl, den Hof in Hinterschida. Anna Maria ist bereits seit 1756 mit dem Gschwendt’ner Müller Franz Xaver Hallmayr verheiratet und die Müllerseheleute bewirtschaften, neben der Mühle in Gschwendt, auch den Hof in Hinterschida, bis sie ihn 1793 an ihren Sohn Joseph Hallmayr übergeben. Die Mühle in Gschwendt übernimmt der älteste Sohn Andreas.

Noch im gleichen Jahr heiratet Joseph Hallmayr die Bauerstochter Anna Maria Freundorfer von Dürrmaul bei Haselbach. Sechs Kinder kommen in Hinterschida zur Welt, bis das Ehepaar 1803 den Hof an Peter und Anna Maria  Pellkofer von Eisenhart verkaufen. 

Zu dem Hof gehörte, relativ weit weg  im Hoeramoos gelegen, ein Ausnahmshäusl. Wahrscheinlich hatte sich ein Ausnahmsbauer das Haus gebaut, um näher bei den Ortschaften Agendorf und Muckenwinkling zu sein. Vielleicht hatten sich die Ausnahmer nach der Übergabe auch mit den Jungen nicht verstanden und sind so weiter weg gezogen. Die Wiese, auf der das Häusl stand, wird schon 1579 im dem Salbuch beim Hof beschrieben: „An Wismadt... der in der Öd, aufm Hörmoß ein Tagwerk einmädig“10.

 

 Pellkofer

 

Als Peter Pellkofer den Hof kaufte, hatte er für das Ausnahmshäusl keine Verwendung mehr und verkaufte es 1805 an seinen Tagelöhner Georg Lindmayr.

Ca. 1814 übergeben sie den Hof an ihren Sohn Wolfgang Pellkofer der sich mit der Bauerstochter Anna Maria Kellner von Niedermenach verheiratet.

 

1838 werden die drei Höfe Vorder-, Mitter- und Hinterschida in die Pfarrei Oberalteich umgepfarrt  und die Einträge in den Kirchenbüchern von Steinach enden.

 

 

 

 

 

 

1 Straubinger Salbuch des Augsburger Domkapitels von 1444, erschienen im Jahresbericht d. Hist. Vereins von Straubing, 65. Jhg. 1962, S. 46
2 StA Landshut, Landschaft Unterlands Rep. 186 Nr. 1180 III

3 BayHStA München Kloster Oberalteich Urkunden 1218
4 Staatsarchiv Landshut, Rentkastenamt Straubing B39, Sal- und Urbarsbuch über die propsteiischen Lehengüter des Rentkastenamts Straubing 1579, fol 80‘
5 BZA Regensburg, Dekanatsakten Pondorf P7 Heiraten Januar bis Februar 1635
6 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P50,  fol.54   Kaufbrief vom 18.04.1637
7 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P61 II, fol.145  Vergleich vom 26.06.1671
8 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P65 II,  fol. 152  Kaufbrief pr. 1112 fl vom 29.03.1683
9 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P65 II,  fol. 160  Kaufbrief pr. 425 fl vom 28.06.1683
10 Staatsarchiv Landshut, Rentkastenamt Straubing B39, Sal- und Urbarsbuch über die propsteiischen Lehengüter des Rentkastenamts Straubing 1579, fol 80‘


weitere Quellen:
Bischöf. Zentralarchiv Regensburg, Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach

 

 

 

 

Cookies erleichtern die Bedienung unserer Webseite. Mit der Nutzung der Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Mehr Infos über Cookies unter Datenschutz. https://heimatgeschichte-steinach.de/datenschutz.html.

Ich akzeptiere Cookies für diese Seite.
EU Cookie Directive plugin by www.channeldigital.co.uk