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Der ganze Zeindlmayerhof – Hiegeist-Hof

 

 von Claudia Heigl

 

 

 

Dieser Hof wird bereits ca. 1300 erstmals urkundlich erwähnt. Beide Höfe in Hoerabach dürften jedoch in etwa gleich alt sein.

 

Uraufnahme Hoefe

links der Hiegeist-Hof mit der Nr. 51
Uraufnahme aus dem Jahr 1827
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

 

 

FO HOER 82
im Vordergrund der Hiegeist-Hof im Hintergrund der Heisinger-Hof in Hoerabach
aufgenommen ca. 1940
Quelle: Familie Hiegeist, Hoerabach

 

 

ca. 13001 besitzt ein "senior Bvoberger 5 Viertel in Hvrnbach" und zahlt hierfür 5 Schilling Pfennig an das Domkapitel an Abgaben. Dies ist somit die erste urkundliche Erwähnung eines Hofes in Hoerabach.

 

13112 wird „Hurnpah“ im Niederbayrischen Salbuch mit 5 Viertl aufgeführt. Hier ist ebenfalls der „Hiegeist-Hof“ gemeint.

 

Der Hof dürfte im 14. Jahrhundert in den Besitz des Klosters Oberalteich gekommen sein, denn im Salbuch von 14443 heißt es:
Der Hof zu Hurnbach, den der Abt von Obern Altach mit Kaufen zu dem Gotteshaus daselbst gekauft hat. Zu merken, daß der Utz Puchberger zu Lehen genommen hat, als ein Zinslehen 5 Viertel Baues zu Hurnbach, und wer das innehat, soll das zu Lehen nehmen, ... Martini 5 Schill. Pfg.

 

1490 wird der Hof in Hoerabach niedergebrannt.
21.02.14904: Ulrich Muelner, ehemals zu Lenach, jetzt zu Klattau und dessen Bruder Hans Millner zu Strakonitz, die wegen einer Fehde gegen das Kloster Oberalteich in das Gefängnis zu Mitterfels gekommen sind, wo Ulrich Muelner geblendet wurde und die geschworene Urfehde gebrochen habe, wonach beide gegen Stellung von Bürgschaft und das Versprechen, das Land nicht zu verlassen, aus dem Gefängnis entlassen wurde, vergleichen sich mit Abt Christian von Oberalteich, nachdem sie trotzdem aus dem Land gezogen und aus Rache zwei Höfe des Klosters zu Hoerabach und Schergenhofen und einen Stadel in Lenach niedergebrannt haben.

 

Ende des 16. Jahrhunderts ist eine Familie Walterstorffer auf dem Hof. Im Salbuch von 15795 heißt es:

Michael Walterstorffer besitzt ein Gut, welches fünf Viertel Bau und Propsteiisches Lehen ist, so dem Kloster Oberalteich zugehörig ist und von der Probstei erkauft wurde. Und solches an jetzt mit Herrn Rentmeister zu Straubing wegen der Verfertigung strittig und dient demnach auf den fürstl. Kasten Straubing an Geld 5 Schilling Pfennige.

Der Hof hat also noch die gleiche Größe und zahlt auch die gleiche Abgabe, wie im Jahr 1300.

15786 und 15877 wird in den Steuerbüchern ein „Michael Paur“ als Hofbesitzer aufgelistet. Bei dem „Paur“ und „Walterstorffer“ handelt es sich jedoch um die gleiche Person. Oft wurden die Hofbesitzer größerer Höfe nur als „Bauer“ bezeichnet.

 

Vier Viertl entsprechen einem ganzen Hof mit ca. 100 Tagwerk Grund. Der Hof war also etwas größer als ein ganzer Hof.

 

 

Waltersdorfer

 

 

1635 finden wir einen Georg Bachl auf dem Hof.

 

Bachl

 

 

Ab 16378 ist ein Erhard Häckl mit seiner Ehefrau Maria Hofbesitzer. 1667 heiratet die Tochter Maria den Bauerssohn Georg Zaun von Muckenwinkling und beide übernehmen nach dem Tod des Vaters 1669 den Hof in Hoerabach.

 

 

Haeckl

 

 

16859 tauscht das Ehepaar Zaun ihren Hof in Hoerabach mit Sebastian und Ursula Zeitlmayr (weitere Schreibweise Zeindlmayer) gegen deren Hof in Unterparkstetten.

Sebastian Zeitlmayr zu Unterparkstetten und Ursula dessen Eheweib, vertauschen dem erbaren Georgen Zaun zu Hörabach und Balburga dessen Eheweib, nähmlich ihr ein zeither ingehabtes und Vermög de dato 14. Febr. 1665 von Vattern und respectine Schwechern sel. übernommenen Viertlbau so Erbrecht und alhiesig Churfrtl. Kasten urbar ist , dagegen und zu erbetener Vergleichung dessen hat ermelter Zaun und dessen Eheweib demselben iren besitzenden  und vermög Übergabsbrief de dato 16. März 1669 von seinr Schwigerin Maria Häckhlin sel. überkommenen ganzen Hof so mit der Grundherrschaft zum lobl. Kloster Oberalteich, mit der Vogteilichkeit aber zum alhiesigen churfrtl. Kastenamt gehörig,  vertauscht. Zeitlmayr übernimmt die auf Zauns Hof liegenden Schuld von 300 fl Kapital, dagegen Zaun auch die auf Zeintlmayers Hof in Parkstetten liegenden Schuld in Höhe von 120 fl übernommt. geschehen am 13.01.1685

 

 

Zeindlmayer

 

 

176010 wird der Hof als „Lenzlhof“ bezeichnet und gehört als „propsteiisches Lehen“ dem Kloster Oberalteich.

 

Vier Generationen der Familie Zeindlmayer bewirtschaften den Hof. Als Andreas Zeindlmayer 1803 mit 56 Jahren stirbt, heiratet seine 41jährige Witwe und zweite Ehefrau den 32jährigen Paul Hiegeist aus Sarching. Nach sechs Jahren Ehe stirbt die Bäuerin und Paul Hiegeist vermählt sich mit der 24jährigen Theresia Lehner, einer Bauerstochter aus  Riedling. Aus der Ehe gehen nochmals neun Kinder hervor, von denen drei im Kindsalter versterben. Bei der Geburt ihres letzten Kindes stirbt Theresia Hiegeist im Alter von 41 Jahren an Kindbettfieber.

 

 

Hiegeist

 

 

Im Liquidationsprotokoll von 183811 wird der ganze Zeindlmayrhof wie folgt beschrieben: „Wohnhaus und Stallung unter einem Dache, Getreidestadel, Heustadel, Wagenschupfe, Backofen, Schweinestallung und Hofraum“

 

 

FO HOER 36
Franz Xaver Hiegeist (1883-1936) mit drei seiner acht Kinder
v.l. Maria (*1885, verh. Bauer), Karl (1895-1923), Katharina (1888-1963)
aufgenommen um 1918
Xaver Hiegeist war 1879 Gründer der FFW Agendorf und
von 1900-1917 Bürgermeister der Gemeinde Agendorf
Quelle: Familie Hiegeist, Hoerabach

 

 

MHG32 14 Bauernhaus

Der Hof aufgenommen ca. 1915
Quelle: Familie Hiegeist, Hoerabach

 

 bauernhaus 2

 Das Bauernhaus wurde um 1920 aufgestockt.
Quelle: Familie Hiegeist, Hoerabach

 

 

 

hausanbau1

In den 1970er Jahren ist das alte Bauernhaus durch einen Neubau ersetzt worden.

Quelle: Familie Hiegeist, Hoerabach

 

 

Hiegeist Max Foid Maria 1930

 Max Hiegeist und seine erste Ehefrau Maria Foidl von Agendorf.
Quelle: Familie Hiegeist, Hoerabach

 

Nachdem zwei seiner älteren  Brüder früh gestorben waren, übernahm 1930 der jüngste Sohn  Max Hiegeist den Hof. Max wollte ursprünglich Fotograf werden und hatte in Altötting bereits eine Lehrstelle.

Neben der Arbeit auf dem Hof blieb die Fotografie die Leidenschaft des Landwirtes. Neben zahlreichen Landschaftsaufnahmen fotografierte Max Hiegeist Kirchen, Häuser, Dörfer, Familien und Ereignisse in der Umgebung. Dabei experimentierte er mit verschiedenen Belichtungszeiten und Perspektiven. Viele Bilder im Besitz der Agendorfer und Steinacher Familie von ihren Familien und Häusern stammen von ihm.
Er hatte ein Auge für reizvolle Motive, hielt aber auch die alltäglichen Tätigkeiten und landwirtschaftlichen Arbeiten fest.

Er hinterließ zahlreiche Bilder seiner Familie und viele wertvolle historische Dokumentationen zur Ortsgeschichte.

 

Die Familie Hiegeist bewirtschaftet nun in sechster Generation den Hof in Hoerabach.

 

hiegeist Hoerabach 2019
vorne der Hiegeist-Hof
der Stadel gegenüber der Straße gehört zum Hof
Das Einfamilienhaus, rechts hinten, ist das "Ausnahmshaus" des Hofes
Bild: Daniel Wirth

 

 

 

 

Quellen:
1 Jahresbericht d. Hist. Vereins f. Straubing u. Umgebung, 8. Jhg. 1905, S.45 Rechte und Besitz des Domkapitels Augsburg in und um Straubing am Anfang des XIV. Jahrhunderts.
2 BayHStA München, Kurbayern Äußeres Archiv 4744/2, S. 64, Niederbayerisches Salbuch ca. 1311
3 Jahresbericht Hist. Verein f. Straubing u. Umgebung 65 (1962), Straubinger Salbuch des Augsburger Domkapitels von 1444, S. 47
4 BayHStA München, Kloster Oberalteich Urkunden 881
5 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing B39, Sal- und Urbarsbuch über die propsteiischen Lehengüter des Rentkastenamts Straubing, 1579
6 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing B99, Steuerbuch des Kastenamts Straubing 1578
7 StA Landshut, Rentkastenamt straubing B104, Scharwerksbuch Propsteiische Untertanen, fol 28‘
8 Ein "Leonhardt Häckhel von Hierpach" liefert 1637 Weizen an das Weisse Brauhaus nach Kehlheim. Quelle: www.Schneider-Archiv.de, Rechnungsbuch von 1637, S.42
9 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P65 III, fol. 150 Tauschbrief vom 13.01.1685
10 BayHStA München, Kurbayern Hofkammer Hofanlagsbuchhaltung 515, S. 96 Hofanlagsbuch des Rentkastenamts Straubing 1760
11 Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokoll der Steuergemeinde Agendorf vom 09.10.1838

Die Personendaten wurden alle aus den Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach entnommen.

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