Das Brandl-Anwesen - früher das "Nebenhaus des Hagenauerhofes" Hs.Nr. 36
heute Mitterfelser Str. 14 in Agendorf
von Claudia Heigl
Dieses Anwesen gehörte knapp 200 Jahre zum sogenannten Hagenauer-Hof (heute Stelzl) und diente den Bauern als Neben- oder Ausnahmshaus.

Das Nebenhaus des Haupthofes befand sich entfernt im Ort.
Uraufnahme aus dem Jahr 1827
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas
1579 besitzt ein Sebastian Knott das hölzerne Häusl. Dazu gehört ein Garten mit mehreren Kirschbäumen, der „ein halbes Viertel“ groß war.
Laut dem im Jahr 1575 ausgestellten Kaufbrief ist der Besitz als „frey ledigen Aigen“ ausgewiesen. Diese Bezeichnung weist auf freies Eigen hin, also auf Grundbesitz, der nicht als Lehen vergeben ist. Der Eigentümer verfügt damit grundsätzlich frei über seinen Besitz, ohne an die besonderen Bindungen eines Lehensverhältnisses gebunden zu sein. Ungeachtet dieses Rechtsstatus sind jährlich sechs Pfennig an den fürstlichen Kasten in Straubing zu entrichten.1
Als nächste Besitzer werden lt. o.g. Salbuch aufgeführt:
Thomas Pruckmaier
1599 Martin Rieger von Thomas Pruckmaier erkauft.2
Hans Rieger
Georg Kirchmair
Am 27.01.1638 verkaufen die zwei Schätzleute Erhard Hackl zu Hoerabach und Jodokus Foyerl von Agendorf das Gütl dem Agendorfer Bauern Wolfgang Blas und dessen Ehefrau Barbara für eine Kaufsumme von 20 Pfund Regensburger Pfennige.3
Eine Tochter des Ehepaares namens Margaretha kommt am 16.01.1640 in Agendorf zur Welt, die jedoch nach knapp 4 Monaten wieder stirbt.
Um 1647 erwirbt der Agendorfer Bauer Jodokus Foyerl das hölzerne Haus mit Garten in der Ortsmitte von Agendorf. Das kleine Anwesen bleibt bis zur Zertrümmerung des Hofes im Jahr 1833 Bestandteil des Hauptanwesens (früher Hagenauer-Hof, heute Stelzl-Hof) und dient als Ausnahmshaus oder Wohnhaus für die Bediensteten des Hofes.
Das Nebenhaus wird vom Hof abgetrennt
1833 gerät der Bauer Joseph Hagenauer in finanzielle Schwierigkeiten. Am 27.06.1833 lässt er seinen 114 Tagwerk großen Hof in Agendorf zertrümmern und verkauft die einzelnen Grundstücke und Anwesensteile.

Das Brandl-Anwesen
aufgenommen im Jahr 2022
Foto: Archiv für Heimatgeschichte Steinach
Michael Gmeinwieser von Irschenbach kauft das Nebenhaus mit 11,3 Tagwerk Grund um 800 Gulden.
Michael arbeitet wohl auf dem Hagenauer-Hof als Dienstknecht. Mit der Magd Theresia Pummer hat er bereits zwei unehelich geborene Kinder, die jedoch im Säuglingsalter sterben.
Theresias Eltern, Vitus und Anna Maria Pummer4, dürften ebenfalls auf dem Hagenauer-Hof als Dienstleute gearbeitet haben und in dem Nebenhaus des Hofes gewohnt haben.
Als der Hof zertrümmert wird, ergreift Michael Gmeinwieser die Gelegenheit und erwirbt das Nebenhaus. Damit ist auch, lt. dem damaligen Anässigkeitsmachungsgesetz, der Weg geebnet, dass er eine Heirat eingehen kann.
In der Ehe kommen nochmals sechs Kinder zur Welt, von denen zwei im Säuglingsalter sterben:
- Katharina (*+1827) vorehelich geboren
- Michael (*+1829) vorehelich geboren
- Katharina (*1831)
- Therese (*1833)
- Franz Xaver (*+1837)
- Johann (*+1840)
- Xaver (*1842)
- Karolina (*1846)

Im Jahr 1857 veräußert der Witwer Michael Gmeinweiser, nach dem Tod von seiner Ehefrau, das Haus mit 11 Tagwerk Grundbesitz an den Bruckmüller Andreas Kolbeck um 4.200 Gulden.
Im Februar 1863 verkauft er das Haus mit zwei Tagwerk Grundbesitz an seine Schwester Therese Kolbeck um 1.400 Gulden. Die restlichen Grundstücke legt er mit seinem Besitz, der Bruckmühle, zusammen.
Im November 1864 veräußert Therese Kolbeck das Gütl um 1.775 Gulden weiter an Xaver und Elisabeth Brandl von Saulburg.
Schließlich erwirbt im Oktober 1865 Jakob Bornschlegl von Unterholzen das Gütl um 1.415 Gulden.
Vier Monate nach dem Kauf heiratet er Katharina Plank von Falkenfels.
Das Ehepaar hat nur eine Tochter, die auf den Namen Theresia getauft wird.
Nach dem Tod von Jakob Bornschlegl, heiratet die Witwe Katharina noch zweimal – den Witwer Wolfgang Prommersberger von Bonholz und den Witwer Josef Schütz.
Ihre einzige Tochter Theresia übernimmt 1900 das Anwesen und heirateten den Wirtssohn Wolfgang Brandl von Pilgramsberg.
Das Anwesen geht 1934 an ihren Sohn Franz Xaver, der die Bauerstochter Kreszenz Stelzl von Agendorf zur Ehefrau nimmt.

1 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing B39, Sal- und Urbarsbuch über die propsteiischen Lehengüter des Rentkastenamts Straubing, 1579, fol. 55
2 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing B101, Steuerbuch des fürstl. Kasten Straubing 1599
3 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P51, fol.3 Kaufbrief vom 27.01.1638
4 Vitus Pummer, Schusterssohn von Mitterfels hat am 29.04.1800 in Steinach die Tagelöhnerstochter Anna Maria von Mayerhof geheiratet. Die Familie lebte in Agendorf
Weitere Quellen:
BayHStA Kurbayern Hofkammer 515, Konskription des Hauptkastenamts Straubing Amt Trudendorf von 1760
StA Landshut, Rentamt Straubing B130, Häuser- und Rustikalsteuerkataster Trudendorf incl Agendorf 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B131, Umschreibebuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster Trudendorf incl Agendorf 1814 - 1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokoll der Steuergemeinde Agendorf von 1836
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9932 Umschreibeheft zum Grundsteuerkataster von Agendorf 1843 - 1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9935 Umschreibeheft zum Grundsteuerkataster von Agendorf 1859 - 1894
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9939 Umschreibeheft zum Grundsteuerkataster von Agendorf 1894 - 1960
BZA Regensburg, Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach
Kulturkreis Josef Schlicht e.V., Jahresheft 1993/94, Ausgabe 2/1994
veröffentlicht: 07.11.2026