Landgasthof Schmid in Wolferszell

 

von Claudia Heigl

 

 

Gasthaus Schmid 2010

Das Wirtshaus in Wolferszell
aufgenommen 2011
Bild:Claudia Heigl

 

Das heutige Wirtshaus hatte ursprünglich die Hs.Nr. 3 und wurde 1838 als „halber Bachelhof mit realer Wirtstafern“ bezeichnet.1

 

Das Wirtshaus in Wolferszell dominiert, neben der Mühle, das Ortsbild von Wolferszell. Generationen von Gastwirten haben hier an der wichtigen Heeres- und Handelsstraße für das Wohl der Bürger gesorgt. Die Straße, an welcher das Wirtshaus liegt, ist schon seit vorgeschichtlicher Zeit eine wichtige Verbindungsader, die von Italien kommend bei Straubing die Donau überquerte und nach Böhmen weiterführte. Waren aller Art wurden hier transportiert, vor allem hat man das kostbare Salz in das salzlose Böhmen gebracht. Ursprünglich handelte es sich hier um einen reinen Bauernhof der zum Besitz der Grafen von Bogen und später, durch Einheirat der Grafenwitwe Ludmilla, den bayerischen Herzögen gehörte. Das Schenkrecht lag zuerst auf der „Zubau-Sölde“ [alte Hs.Nr. 4, heute Chamer Str. 6], wo es erstmal 1446 urkundlich erwähnt wurde, dann auf der Mühle und kam schließlich wieder auf das heutige Wirtshaus zurück.

 

 Uraufnahme 1828 Wirtshaus

Uraufnahme aus dem Jahr 1827
Quelle: Bayerische Vermessungsverwaltung, Bayernatlas

 

15782 wurde ein Sebastian Permair als Besitzer des Hofes genannt.  Im Sal- und Urbarsbuch des Rentkastenamts Straubing von 1579  ist zudem vermerkt, dass darauf Wolf Paur, Wagner zur Rogendorf, Sebastian Paur zur Landorf und Hanns Paur noch ledigen Stands, all drei Gebrüder, weiland Georgen Paurs zu Wolferszell und Elspeth einer Hausfrau beiden seligen nachgelassene Söhne, Leibgeding haben.“ Nachgewiesen wurde dies durch einen fürstlichen Leibgedingsbrief, ausgestellt von Herzog Wilhelm im Jahre 1548. Ferner wurde der Hof wie folgt beschrieben: „Zum Hof gehört eine hölzerne Behausung, ein Stadel mit einer Tenne, Stall und ein Backofen, alles mittelmäßig erbaut“.3

15994 war Sebastian Permair bereits verstorben und seine Witwe zahlt die Steuer. 1600 beantragt der nun verheiratete Hans Paur erneut das Leibrecht auf sich, seine Ehefrau Ursula und ihren gemeinsamen Sohn Melchior. Hans Paur starb bald darauf und seine Witwe verheiratete sich wieder mit einem Eisenharter. Im Steuerbuch von 1599 wurde als Hofnachfolger ein Hans Schneider vermerkt.

Die nächsten 30 Jahre liegen im Dunkeln, bis ein Johann Schmidbauer in den Urkunden genannt wird5.
Bereits beim ersten Schwedeneinfall 1633 wurde Wolferszell überfallen.  Die Bauern suchten teilweise Schutz in Straubing. Dort starb auch Johann Schmidbauer von Wolferszell am 02.07.1634, wie im Totenbuch von St. Jakob vermerkt wurde.

Der verlassene Hof wurde nicht wieder bewirtschaftet und verödete die nächsten 16 Jahre.

 

Das Schenkrecht kommt auf den Hof

Als weiterer Besitzer finden wir noch einen Georg Bachl (Pächl), von dem der Hof seinen Namen erhielt3. Zu diesem Bachl gibt es ansonsten keine Hinweise.

1651 kaufte den Hof schließlich der Wolferszeller Müller und Wirt Sebastian Obermayer und dessen Ehefrau Maria. Obermayer erhielt 1657 vom Rentmeister die Bewilligung das Schenkrecht, dass bisher auf der Mühle lag, auf diesen Hof zu übertragen und zusammen mit dem „Bachlhof“ an Johann und Maria Schink von Riedling zu verkaufen.3
Am 02.06.1680 starb der alte Wirt Johann Schink mit 90 Jahren.

Von Johann Schink sind 14 lebende Kinder bekannt.

Vier Kinder aus erster Ehe mit Ehefrau Margaretha:
- Elisabeth heiratete 1650 Sebastian Wintermayer, Bauer in Agendorf Nr. 38 [Mitterfelser Str. 3]
- Katharina heiratete Adam Pösl, Bauer in Oberniedersteinach Nr. 8
- Paul heiratete 1662 die Müllerstochter Eva Obermayer und übernahm den Hof Nr. 15 [Mühlenweg 9] in Wolferszell
- Jakob machte sich in Hinten? bei Kriseszell ansässig

Zehn Kinder aus zweiter Ehe mit Maria geb. Beck:
- Georg wurde „auf ewig aus Bayern verwiesen“ und ließ sich in Flecken/Böhmen nieder6
- Mathias übernahm den Gmeinwieserhof Nr. 12 [Mühlenweg 3] in Wolferszell
- Johann übernahm das elterliche Wirtshaus
- Ursula (*30.11.1659)
- Andreas (geb. ca. 1661)
- Margaretha (*15.04.1661) heiratete 1682 den Steinacher Hafner Sebastian Fuchs
- Maria (*04.10.1662) heiratete Sebastian Härtl von Stallwang
- Georg (*10.04.1667) machte 1687 eine Hafnerslehre bei seinem Schwager, dem Steinacher Hafner Sebastian Fuchs
- Barbara (*28.11.1668) heiratete 1692 den Steinacher Bauern Georg Schweikl von Hs.Nr. 21 [Wittelsbacher Str. 1]
- Anna Barbara *25.06.1673) heiratete 1703 den Steinacher Wirtssohn Vitus Hartberger

Die Lage an der Handelsstraße war für das Wirtshaus ideal. Nach den Schrecken des 30jährigen Krieges begann langsam wieder der Aufschwung. 1673 erwarben die Wirtsleute vom Steinacher Benefiziaten Georg Weismaier auch noch das Erbrecht auf den Gmeinwieserhof Nr. 12 [Mühlenweg 3] in Wolferszell.

Am 30.03.1680 übergab der alte Wirt das Wirtshaus seinem Sohn Hans Schink. Zu der Verbriefung konnte er schon nicht mehr selbst nach Straubing fahren. Die Austrägler zogen dann auf den Gmeinwieserhof.

 

 

Uebergabe 1680

Übergabebrief vom 30.03.1680
StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P64 (Briefprotokoll 1678-1681), fol 276

 

 

1681 heiratete Hans Schink eine Sabina Lausser, die Tochter des Schusters und Bürgers Johann Lausser von Unterviechtach und dessen Ehefrau Margaretha.
Doch das Ehepaar blieb nicht lange auf dem Wirtshaus. Am 16.04.1683 verkauften sie den Bachlhof um 550 Gulden und das Schenkrecht um 150 Gulden an Hans Lanzinger von Stubenhof und dessen Ehefrau Magdalena7. Hans Schink zog nach Viechtach und wurde Reiter der Schönbrunnerischen Kompanie8.

Lanzinger war vorher Wirt in Stubenhof b. Stallwang und hatte am 16.03.1669 Magdalena Knott von Treffendorf geheiratet9
Von den beiden sind drei Kinder bekannt:
- Rosina heiratete 1698 den Steinacher Schneider Paul Semmelbeck
- Barbara heiratete 1698 den Hafnerssohn Benedikt Schuhbauer von Wolferszell. Benedikt ließ sich als Hafner in Ascha nieder. 1713 heiratete sie in zweiter Ehe den Steinacher Hafnerssohn Andreas Wiesinger.
- Vitus

Da keines der Kinder das Wirtsanwesen übernahm, verkauften Johann und Magdalena Lanzinger den Bachlhof samt Schenkrecht am 29.10.1697 um 1500 Gulden an den Stephansposchinger Wirt Johann Bayerl10. Der Wirt und Witwer hatte am 23.06.1693 die Gschwendter Wirtstochter Margaretha Stubenhofer geheiratet11. Innerhalb von 14 Jahren hatte sich der Kaufpreis für das Anwesen somit verdoppelt!!  Mit dem Kauf hatte sich Johann Bayerl jedoch wohl übernommen, denn 1709 kam es zur Versteigerung12 13.

 

Besitzerfolge Rieger Kienberger

Mit Hans Georg und Maria Rieger zogen lt. Verbriefung vom 06.08.1709 neue Wirtsleute ein. Am 07.03.1710 kauften beide die „Zellerische Bausölde“ [Hs.Nr. 4] von Georg Stubenhofer dazu. Dieses Gütl, auf dem ursprünglich das Schenkrecht lag, wurde somit wieder mit dem Wirtshaus vereint. Die nächsten 146 Jahre war es als „Zubausölde“ mit dem Wirtsanwesen verbunden.

Mit Rieger Hans Georg zogen dessen Eltern Wolfgang und Maria Elisabeth ein. Der Vater Wolfgang starb am 22.07.1720 mit 60 Jahren in Wolferszell. Hans Georg überlebte ihn nur um 2 Jahre und starb bereits mit 38 Jahren.
Zwischen den Vormündern der drei Töchter und der Witwe wurde ein Vertrag aufgesetzt, in dem das väterliche Erbteil festgelegt wurde. Die Witwe behielt den Bachlhof und die erkaufte Bausölde, grundbar zum Zellerschen Benefizium in Straubing14. Drei Monate später heiratete sie den Wirtssohn Michael Kienberger von Neuvielreich.

 

Familie Bergmayer kommt auf das Wirtshaus

Ca. 1746 kauften Christoph und Maria Bergmayer das Wirtsanwesen von den Kienbergers, deren Verbleib unbekannt ist. Christoph stammte aus dem Hof genannt “auf der Wies“  in Unterniedersteinach (Hs.Nr. 6, späterer Leibl-Hof).
Am 03.09.1733 veräußerte Christoph den ganzen Erbrechtshof in Unterniedersteinach an einen Joseph Schuhbauer um 1.150 Gulden und kaufte den Hof in Pürstenberg. Ca. 1746 erwarben er und seine Frau Maria schließlich das Wirtsanwesen in Wolferszell und verkauften den Pürstenberger Hof an Wolf Johann und Walburga, geb. Lohringer, bisher Bauerseheleute auf dem Helmberg.

Als Wolferszeller Wirt konnte er sich leisten die Kirche großzügig zu unterstützen, was der Pfarrer ihm auch dankte indem er bei seinem Sterbeeintrag vermerkte: „ein ausgezeichneter Guttäter des Pfarrgotteshauses zu Steinach, der Corporis Christi Bruderschaft dahier und der Kirche auf dem Kapfelberg“.

 

20 Kinder in 24 Jahren

Zwei Jahre später übergaben die Bergmayer’s ihrem 26jährigen Sohn Christoph das Wirtsanwesen, der die knapp 17jährige Anna Maria Pösl,  Wirtstochter von Steinach heiratete. Anna Maria war das einzige Kind der Wirtsleute Johann Georg Pösl und dessen Ehefrau Maria Katharina Taburon. Der Bäcker Pösl baute 1737 das heutige Landhaus Krone in Steinach und sein Schwager Lorenz Röckl übernahm die Bäckerei. Anna Maria’s Mutter Katharina war eine Schwester und Nichte des Steinacher Schloßbenefiziaten Peter Taburon und hatte bis zu dessen Tod seinen Haushalt geführt. Zwischen 1750 und 1774 brachte Maria nun fast jährlich ein Kind zur Welt, d.h. sie war zwischen ihrem 19. und 42. Lebensjahr die meiste Zeit schwanger.

 

Kinder Bergmayer

 

Von sieben Kinder finden sich im Säuglingsalter Sterbeeinträge im Steinacher, von den restlichen lassen sich die Lebenswege nur bei sechs Kinder nachvollziehen.
- Tochter Anna Maria (*07.12.1752) trat in ein Kloster ein und erhielt den Ordensnamen Scholastika.  Am 14.11.1811 starb, die wahrscheinlich bei der Säkularisation vertriebene Klosterschwester, an einem Lungengeschwür in Steinach.
- Sohn Joseph (*25.06.1756) heiratete 1780 die Bauerstochter Katharina Erndl von Pellham.
- Sohn Johann Christoph (*27.02.1769)  ging 1785 als Bräuknecht nach Prag und galt als verschollen. Da sein Erbe noch nicht ausbezahlt war und dies noch als Verpflichtung auf dem Wirtsanwesen lag, ließen ihn sein Bruder Johann Michael und dessen Geschwister offiziell für Tod erklären, damit das Erbe verteilt werden konnte und das Wirtsanwesen unbelastet an die Tochter des Johann Michael übergeben werden konnte.
- Tochter Maria Anna (*25.06.1770) heiratete 1787 den Schullehrer Johann Georg Auer von Steinach.
- Sohn Johann Michael (*28.09.1762) übernahm das Wirtshaus

- Tochter Walburga  (*17.03.1772) heiratete 1795 den Metzger Johann Georg Wegerer in Steinach.

 

Bergmaier Christoph 1760

 

Beilage zur Allgemeinen Zeitung Nr. 307 vom 03.11.1829

 

 

Das tragische Schicksal einer Familie

Sohn Johann Michael Bergmayer übernahm 1793 das Wirtsanwesen. Auch seine Ehefrau Thekla gebar elf Kinder von denen nur eine Tochter das Erwachsenenalter erreichte:
Sechs Kinder wurden nicht älter als einen Monat.  Zwei Kinder, im Alter von 7 Monaten und 6 Jahren, starben innerhalb von einem Monat an Verstopfung. Ein Kind starb mit 7 Monaten an einem Entzündungsfieber und schließlich starb der älteste Sohn im Alter von 10 Jahren.

Diese Hilflosigkeit gegenüber der Natur erklärt auch die Religiosität, aber auch den Aberglauben der Menschen in dieser Zeit.

Michael Bergmayer allerdings hatte seinen Glauben verloren und sich der Kirche erst wieder am leidensvollen Ende seines Lebens zugewandt. Im Alter von 68 Jahren starb er an Abzehrung und in seinem Sterbeeintrag ist zu lesen: „geläutert in seinem ärgsten Leiden, wie das Gold im Feuerofen, hat er sich zuletzt Gott zugewendet“.

Das einzige überlebende Kind, Anna Maria, hatte 1827 in das Gschwendt‘ner Wirtshaus eingeheiratet und das Wolferszeller Wirtshaus wurde an einen Johann Weninger, Bäcker zu Gestütt, verkauft.

 

 Besitzer Bergmayer

 

 

Das Wirtsanwesen wird zertrümmert

Wenninger veräußerte am 04.01.1832 das Wirtsanwesen und das dazugehörige Zubaugütl [Hs.Nr. 4] um 10.000 Gulden an den Brauereissohn Joseph Schreiber von Roding15 der einen Monat später die Bauerstochter Leis Anna Maria von Rhan heiratete16. Das Wirtsanwesen war um 1838 insgesamt ein stattlicher Besitz, der Mesneranwesen am Kapflberg verkauft werden sollte, ergriff der Wirt die Gelegenheit und erwarb das kleine Gütl ebenfalls dazu.
Dann erkrankte Joseph Schreiber’s Frau und Mutter von sechs Kindern an der Lungenschwindsucht. Nach einem halbjährlichen Leiden verstarb sie am 13.06.1846 im Alter von 37 Jahren. Sechs Monate später heiratete der Witwer erneut.17
In den nächsten Jahren begann Schreiber das Wirtsanwesen langsam zu zertrümmern. Zuerst verkaufte er 1848 das Mesneranwesen, 1852 das Wirtshaus selbst mit 51 Tagwerk Grund. 1856 das Zubaugütl [Hs.Nr.4] an Georg Prommersberger und  weitere Grundstücke an die Wolferszeller Bauern. Durch diese Verkäufe entstand auch das Anwesen „auf der Spek“.
Schreiber zog mit seiner Familie nach Reisbach und die Loichinger’s von Oberwalting zogen am 08.11.1852 als neue Wirtsleute ein.18

Johann Loichinger’s erste Ehefrau war bereits in Oberwalting gestorben und er war in zweiter Ehe mit einer Anna Hamberger verheiratet.

Johann und Anna Loichinger hatten 11 Kinder, von denen nur fünf das Kindesalter überlebten.
- Sohn Leonhard (*22.10.1847) aus erster Ehe wurde Metzger und heiratete 1875 eine Franziska Hilmer von Wiesenzell
- Sohn Ludwig (*30.07.1859) heiratete 1885 Franziska Simmel von Geraszell und pachtete von den Straubinger Bierbrauerseheleuten Neumaier Ludwig und Carolina das Gasthaus Nr. 21 (später Thanner-Wirtshaus) in Steinach. 1900 starb Ludwig an einer Unterleibskrankheit durch einen Unglücksfall.
- Sohn Rupert (*15.08.1860) heiratete Anna Schambeck von Saulburg und wurde dort Krämer.

 

Das Schicksal einer Familie im 1. Weltkrieg

Am 20.05.1879 übernahm die älteste Tochter Kreszenz Loichinger  das Wirtsanwesen mit 31,83 Tagwerk Grund und vermählte sich drei Wochen später mit dem Bauerssohn Josef Hilmer von Bärnzell. Doch die Ehe begann schon unter ungünstigen Umständen. Um fünf Uhr nachmittags verschied tragischerweise Johann Loichinger am Hochzeitstag der Tochter mit 59 Jahren. Als Todesursache wurde  Wassersucht angegeben.
Bereits nach fünf Jahren Ehe starb auch Kreszenz im Alter von nur 32 Jahren an der Lungensucht. Der Witwer Josef Hilmer heiratete daraufhin die 20jährige Halbschwester seiner Ehefrau, Katharina.

- Sohn Karl aus erster Ehe machte sich in Wolferszell sesshaft [Hs.Nr. 12 1/2, heute Chamer Str. 10], starb jedoch 1908 bereits vier Monate nach seiner Eheschließung.
- Die Söhne Ludwig (*07.02.1893)  und Johann (* 25.12.1894) wurden beide zu Beginn des 1. Weltkrieges am 08.02.1914 eingezogen. Am 21.01.1915 wurden sie beide, in der gleichen Kompanie, ins Feld geschickt. Ludwig fiel fünf Monate später am 20.06.1915 in Galizien und Johann einen Monat danach am 23.07.1915 bei einer Schlacht am Reichackerkopf in diesem unsinnigen Krieg.

 

Postkarte 470085
Ansichtskarte aus dem Jahr 1917

 

 

Die einzige Tochter aus der zweiten Ehe, Maria Hilmer, heiratete den Rothamer Bauerssohn Ludwig Rothamer. Beide übernahmen das Wirtshaus in Wolferszell mit nunmehr nur 26 Tagwerk Grund. 1928 verkauften die Rothamer’s das Anwesen an die Bay. Siedlungs- und Landesbank München für 62.400 Mark und kauften sich dafür ein Anwesen in Kagers.
Lt. Aussage der Tochter Magdalena waren die Rothamer in Wolferszell bis 1926 Wirte. 1927 zogen sie nach Kagers und betrieben dort eine Gärtnerei.

 

Besitzer Loichinger Hilmer Rothamer

 

 

1929 erwarben die Brauereibesitzerseheleute Widmann Josef und Theresia von Saulburg das Wirtshaus mit noch 9,5 Tagwerk dazugehörigem Grund von der Bank und verpachten es an Konrad Lutz und dessen Ehefrau Therese, geb. Bogner. Die Lutz übernahmen 1935 das elterliche Wirtshaus Krone in Steinach.

 

Die Familie Schmid kommt auf das Wirtshaus

Am 9.10.1935 heirateten der 26jährige Josef Schmid von Wolfsberg und die 21jährige Rosina Schambeck aus Scheften. Beide beantragten am 16.12.1935 die Schankerlaubnis und pachteten das Wirtshaus von dem Brauereibesitzer Widmann.

 

 AK WOLF 2 Ausschnitt

Das Wirtsanwesen um 1930
links der alte Backofen, rechts die Ökonomiegebäude

Ausschnitt aus einer Ansichtskarte

 

Josef Schmid war der älteste Sohn der Landwirtschaftseheleute Josef und Kreszenz Schmid von Wolfsberg Hs.Nr. 23 1/3. Rosina die Tochter des Michael Schambeck und dessen Ehefrau Maria, geb. Pummer, von Scheften.
Durch schlechte wirtschaftliche Verhältnisse kamen die Widmann’s jedoch, denen auch das Schloß und die Brauerei in Saulburg gehörte, in finanzielle Notlage und der gesamte Besitz in Saulburg, mit dem Wirtsanwesen in Wolferszell, wurde 1942 versteigert.

Eigentlich wollte der Straubinger Konditormeister Krönner das Wirtshaus in Wolferszell zur Geldanlage erwerben und gab ein hohes Gebot ab. Aufgrund der damaligen Gesetzgebung erhielten die Eheleute Schmid, trotz niedrigeren Gebots, den Zuschlag. Sie wurden bevorzugt, da sie den Besitz erwarben um ihn selbst zu bewirtschaften und damit ihren Lebensunterhalt zu sichern.
Zu diesem Zeitpunkt war Josef Schmid zum Wehrdienst eingezogen und mit der 6. Armee an der Front in Stalingrad, daher wickelte Rosina den Kauf alleine ab. Neben dem Wirtshausbetrieb und der Bewirtschaftung der Landwirtschaft musste die 28jährige vier kleine Kinder versorgen.
Als Ende 1942 ein hoher Wehrmachtsangehöriger im Wirtshaus verköstigt werden wollte, fand er, die mit dem fünften Kind schwangere Wirtin, schließlich im Stall, bei dem Versuch einen losgerissenen Stier zu bändigen. Er gab ihr einen Ratschlag, wo und wie sie einen Antrag stellen konnte, damit ihr Mann vom Kriegsdienst befreit wurde. Dies hat Josef Schmid höchstwahrscheinlich das Leben gerettet. Kurz bevor eine Rückkehr aus dem eingekesselten Stalingrad unmöglich wurde, bekam er die Erlaubnis zur Heimkehr.

 

Schmid Josef und Rosina 1950

Rosina und Josef Schmid mit ihren fünf Kindern und Rosina's Eltern Michael und Maria Schambeck
aufgenommen ca. 1946

 

 

Mit viel Fleiß und Energie bauten die Wirtsleute das Wirtsanwesen nach den Kriegsjahren immer weiter aus.

So wurde eine Kühlanlage gebaut und aus der alten großen Gaststube entstand die heutige Gaststube, Nebenzimmer und Telefonzimmer (Vorraum zur Küche).
Vorher saßen die Stammgäste beim Bier und Kartenspiel noch in der Küche des Wirtshauses. Josef und Rosa Schmid halfen bis zu ihrem Tod im Wirtshaus mit und waren fester Bestandteil des Wirtsalltages.

 

Schmid Bild 7


1964 übergaben beide das Wirts- und Landwirtschaftsanwesen an den zweitältesten Sohn Franz Xaver Schmid. Dieser heiratete 1964 Frieda Diener aus Euersdorf.

 

Mama und Papa 1994

Franz Xaver und Frieda Schmied

Unter Franz und seiner Ehefrau Frieda fanden die umfangreichsten Baumaßnahmen an dem Anwesen statt:

1971 Der alte Backofen musste dem Anbau der ersten  Fremdenzimmer mit neuem Saalaufgang weichen

 Anbau 1972

1976 Abbruch des Dach- und Obergeschosses mit an schließendem Neubau des Saales


Saalbau

 

1978 Die Viehhaltung wird aufgegeben und es entstand  die neue große Bar
1981 Umbau der Küche mit neuem Edelstahlbackofen und Speisenaufzug zum Saal
1983 Die heutige Gaststube und das Nebenzimmer wur den komplett neu eingerichtet
1986 Ein Anbau mit zwölf komfortablen Fremdenzimmer entstand.
1997 Bau eines angrenzenden Wohnhauses. Die Familie hatte nach 60 Jahren ein eigenes Wohnzimmer.
1999 Die Küche wurde nochmals vergrößert und auf den neuesten technischen Stand gebracht.

 

Mitten in dieser Schaffenskraft erkrankte Franz Schmid und starb am 12.11.2000 mit 62 Jahren. Von den fünf Kindern war der älteste Sohn Franz bereits 1981 mit 16 Jahren gestorben.

Die Witwe Frieda Schmid übergab zum 1.1.2001 das Anwesen an ihren zweiten Sohn Anton Schmid.

 

Anton und Mutter

Anton Schmid mit Mutter Frieda 2005

 

 

Auch Anton führte nochmals größere Veränderungen durch.

So wurden 2002/2003 der Biergarten und der Eingang neugestaltet und aus der alten, großen Bar entstand die „Gute Stube“, das „Antoniusstüberl“ und das „Billardzimmer“.
2005 wurde der große Festsaal komplett renoviert und neugestaltet.

2013 starb Frieda Schmid im Alter von knapp 72 Jahren, deren Refugium vor allem die Küche war.

Am 1.7.2014 ist der Gasthausbetrieb in die „Landgasthof Schmid GmbH“ übergegangen. Die jüngste Schwester von Anton, Margit Engel-Schmid, führte den Betrieb bis zu ihrem allzu frühen Tod im Jahr 2019.
Das Billardzimmer wurde in dieser Zeit modernisiert und in die „Engel-Stube“ umgewandelt.

 

Engel Schmid Margit

Margit Engel-Schmid

 

Bruder Anton bewirtschaftet nun wieder den modernen Landgasthof in Dritter Generation und ist für das leibliche Wohl der Gäste zuständig.

 

Hofkapelle des Gasthauses

Zum Gasthaus gehört eine Hofkapelle deren Baujahr leider nicht bekannt ist. Laut einer Inschrift im Inneren wurde die Kapelle im Jahr 1840 renoviert.

 

Kapelle aussen

In der Uraufnahme von 1828 ist sie bereits eingezeichnet. In der Kapelle befinden sich auch Totenbretter zum Gedenken an die Familie Schmid und dem Wirt Josef Hilmer.

 

 Kapelle innen

Hofkapelle beim Gasthof Schmid 2017
Bilder Hofkapelle: Claudia Heigl

 

 

 

 

 

Quellen:
1 Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokoll der Steuergemeinde Agendorf von 1838
2 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing B99, Steuerbuch des fürstl. Kasten Straubing 1578, fol. 70

3 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing B38, Sal- und Urbarsbuch des Rentkastenamts Straubing, Band II 1579-1807, fol 139'
4 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing B101, Steuerbuch des fürstl. Kasten Straubing 1599, fol. 104
5 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing B90, Schmalzbuch 1641 - 1650
6 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing P65 II, fol 131 Vertrag auf Ableben des Johann Schink von Wolferszell 04.05.1683
7 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P65 II, fol. 121‘ Verkaufsbrief vom 16.04.1683

8 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P65 IV, fol. 87 Quittung Pr. 500 fl vom 07.05.1684
9 KB Stallwang/Bd.1, S.249, FN 14
10 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P 70 II, fol. 260 Kaufvertrag pr. 1500 fl vom 29.10.1697
11 KB Steinach Bd. 2, S.52, FN 29, Margaretha war die Tochter von Thomas Georg Stubenhofer u. dessen Ehefrau Magdalena, geb. Thanner von Haselbach
12 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, A871 ,Die Gantsache des Wirts Johann Peyerl zu Wolferszell; der Prioritätsstreit seiner Gläubiger, 1709-1710, 1735-1736
13 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, A871 (Die Gantsache des Wirts Johann Peyerl zu Wolferszell 1709-1710, 1735-1736)
14 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P 93,  fol. 89   Vertrag vom 18.07.1722

15 StA Landshut, Rentamt Straubing B139, Umschreibbuch zum Häuser und Rustikalsteuerkatater Wolferszell 1814 - 1843
16 Trauung am 02.02.1832 in Steinach: Joseph Schreiber (*04.04.1804), S.d. Schreiber Joseph u. Maria geb. Rottmair, Bierbrauerseheleute in Roding mit Anna Maria Leis (*06.03.1809), T.d. Leiß Wolfgang u. Eva,
geb. Eibner, Bauerseheleute in Rhan b. Schönthal

17 Trauung am 20.10.1846 in Steinach: Joseph Schreiber mit Anna Dürnitzl (*30.06.1823), T.d. Dürnitzel Jakob und Franziska, geb. Ettl, Wirtseheleute von Neurandsberg
18 StA Landshut, Umschreibeheft zum Urkataster der Gemarkung Agendorf 1843-1859, Sig. 17/2-6

Alle Personendaten wurden aus den Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach im Bischöflichen Zentralarchiv Regensburg entnommen.

 

Bildquellen:
Soweit nicht anders angegeben: Familie Schmid Wolferszell

 

Detaillierte Angaben zu den Wirtsfamilien liegen im Archiv für Heimatgeschichte vor und können dort eingesehen werden.