Landhaus Krone in Steinach

von Claudia Heigl

 

 

Der historische Gasthof "Zur goldenen Krone", wie er früher hieß, kann auf eine lange wechselhafte Geschichte zurückblicken.

 

Ein neues Dorfzentrum entsteht

1728 übernahm Johann Georg Pösl die Bäckerei seiner Eltern und heiratete die Nichte des Steinacher Schloss-Benefiziaten Katharina Taburon. Neun Jahre später, im Jahr 1737 erbauten die Eheleute, mit Genehmigung des Hofmarksherrn, neben ihrem Bäckerhaus ein neues stattliches Wirtshaus aus Stein und mit Walmdach. Die Gesamtkosten des Baus beliefen sich auf 861 Gulden. Das Wirtsanwesen bekam zudem die Taferngerechtigkeit, d.h. auf dem Anwesen lag nicht nur das öffentliche Schank-, Herbergs- und Gastrecht, sowie die Fremdstallung (Versorgung und Unterstellen der Zug- und Reittiere), sondern hier durften auch Verlöbnisfeiern, Hochzeiten und Taufen ausgerichtet werden.

Unter dem Hofmarksherr Franz Adam Graf von Hörwarth fanden in Steinach zwischen 1710 und 1761 große Veränderungen statt. Nach Ende des 30jährigen Krieges hatte sich das Dorf erst langsam wieder von den großen Verwüstungen erholt. Unter dem Grafen, der ab 1740 auch als Viztum und Rentmeister in Straubing eine hohe Stellung innehatte, wurde das Alte Schloss zwischen 1737 und 1739 erweitert. Er stiftete 1740 die Deckengemälde in der neu eingerichteten Kirche und siedelte etliche neue Familien und Gewerbe in dem Dorf an.
Die alte Hoftafern lag seit Urzeiten im unteren Dorf und wurde noch vom alten Wirt Johann Hartberger betrieben. Da passte ein neues „modernes“ Wirtshaus besser in die Expansionspolitik des Hofmarksherrn.

Der neue "Kirchenwirt" hatte, in direkter Nachbarschaft zur Kirche, dem Metzger, der Bäckerei, dem Kramer und der Schule eine wesentlich bessere Lage. So entstand mit dem Bau des Wirtshauses in Steinach im oberen Dorf ein neues Zentrum.

 

Uraufnahme 1827Das Dorfzentrum, wie es sich 1737 darstellte, auf einer Karte von 1827
Karte: Bayer. Vermessungsverwaltung, Bayernatlas, Uraufnahme von Steinach 1827


 

Im Mittelalter waren die wichtigen Gewerbe - Wirt, Mühle und Bäcker, Schmied, Kramer -  und die größeren Höfe des Dorfes alle im unteren Dorf angesiedelt. Im oberen Dorf hatten vor allem die kleinen Häusler und die Hafner ihre Anwesen. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass bei dem Umbau der "Krone" 1997 durch Zufall mittelalterliche Scherben im Hinterhof des Wirtshauses gefunden wurden.

Der damalige Kreisarchäologe Karl Böhm informierte mit einem Schreiben vom 27. August 1997 den Steinacher Heimatforscher Hans Agsteiner: ".... ist uns durch Zufall ein recht interessanter Fund in Ihrem Arbeitsgebiet gelungen: auf dem Weg zum Brotzeitholen beobachtete mein Mitarbeiter, Grabungstechniker H. Lukas, vor Wochen die Baustelle im Hinterhof der "Goldenen Krone" in Steinach. In der Folge konnten wir dort eine ganze Reihe von Gefäßen bergen, die nach meiner vorläufigen Einschätzung ins Mittelalter, in die Zeit der Grafen von Bogen, d.h. ungefähr ins 12./13. Jahrhundert datieren. Soweit man das Fundmaterial bei der Ausgrabung beurteilen kann, sind die meisten  Objekte ganz in den Boden gelangt und nur zerdrückt, im Prinzip aber vollständig. Der Sinn der damaligen Beseitigung wird nicht mehr zu klären sein. Ein Töpferofen oder eine Latrine liegen nicht vor."

 

buegelkannen
Rekonstruierte Bügelkannen aus dem mittelalterlichen Scherbenfund beim Gasthof
Bild: Martin Waubke

 


Die Wirtsfamilien

1746 verkaufte Johann Georg Pösl seine Bäckerei an seinen Schwager und seine Schwester Lorenz und Anna Maria Röckl und betrieb nur noch das Wirtshaus. Die einzige Tochter Anna Maria heiratete in das Wolferszeller Wirtshaus ein und das Gasthaus übernahm ihr Sohn Joseph Bergmayer im Jahre 1780, der es jedoch 1782 an Joseph Grotz aus Straubing um 1.550 Gulden verkaufte.
Über ihn schreibt Josef Schlicht: „Grotz war längere Zeit Kellner in Wien und errichtete im Wirtshaus zu Steinach eine sehr gut besuchte Weinstube mit ausgedehntem Weinhandel.“
1801 starb Joseph Grotz mit nur 45 Jahren und seine Witwe Johanna (eine geb. Schied, Metzgerstochter aus Windberg) heiratete Franz Seraph Steiger, einen Bierbrauerssohn aus Geiselhöring und Cousin des Steinacher Pfarrers Dr. Franz Anton Steiger. Als Johanna Steiger 1817 im Alter von 65 Jahren starb, vermählte sich der Witwer mit der 58jährige Wirtstochter Walburga Klingeisen aus Kirchroth.

Eine Nichte von Walburga, Helena Klingeisen, erbte auch das Wirtshaus und heiratete 1839 den Steinacher Bauerssohn Unger Joseph. Unger war Kutscher im Schloss und stammte aus dem damals 60 Tagwerk großen Schrötter- oder Wiedenhof (später Hien-Hof) in Steinach. Er starb im hohen Alter von 91 Jahren im Jahre 1898.

Bereits 1866 übergab das Ehepaar Unger ihrer Tochter Helena das Wirtshaus, die den Bäckerssohn Johann Evangelist Wenninger aus Landau ehelichte.
Von den sechs Kindern erreichte nur Tochter Helena, die nach Geiselhöring heiratete, das Erwachsenenalter. 1885 erlag Helena  Wenninger im Alter von 44 Jahren einem Lungenleiden und der Witwer nahm sich die 28jährige Gütlerstochter Maria Altschäffl von Wolferszell als zweite Ehefrau. Das einzige KInd aus dieser Ehe, ein Sohn, verstarb ebenfalls mit drei Tagen.

 

FO STEI 588

Johann Evangelist Wenninger (1846-1894)
Ölgemälde: Privatbesitz

 

Wenninger Johann war ein geschäftstüchtiger Wirt. Im Mai 1871 übernahm er, neben dem Wirtshaus, auch den sog. Sommerkeller am Kellerberg, der sehr beliebt war und gut besucht wurde. Beim Wirtshaus selbst gab es eine Kegelbahn, einen großen Saal im 1. Stock und es war die Poststelle in Steinach dort eingerichtet.

 

AK STEI 92

Eine der ältesten Aufnahmen des Wirtshauses (rechts im Bild)
im Hintergrund das Bäckerhaus und die Kirche
Auszug aus einer Postkarte, ca. 1905

 

Wenninger Johann verstarb jedoch bereits 1894 im Alter von 48 Jahren, ebenfalls an einem Lungenleiden, und die 37 Jahre alte Wenninger-Witwe heiratete 1897 den 30jährigen Müllerssohn Otto Gössl von der Holzmühle b. Spiegelau.

 

 Wenninger Goessl

Maria geb. Altschäffel (1860-1939) mit ihrem ersten Ehemann Johann Evangelist Wenninger und ihrem zweiten Ehemann Otto Gößl (1867-1932)
(Bilder: Familie Ebenbeck)

 

1904 verkauft das Ehepaar Gössl das Krone-Wirtshaus an die Brauereifamilie Lang von Falkenfels und erbaute sich in Steinach ein neues Haus, in der es die Poststelle weiterbetrieb.

Als Pächter kamen Joseph Barnerssoi und seine Ehefrau Kreszenz, geb. Katzendobler auf das Wirtshaus. Joseph Barnerssoi war der Sohn d. Müllerseheleute Johann u. Anna Maria Barnerssoi von Niederkinsach. Sein Großvater war der Posthalter von Stallwang. Die Barnerssois waren verwandt mit den Lang von Falkenfels. Als das Schlossgut Falkenfels 1918 an die Gebrüder Sättler aus Leipzig verkauft wurde, war auch das Wirtshaus in Steinach bei der Verkaufsmasse.

 

FO STEI 594 2

Aufnahme vom 24.06.1910 von Johann Schwarz FSR, Albuminpapier
 Über der Haustüre wurde die Inschrift "Lang'sche Gastwirtschaft, Pächter Jos. Barnerssoi" angebracht.
(Quelle: Denkmalmappe Bezirksamt Straubing, Kreismuseum Bogenberg, veröffentlicht in "Bildzeugen: Der Landkreis Straubing Bogen, 2006"

 

1920 kauften es Lutz Heinrich und Maria, geb. Groß, von den Gebrüder Sättler. Heinrich Lutz stammte aus Hungersacker bei Wörth und war vorher bereits Wirtspächter in Gschwendt und Wörth a. d. Donau. 1935 übernahm  Sohn Konrad Lutz und dessen Ehefrau Theresia, geb. Bogner das Wirtsanwesen. Als Lutz-Wirtshaus ist es vielen älteren Steinachern noch in guter Erinnerung. Über dem Hof war ein Kuh- und ein Schweinestall. Es gab auch eine Scheune und eine Kegelbahn, sowie in östlicher Richtung einen Backofen und eine Holzlege.

 

FO STEI 365

Familie Lutz 1942
v.l. Therese, Irmingard, Franz (Bruder von Konrad sen.), Konrad jun. Konrad sen.
vorne Heinrich, Hans, Max
(Bild: Elisabeth Heimerl)

 

Von Therese Lutz erzählt man sich noch heute folgende Anekdote:
Als die Amerikaner kamen und damit der 2. Weltkrieg zu Ende ging, galt ein generelles Verbot der Vereine. Auch der Krieger- und Veteranenverein Steinach, dessen Vereinslokal das Gasthaus Lutz war, wurde aufgelöst. Die kostbare Vereinsfahne, die sich im Gastzimmer des Vereinslokales befand, sollte abgegeben werden. Das war eine schlimme Nachricht. Da zeigte die Wirtin Therese Lutz Zivilcourage. Kurz entschlossen versteckte sie die Vereinsfahne im Ehebett. Niemand vermutete sie bei der Durchsuchung an diesem seltsamen Ort und die traditionsreiche Fahne konnte durch die tapfere Tat der beherzten Wirtin gerettet werden.

 

FO STEI 1074Die Gaststube 1954 (Melkkurs)

 

Gasthaus 1956

Rechts vom Wirtshaus, der Kuh- und Schweinestall
aufgenommen 1956

 

 

FO STEI 868

Das Wirtshaus bei der Fahnenweihe der Krieger- und Soldatenkameradschaft 1968

 

Nach dem Tod von Konrad Lutz führte die Witwe das Wirtshaus bis zu ihrem Tod im Jahre 1970. Sohn Konrad jun. erbte das Wirtshaus und dessen Bruder Max führte es bis zu seinem Tod im Jahre 1974 als Pächter. Zwei weitere Jahre wurde es dann noch von Max' Witwe Elisabeth betrieben.

 

FO STEI 373Die Gaststube im Jahr 1969
in der Mitte sitzend mit schwarzem Pullover Max Lutz und stehend dessen Ehefrau Elisabeth

 

FO STEI 377Stammtisch 1970
v.l. Eyerer Theodor, Heimerl Michael (Mesner), Herrnberger Ludwig, Bielmeier Alfons, Leserer Sepp

 

FO STEI 595 2

Geschirr spülen im Hinterhof 1973 durch Konrad Lutz

 

FO STEI 386
"Hausmusik" 1974
v.l. Elisabeth Lutz, Elisabeth Lutz (Tochter), Hans Lutz
(Bilder: Elisabeth Heimerl, geb. Lutz)

 

Vom 16. Oktober 1976 bis 1980 war das Gasthaus geschlossen, bis es Konrad Lutz jun. im Herbst 1980 an die Löwenbrauerei in München verkaufte.

 

FO STEI 854

Die Kegelbahn zur Seite der August-Schmieder-Strasse, aufgenommen kurz vor dem Abriss 1984.
Die Mauer wurde später zurückversetzt, so dass Platz für einen Bürgersteig wurde.
(Bild: Familie Landstorfer)

 

Verschiedene Pächter bewirtschafteten anschließend die Gastwirtschaft, bis es im Frühjahr 1986 Desanka Plocher kaufte und es mit ihrem Ehemann 10 Jahre lang bewirtschaftete.

 

FO STEI 352

aufgenommen 1992
(Bild:Claudia Heigl)

 

AK STEI 12Auszug aus einer Postkarte von 1996

 

Im August 1995 erwarb es die Familie Raab, die es von Grund auf und umfangreich renovierte. Als Gasthof „Goldene Krone“ entstand aus dem alten historischen Wirtshaus ein gepflegter Landgasthof mit Hotelbetrieb, zahlreichen Nebenzimmern und einer reichhaltigen Speise- und Getränkekarte. Ein Bauernladen wurde angegliedert und ein gemütlicher Biergarten geschaffen.

 

FO STEI 592 2

aufgenommen bei der umfangreichen Renovierung des Gasthofes 1996
Bild: Claudia Heigl

 

Ab Januar 2004 war die Sparkasse Niederbayern-Mitte der Eigentümer des repräsentativen Gasthauses, die es von einem Pächter bewirtschaften ließ. Schließlich erwarben 2011 Franz und Alexandra Grunwald das Haus, die es nochmals stilvoll und mit Liebe renovierten.

 

DSC 3427

aufgenommen Mai 2020
Bild:Claudia Heigl

 

Heute präsentiert sich das „Landhaus Krone“ als modernes und gemütliches Wirtshaus mit Fremdenzimmer und Biergarten, in dem die Gäste gerne aus weitem Umkreis einkehren, wie schon seit 300 Jahren.

 

 

Bilder, soweit nicht anders angegeben: Archiv für Heimatgeschichte

Quellen:
Der Gasthof "Zur Goldenen Krone" in Steinach von Hans Agsteiner, erschienen im Gemeindeboten von Steinach Juni 2007
StA Landshut, Grundsteuerkataster Steuergemeinde Steinach, Sig. 17/42-4, 17/42-8, 17/42-11
Bischöfl. Zentralarchiv Regensburg, Kirchenbücher Pfarrei Steinach