Die Metzgerei in Steinach

 

von Claudia Heigl

 

Die Metzgerei gehörte zu den alten Gewerbebetrieben in Steinach. 1583 war sie vom Wirt aufgekündigt und wurde dann 1601 von neuem wiederaufgebaut und dem Metzger Michael Schleinkofer verliehen.1.

 

Die Metzgersfamilien

1623 war der Metzger Andre Trägl auf der „Sölde mit Schretten und Fleischbank"2. Er hatte auf sich, seiner Ehefrau und seinem Sohn Georg das Leibrecht von der Schlossherrschaft erhalten. Dies bedeutete, dass die drei Personen lebenslang das Recht hatten, auf dem Haus zu wohnen und das Metzgergewerbe auszuüben. Da Sohn Georg Trägl 1635 die Wirtswitwe Ursula Permair (Bergmaier) von Münster heiratete, übernahmen die Metzgerei Georg und Maria Erhard.  Zwischen 1640 und 1644 kamen drei Kinder des Metzgerehepaares in Steinach zur Welt und 1645 wird Georg Erhard noch als Taufpate genannt. Ab dann wird keine Metzgersfamilie in Steinach mehr erwähnt. Wahrscheinlich wurde auch das Metzgeranwesen im Jahr 1647 in Mitleidenschaft gezogen, als die Schweden Steinach das dritte Mal überfielen.

Erst 1663 wurden mit Michael und Katharina Angermann wieder Metzgerseheleute auf dem Anwesen genannt. 1698 erwarb Blasius Zeiler von Geissenbach die Metzgerei und heiratete die Schusterstochter Ursula Orth von Bogen. Sohn Anton Zeiler übernahm ca. 1733 die Metzgerei. Dessen einziger Sohn Andreas, der seit 1755 das Wirtshaus in Münster betrieb, starb bereits 1769 mit 35 Jahren.

 

Zeiler

 

Die Witwe Anna Maria Zeiler betrieb das Wirtshaus in Münster weiter und verheiratete sich wieder. 1770 veräußerte sie die Metzgerei in Steinach an Franz Freundorfer von Greißing. Dieser starb bereits 10 Jahre später und die 42jährige Witwe Anna Maria heiratete 1781 den 25jährigen Metzgerssohn Johann Georg Wegerer von Gmünd. Nach 14jähriger Ehe starb Anna Maria Wegerer und der Witwer vermählte sich mit der 23jährigen Wirtstochter Walburga Bergmaier von Wolferszell.

 

Wegerer

 

Am 27. November 1800 um 20.30 Uhr kam es zu einem großen Brand in der Metzgerei. Das komplette Metzgerhaus mit Stall, Stadel, Schupfe, Fleischbank und Schlachthaus brannten ab. Der komplette Schaden für den Metzger Wegerer wurde auf 1.800 Gulden geschätzt3. Mit dem Metzgeranwesen wurde auch der Stadel mit dem gesamten vorhandenen Getreidebeständen des benachbarten Benefiziaten ein Raub der Flammen. Das Benefiziatenhaus und der davorstehende Brunnen wurden ebenfalls etwas in Mitleidenschaft gezogen.
Walburga und Georg Wegerer bauten daraufhin das Haus mit der Metzgerei komplett neu auf.

 

 Uraufnahme

Das neuerbaute Metzgeranwesen Hs.Nr. 58 um 1827
Bayerische Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas, Uraufnahme von Steinach 1827

 

1825 übernahm die Metzgerei Sohn Georg, der sich mit der Nachbarstochter Anna Maria Röckl vermählte. Da die Ehe kinderlos blieb, übergab nach dem Ableben von Georg Wegerer die Witwe das Metzgeranwesen 1863 an den Neffen Eduard Wegerer, der die Wirtstochter Katharina Brandstetter von Gschwendt heiratet.  Den unehelichen Sohn der Schwester Katharina hatte Georg Wegerer höchstwahrscheinlich schon zu Lebzeiten an Kindes statt angenommen. Am 22.04.1873 tauschten Eduard und Katharina Wegerer das Metzgeranwesen in Steinach mit dem Anwesen von Schneider Michael und Maria in Kagers Nr. 28.

 

 

Schneider

 

 

Drei Jahre später starb Michael Schneider im Alter von 38 Jahren und die Witwe verheiratete sich erneut mit Georg Brandl von Hermannsdorf. 1893 übergab Maria Brandl die Metzgerei an ihren Sohn Josef Schneider.

 

 

Metzgerei Steinach 1914

Das Metzgerhaus erbaut 1800
aufgenommen ca. 1909 mit der Familie Brunner

 

 

Am 22.07.1897 erwarben schließlich Joseph Brunner, Wirtssohn aus Oberalteich, und seine Braut Rosina Sagstetter von Niedermenach die Metzgerei mit Landwirtschaft und bewirtschafteten sie die nächsten 45 Jahre.

 

Metzgerfamilie 1914
Die Metzgersfamilie Brunner 1909
hinten von links: Anna (*1901), Rosina (*1899), Maria (*1902), die Kindsmagd, Mutter Rosina (1870-1953), Josef (*1894), Michael (*1898), Vater Josef (1870-1954)
vorne von links: Xaver (*1904), Otto (*1905), Karolina (*1904)
drei weitere Söhne fehlen bzw. werden erst geboren: Johann (*1900), Karl (*1907) und Fritz (*1910)

 

 

1943 übergaben Rosina und Josef den Erbhof an ihren vierten Sohn Franz Xaver Brunner, der die Wirtstochter Hildegard Fischer aus Parkstetten heiratete.

 

Brunner Xaver

Xaver und Hildegard Brunner

 

 

Die Metzgerei im Wandel der Zeit

Die Bauern von den umliegenden Dörfern, wie z.B. von Falkenfels, belieferten die Metzgerei.
Die Schweine wurden in einem sog. „Sauwagerl“ mit dem Pferde- oder Ochsengespann gefahren. Das Großvieh jedoch zu Fuß vom Bauern geholt und heimgetrieben, was oft sehr zeitaufwendig war. 

 

Sauwagerl

Der Metzgerssohn Karl Brunner als "Braut" auf dem "Sauwagerl" bei einer Faschingshochzeit ca. 1930

 

Die Wasserversorgung war schon immer ein Problem bei dem Anwesen. Ein Brunnenbau zusammen mit dem benachbarten Benefiziaten um das Jahr 1796 schlug fehl, da der Brunnen kein Wasser gab. Im Keller des Hauses war zwar ein Brunnen vorhanden, aus dem man durch eine Schwengelpumpe in der Fletz (Gang) des Hauses Wasser entnehmen konnte, dieser gab jedoch ebenfalls sehr wenig Wasser. Letztendlich half man sich damit, dass im Obergeschoß des Hauses ein großes Wasserbassin aufgestellt wurde.

Josef und Rosina Brunner erwarben 1929 von den Landwirtseheleuten Georg und Maria Landstorfer das Recht eine Brunnstube auf deren Grundstück an der Kirchgasse zu errichten und hiervon ihr Wasser zu entnehmen. Das Wasser wurde in Leitungen in das Metzgerhaus in den 1. Stock gepumpt und somit hatte man „fließendes“ Wasser für Haus, Kuhstall und vor allem dem Schlachthaus.

 

 

Metzgerei 1904

Der Brunnen ist heute noch vorhanden ( am ehem. Niggl-Haus).
Aufnahme von 1904
Quelle: Archiv für Heimatgeschichte, Nachlass Ludwig Niggl

 

Daneben war es natürlich für eine Metzgerei wichtig, das Fleisch und die Wurst kühl halten zu können. Neben dem Verkaufsladen, früher Fleischbank genannt, war ein Raum vorhanden, dessen Wände doppelt mit Holz verschalt waren. Die Zwischenwände wurden mit Eis gefüllt und festgestampft. Dies ermöglichte während des gesamten Jahres eine Kühlung der Waren.

Das „Eineisen“ war eine schwere und ungeliebte Arbeit in der Winterzeit. Neben der Metzgerei war dies vor allem auch bei den Wirtshäusern im Ort notwendig, die einen Eiskeller für die Kühlung des Bieres benötigten. Hierbei wurde von den Arbeitern mit Beilen und Hacken Eisschollen aus dem Schanzlweiher geschlagen und auf Fuhrwerken heimgebracht. Gummistiefel im heutigen Sinne gab es zu dieser Zeit noch nicht. So war es unvermeidlich dass die Männer teilweise mit ihren Schnür- und Lederschuhen ins eiskalte Wasser steigen mussten und, so durchnässt, sich teilweise stark erkälteten.

Für die Wurstherstellung wurde das benötigte Eis bis in die 1970er Jahre noch in Meterblöcken von der ehemaligen Dietlbrauerei in Straubing geholt.

 

Steinach 1956

Das Metzgeranwesen 1956
links das Metzgerhaus mit Stall, Stadel und Schweinestall
rechts vom Wohnhaus  der Metzgerladen mit Schlachthaus, im Anschluß Backofen und Remisse

 

Der Verkaufsladen befand sich mit dem Schlachthaus in einem separaten Gebäude gegenüber dem Haus. Wenn ein Kunde die angebrachte Glocke an dem Laden läutete, so kam die Metzgerfrau  und sperrte den Laden auf. Für die meisten Familien stand unter der Woche meist sowieso keine Wurst oder Fleisch auf dem Speiseplan. Eine Kühlung gab es in den Häusern ebenfalls nicht. Die Auswahl der Ware ist mit der heutigen Vielfalt nicht zu vergleichen. Der meiste Umsatz fand am Wochenende vor oder nach der Kirche statt. Hier kamen auch die umliegenden Dorfbewohner ins Dorf und kauften ein. Oft wurde vor der Kirche ein Zettel abgegeben und nach der Kirche die bestellte Ware dann abgeholt. Auch anlässlich von Begräbnissen war dies noch lange der Fall. Der Sonntagsverkauf wurde erst mit dem Bau des neuen Metzgerhauses  eingestellt.

 

In den 1970er Jahren genügten das Schlachthaus und der Laden nicht mehr den steigenden Ansprüchen der Kunden. Eine Modernisierung war notwendig. Auch das 175 Jahre alte Wohnhaus benötigte eine grundlegende Renovierung.

So entschlossen sich 1975 das Ehepaar Franz Xaver und Hildegard Brunner zu einem kompletten Neubau von Wohn- und Geschäftshaus. Um das Geschäft ohne Unterbrechung weiterzuführen, wurde erst das Schlachthaus und der Teil des Hauses mit dem Laden neu gebaut und nach dem Abriss des alten Hauses, der zweite Teil des Wohnhauses angebaut. Zwischenzeitlich war der Laden im Wohnzimmer des alten Hauses untergebracht. Die Stallgebäude wurden ebenfalls abgerissen und nicht wieder aufgebaut.

 

Neubau 1976

Abriss von Laden, Schlachthaus und Nebengebäude 1976

 

 

Steinach 2007

Das  Metzgerhaus mit Wurstbude und Schlachthaus erbaut 1976
aufgenommen 2007

 

 

 

Nach dem Tod von Franz Xaver Brunner im Jahre 1979, übergab die Witwe 1980 die Metzgerei an ihren Sohn Heinrich Brunner und dessen Ehefrau Elfriede, die das Geschäft bis Pfingsten 2008 weiterführten.

 

Brunner Heinrich

Elfriede und Heinrich Brunner in ihrem Laden

 

War es bei den bisherigen Generationen selbstverständlich und keine Frage, dass ein Kind den Betrieb weiterführte, so änderte sich dies in den letzten Jahrzehnten. Da beide Kinder andere Berufe wählten, bedeutet das für die alteingesessene Metzgerei in Steinach nach 400 Jahren das Ende.

 

 58 Metzgerei 22092020

Die Metzgerei nach ihrem Umbau im Jahr 2008
aufgenommen 2020
Bild: Claudia Heigl

 

 

 

 

1 Schlicht J., Die Geschichte von Steinach, 1908, Nachdruck 1996, Stift-, Kasten- und Salbuch über Schloß und Hofmark Steinach, S.95
2 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Stift- und dienstbare Untertanen und Güter der Hofmark Steinach vom 18.01.1623
3 BZA Regensburg, Pfarrakten Steinach Rep 19

Alle Personendaten wurden aus den Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach im Bischöflichen Zentralarchiv Regensburg entnommen.

Bildquellen:
Soweit nicht anders angegeben: Familie Brunner Steinach